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Lucius Iunius Brutus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:M. Junius Brutus, denarius, 54 BC, RRC 433-2 (obverse L. Junius) bw.jpg
Porträt von Lucius Iunius Brutus auf einem Denar geprägt 54 v. Chr.
Datei:Capitoline Brutus Musei Capitolini MC1183.jpg
Büste eines Unbekannten aus der mittleren Republik (so genannter „Kapitolinischer Brutus“); Rom, Kapitolinische Museen

Lucius Iunius Brutus († angeblich 509 v. Chr.) stammte der Sage nach aus der Familie der Tarquinier und war der erste Konsul bzw. praetor maximus der römischen Republik nach dem Sturz des letzten etruskischen Königs von Rom, Tarquinius Superbus.<ref>Titus Livius, Ab urbe condita 1,60,2–3.</ref>

Der heutigen Forschung zufolge hat Brutus allerdings womöglich gar nicht existiert. Es gibt praktisch keine authentischen Quellen, die bis in die Zeit der frühen Republik zurückreichen. Spätere Autoren haben die spärliche Überlieferung immer freier ausgestaltet, teilweise aus Eigeninteresse. So erfand vermutlich das plebejische (und damit erst während der mittleren Republik, ab Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr., politisch wirksame) Geschlecht der Iunii Bruti einen mythischen Vorvater, der angeblich Patrizier gewesen sein soll, so wie alle Konsuln der frühen Republik.<ref>T. Robert S. Broughton: The Magistrates Of The Roman Republic. Band 1: 509 B.C. – 100 B.C. (= Philological Monographs. Bd. 15, Teil 1, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}

 | {{#if:trim|418575-4}}. In: Zeitschriftendatenbank (ZDB).
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Brutus soll maßgeblich an der Vertreibung des letzten etruskischen Königs Tarquinius Superbus im Jahr 509 v. Chr. beteiligt gewesen sein. Die Königsherrschaft wurde dabei durch die römische Republik (libera res publica) abgelöst.

Sage

Gemäß der Überlieferung war Brutus der Sohn Tarquinias, der Schwester des Königs Tarquinius Superbus. Nachdem der König den Bruder des Brutus und andere vornehme Bürger hatte ermorden lassen, stellte Brutus sich schwachsinnig, um dem König keinen Anlass zu geben, ihn zu fürchten und deshalb töten zu lassen.<ref name="56.7">Titus Livius, Ab urbe condita 1,56,7.</ref> Das brachte ihm den Spitznamen Brutus (lat. „Dummkopf“) ein, den er in Übereinstimmung mit seiner Verstellung klaglos hinnahm.<ref>Titus Livius, Ab urbe condita 1,56,8.</ref>

Als König Tarquinius über ein ungünstiges Omen erschrocken war und zwei seiner Söhne zum Orakel von Delphi geschickt hatte, um dieses darüber zu befragen, begleitete Brutus sie.<ref name="56.7" /> In Delphi angekommen, baten die Söhne des Tarquinius das Orakel, ihnen zu offenbaren, wer von ihnen in Rom herrschen werde. Als sie die Antwort erhalten hatten, dies werde derjenige sein, der als Erster seine Mutter geküsst haben werde, glaubten die Tarquinier, dies beziehe sich auf ihre biologische Mutter. Brutus aber erkannte, dass das Orakel von der gemeinsamen Mutter aller Menschen, der Erde, sprach, gab vor zu stürzen und küsste sie.<ref>Titus Livius, Ab urbe condita 1,56,10–12.</ref>

Datei:Brutus tischbein.jpg
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Brutus entdeckt die Namen seiner Söhne auf der Liste der Verschwörer und verurteilt sie zu Tode. Ölgemälde im Kunsthaus Zürich
Datei:DavidBrutusSonsCorps.jpg
Jacques-Louis David: Die Liktoren bringen Brutus die Leichen seiner Söhne (1789)

