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Münster (Laubach)

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Münster
Stadt Laubach
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(711)&title=M%C3%BCnster 50° 33′ N, 8° 55′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(711) 50° 33′ 14″ N, 8° 55′ 22″ O
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Höhe: 188 m ü. NHN
Fläche: 2,98 km²<ref name="lagis" />
Einwohner: 711 (Mai 2011)<ref name="Z2011E" />
Bevölkerungsdichte: 239 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35321
Vorwahl: 06405
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Münster ist ein Stadtteil von Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen und liegt etwa acht Kilometer westlich der Kernstadt. Der Ort liegt in einem „am Zufluss eines Bachlaufs in die Wetter.“ Es gibt einen Bahnhof der Butzbach-Licher Eisenbahnlinie Butzbach/West – Grünberg, der sogenannten Wettertalbahn.

Ortsgeschichte

Mittelalter

Münster wurde zwischen 1118 und 1137 in einem Kopiar erstmals urkundlich erwähnt: „... predium, quod domnus Hugo in Nezehe et in Munstere et in Stenhem dedit.“.<ref>Manfred Stimming: Mainzer Urkundenbuch. Band 1 (bis 1137). Darmstadt 1932. Nr. 616; S. 536.</ref> Die Urkunde sagt aus, dass der Erzbischof Erzbischof Adalbert I. zwischen 1118 und 1137 für das Erzstift Mainz von einem Herrn Hugo Eigengut in Netz (Kreis Marburg), Münster und Steinheim erwarb. Das Stift Spieskappel besaß 1197 Einkünfte in Höhe von 4 Schilling „in Munstre“. Die Lokalisierung ist allerdings bei dem Beleg von 1111–1137 unsicher.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 263.</ref>

Der Reichsministeriale Ulrich I. von Hagen-Münzenberg verschrieb 1239 das Gericht Münster: „iudicium in villa Monstere“ Guntram und Kraft aus der Familie Schenck zu Schweinsberg.<ref>Eigenbrodt, Urkunden 1836 Nr. 2 S. 286.</ref> Nach dem Absterben der Münzenberger führte die Münzenberger Erbschaft die Besitzverhältnisse in der Wetterau und in Münster grundlegend. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts (1304) besaßen die Falkensteiner fünf Sechstel, die Herren von Hanau ein Sechstel des Gerichts Münster.<ref>Heinrich Reimer (Archivar): Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau. Band 1 – 4. Leipzig 1891 – 1897. Band 2., Nr. 40.</ref> Johann und Philipp der Jüngere von Falkenstein verkauften 1357 ihren Anteil von an Philipp den Älteren. Ein sechster Teil gehörte den Herren von Hanau.<ref>Wolf-Arno Kropat: Reich, Adel und Kirche von der Karolinger- bis in die Stauferzeit. Dissertation. = Wetterauer Geschichtsblätter 13 (1964). Friedberg/Hessen. S. 165.</ref> Agnes von Falkenstein und ihr Sohn Philipp verpfändeten 1377 dem Gerlach von Trohe das Obergericht Münster.<ref>Friedrich Battenberg: Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt (Ab. B 9 und F 24 B), im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich, 1131-1913. = Hrsg. Hessische Historische Kommission Darmstadt 1986. = Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt 151-5. Band 1. Nr. 451.</ref>

Nach dem Aussterben der Falkensteiner 1418 erhielten die Solmser Grafen einen erheblichen Machtzuwachs. Schon 1409 hatten sich die Linien in Solms-Braunfels und Solms-Lich geteilt. Die Brüder Graf Bernhard (Braunfels) und Graf Johann von Solms-Lich sowie Gottfried und Eberhard von Eppstein befreiten 1434 die Höfe und Landsiedel des Klosters Arnsburg zu Muschenheim, Birklar, Bellersheim, Utphe, Münster, Holzheim, Eberstadt, Kolnhausen, Hof Güll von allen Diensten, Steuern, Beden mit Ausnahme der herkömmlichen Dienste.<ref>Friedrich Battenberg: Solmser Urkunden Band 1. Nr. 1006.</ref>

Im Jahr 1462 wird in einer Urkunde „... zu Monster by Grunenberg gelegen ...“<ref>Archiv Lich, Solmser Urkunden, Kasten 33.</ref> erwähnt und 1481 heißt es „... von Wederfelde zu Moenster ...“<ref>Wolfgang Müller: Die althessischen Namen im Kreis Gießen. Marburg 1940. S. 192.</ref>

Der Ortsname ist ein Appellativum, aus dem vulgärlateinischen Wort monisterium, ahd. munistri, mhd. munster, münster entlehnt, das Kloster bedeutet.<ref>Lutz Reichardt: Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. S. 263.</ref> Seit dem 13. Jahrhundert kommt es zu einer Bedeutungserweiterung des Ortsnamens. Er kann nun auch eine Klosterkirche oder allgemein auch ein stattliches Gotteshaus<ref>Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 494.</ref> bezeichnen.

