Zum Inhalt springen

Münstersche Aa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Fluss

Die 43 Kilometer lange Münstersche Aa ist ein linker Nebenfluss der Ems.

Name

In Westfalen ist der Name Aa ein weit verbreiteter Name für Flüsse und Bäche, der sich vom altsächsischen aha (gesprochen: „Acha“) ‚Fließgewässer‘ aus urgermanisch *ahwō, ableitet. Das Wort entspricht etymologisch genau lateinisch aqua „Wasser“. Flussnamen dieser Herkunft finden sich auch in anderen Teilen Deutschlands, außerdem in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, meist in der Form Ache oder Ach und oft als zweiter Teil von Komposita.

Vorlage:Siehe auch

Verlauf und Einzugsgebiet

Die Quellen der Münsterschen Aa liegen im nordwestlichen Westfalen etwa 16 Kilometer westlich von Münster bei Havixbeck. Von den Baumbergen kommend fließen Hangsbach, Poppenbecker Aa und Krummer Bach in nordöstlicher Richtung und vereinigen sich in der Nähe des historischen Brauhauses Klute zur Münsterschen Aa.Vorlage:GeoQuelle Die Aa speist die Gräften von Haus Stapel und wird an der Stapelsmühle zu Teichen angestaut. Im weiteren Verlauf fließt sie östlich vorbei an Roxel, knickt dann nach Norden ab und wird in Münster zum 2,3 Kilometer langen Aasee angestaut. Danach durchfließt sie die Innenstadt zwischen St.-Paulus-Dom und Überwasserkirche, die zu ihrem Namen gekommen ist, weil sie vom Stadtzentrum aus gesehen jenseits des Flusses liegt. Insgesamt führt die Aa auf einer Länge von 30 Kilometer durch das Stadtgebiet Münsters.<ref name="WN_2014-05-31">Gabriele Hillmoth: Es ist alles im Fluss: Pläne für Aa-Renaturierung sprudeln. In: Westfälische Nachrichten. Münster, 31. Mai 2014.</ref> Wenige Kilometer nördlich von Münster mündet sie bei Greven – ohne den Ort direkt zu erreichen – in die Ems.

Das Einzugsgebiet des Flusslaufs umfasst rund 175 km², davon sind 104 km² überwiegend landwirtschaftlich genutzt.<ref name="MZ_2014-06-06" />

Umwelt

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde für den innerstädtischen und Teile des außerstädtischen Verlaufs der Aa in Münster ein betoniertes Flussbett mit Trapezprofil geschaffen, das die Fließgeschwindigkeit des Gewässers soweit erhöhte, dass es für Pflanzen und Tiere nahezu unmöglich wurde, sich in diesem Abschnitt anzusiedeln.<ref name="WN_2011-07-20">Martin Kalitschke: Millionen-Projekt für die nächsten Jahrzehnte – Das Ende der Beton-Aa. In: Westfälische Nachrichten. 20. Juli 2011.</ref><ref name="WN_2013-09-04" />

Die Phosphat-Einträge aus landwirtschaftlichen Düngemitteln und Gülle in die Münstersche Aa sind dramatisch hoch, sie belasten insbesondere im ländlichen Gebiet das Gewässer stark. Im Sommer führen Phosphate in Kombination mit einer starken Erwärmung des Wassers regelmäßig zu einer Algenpest. Seit 2005 gibt es erfolgversprechende Versuche, die Wasserqualität des Aasees durch Impfung mit Fällungsmitteln zu verbessern.