Sextus, der jüngste Sohn des Königs<ref>Titus Livius, Ab urbe condita 1,53,5.</ref> vergewaltigte der Überlieferung nach Lucretia, die Gattin des Lucius Tarquinius Collatinus. Lucretia ließ unter anderem ihren Mann und Brutus schwören, sie zu rächen, und erstach sich. Brutus sah die Gelegenheit, den König zu stürzen.<ref>Titus Livius, Ab urbe condita 1,58,1–1,59.1.</ref>

Lucretias Leiche wurde aus dem Haus aufs Forum ihres Wohnortes Collatia getragen; Brutus, der seinen vorgeblichen Blödsinn ablegte, brachte das Volk zunächst dort und dann auch in Rom mit flammenden Reden über den Hochmut und die Verbrechen des Königs und seiner Sippe gegen diesen auf. Er erwirkte einen Beschluss, mit dem der König die Herrschaft verlor und zusammen mit seiner Familie verbannt wurde.<ref>Titus Livius, Ab urbe condita 1,59,2–11.</ref> Gemäß der Sage bildete Brutus im Jahr 509 v. Chr. zusammen mit Collatinus das erste römische Konsulpaar.

In der Folge konnten die Tarquinier Brutus’ Söhne, Titus und Tiberius, dazu gewinnen, sich mit ihnen zu verschwören, um die Königsherrschaft wiederherzustellen; das Komplott wurde entdeckt, und Brutus ließ seine Söhne hinrichten.<ref>Titus Livius, Ab urbe condita 2,5.</ref> Brutus selbst soll später im Zweikampf gegen Arruns, einen Sohn des vertriebenen Königs, gefallen sein.<ref>Titus Livius, Ab urbe condita 2,6,8–9.</ref> Die heutige Forschung geht davon aus, dass das Konsulat erst viel später eingeführt wurde; nach der Königsherrschaft war das höchste Amt vermutlich zunächst der praetor maximus.

Wirkung

Die Mörder von Caesar (44 v. Chr.) nahmen die Sage als Vorbild für ihre Tat, insbesondere Marcus Iunius Brutus, der als direkter Nachfahre des Republikgründers angesehen wurde. Aber auch unter Caesars Erben Augustus wurde Brutus als Verkörperung römischer Tugenden hervorgehoben, vor allem von Livius und Vergil.

Büste

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Seit dem 16. Jahrhundert befindet sich im Konservatorenpalast in Rom eine Büste, die von Kardinal Rodolfo Pio da Carpi der Stadt Rom aus seiner Sammlung vermacht wurde. Diese Kapitolinischer Brutus genannte Büste wurde seit damals mit Brutus identifiziert.

