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Maria Francisca Elisabeth von Savoyen

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Datei:Ritratto di Maria Francesca Elisabetta di Savoia-Nemours (Castello Reale di Racconigi).png
Maria Francisca von Savoyen, Königin von Portugal

Maria Francisca Elisabeth von Savoyen (auf Portugiesisch: Maria Francisca Isabel de Sabóia, princesa de Sabóia) (* 21. Juni 1646 in Paris; † 27. Dezember 1683 in Palhavã, Lissabon) war durch ihre Heirat mit Alfons VI. von August 1666 bis März 1668 Königin von Portugal. Sie mochte ihren Gemahl aber nicht und ließ ihre nie vollzogene Ehe im März 1668 annullieren. Im gleichen Monat heiratete sie den Bruder ihres früheren Gatten, den Infanten Peter, der Alfons VI. entmachtete und an dessen Stelle als Prinzregent herrschte. Nach Alfons’ Tod im September 1683 wurde sie an der Seite ihres nun auf den Thron gekommenen zweiten Gemahls zum zweiten Mal Königin, starb aber bereits drei Monate später.

Leben

Frühes Leben

Maria Francisca war die zweite Tochter von Karl Amadeus von Savoyen, Herzog von Nemours und Aumale, und dessen Frau Élisabeth de Bourbon, einer Enkeltochter des französischen Königs Heinrich IV. und seiner Mätresse Gabrielle d’Estrées. Vor ihrer Ehe führte sie den Titel Mademoiselle d’Aumale, der vom ihrem Vater gehörigen Herzogtum Aumale herrührte.<ref name=nouv-bio-gen-33-721>Marie de Savoie-Nemours. In: Nouvelle biographie générale. Bd. 33 (1860), Sp. 721 f.</ref> Sie wurde mit ihrer Schwester Maria Johanna von Savoyen in Fontevrault erzogen.<ref>Isabel Drumond Braga, in: Portugal e o Piemonte: a Casa Real Portuguesa e os Sabóias. Nove Séculos de Relações Dinásticas e Destinos Políticos (XII–XX), 2012, S. 167.</ref> Ihr Vater starb 1652, und obwohl ihr Onkel Henri II. neuer Herzog von Nemours wurde, erbten Maria Francisca und ihre Schwester Einkünfte aus den Territorien von Nemours.<ref>Robert Oresko: Maria Giovanna Battista of Savoy-Nemours (1644–1724): daughter, consort, and Regent of Savoy. In: Clarissa Campbell Orr (Hrsg.), Queenship in Europe 1660–1815: The Role of the Consort, Cambridge 2004, S. 16–55, hier: S. 17.</ref> Nach dem Tod ihrer Mutter 1664 kamen sie in die Obhut ihres Großvaters mütterlicherseits, César, Herzog von Vendôme.<ref>Isabel Drumond Braga, in: Portugal e o Piemonte: a Casa Real Portuguesa e os Sabóias. Nove Séculos de Relações Dinásticas e Destinos Políticos (XII–XX), 2012, S. 168.</ref> Die Schwestern blieben ihr ganzes Leben eng miteinander verbunden.<ref>Robert Oresko, in: Clarissa Campbell Orr (Hrsg.), Queenship in Europe 1660–1815: The Role of the Consort, 2004, S. 17 und 37.</ref>

Heirat mit Alfons VI.

Inzwischen war es in den frühen 1660er Jahren für den portugiesischen König Alfons VI. an der Zeit, sich zu verheiraten. Sein Erster Minister, Luís de Vasconcelos e Sousa, 3. Graf von Castelo Melhor, suchte für ihn eine französische Hochadlige als Braut, da er von Ludwig XIV. militärische Unterstützung im langwierigen Restaurationskrieg gegen Spanien erhoffte. Der Sonnenkönig war mit dem Heiratsplan einverstanden, um hierdurch den französischen Einfluss in Portugal zu steigern und den gemeinsamen Feind Spanien im Restaurationskrieg zu schwächen. Die Wahl fiel schließlich auf Maria Francisca, die vom Herzog von Guise dem portugiesischen Botschafter in Frankreich, Marquês de Sande, empfohlen worden war. Zwar war die Mutter der ausersehenen Braut gegen das Eheprojekt, da sie die Hand ihrer Tochter schon Karl von Lothringen versprochen hatte, doch nach ihrem Tod stand der Vermählung von Maria Francisca mit Alfons VI. nichts mehr im Wege.<ref name=dic-hist>Maria Francisca Isabel de Sabóia. Rainha de Portugal, in: Portugal – Dicionário Histórico, Corográfico, Heráldico, Biográfico, Bibliográfico, Numismático e Artístico, Bd. 4 (1908), S. 837–840.</ref>