Renaturierung

Bereits Mitte der 1980er Jahre wurden erstmals Gedanken zu der Renaturierung des Flusslaufs im Bereich des Stadtteils Coerde angestellt.<ref name="Tiefbauamt_Nevinghoff">Tiefbauamt Münster: Renaturierung der Münsterschen Aa nahe Nevinghoff, Berthold Reloe</ref> 1996 wurden die Arbeiten zur Renaturierung der Münsterschen Aa zwischen dem südlichen Ende des Aasees und Haus Kump abgeschlossen.<ref name="MZ_2012-07-10">Vorlage:Toter Link In: Münstersche Zeitung. Münster, 10. Juli 2012.</ref> Auf einer Strecke von rund 1600 Metern wurde Ende der 1990er Jahre das betonierte Flussbett der Aa entfernt und der Flusslauf verbreitert, um der durch die niedrigere Fließgeschwindigkeit drohenden Überschwemmungsgefahr vorzubeugen.<ref name="Tiefbauamt_Nevinghoff" /> Das Projekt wurde 2002 abgeschlossen, ebenso wie die Arbeiten nahe der Rjasanstraße am Cheruskerring.<ref name="Tiefbauamt_Nevinghoff" /><ref name="Tiefbauamt_Rjasanstrasse">Tiefbauamt Münster: Renaturierung der Münsterschen Aa nahe Rjasanstraße, Berthold Reloe</ref> Dort wurden die Sohlbefestigung und die Böschung der Aa auf einer Strecke von 145 m naturnah umgestaltet.<ref name="Tiefbauamt_Rjasanstrasse" /> In Havixbeck wurden 2006 entsprechende Maßnahmen in der Nähe von Haus Stapel und 2010 in der Havixbecker Bauerschaft Walingen abgeschlossen.<ref>Tiefbauamt Münster: Ökologische Verbesserung der Münsterschen Aa bei Haus Stapel, Hermann Mollenhauer</ref><ref>Tiefbauamt Münster: Ökologische Aufwertung der Münsterschen Aa bei Walingen, Hermann Mollenhauer</ref> Ebenfalls 2010 wurde ein Abschnitt von 320 Meter Länge in der Nähe von Haus Coerde renaturiert, um Hochwasserabflussspitzen besser auffangen zu können.<ref>Tiefbauamt Münster: Polder bei Haus Coerde, Berthold Reloe</ref>

Ende Juli 2011 wurde bekannt, dass der Bau eines zweiten Aa-Armes für den Winter desselben Jahres vorgesehen ist. Dieser Arm soll zwischen dem Haus Kump und dem Aasee verlaufen. Auf diese Weise soll das Wasser schneller in den Aasee gelangen, so dass es sich durch die Sonneneinstrahlung weniger stark aufheizen kann, wodurch das Blaualgenwachstum reduziert werden soll.<ref name="MZ_2014-06-06" /> Der Planfeststellungs­beschluss sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die Renaturierungsmaßnahmen sind inzwischen abgeschlossen.<ref>Hoffnung auf Fördermittel vom Land – Plan und Beschluss über Renaturierung der Aa liegen aus. In: Westfälische Nachrichten. 5. August 2011.</ref> Einzig die Zustimmung aus der Politik für dieses Bauvorhaben steht bislang noch aus. Die finanziellen Mittel sollen aus dem Programm „Lebendige Gewässer“ der Bezirksregierung Münster bezogen werden. Laut Angaben der Stadt Münster beliefen sich die Kosten auf rund eine Million Euro, von denen 80 % im Rahmen des Programms „Lebendige Gewässer“ vom Land getragen wurden und etwa 800.000 Euro unter den ursprünglich erwarteten Kosten verblieb.<ref>Martin Kalitschke: Neuer Aa-Arm: Baustart im Winter? In: Westfälische Nachrichten. 20. Juli 2011.</ref><ref>Tiefbauamt Münster: Renaturierung der Münsterschen Aa Sentruper Str. bis Aasee, Berthold Reloe</ref>

Von Anfang 2012 bis Mitte 2014 wurden vom Tiefbauamt der Stadt Münster rund 35.000 Kubikmeter Erdreich bewegt sowie 1000 Tonnen Wasserbausteine gesetzt.<ref name="MZ_2014-06-06" />