Literatur

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| Suppl. 1 = Walter Eder, Johannes Renger (Hrsg.): Herrscherchronologien der antiken Welt. Namen, Daten, Dynastien | Suppl. 2 = Manfred Landfester (Hrsg.): Geschichte der antiken Texte. Autoren- und Werklexikon | Suppl. 3 = Anne-Maria Wittke, Eckart Olshausen, Richard Szydlak (Hrsg.): Historischer Atlas der antiken Welt | Suppl. 4 = Manfred Landfester, Brigitte Egger (Hrsg.): Register zur Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte. Register zu den Bänden 13–15/3 des Neuen Pauly | Suppl. 5 = Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart | Suppl. 6 = Peter Kuhlmann, Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Altertumswissenschaften. Biographisches Lexikon | Suppl. 7 = Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon | Suppl. 8 = Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik | Suppl. 9 = Manfred Landfester (Hrsg.): Renaissance-Humanismus. Lexikon zur Antikerezeption | Suppl. 10 = Anne-Maria Wittke (Hrsg.): Frühgeschichte der Mittelmeerkulturen. Historisch-archäologisches Handbuch | Suppl. 11 = Falko Daim (Hrsg.): Byzanz. Historisch-kulturwissenschaftliches Handbuch | Suppl. 12 = Leonhard Burckhardt, Michael A. Speidel (Hrsg.): Militärgeschichte der griechisch-römischen Antike. Lexikon | Suppl. 13 = Joachim Jacob, Johannes Süßmann (Hrsg.): Das 18. Jahrhundert. Lexikon zur Antikerezeption in Aufklärung und Klassizismus | Suppl. 14 = Konrad Vössing, Matthias Becher, Jan Bemmann (Hrsg.): Die Germanen und das Römische Reich. Historisch-archäologisches Lexikon }} (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band {{#invoke:Str|cropleft|Suppl. 8|7}}). Metzler, Stuttgart/Weimar|Der Neue Pauly (DNP). {{#if:Suppl. 8|Band Suppl. 8,|}} Metzler, Stuttgart}} {{#switch: Suppl. 8 | 1 = 1996 | 2 = 1997 | 3 = 1997 | 4 = 1998 | 5 = 1998 | 6 = 1999 | 7 = 1999 | 8 = 2000 | 9 = 2000 | 10 = 2001 | 11 = 2001 | 12/1 = 2002 | 12/2 = 2002 | 13 = 1999 | 14 = 2000 | 15/1 = 2001 | 15/2 = 2002 | 15/3 = 2003 | 16 = 2003 | Suppl. 1 = 2004 | Suppl. 2 = 2007 | Suppl. 3 = 2007 | Suppl. 4 = 2005 | Suppl. 5 = 2008 | Suppl. 6 = 2012 | Suppl. 7 = 2010 | Suppl. 8 = 2013 | Suppl. 9 = 2014 | Suppl. 10 = 2015 | Suppl. 11 = 2016 | Suppl. 12 = 2022 | Suppl. 13 = 2018 | Suppl. 14 = 2023 | #default = 1996–2023 }}, ISBN {{#switch: Suppl. 8 | 1 = 3-476-01471-1 | 2 = 3-476-01472-X | 3 = 3-476-01473-8 | 4 = 3-476-01474-6 | 5 = 3-476-01475-4 | 6 = 3-476-01476-2 | 7 = 3-476-01477-0 | 8 = 3-476-01478-9 | 9 = 3-476-01479-7 | 10 = 3-476-01480-0 | 11 = 3-476-01481-9 | 12/1 = 3-476-01482-7 | 12/2 = 3-476-01487-8 | 13 = 3-476-01483-5 | 14 = 3-476-01484-3 | 15/1 = 3-476-01485-1 | 15/2 = 3-476-01488-6 | 15/3 = 3-476-01489-4 | 16 = 3-476-01486-X | Suppl. 1 = 3-476-01912-8 | Suppl. 2 = 978-3-476-02030-7 | Suppl. 3 = 978-3-476-02031-4 | Suppl. 4 = 3-476-02051-7 | Suppl. 5 = 978-3-476-02032-1 | Suppl. 6 = 978-3-476-02033-8 | Suppl. 7 = 978-3-476-02034-5 | Suppl. 8 = 978-3-476-02468-8 | Suppl. 9 = 978-3-476-02469-5 | Suppl. 10 = 978-3-476-02470-1 | Suppl. 11 = 978-3-476-02422-0 | Suppl. 12 = 978-3-476-02471-8 | Suppl. 13 = 978-3-476-02472-5 | Suppl. 14 = 978-3-476-02473-2 | #default = 3-476-01470-3 }}{{#if:187|, {{#switch: Suppl. 8 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 = S.  | #default = Sp.  }}187{{#if:192|{{#ifexpr: 187 <> 192|–192|}}|}}|}}{{#if:|, {{{Fundstelle}}}}}{{#if:| ({{{6}}})}}.{{#invoke:TemplatePar|match |template=Vorlage:DNP |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:DNP |format=@@@ |1=1=* |2=2=n |3=3=n |4=4=* |5=5=* |6=6=* |7=Fundstelle=*}}{{#if: Suppl. 8|{{#switch: Suppl. 8 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12/1 | 12/2 | 13 | 14 | 15/1 | 15/2 | 15/3 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 | Suppl. 6 | Suppl. 7 | Suppl. 8 | Suppl. 9 | Suppl. 10 | Suppl. 11 | Suppl. 12 | Suppl. 13 | Suppl. 14 = | #default = Vorlage:DNP: Ungültige Bandnummer. }}|}}

Weblinks

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Einzelnachweise

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