Der Ehevertrag wurde am 24. Februar 1666 in Paris unterschrieben. Darin war u. a. festgehalten, dass die Braut eine Mitgift in der Höhe von 1,8 Millionen Livres tournois mitbringen und in Portugal das Erbe ihrer Schwiegermutter, der Königin Luisa von Guzmán, erhalten sollte. Falls sie den König überleben und keine Kinder von ihm haben würde, könne sie Portugal verlassen und die Mitgift sowie zusätzlich eine halbe Million Livres tournois mitnehmen; wenn sie aber Kinder hätte, sollte sie im gleichen Fall nur ein Drittel der genannten Summe mitnehmen dürfen.<ref name=dic-hist/>

Am 29. Mai 1666 verließ Maria Francisca in Begleitung ihrer Mutter, dem Marquês de Sande und zahlreichem Gefolge Paris und reiste nach La Rochelle. Dort fand am 27. Juni ihre Ferntrauung statt, wobei der Marquês de Sande als Stellvertreter des portugiesischen Königs fungierte. Am 4. Juli schiffte sich die Braut an Bord einer aus zehn Schiffe zusammengesetzten Flotte ihres Onkels, des Herzogs von Beaufort, nach Portugal ein. Die Flotte stand unter dem Befehl des Marquis von Ruvigny und hatte bei der Überfahrt auch für den Schutz von Maria Francisca zu sorgen, da ihre Gefangennahme durch die im Kriegszustand mit Portugal befindlichen Spanier drohte. Nach der Landung in Portugal wurde die junge Königin am 9. August in Junqueira vom Grafen von Castelo Melhor und dessen Mutter erwartet. König Alfons VI. und der ganze Hof empfing Maria Francisca schließlich im Palast von Alcântara. Dort wurde die persönliche Hochzeit des Herrscherpaares in der Kirche des flämischen Klosters durch den königlichen Oberkaplan zelebriert. Am 19. August 1666 hielt Maria Francisca ihren feierliche Einzug in Lissabon. Sie machte sich mit ihrem Gemahl und dem Infanten Peter in einer Kutsche vom Palast zu Alcântara auf den Weg, wobei viele reichgekleidete Adlige und andere Personen des Hofstaats sie begleiteten. Nach der traditionellen Übergabe des Stadtschlüssels an den König unweit des ersten Stadtbogens begab sich das Königspaar in die Kathedrale von Lissabon, wo ein Te Deum abgehalten wurde. Die mit Feuerwerken, Illuminationen, Stierkämpfen u. a. Veranstaltungen begangenen Hochzeitsfeierlichkeiten in Lissabon dauerten bis in den Oktober 1666.<ref name=dic-hist/>

Beteiligung am Sturz Alfons’ VI.

Die schöne, energische und geistreiche Maria Francisca brachte ihrem Gemahl, der halbseitig gelähmt war und als intellektuell beeinträchtigt galt, von Anfang an keinerlei Zuneigung entgegen.<ref name=nouv-bio-gen-33-721/> Alfons VI. stand stark unter dem Einfluss seines Ersten Ministers, des Grafen von Castelo Melhor, der bei Hof großen Einfluss hatte. Der Minister hatte zwar eine französische Prinzessin als Gemahlin für Alfons VI. gewünscht, lehnte es aber ab, dass sie sich in die Regierungsgeschäfte einmischte.<ref>Isabel Drumond Braga, Portugal e o Piemonte: a Casa Real Portuguesa e os Sabóias. Nove Séculos de Relações Dinásticas e Destinos Políticos (XII–XX), 2012, S. 175.</ref> Deswegen geriet er mit der politisch sehr ehrgeizigen Maria Francisca in Konflikt. So verweigerte er der Königin den bald nach ihrer Ankunft in Portugal geäußerten Wunsch, in den Staatsrat aufgenommen zu werden. Dennoch setzte die resolute Königin ihren Willen durch. Ferner trat sie dafür ein, dass ihr Verwandet, der General Friedrich von Schomberg, Oberbefehlshaber der portugiesischen Armee wurde. Diese Absicht stieß ebenfalls auf den Widerstand des Grafen von Castelo Melhor. Ebenso wie der Königin war auch dem Bruder des Königs, dem Infanten Peter, die große Machfülle des Ersten Ministers ein Dorn im Auge. Er verbündete sich mit seiner Schwägerin zum Kampf gegen den allmächtigen Grafen. Bald soll Maria Francisca eine angeblich bei einem Jagdausflug in Santarém angeknüpfte außereheliche Liebesaffäre mit Peter unterhalten haben.<ref name=dic-hist/>