Seit 2012 ist die Renaturierung der Aa nahe der Hülshoffstraße, der Bundesautobahn 1 sowie im Bereich der Innenstadt vorgesehen.<ref>Tiefbauamt Münster: Renaturierung der Münsterschen Aa nahe Hülshoffstraße, Berthold Reloe</ref><ref>Tiefbauamt Münster: Renaturierung der Münsterschen Aa nahe der BAB A1, Berthold Reloe</ref><ref>Tiefbauamt Münster: Ökologische Aufwertung der Münsterschen Aa im Innenstadtbereich, Berthold Reloe</ref> Weiterhin wurde das Flussbett der Münsterschen Aa zwischen Haus Kump und der Sentruper Straße ab August 2012 renaturiert, wofür knapp eine Million Euro veranschlagt wurde, von denen das Bundesland Nordrhein-Westfalen etwa 80 % trug.<ref name="MZ_2012-07-10" /><ref name="2013-02-16" /> Ziel ist die Verbesserung der Wasserqualität der Münsterschen Aa sowie des Aasees, indem das Fließgewässer wieder in einen naturnahen Zustand versetzt wird und die Defizite in der Gewässerstruktur ausgeglichen werden.<ref name="MZ_2012-07-10" /><ref name="2013-02-16" /> Hierbei entstand durch die Stadt Münster auf Höhe von Haus Kump ein Sandfang, der ein weiteres Verschlammen des Aasees verhindern soll.<ref name="MZ_2012-07-10" /><ref name="2013-02-16">Thomas Schubert: Zurück ins alte Flussbett: Die Aa wird bis zum Herbst im Bereich zwischen Sentruper Straße und Haus Kump renaturiert. In: Westfälische Nachrichten. Münster/Umgebung, Münster-Mecklenbeck, 16. Februar 2013.</ref><ref name="MZ_2014-06-06" /> Zudem erhielt die Münstersche Aa auf einer Strecke von rund 2,6 Kilometern ihren natürlichen Verlauf zurück, wobei sich Planer und Ingenieure an Karten aus dem Jahr 1830 orientierten.<ref name="2013-02-16" /><ref name="WN_2013-09-04">Thomas Schubert: Zurück ins alte Gewässerbett: Stadt Münster plant weiteres Renaturierungsprojekt im Bereich der Münsterschen Aa. In: Westfälische Nachrichten. Münster/Umgebung, Münster-Roxel, 14. September 2014.</ref><ref name="MZ_2014-06-06">Helmut Etzkorn: Vorlage:Webarchiv In: Münstersche Zeitung. Münster, 6. Juni 2014.</ref> Die Beendigung der Arbeiten war für den Sommer bis Herbst 2013 vorgesehen.<ref name="MZ_2012-07-10" /><ref name="2013-02-16" /><ref name="MZ_2014-06-06" />

Der Teilbereich südlich der Hülshoff-Straße bis zum Hülsbach wurde durch Verlängerung um 180 Meter auf 1070 Meter ökologisch verbessert und auf diese Weise zu renaturieren versucht.<ref name="WN_2013-09-04" /> Es wurde mit einer Projektdauer von rund acht Monaten verbunden mit Kosten in Höhe von 570.000 Euro gerechnet, von denen 456.000 Euro vom Land NRW getragen werden sollten.<ref name="WN_2013-09-04" />

Perspektivisch sind umfangreiche Maßnahmen zur Entfernung der innerstädtischen Beton-Sohle der Aa beabsichtigt. Das Millionen-Projekt soll mehrere Jahrzehnte andauern und den gesamten innerstädtischen Flusslauf zwischen Goldener Brücke, Kanalstraße und Aasee betreffen. Auslöser für das Projekt sind gleichermaßen bauliche Mängel, da sich das Flussbett nach 60 Jahren aufzulösen beginnt, wie auch die Verringerung der Fließgeschwindigkeit durch Renaturierung des Flusslaufs, so dass sich Flora und Fauna wieder ansiedeln können, um die Wasserqualität zu verbessern. Es wird eine Wasserqualität angestrebt, die den Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie entspricht. Neben der logistischen Planung sind laut Angaben des Tiefbauamtes Münster insbesondere in der Verhinderung des Abrutschens der Seitenwände die größten Herausforderungen des Projektes zu sehen.<ref name="WN_2011-07-20" /> Nachgelagert zu diesem Projekt soll die Brücke am Spiekerhof neu gestaltet werden, um die Aa besser sichtbar zu machen, wofür ein Budget in Höhe von 450.000 Euro im Gespräch ist.<ref>Klaus Baumeister: Vernichtende Kritik an Brücken-Plänen: Bezirksvertretung findet Spiekerhof-Konzept primitiv. In: Westfälische Nachrichten. Münster, 12. Oktober 2011.</ref>

