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Mariae Namen (Hanau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Hanau Mariae Namen 20101119.jpg
Mariä Namen in Hanau mit helldunkler Schichtung in der rechten Gebäudeecke
Datei:Hanau Altstadt - Katholische Kirche im Bangert.jpg
Die Kirche unmittelbar nach ihrer Erbauung (um 1850)
Datei:HU Mariae Namen Totale.jpg
Foto von 1860/1865 aus südöstlicher Richtung, etwa vom Paradeplatz
Datei:HU Mariae Namen Ausschnitt.jpg
Ausschnitt aus dem vorangegangenen Bild

Die katholische Kirche Mariae Namen ist die älteste römisch-katholische Kirche und Kirchengemeinde in Hanau. Ab 2021 war sie Pfarrkirche der Großgemeinde St. Klara und Franziskus am Main,<ref>Fusionsurkunde der Pfarreien. Amtsblatt des Bistums Fulda Nr. 111 vom 12. Dezember 2020, abgerufen am 2. Januar 2021.</ref><ref>St. Klara und Franziskus am Main. Startseite auf www.klara-franziskus-main.de, aufgerufen am 14. April 2026.</ref> bevor sie diesen Titel 2026 an St. Elisabeth in Hanau-Kesselstadt abgeben musste.

Geschichte

Das Kirchengebäude wurde 1842–50 mit Bauunterbrechung 1843–48 in neugotischem Stil errichtet. Die ursprüngliche Front zeigte abwechselnde Lagen von dunklem und rotem Sandstein und imitierte damit die von der Romanik bis in die Renaissance in Italien verwendeten polychromen Inkrustations-Fassaden. Architekten waren Julius Eugen Ruhl und Johann Caspar Stawitz. Das erste römisch-katholische Kirchengebäude der Stadt nach der Reformation nahm den Ort des ehemalige Obstgartens der Grafen von Hanau ein, des Bangerts, weshalb ursprüngliche Adresse und volkstümliche Bezeichnung „Im Bangert“ lauten; die aktuelle offizielle Anschrift heißt Dechant-Theodor-Weidner-Platz.

Nachdem die Grafschaft Hanau Ende des 16. Jahrhunderts unter Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg letztlich die reformierte Variante der Reformation angenommen hatte, mussten auch alle Untertanen diese Konfession annehmen, denn es galt: cuius regio, eius religio. Erst ab 1787 erlaubte der damalige Landesherr, Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, den Gläubigen römisch-katholischer Konfession die Abhaltung von Gottesdiensten. Das geschah zunächst in einem kleinen Betsaal in der Gärtnerstraße. 1809 wurde der römisch-katholischen Gemeinde Hanaus die Hospitalkirche zur Verfügung gestellt.<ref>Fried Lübbecke: Hanau. Stadt und Grafschaft. Köln, 1951, S. 367.</ref> Ob diese die Hospitalkirche aber genutzt hat, scheint zweifelhaft, da der römisch-katholische Gottesdienst auch 1811 noch in der Gärtnerstraße stattfand.<ref>Hanauer Geschichtsverein (Hrsg.): Mit Hebelius Potter rund um das alte Hanau – Eine Zeitreise zurück in das Jahr 1810. = Hanauer Historische Hefte 1. Hanau 2010, S. 34ff.</ref> Ab 1841 wurde damit begonnen, die erste eigene Kirche zu errichten. Die Baugeschichte war schwierig: Ursprünglich plante Julius Eugen Ruhl eine dreischiffige Basilika, am 14. Januar 1843 beschädigte jedoch ein Sturm den halbfertigen Bau. Die Arbeiten ruhten mehrere Jahre lang und wurden erst 1848–50 wieder aufgenommen, um das Gottenhaus nach Plänen von Johann Caspar Stawitz als kostengünstigere Hallenkirche zu vollenden.<ref> Lohr, S. 217f. </ref>

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in den Luftangriffen auf Hanau erneut teilzerstört. Der modernisierte und vereinfachte, 1952 von Albert Boßlet entworfene Wiederaufbau vermeidet alle Anklänge an den Historismus; Boßlet setzte auf eine nüchtern-sachliche Gestaltung der Fassade, die das ursprüngliche Streifenmuster nahezu vollständig negiert.

1981 wurde die heutige Kassettendecke eingebaut und die Verglasung im Kirchenschiff erneuert. 1999 wurde eine neue Sakristei in modernem Stil angefügt, die sich stockwerkshoch außen um den gesamten Chor legt.