Neuzeit

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Münster am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Laubach eingemeindet.<ref>Eingliederung von Gemeinden in die Stadt Laubach, Landkreis Gießen vom 6. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 4, S. 141, Punkt 173 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 6,3 MB]).</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref> Für den Stadtteil Münster wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Laubach, ein Ortsbezirk eingerichtet.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 155 kB) § 6. In: Webauftritt. Stadt Laubach, abgerufen im Februar 2024.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Münster angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Gerichte seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Münster ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Lich zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Hohensolms-Lich ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Lich“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Münster zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde, verzichtete der Fürst Karl 1823.<ref name="PF" /> Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.<ref>Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 7. August 1848. In: Großherzog von Hessen (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1848 Nr. 40, S. 237–241 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 42,9 MB]).</ref>

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lich“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> Zum 1. Januar 1882 wurde Münster an das Amtsgericht Laubach abgegeben.<ref>Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Hungen, Lich, Laubach, Grünberg, Homberg, Alsfeld, Vilbel und Friedberg betreffend vom 24. Dezember 1881 (Hess. Reg.Bl. S. 203–204)</ref>

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Laubach und Münster wurde dem Sprengels des Amtsgerichts Gießen zugelegt.<ref>Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 c) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Münster 711 Einwohner. Darunter waren 18 (2,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 126 Einwohner unter 18 Jahren, 303 zwischen 18 und 49, 156 zwischen 50 und 64 und 129 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 312 Haushalten. Davon waren 96 Singlehaushalte, 96 Paare ohne Kinder und 87 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 63 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 222 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

Münster: Einwohnerzahlen von 1830 bis 2011
Jahr  Einwohner
1830
  
292
1834
  
278
1840
  
351
1846
  
314
1852
  
313
1858
  
316
1864
  
327
1871
  
329
1875
  
331
1885
  
327
1895
  
306
1905
  
299
1910
  
318
1925
  
332
1939
  
332
1946
  
511
1950
  
532
1956
  
471
1961
  
475
1967
  
537
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
711
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

Historische Erwerbstätigkeit

• 1961: Erwerbspersonen: 96 Land- und Forstwirtsch., 93 Prod. Gewerbe, 39 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 14 Dienstleistung und Sonstiges.<ref name="lagis" />

Politik

Für den Stadtteil Münster besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Münster) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.<ref name="HS" /> Der Ortsbeirat besteht aus neuen Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 57,14 %. Dabei wurden gewählt: ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen, fünf Mitglieder der SPD, sowie drei Mitglieder der „Freien Wähler“ (FW).<ref>Ortsbeiratswahl Ortsbezirk Münster. In: Votemanager. Stadt Laubach, abgerufen im März 2024.</ref> Der Ortsbeirat wählte Klaus Dieter Schmitt (SPD) zum Ortsvorsteher.<ref>Ortsbeirat Münster. In: Webauftritt. Stadt Laubach, abgerufen im März 2024.</ref>

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Kirche
Datei:Kirche Laubach Muenster.JPG
Die Evangelische Kirche von Münster

Die spätgotische, dreischiffige Hallenkirche wurde im Wesentlichen um 1300 erbaut. Lediglich Steinkanzel und Turmspitze stammen aus dem 16. Jahrhundert. Der aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Taufstein bildet das älteste Element der Kirche.<ref name="ST">Stadtteile. In: Webauftritt. Stadt Laubach, abgerufen im März 2024.</ref>

User Dort soll schöner werden

Im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gewann Münster im Jahr 1965 die Goldmedaille.

Verkehr

Münster ist an ein Nahverkehrssystem nach Schotten, Gießen, Laubach und Grünberg angebunden.

Persönlichkeiten

Literatur

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Münster, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. Februar 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="PF"> Theodor Hartleben (Hrsg.): Allgemeine deutsche Justiz-, Kameral- und Polizeifama, Teil 1. Band 2. Johann Andreas Kranzbühler, 1832, S. 271 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 424 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 135 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 6 und 46, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> </references>

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