Trotz seiner Opposition gegen manche Pläne der Königin bezeigte der geschickt agierende Graf von Castelo Melhor der Königin stets den nötigen Respekt, um ihr keinen Anlass zur Klage zu geben. Der mit ihm befreundete Staatssekretär António de Sousa de Macedo scheint dagegen der Königin einmal in einem unangemessenen Tonfall geantwortet haben, worüber sie sich sofort lautstark beschwerte. Da die Replik von António de Sousa sehr zurückhaltend gewesen war, wollte Alfons VI. ihn entsprechend der Meinung des Staatsrats nicht entlassen, was Maria Francisca sehr verärgerte. Wegen der drohenden Haltung des Infanten Peter begann der König aber in seiner Entschlossenheit, seinen Ersten Minister und dessen Freunde unbedingt an der Macht zu halten, zu schwanken. Der Graf von Castelo Melhor merkte dies und bat, um seiner Entlassung zuvorzukommen, selbst um seine Verabschiedung sowie die Königin um freies Geleit. Da auch António de Sousa auf Geheiß der Königin exiliert worden war, sahen sich Maria Francisca und ihr Schwager ihrer beiden einflussreichen Widersacher entledigt. Alfons VI. fühlte sich ohne seine beiden treuen Staatsmänner machtlos und rief António de Sousa nach einiger Zeit an den Hof zurück. Die Königin protesteierte dagegen und der Infant Peter drang am 5. Oktober 1667 mit einer Schar bewaffnetet Adliger in den Palast ein und zwang den König, den Staatssekretär erneut ins Exil zu schicken. Peter hatte bereits den Sturz seines königlichen Bruders vorbereitet, der an der Flucht nach Alentejo gehindert wurde.<ref name=dic-hist/>

Am 21. November 1667 verließ Maria Francisca den Palast und begab sich ins Kloster Esperança. Von dort aus sandte sie zwei Briefe an den Lissaboner Stadtrat und den König, in denen sie erklärte, dass ihr Gemahl die Ehe mit ihr wegen seiner Impotenz nicht vollziehen habe können und dass sie deshalb um die Erlaubnis für ihre Rückkehr mit ihrer Mitgift nach Frankreich bitte. Nach dem Erhalt dieses Schreibens ging der empörte König zum Kloster Esperança und wollte dessen versperrte Tore aufbrechen lassen, musste diesen Plan aber aufgrund des Widerstands des Infanten Peter und einiger mit diesem verbündeter Adligen aufgeben. Die Königin beantragte nun offiziell die Annullierung ihrer Ehe mit Alfons VI. wegen Nichtvollzugs. Der darüber schwer erschütterte Monarch fühlte sich als Gefangener in seinem eigenen Palast und bekam einen Wutanfall, was seine Gegner nutzten, um ihn als Verrückten darzustellen. Unter Peters Druck musste er auf die Ausübung der Regierung verzichten. Daraufhin übernahm der Infant die Regentschaft über das Königreich.<ref name=dic-hist/>

Heirat mit Peter II.; späteres Leben; Tod

Die im Januar 1668 einberufenen Cortes boten dem Infanten Peter nicht, wie dieser gehofft hatte, den Königstitel an, sondern ernannten ihn nur zum Prinzregenten und vereidigten ihn als Thronfolger. Am 13. Februar 1668 schloss Peter anstelle seines königlichen Bruders mit Spanien den Frieden von Lissabon, der den langwierigen Restaurationskrieg beendete. Inzwischen gestand Alfons VI. auf Anraten eines Vertrauten in einer Erklärung, dass er die Ehe mit Maria Francisca tatsächlich nicht vollzogen habe. Dieses Geständnis ihres Gatten genügte der Königin nicht, da sie eine rasche Auflösung ihrer Ehe anstrebte, wofür es eines eigenen kirchlichen Verfahrens bedurfte. In einem skandalösen Prozess trat sie als Zeugin auf und gab Geheimnisse ihres Intimlebens mit ihrem Gemahl preis. Ihre Ehe mit Alfons VI. wurde am 24. März 1668 annulliert. Bereits drei Tage später heiratete Maria Francisca mit der Dispens des Papstes Clemens IX. ihren geliebten Prinzregenten Peter. König Alfons VI. wurde gezwungen, zunächst ins Exil auf die Azoren-Insel Terceira zu gehen; später lebte er im Palast von Sintra unter Hausarrest. Peter fungierte als Regent für seinen abgesetzten Bruder bis zu dessen Tod.<ref name=dic-hist/>