Die Kirche ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes aus künstlerischen, geschichtlichen und städtebaulichen Gründen.<ref>Krumm, S. 180.</ref>

Orgel

Die große, französisch-symphonische Orgel wurde 1989 von der Orgelbaufirma Gebrüder Oberlinger (Windesheim) erbaut. Initiator war Regionalkantor Raimund Murch, von dem auch die Disposition stammt. Das Instrument mit seinen 56 Registern auf drei Manualen und Pedal, mechanischen Spieltrakturen und elektrischen Registertrakturen dient insbesondere auch zu Konzertzwecken.<ref>Bistum Fulda: Die Disposition der Orgel von Mariae Namen in Hanau.</ref>

I Grand Orgue C–g3

1. Montre 16′
2. Bourdon 16′
3. Montre 08′
4. Bourdon 08′
5. Flûte harmonique 0 08′
6. Gambe 08′
7. Prestant 04′
8. Flûte 04′
9. Doublette 02′
10. Cornet V 08′
11. Fourniture IV 223|{{#if:2|22|{{#if:2|12|⁄}}}}}}′
12. Mixtur V 113|{{#if:1|11|{{#if:1|11|⁄}}}}}}′
13. Bombarde 16′
14. Trompette 08′
15. Clairon 04′
II Positif C–g3
16. Bourdon 8′
17. Salicional 8′
18. Prestant 4′
19. Flûte 4′
20. Nasard 223|{{#if:2|22|{{#if:2|12|⁄}}}}}}′
21. Doublette 2′
22. Tierce 135|{{#if:3|13|{{#if:1|11|⁄}}}}}}′
23. Larigot 113|{{#if:1|11|{{#if:1|11|⁄}}}}}}′
24. Cymbale IV 0 1′
25. Trompette 8′
26. Cromorne 8′
Tremulant
III Récit (schwellbar) C–g3
27. Bourdon 16′
28. Principal 08′
29. Bourdon 08′
30. Gambe 08′
31. Voix céleste 08′
32. Prestant 04′
33. Flûte octaviante 04′
34. Octavin 02′
35. Cornet III 223|{{#if:2|22|{{#if:2|12|⁄}}}}}}′
36. Plein jeu V 02′
37. Basson 16′
38. Trompette harmonique 0 08′
39. Hautbois 08′
40. Voix humaine 08′
41. Clairon 04′
Tremulant
Chamades C–g3
42. Chamade 00 16′
43. Chamade 08′
44. Chamade 04′


Pédale C–f1
45. Soubasse 00 32′
46. Montre 16′
47. Violon 16′
48. Soubasse 16′
49. Flûte 08′
50. Violoncelle 08′
51. Bourdon 08′
52. Prestant 04′
53. Flûte 04′
54. Bombarde 16′
55. Trompette 08′
56. Clairon 04′

Glocken

Mariae Namen besitzt das größte und umfangreichste katholische Geläute und gleichzeitig – neben der Marienkirche – die tontiefsten Glocken der Stadt Hanau. Das Geläute wurde nach und nach ergänzt, zuletzt 1995 zum 50. Jahrestag der Zerstörung Hanaus am 19. März 1945, einem Josephstag, durch die tiefste, besonders wohlklingende Glocke „Gloria Dei“. Das Gesamtgeläute mit der Tonfolge „Salve Regina“, erweitert um die Oberoktave, ist in dieser Tonlage nur selten in Deutschland anzutreffen; an den Hochfesten ist es immer wieder eindrucksvoll, wenn die große Glocke über die Dächer der Stadt Hanau schallt.

Daten

Nr.
 
Name
 
Gießer, Gussort
 
Gussjahr
 
Gewicht
(kg)
Durchmesser
(mm)
Nominal
(HT-1/16)
Funktion (Solo)
 
1 Gloria Dei
Zur Ehre Gottes
Glockengießerei Albert Bachert, Heilbronn 1994 2730 1670 c1 -9 Festtagsglocke (Vorzeichen), Tod eines Papstes, Bischof oder Geistlichen
2 Salvator mundi
Erlöser der Welt
Eifeler Glockengießerei Hans-August Mark, Brockscheid 1980 1250 1240 e1 -10 Sterbestunde Jesu (Freitags 15:00 Uhr)
3 Salve regina mater misericordiae
Sei gegrüßt, Königin, Mutter der Barmherzigkeit
Eifeler Glockengießerei Johannes Mark, Brockscheid 1971 750 1050 g1 -6 Angelus, Wandlung
4 Sursum corda
Empor die Herzen
Glockengießerei Alfred Bachert, Bad Friedrichshall-Kochendorf 1970 500 920 a1 -6 Messglocke (Vorzeichen)
5 Sancti angeli custodes
Heilige Schutzengel
Glockengießerei Albert Bachert, Heilbronn 1994 401 841 h1 -9 Taufglocke
6 Requiescant in pace
Sie mögen ruhen in Frieden
Glockengießerei Heinrich Ulrich, Apolda 1925 260 760 c2 +4 Totenglocke (Gemeindemitglieder)

Läuteordnung

Zu den verschiedenen Zeiten und Anlässen des Kirchenjahres ertönen in der Läuteordnung festgelegte Motive.

Literatur

  • Auth: Der Bau der ersten katholischen Kirche in Hanau. In: Hanau Stadt und Land. Ein Heimatbuch für Schule und Haus. Hanau 1954, S. 467–470.
  • Caroline Krumm: Kulturdenkmäler in Hessen – Stadt Hanau = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen. Wiesbaden 2006, S. 179f. ISBN 3-8062-2054-9.
  • Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796–1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert. Masch. Diss. Darmstadt [1982].
  • Fried Lübbecke: Hanau. Stadt und Grafschaft. Köln, 1951, S. 367ff.

Weblinks

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Einzelnachweise

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