Luftangriffe auf München
Bei den Luftangriffen auf München im Zweiten Weltkrieg wurde die bayerische Hauptstadt schwer getroffen. Die Luftangriffe wurden von Einheiten des Bomber Command der britischen Royal Air Force (RAF) und den United States Army Air Forces (USAAF) ausgeführt. Im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs sind bei insgesamt 74 Angriffen (nur einer davon durch Tiefflieger mit Bordwaffen ausgeführt)<ref name=":1" /><ref name=":3" /> auf München 6.632 Menschen ums Leben gekommen; 15.800 wurden verletzt. Von der gesamten Stadtfläche war die Hälfte und die Altstadt sogar zu 90 Prozent zerstört.<ref name=":0">Andreas Heusler: Luftkrieg: Opfer und Zerstörung. In: nsdoku München, abgerufen am 1. November 2024</ref>
Speziell die Nachtangriffe der RAF mit dem Flächenbombardement ziviler Ziele (Innenstadt, Wohngebiete und andere) erfolgten aufgrund der vom britischen Luftfahrtministerium (Air Ministry) am 14. Februar 1942 erteilten „Area Bombing Directive“.<ref>Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945, S. 83.</ref>
Im „Großdeutschen Reich“ stand München nach der Zählung vom 17. Mai 1939 mit knapp 830.000 Einwohnern auf Platz vier der Liste der größten deutschen Städte, wobei Wien mit berücksichtigt ist. Neben seiner Bedeutung als Standort kriegswichtiger Betriebe wie BMW, Krauss-Maffei, Meiller, Südbremse, Dornier etc. war die „Hauptstadt der Bewegung“ (des Nationalsozialismus) auch ein propagandistisch wichtiges Angriffsziel.
Auswahl alliierter Luftangriffe
| Datum | Schwerpunkte | Opfer | Angreifende Bomber | Abgeworfene Bomben | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| 10. März 1940<ref name=":1" /> | keine | unbekannte Anzahl britischer Flieger<ref name=":1">Richard Bauer: Fliegeralarm. Heinrich Hugendubel Verlag, München 1987, ISBN 3-88034-351-9.</ref> | nur Leuchtbomben<ref name=":1" /><ref name=":3">Süddeutsche Zeitung: Zweiter Weltkrieg: München überstand 73 Luftangriffe. Abgerufen am 19. Januar 2020.</ref> | erster Luftangriff, jedoch ohne Bomben<ref name=":1" /><ref name=":3" /> | |
| 4. Juni 1940 | Riem, Allach | 8 Verletzte | unbekannte Anzahl Bomber der britischen Royal Air Force und der französischen Armée de l’air<ref name=":1" /> | erster Luftangriff mit Bomben mit Ziel BMW-Flugmotorenwerk Allach | |
| 19./20. September 1942 | kein besonderer Schwerpunkt<ref name=":1" /> | 413 Verletzte, 149 Tote | etwa 30 Bomber der britischen Royal Air Force (RAF) | 168 Tonnen, darunter 55 Minenbomben und 5.000 INC 4 lb-Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | |
| 21. Dezember 1942 | Westliche Viertel | 21 Tote | 15 Bomber der RAF | u. a. 14 Minenbomben zu 1.800 kg, 5.800 Stabbrandbomben | |
| 9./10. März 1943 | Innenstadt | 436 Verletzte, 212 Tote | über 100 Bomber der RAF | u. a. 66 Minen-, 99 Spreng-, 1.000 Phosphor- und 70.000 Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | u. a. BMW-Stammwerk Milbertshofen, das Braune Haus, Straßenbahndepot, Gaswerk beschädigt, 9.000 Obdachlose, drei abgeschossene Bomber, Flak verschoss über 15.000 Granaten<ref name=":1" /> |
| 7. September 1943 | gesamtes Stadtgebiet | 785 Verletzte, 208 Tote | 365 Bomber der RAF | u. a. 73 Minen-, 269 Spreng-, 127 Blitzlicht-, 6.000 Phosphor- und 180.000 Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | 17.597 Obdachlose, 3.833 beschädigte Anwesen, Großmarkthalle schwer beschädigt<ref name=":1" /> |