Maria Francisca übte starken Einfluss auf ihren zweiten Gemahl aus.<ref name=nouv-bio-gen-33-721/> Sie gebar ihm im Januar 1669 die Tochter Isabel Luisa Josefa, die u. a. dem Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen versprochen wurde, aber bereits 1690 im Alter von 21 Jahren verstarb.<ref name=dic-hist/> Im Dezember 1670 erlitt Maria Francisca eine Fehlgeburt und wurde dadurch zeugungsunfähig, sodass sie keine weiteren Kinder zur Welt bringen konnte, wodurch das Haus Braganza auszusterben drohte.<ref>Isabel Drumond Braga, in: Portugal e o Piemonte: a Casa Real Portuguesa e os Sabóias. Nove Séculos de Relações Dinásticas e Destinos Políticos (XII–XX), 2012, S. 187.</ref>

Ludwig XIV. hatte den Staatsstreich gegen Alfons VI. in der Erwartung unterstützt, dass sich nun sein Einfluss am portugiesischen Hof durch Maria Francisca vergrößern würde. Doch Peter II. missachtete Ludwigs Interessen, und Maria Francisca schockierte 1671 den französischen Botschafter durch ihre Erklärung, dass Portugal durch den früheren Krieg gegen Spanien erschöpft sei und Frankreich nicht im sich anbahnenden Holländischen Krieg militärisch unterstützen werde.<ref>Edward McMurdo: The history of Portugal, from the Commencement of the Monarchy to the Reign of Alfonso III. London 1889, S. 443.</ref>

Ab Anfang 1683 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Maria Francisca, wie Zeitungen und Briefe von Diplomaten berichteten. Sie begab sich zur Erholung in den Palast des Grafen von Sarzedas in Palhavã.<ref name=dic-hist/> Nach dem Tod Alfons’ VI. (12. September 1683) wurde Maria Francisca zum zweiten Mal Königin, da nun ihr Gemahl als Peter II. offiziell den Thron bestieg. Im gleichen Monat wurde berichtet, dass sie sehr dünn und krank geworden sei. In den folgenden Monaten schwankte ihr Gesundheitszustand und zeigte sporadische Anzeichen von Besserung. Drei Monate nach dem Ableben Alfons’ VI. starb sie am 27. Dezember 1683 im Alter von 37 Jahren in Palhavã.<ref>Isabel Drumond Braga: Illnesses and Death of Maria Francisca Isabel of Savoy, Queen of Portugal, in: Donne, Cultura e Società nel Panorama Lusitano e Internazionale (secoli XVI–XXI) , 2017, S. 73–91, hier: S. 78–82.</ref> Sie wurde im 1667 von ihr gegründeten Kloster Francesinhas beigesetzt. Ihr Tod traf Peter II. schwer.<ref name=dic-hist/> 1912 wurden ihre sterblichen Überreste in das Pantheon des Hauses Braganza im Kloster São Vicente de Fora überführt. Eine Untersuchung ihres Leichnams ergab, dass sie an Syphilis gelitten hatte.<ref>Isabel Drumond Braga: Illnesses and Death of Maria Francisca Isabel of Savoy, Queen of Portugal, in: Donne, Cultura e Società nel Panorama Lusitano e Internazionale (secoli XVI–XXI) , 2017, S. 73–91, hier: S. 86 und 74.</ref>

Literatur

  • Marie de Savoie-Nemours. In: Nouvelle biographie générale. Bd. 33 (1860), Sp. 721 f.
  • Maria Francisca Isabel de Sabóia. Rainha de Portugal, in: Portugal – Dicionário Histórico, Corográfico, Heráldico, Biográfico, Bibliográfico, Numismático e Artístico, Bd. 4 (1908), S. 837–840.
  • Isabel Drumond Braga: Maria Francisca Isabel de Sabóia (1646–1683), Rainha de Portugal, in: Portugal e o Piemonte: a Casa Real Portuguesa e os Sabóias. Nove Séculos de Relações Dinásticas e Destinos Políticos (XII–XX), Coimbra, 2012, S. 167–210.
  • Isabel Drumond Braga: Illnesses and Death of Maria Francisca Isabel of Savoy, Queen of Portugal, in: Donne, Cultura e Società nel Panorama Lusitano e Internazionale (secoli XVI–XXI) , 2017, S. 73–91.

Siehe auch

Anmerkungen

<references/>

VorgängerinAmtNachfolgerin
Luisa von GuzmánKönigin von Portugal
1666–1668; 1683
Marie Sophie von der Pfalz

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