Von 2000 bis Mitte 2014 wurden zwölf Renaturierungsprojekte umgesetzt.<ref name="MZ_2014-06-06" />

Die Stadt Münster plante im Sommer 2015 die Aa im Bereich der Westerholtschen Wiese aus ihrem Betonbett zu befreien und ökologisch aufzuwerten, um ihre Fließgeschwindigkeit durch Verlängerung um 29 m auf dann 250 m weiter zu senken, wozu ein Budget von 500.000 Euro im Gespräch war, das zu 80 % vom Land Nordrhein-Westfalen getragen werden sollte.<ref>Westfälische Nachrichten: Neues Bett für 500.000 Euro: Umgestaltung der Aa, Münster, Münster, Klaus Baumeister, 18. Februar 2015</ref> Dieses Bauvorhaben wurde im Jahr 2018 auf einer Länge von 210 m umgesetzt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Auch an der Kanalstraße wurde der Fluss 2018 ökologisch aufgewertet und ein Verlauf mit Auenstrukturen geschaffen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Ohne nähere zeitliche Datierung sind weitere Projekte zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Aa bei Beckschems Mühle (Hohenholter Straße/Schonebeck) und an der Klostermühle, zur ökologischen Aufwertung der Aa in der Bauerschaft Schonebeck sowie zur Entfernung der Uferbefestigung bei Walingen geplant.<ref>Tiefbauamt Münster: Vorlage:Webarchiv, Hermann Mollenhauer</ref><ref>Tiefbauamt Münster: Wiederherstellen der Durchgängigkeit in der Münsterschen Aa an der Klostermühle, Hermann Mollenhauer</ref><ref>Tiefbauamt Münster: Vorlage:Webarchiv, Hermann Mollenhauer</ref><ref>Tiefbauamt Münster: Vorlage:Webarchiv, Hermann Mollenhauer</ref>

Wasserstand

Durchschnittlich führt die Aa im Unterlauf rund 1000 Liter Wasser pro Sekunde.<ref name="MZ_2014-06-06" /> Da die Münstersche Aa jedoch zeitweise nur wenig Wasser führt, kann sie nach Einschätzung des Tiefbauamts auch zukünftig nicht von Kanuten befahren werden.<ref name="WN_2014-05-31" />

Im Oktober 2013 betrug der Wasserstand nach anhaltend warmen und trockenen Sommermonaten lediglich 90 Zentimeter und damit fast 30 Zentimeter weniger als im Oktober des Vorjahres.<ref name="WN_2013-10-09">Martin Kalitschke: Auf dem Trockenen: Nach dem Super-Sommer führen viele Flüsse und Seen nur wenig Wasser. In: Westfälische Nachrichten. Münster, 9. Oktober 2013.</ref> Diese Abweichung bewegt sich nach Einschätzung von Meteorologen im normalen Bereich.<ref name="WN_2013-10-09" />

Veranstaltungen

Im September 2025 fand das 12. Entenrennen zugunsten der Clinic Clowns statt, bei dem 5000 nummerierte Plastikenten an der Westerholtschen Wiese zu Wasser gelassen wurden und beim Zieleinlauf am Juridicum den Losinhabern entsprechende Gewinne bescherten.<ref>Westfälische Nachrichten: Entenrennen: Ein Sieger und viele Gewinner, Münster, Münster, Helmut Etzkorn, 7. September 2025</ref>

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />