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Louis Raphaël I. Sako

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Datei:Louis Raphaël I Sako November 2015.jpg
Louis Raphaël I Sako, November 2015 in Wien
Datei:Coat of arms of Louis Raphael I Sako.svg
Kardinalswappen des Patriarchen (seit 2018)

Louis Raphaël I. Kardinal Sako, zuvor Louis Sako (* 4. Juli 1949<ref>Kardinal Sako bezieht Position zum Religionsstreit im Irak. In: Domradio.de. 19. Juli 2023, abgerufen am 15. Oktober 2025 (Interview mit Andrea Krogmann).</ref> in Zaxo), ist ein irakischer Geistlicher. Als Patriarch von Bagdad war er von 2013 bis 2026 Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche. Zuvor war er Erzbischof von Kirkuk.

Leben

Louis Sako studierte in Rom und Paris, promovierte in den Fächern Patristik und Religionsgeschichte in Rom und schloss ein Studium der Islamwissenschaft mit dem Lizentiat ab. Er spricht zwölf Sprachen, neben Arabisch unter anderem Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch.

1974 wurde er zum Priester geweiht. Er war Regens des chaldäischen Priesterseminars in Bagdad.

Im Jahr 2002 wurde er zum Erzbischof des Erzbistums Kirkuk gewählt, die päpstliche Bestätigung durch Papst Johannes Paul II. erfolgte aufgrund des Irakkriegs aber erst ein Jahr später.<ref>Assenso del Santo Padre all’Elezione dell’Arcivescovo di Kerkuk dei Caldei (Iraq). In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, abgerufen am 22. Mai 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 14. November 2003 empfing Sako durch seinen Vorgänger, Erzbischof André Sana, die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren Shlemon Warduni, Weihbischof im Patriarchat von Babylon, und Paulos Faraj Rahho, Erzbischof von Mosul.

Er wurde 2004 zum Vizepräsidenten des Provinzrates von Mosul gewählt und wurde Berater des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog.<ref>Erzbischof Sako von Kirkuk zu Gast im Studentenhaus Allenmoos. Opus Dei, 1. November 2004, abgerufen am 22. Mai 2018.</ref>

Sako kritisierte die Hinrichtung Saddam Husseins und sprach sich gegen die Anwesenheit von US-amerikanischen Truppen im Irak aus.<ref>Christen im Irak: Erzbischof im Interview – Kampf ums Überleben. In: Interview mit Alexander Brüggemann und Viola van Melis (KNA). Domradio, 19. Januar 2008, abgerufen am 22. Mai 2018.</ref>

Anlässlich des Ramadanbeginns im August 2009 formulierte Sako zusammen mit anderen religiösen Führern (u. a. Vertretern von Ali Sistani und Muktada al Sadr) einen Aufruf für Frieden, Versöhnung und ein Ende der Gewalt: „Wir sind alle Brüder, Söhne des gleichen Gottes, wir müssen uns gegenseitig respektieren und zusammenarbeiten für das Wohl der Menschen und das Wohl unseres Landes. Der Irak braucht Versöhnung und Dialog.“<ref>In Kirkuk Christian and Muslim leaders for dialogue and reconciliation. Asianews.it, 29. August 2009, abgerufen am 22. Mai 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Jahr 2010 erhielt er den Friedenspreis der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi für seine jahrelange interreligiöse Friedensarbeit in Kirkuk.

