Zum Inhalt springen

Lorscher Bienensegen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Pal. lat. 220, fol. 58r – Lorscher Bienensegen.jpg
Handschrift Città del Vaticano, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. lat. 220, fol. 58r, unten kopfüber fünfzeilig nachgetragen der Lorscher Bienensegen
Datei:Pal. lat. 220, fol. 58r – Lorscher Bienensegen (Detail).jpg
Lorscher Bienensegen, gedrehter Detailausschnitt der Handschrift

Der Lorscher Bienensegen gehört zu den ältesten gereimten Dichtungen in deutscher Sprache. Der althochdeutsche Bienensegen wurde im 10. Jahrhundert kopfüber an den unteren Rand einer Seite der apokryphen Visio St. Pauli aus dem frühen 9. Jahrhundert geschrieben. Das Manuskript entstand im mittel- oder oberrheinischen Raum und wurde ab etwa 900 im Kloster Lorsch aufbewahrt; dort dürfte der Eintrag des Bienensegens im 10. Jahrhundert erfolgt sein. Im 16. Jahrhundert gelangte die Handschrift in die Bibliotheca Palatina in Heidelberg. Seit 1623 wird sie in der Biblioteca Apostolica Vaticana unter der Signatur Codex Pal(atinus) lat(inus) 220 aufbewahrt. Der Bienensegen findet sich dort als kopfüber stehender Nachtrag auf der Freifläche unterhalb des Textspiegels auf Fol. 58r. Der handschriftliche Kontext legt nahe, dass der Text am unteren Rand des Manuskripts hinzugefügt wurde, um herausgelöst und als Amulett in einem Bienenhaus verwendet zu werden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Der Spruch sollte vermutlich ein schwärmendes Bienenvolk an einen Bienenstock zurückrufen.<ref>Michael Kautz, Universitätsbibliothek Heidelberg: Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana Pal. lat. 220, Stand: 20. Februar 2013.</ref> Englische Linguisten haben Ähnlichkeiten mit dem altenglischen Bienensegen Charm wiþ ymbe festgestellt.<ref>The Anglo-Saxon Minor Poems, S. 297. Online; Felix Grendon: The Anglo-Saxon charms, 1909, S. 209 Online</ref>

Text

<poem style="margin-left:1em;" lang="goh"> Kirst, imbi ist hûcze Nû fliuc dû, vihu mînaz, hera Fridu frôno in munt godes gisunt heim zi comonne

Sizi, sizi, bîna Inbôt dir sancte Maria Hurolob ni habe dû Zi holce ni flûc dû

Noh dû mir nindrinnês Noh dû mir nintuuinnêst Sizi vilu stillo Uuirki godes uuillon </poem>

<poem style="margin-left:2em;"> Christus! das Bienenvolk ist ausgeschwärmt! Nun fliegt, meine Tiere, (wieder) her, damit ihr im Frieden des Herrn, in Gottes Schutz gesund heimkommt!

Sitz, sitz, Biene! Das hat dir die heilige Maria befohlen: du sollst keine Erlaubnis haben, in den Wald zu fliegen,

du sollst mir weder entwischen noch entweichen! Sitz ganz still und tu, was Gott will! </poem>

(Übersetzung von Horst Dieter Schlosser.<ref>In: Karl Otto Conrady: Das große deutsche Gedichtbuch. Athenäum, 1977, ISBN 3-7610-8006-9, S. 3.</ref>)

Siehe auch

Literatur

  • Franz Pfeiffer: Forschung und Kritik auf dem Gebiete des deutschen Alterthums II. In: Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Bd. 52, 1866, S. 3–86, hier S. 3–19 mit einem Faksimile.
  • Elias von Steinmeyer: Die kleineren althochdeutschen Sprachdenkmäler. Berlin 1916. S. 396–397.
  • Walter Berschin: Die Palatina in der Vaticana. Eine deutsche Bibliothek in Rom. Belser, Stuttgart/Zürich 1992. ISBN 3-7630-2087-X, S. 47.
  • Wilhelm Braune: Althochdeutsches Lesebuch. 17. Auflage, Niemeyer, Tübingen 1994. S. 88–89.
  • Ralph Dutli: Das Lied vom Honig. Eine Kulturgeschichte der Biene. Wallstein, Göttingen 2012. S. 76–78.
  • Meinolf Schumacher: Majas Ahnfrauen? Über Bienen in der mittelalterlichen Literatur. In: Bonsels’ Tierleben. Insekten und Kriechtiere in Kinder- und Jugendmedien, hrsg. von Petra Josting u. Sebastian Schmideler. Schneider, Baltmannsweiler 2015. ISBN 978-3-8340-1518-1, S. 293–308, hier S. 293–297 (Digitalisat).
  • Das geistliche Schrifttum von den Anfängen bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts (Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter Bd. 1). De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-598-24991-4, S. 162–165 Google Books
  • {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}

Weblinks

[{{canonicalurl:Commons:Category:{{#if:Lorscher Bienensegen|Lorscher Bienensegen|Lorscher Bienensegen}}|uselang=de}} Commons: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:Lorscher Bienensegen|Lorscher Bienensegen|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]{{#switch:1

|X|x= |0|-= |S|s= – Sammlung von Bildern |1|= – Sammlung von Bildern{{#if:

    | {{#switch: {{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}/{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}
        |1/=  und Videos
        |1/1=, Videos und Audiodateien
        |/1=  und Audiodateien}}
    | , Videos und Audiodateien
  }}

|#default= – }}{{#if: Lorscher Bienensegen

   | {{#ifeq: {{#invoke:Str|left|lorscher bienensegen|9}} 
       | category: 
| FEHLER: Ohne Category: angeben!}}}}

Vorlage:Wikidata-Registrierung

[[s:{{#if:|{{{lang}}}:}}{{#if:|{{{1}}}|Lorscher Bienensegen}}|Wikisource: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:|{{{1}}}|Lorscher Bienensegen}}}}]]{{#switch: 1

|1|= – Quellen und Volltexte |0|-= |X|x= |#default= –

}}{{#if: | ({{#invoke:Multilingual|format|{{{lang}}}|slang=!|shift=m}}) }}

{{#invoke:TemplatePar|check

  |opt= 1= 2= lang= suffix=
  |template=Vorlage:Wikisource
  |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Schwesterprojekt
  }}

Anmerkungen

<references />