| 2./3. Oktober 1943 | Innenstadt | 906 Verletzte, 233 Tote | 273 Bomber der RAF | 500 Tonnen, darunter 78 Minen-, 309 Spreng-, 7.000 Phosphor- und 190.000 Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | 35 Kirchen und 15 Krankenhäuser teils schwer beschädigt, Nationaltheater zerstört, große Mengen an Lebensmitteln vernichtet, 5 abgeschossene Flugzeuge (etwa 30 Tote)<ref name=":1" /> |
| 8. Oktober 1943 | Innenstadt | nur einige wenige Bomber der RAF | 8 Tote und mehrere Verletzte bei Massenpanik vor Schutzraum<ref name=":1" /> | ||
| 18. März 1944 | Innenstadt | 296 Verletzte, 173 Tote | Missionsnummer: 264; 221 B-17 der 8th Air Force aus Ostengland, weitere 290 B-17 greifen Oberpfaffenhofen, Lechfeld und Landsberg an, 227 B-24 greifen Friedrichshafen an | 339 Spreng- und 805 Flüssigkeitsbrandbomben, keine Minenbomben<ref name=":1" /> | erster Tagangriff, Residenz, mehrere Kirchen und Krankenhäuser, Postamt, Ostbahnhof schwer beschädigt, Flak verschoss 6.000 Granaten<ref name=":1" /> |
| 24./25. April 1944<ref name=":1" /> | München Au | 4.185 Verletzte, 139 Tote<ref name=":1" /> | 400 Bomber der 5. Bomberflotte der RAF<ref name=":1" /> | u. a. 7 Sprengbomben zu 2.000 kg, 550.000 Stabbrand-, 14.160 Phosphor-, 10.245 Flammstrahl- sowie 54 Sprengbomben<ref name=":1" /> | keine deutschen Nachtjäger zur Verteidigung im Einsatz, 80 % Zerstörung des Stadtteils Au. Volltreffer auf das Landtagsgebäude Prannerstraße 20, München, das alte Rathaus, Münchner Residenz schwerst beschädigt<ref>Füracker: Vor 75 Jahren wurde die Residenz München zerstört – Wiederaufbau gelang prachtvoll – Schwerer Luftangriff auf München in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 löste Großbrand und schwere Schäden an der Residenz aus | Bayerisches Landesportal. Abgerufen am 21. Januar 2020.</ref>, viele Kirchen sowie Pinakotheken schwer beschädigt,<ref name=PA1>Landtagsgebäude Prannerstraße 20, München (1819-1933). In: bavariathek.bayern. Abgerufen am 6. März 2025.</ref> 70.000 Obdachlose, 13 Abschüsse durch Flak<ref name=":1" /><ref>A.C. Grayling: Die toten Städte: Waren die alliierten Bombenangriffe Kriegsverbrechen? C. Bertelsmann Verlag, 2007, ISBN 978-3-570-00845-4, S. 374.</ref> |
| 9. Juni 1944 | Bahnlinien | 107 Verletzte, 147 Tote<ref name=":1" /> | 400 bis 500 Bomber der 15th Air Force<ref name=":1" /> | 1.192 Spreng-, 325 Splitter- und 247 Flüssigkeitsbrandbomben<ref name=":1" /> | Krankenhaus schwerst getroffen, alle Fahrtwege zum HBF zerstört, 5.000 Obdachlose<ref name=":1" /> |
| 13. Juni 1944 | Innenstadt | 184 Verletzte, 302 Tote | 600 Bomber der 8th Air Force<ref name=":1" /> | 4.021 Spreng-, 258 Splitter- und 1.009 Flüssigkeitsbrandbomben<ref name=":1" /> | Ziele waren u. a. die BMW-Flugmotorenfabrik und der Flughafen München-Riem, 15.000 Obdachlose<ref name=":1" /> |
| 12. Juli 1944 | Innenstadt | siehe 16. Juli | 1.124 Bomber der 8th Air Force | u. a. 10.000 Spreng-, 25.000 Phosphor- und 400.000 AN-M50-Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | |
| 13. Juli 1944 | Innenstadt<ref name=":2" /> | siehe 16. Juli<ref name=":1" /> | 1.260 Bomber der 8th Air Force<ref name=":1" /><ref name=":2" /> | u. a. 2.000 Spreng- und 250.000 Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | Zerstörung der Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München.<ref name=":2">Luise Dirscherl (Hrsg.): Die Ludwig-Maximilians-Universität München in Geschichte und Gegenwart. Verlag Lutz Garnies, Haar 2010, S. 149.</ref> |
| 16. Juli 1944 | Innenstadt | Seit 11. Juli 4.525 Verletzte, 1.453 Tote<ref name=":1" /> | 1.078 Bomber der 8th Air Force | u. a. 4.000 Spreng-, 8.700 Flammstrahl- und 125.009 Stabbrandbomben<ref name=":1" /><ref name=":0" /> | Schwerste Angriffsreihe, etwa 4.000 Totalschäden an Gebäuden, Tierpark, Staatsoper, 11 Kirchen, 23 Krankenhäuser schwerst beschädigt, 25 Feindabschüsse, seit 11. Juli über 200.000 Obdachlose<ref name=":1" /><ref name=":0" /> |
| 19. Juli 1944 | Innenstadt | 131 Verletzte, 180 Tote<ref name=":1" /> | 1.500 Bomber der 15th Air Force<ref name=":1" /> | u. a. 2.500 Spreng- und 157.000 Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | BMW-Allach und Ostbahnhof schwer beschädigt, 2.000 Obdachlose, einige Feindabschüsse<ref name=":1" /><ref>A.C. Grayling: Die toten Städte: Waren die alliierten Bombenangriffe Kriegsverbrechen? C. Bertelsmann Verlag, 2007, ISBN 978-3-570-00845-4, S. 376.</ref> |
| 31. Juli 1944 | Randgebiete | 100 Verletzte, 114 Tote<ref name=":1" /> | 567 Bomber der 8th Air Force, zusätzlich Jagdschutz<ref name=":1" /> | u. a. 2.650 Spreng-, 540 Flüssigkeitsbrand- und 180.000 Stabbrandbomben sowie 380 kg Flugblätter<ref name=":1" /> | Schwere Schäden an Industrie, 11 Feindabschüsse, 20.000 Obdachlose<ref name=":1" /><ref name=":0" /> |
| 17. Dezember 1944 | Altstadt | 909 Verletzte, 562 Tote<ref name=":1" /> | 300 Bomber der RAF<ref name=":1" /> | u. a. 75 Minen-, 1.100 Spreng-, 3.000 Flammstrahl- und 75.000 Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | 49.000 Obdachlose<ref name=":1" /> |
| 8. Januar 1945 | Innenstadt | 505 Tote | 597 Bomber der RAF | ||
| 25. April 1945 | Pasing, Innenstadt<ref name=":1" /> | 44 Verletzte, 45 Tote<ref name=":1" /> | unbekannte Anzahl Bomber | 160 Spreng- und 300 Stabbrandbomben<ref name=":1" /> | 84 Totalschäden an Gebäuden, 600 Obdachlose<ref name=":1" /> |
| 26. April 1945 | Riem<ref name=":1" /> | 3 Verletzte | unbekannte Anzahl Bomber<ref name=":1" /> | 10 Sprengbomben und Bordwaffenbeschuss<ref name=":1" /> | 73. und letzter Luftangriff |
Der Angriff der RAF vom 25. April 1944
350 bis 400 Bomber der RAF hatten in der Nacht auf den 25. April 1944 bei dem 18. Angriff auf München die Bahnanlagen des Hauptbahnhofs zum Ziel.<ref>Die Nacht, in der die Bomber kamen sueddeutsche.de; abgerufen am 6. Juni 2016.</ref> Da die deutschen Nachtjäger sich zuvor noch im Einsatz über Karlsruhe befanden und später keinen Treibstoff mehr hatten, verlief der Großangriff ohne Gegenwehr.<ref name=":1" /> Auf Grund der Erprobung neuer Systeme zur Zielmarkierung wurde das geplante Zielgebiet verfehlt. Die Flugzeuge der Pathfinder Force setzten ihre Markierungen stattdessen über dem Stadtteil Au östlich der Isar. Dort wurden bei diesem und späteren Angriffen knapp 80 % der Gebäude zerstört, darunter auch die Mariahilfkirche, von der nur der beschädigte Turm und Außenmauern stehen blieben.