Patriarch

Am 1. Februar 2013 wurde er von der Bischofssynode der Chaldäisch-katholischen Kirche zum Patriarchen von Babylon gewählt. Papst Benedikt XVI. gewährte ihm am selben Tag in einem Schreiben die sogenannte ecclesiastica communio (kirchliche Gemeinschaft).<ref>Chaldean Catholic bishops elect Kirkuk archbishop as new patriarch. Catholic News Service, 2. April 2013, abgerufen am 22. Mai 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er folgte Kardinal Emmanuel III. Delly. Er gab sich den Namen Louis Raphaël I. Sako. Seit der Umbenennung im Februar 2022 führt er den Titel des Patriarchen von Bagdad.<ref>Mutamento del titolo di “Patriarcato di Babilonia dei Caldei” in “Patriarcato di Baghdad dei Caldei”. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 19. Februar 2022, abgerufen am 19. Februar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Juli 2014 initiierte Sako eine Kampagne gegen diejenigen sunnitischen Islamisten, die die Christen des Landes zwingen, entweder zu konvertieren, eine Abgabe zu zahlen oder aber durch das Schwert hingerichtet zu werden.<ref>Dominic Evans, Raheem Salman: Iraq Catholic leader says Islamic State worse than Genghis Khan. Reuters, 20. Juli 2014, abgerufen am 22. Mai 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im September 2014 kritisierte er sowohl die Vereinigten Staaten „Die USA sind indirekt verantwortlich für das, was jetzt im Irak vor sich geht“ als auch die Anrainerstaaten: „Unsere muslimischen Nachbarn helfen uns nicht (...) ich bitte die muslimischen Prediger eindringlich, sich eindeutig gegen die Tötung jedweder unschuldiger Menschen auszusprechen. Eine Fatwa, dass Muslime keine Glaubensbrüder töten sollen, ist nicht genug.“<ref>In Kirkuk Christian and Muslim leaders for dialogue and reconciliation. The Daily Star, 29. August 2009, abgerufen am 23. September 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Konsistorium vom 28. Juni 2018 nahm ihn Papst Franziskus als Kardinalbischof in das Kardinalskollegium auf.<ref>Concistoro Ordinario Pubblico: Assegnazione dei Titoli. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 28. Juni 2018, abgerufen am 28. Juni 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Kardinal Sako war Teilnehmer am Konklave 2025.

Im Dezember 2019 sagte er aus Solidarität mit den Opfern der Proteste gegen die irakische Regierung die Christmetten in den Kirchen Bagdads am Heiligen Abend ab.<ref>Irak: Chaldäischer Patriarch sagt nächtliche Christmetten ab. Vatican News, 20. Dezember 2019, abgerufen am 26. Dezember 2019.</ref>

Der irakische Präsident Abdul Latif Raschid entzog Sako im Juli 2023 weitreichende Befugnisse zur Verwaltung chaldäischer kirchlicher Eigentümer.<ref>Irak: Patriarch fordert Abzug von Milizen. In: vaticannews.va. 19. Januar 2024, abgerufen am 16. März 2024.</ref> Daraufhin reiste der Patriarch aus Protest aus Bagdad ab und schlug im Priesterseminar in Ankawa bei Erbil sein Domizil auf und führt seitdem von hier aus die Geschäfte.<ref>Irak: Patriarch fordert Abzug von Milizen - Vatican News. Vatican News, 19. Januar 2024, abgerufen am 20. Januar 2024.</ref>

Am 10. März 2026 nahm Papst Leo XIV. entsprechend den Bestimmungen des Ostkirchenrechts seinen Rücktritt an.<ref>Rinuncia del Patriarca di Baghdad dei Caldei. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 10. März 2026, abgerufen am 10. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sein Rücktritt erfolgte zeitgleich mit dem Rücktritt von Bischof Emmanuel Challita (Hana Shaleta) der Eparchie Saint Peter the Apostle of San Diego, der wegen Veruntreuung von Kirchengeldern festgenommen worden war.<ref>Patrick Hudson: Chaldean patriarch resigns as arrested US bishop replaced. The Tablet, 10. März 2026, abgerufen am 11. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Nun im Ruhestand. Domradio.de, 10. März 2026, abgerufen am 13. März 2026: „Kein Rücktritt aus Altersgründen?“</ref>

Mitgliedschaften

Louis Sako ist Mitglied folgender Untergliederungen der Römischen Kurie:

Veröffentlichungen

  • Die Chaldäisch-katholische Kirche: Ihre Geschichte und der Auftrag heute, Verlag der Initiative Christlicher Orient und Freunde des Turabdin, 2010, ISBN 978-3-9501039-2-2.
  • Marschiert endlich ein! Stoppt die Ermordung der Christen im Nahen Osten – Ein Aufschrei aus Bagdad, Verlag Herder, Freiburg 2016, ISBN 978-3-451-34940-9

Weblinks

Commons: Louis Raphaël I Sako – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

VorgängerAmtNachfolger
André SanaErzbischof von Kirkuk
2003–2013
Yousif Thomas Mirkis OP
Emmanuel III. DellyPatriarch von Bagdad
bis 2022 Patriarch von Babylon

2013–2026
Paul III. Nona

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