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Marcus Titius Lustricus Bruttianus

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Marcus Titius Lustricus Bruttianus<ref>Lustricius Bruttianus bei Plinius.</ref> war ein römischer Militär, Politiker und Senator zur Zeit der Kaiser Domitian, Nerva, Trajan und Hadrian.

Durch den Fund eines Militärdiploms wurde bekannt, dass Bruttianus im Jahre 108 zusammen mit Quintus Pompeius Falco Suffektkonsul gewesen war.<ref>AE 2004, 1898</ref> Bei Grabungen in den Jahren 2011 bis 2014 wurde in Vaison-la-Romaine (Vasio Vocontiorum), seinem Heimatort, eine Ehreninschrift gefunden, die seinen vollen Namen und seinen Karriereverlauf überliefert.<ref>Fouilles au forum antique: Marcus Titius, découverte d’un Vaisonnais au sommet de l’Empire</ref>

Bruttianus war Sohn eines Marcus (Titius) aus dem Tribus Voltinia. Zu Beginn seiner Karriere war er Militärtribun einer Legion, Quästor der Provinz Achaea, kurulischer Ädil und Prätor, womit er die frühen Stationen seines cursus honorum durchlief. Später hatte Bruttianus neben zwei Legionskommanden, als Legat der Legio I Italica und der Legio X „Augusta“, von denen zumindest eines in die Zeit der trajanischen Dakerkriege (101–106 n. Chr.) gehört, Funktionen in folgenden Provinzen: in Achaea als Prokonsul, in Africa als prokonsularer Legat, als legatus Augusti pro praetore (Statthalter) in Cilicia, als Legat beim Heer in Germania inferior und superior (letzteres vor dem Jahr 116<ref>Werner Eck: Ein Diplom für einen Veteranen von Germania superior aus dem Jahr 115 n. Chr. In: EDCS-Journal. Nummer 46, 2024, DOI:10.36204/edcsj-046-202411, S. 4.</ref>) und schließlich bei den Heeren in Judaea und Arabia (wobei dieses kombinierte Kommando möglicherweise aufgrund der Auswirkungen des Diasporaaufstandes vergeben worden war<ref>Werner Eck: Position and Authority of the Provincial Legate and the Financial Procurator in Judaea, 70–136 AD. In: Joshua Schwartz, Peter J. Tomson (Hrsg.): Jews and Christians in the First and Second Centuries: The Interbellum 70–132 CE (= Compendia rerum Iudaicarum ad Novum Testamentum. Band 15). Brill, Leiden/Boston 2018, ISBN 978-90-04-34986-5, S. 93–105, hier S. 103.</ref>).

Seine Teilnahme am Dakerkrieg brachte ihm bedeutende militärische Auszeichnungen ein, darunter eine goldene Wallkrone (corona vallaris), eine goldene Mauerkrone (corona muralis), drei reine Speere (hastae purae) und drei Feldzeichen (vexilla), verliehen durch Kaiser Trajan. Seine Rolle als Legat der Heere in Judäa und Arabia fällt vermutlich in die Zeit des Bar-Kochba-Aufstands (132–135 n. Chr.) unter Kaiser Hadrian. Er war Mitglied des Priesterkollegs der Septemviri Epulones und fungierte zudem als Schutzherr (patronus) des gallischen Stammes der Haeduer.

Zuvor kannte man ihn nur aus einem Brief des jüngeren Plinius als Senator. Plinius schildert darin einen Prozess vor Kaiser Trajan, den Bruttianus als Provinzstatthalter gegen seinen comes Montanius Atticinus angestrengt hatte, der von Bruttianus bei zahlreichen Schandtaten ertappt worden war. Atticinus setzte seinen Schandtaten damit die Krone auf, dass er den von ihm Hintergangenen anklagte. Der Prozess ging Plinius zufolge zu Bruttianus’ Gunsten aus, der durch das Gerichtsverfahren sein persönliches Prestige sogar noch gesteigert habe. Denn er konnte für sich nicht nur das testimonium integritatis, die Anerkennung seiner Integrität, reklamieren, sondern erwarb sich auch den Ruhm der unbeirrten Standhaftigkeit (constantiae gloria).

Quellen

  • Plinius, Briefe 6,22.

Literatur

  • Werner Eck: Diplome, Konsuln und Statthalter: Fortschritte und Probleme der kaiserzeitlichen Prosopographie. In: Chiron. Band 34, 2004, S. 27–32.
  • Werner Eck: Ordo senatorius und Mobilität. In: Elio Lo Cascio, Laurens Ernst Tacoma, Miriam J. Groen-Vallinga (Hrsg.): The impact of mobility and migration in the Roman Empire. Proceedings of the twelfth workshop of the international Network Impact of Empire (Rome, June 17–19, 2015) (= Impact of Empire. Band 22). Brill, Leiden/Boston 2016, ISBN 978-90-04-33477-9, S. 100–115, hier S. 110 mit Anmerkung 34.

Anmerkungen

<references />