Schäden
Auf das Stadtgebiet Münchens wurden rund 450 Luftminen, 61.000 Sprengbomben, 142.000 Flüssigkeitsbrandbomben und 3.316.000 Stabbrandbomben abgeworfen. Hierbei wurden rund 90 % der historischen Münchener Altstadt zerstört. Das gesamte Stadtgebiet wies einen Zerstörungsgrad von rund 50 % seines Gebäudebestandes auf. Durch die alliierten Luftangriffe wurden rund 300.000 Einwohner obdachlos, weil 81.500 Wohnungen ganz oder teilweise zerstört worden waren.
Noch heute werden bei Bauarbeiten Blindgänger gefunden. Aufsehen erregte die kontrollierte Sprengung einer Bombe, die beim Abriss der Schwabinger 7 im August 2012 gefunden worden war. Die missglückte Sprengung verursachte Schäden in Millionenhöhe.
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Flug über München (1945)
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Blindgängersprengung (2012)
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Bildhafte Darstellung in einem Mosaik über einem Kriegerdenkmal
Namen der Opfer
In München finden sich explizite Denkmäler für die Luftkriegsopfer, hier sind keine Namen genannt. Daneben aber werden auch Namen von Zivilopfern auf Kriegerdenkmälern zusammen mit den Namen von Militärangehörigen aufgezählt. Die Zivilisten sind hier manchmal nicht als solche bezeichnet, fallen aber durch das gemeinsame Sterbedatum (=Luftangriffe) ins Auge.
Siehe auch
Literatur
- Richard Bauer: Fliegeralarm – Luftangriffe auf München von 1940 bis 1945. Hugendubel, München 1987.
- Richard Bauer: Ruinen-Jahre. Bilder aus dem zerstörten München 1945–1949. Hugendubel, München 1988.
- Hans-Günter Richardi: Bomber über München. Der Luftkrieg 1939 bis 1945, dargestellt am Beispiel der „Hauptstadt der Bewegung“. W. Ludwig, München 1992.
- Irmtraud Permooser: Der Luftkrieg über München 1942–1945. Bomben auf die Hauptstadt der Bewegung. Aviatic, Oberhaching 1996, ISBN 3-925505-37-7.
- Irmtraud Eve Burianek: München im Luftkrieg 1942 bis 1945, GRIN Verlag; Auflage: 2. (23. Juni 2012), ISBN 978-3-656207-84-9
Weblinks
- Die Nacht, in der die Bomber kamen. (Am 25. April 1944 wurde München von 400 englischen Flugzeugen angegriffen und in Brand gesetzt.)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kriegsende in Bayern. München - Hauptstadt der Sirenen, Löschsand gegen Bomber. ( vom 18. März 2011 im Internet Archive) BR-online vom 14. April 2010
- 1945, Schadenskarte der Münchner Innenstadt vom Stadtbauamt, Stadtarchiv München. Durch Mitarbeiter des Stadtbauamts wurde in der Schadenskarte für den Bereich der Innenstadt das Ausmaß der Zerstörung einzelner Gebäude festgehalten.
- Luftangriffe auf München. (PDF; 806 kB)
- Zu Bunkeranlagen: www.bunkerfreunde-muenchen.de
- Luftbilder des zerstörten München 1, 2, 3, 4, 5, 6
- Farbbilder München 1945 Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8
Einzelnachweise
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