Liste homöopathischer Grundsubstanzen
Im Folgenden werden homöopathische Mittel mit ihren üblichen Bezeichnungen und Abkürzungen sowie die Substanzen, aus denen diese hergestellt werden, aufgelistet.
Die Verordnung homöopathischer Mittel entspricht nicht wissenschaftlichen Erkenntnissen, weil entsprechende Studien keine signifikant über den Placebo-Effekt hinausgehende medizinische Wirksamkeit zeigen, siehe den Abschnitt „Wirksamkeit“ der Homöopathie.
Die Grundsubstanzen homöopathischer Mittel (Polychreste) können Teile von Pflanzen, Tieren, Mineralien, Nosoden aus Krankheitserregern oder speziell behandelte Stoffe sein. Oft sind die Grundsubstanzen giftig. Die Giftigkeit des Mittels hängt davon ab, wie viel von der Grundsubstanz nach der homöopathischen Verdünnung im Mittel überhaupt noch vorhanden ist bzw. ob überhaupt noch Moleküle der Grundsubstanz nachweisbar sind.
In Deutschland schreibt das Arzneimittelgesetz für homöopathische Arzneimittel eine Registrierung, jedoch nicht den Nachweis einer medizinischen Wirksamkeit vor.
Grundsubstanz-Liste (häufig verwendete Mittel (Polychreste))
| Homöopathisches Mittel | Kürzel | Ausgangssubstanz | Wirkungsweise im unverdünnten Zustand |
|---|---|---|---|
| Aconitum napellus (In Deutschland, Österreich rezeptpflichtig bis D3 bzw. C1.<ref name="DHU">Homöopathisches Repertorium. Deutsche Homöopathie Union (DHU), 1994.</ref>) |
Acon | Der zerkleinerte und in Alkohol angesetzte, blühende Blaue Eisenhut mit Wurzel.<ref name="Lockie">Andrew Lockie: Das große Lexikon der Homöopathie. Dorling Kindersley Verlag, 2000, ISBN 3-8310-0005-0.</ref> | Alle Pflanzenteile enthalten das Alkaloid Aconitin. Äußerst starke und schnelle Giftwirkung. Letale Dosis: ca. 1–2 Gramm. |
| Allium cepa | All-c | Tinktur, welches in einem speziellen Verfahren, aus der reifen, roten Küchenzwiebel, hergestellt wird.<ref name="LockieGeddes">Andrew Lockie, Nicola Geddes: Homöopathie. BLV Verlagsgesellschaft, 1996, ISBN 3-405-14719-0.</ref> | |
| Apis mellifera | Apis | Gewonnene Tinktur aus der weiblichen Honigbiene<ref name="DHU" /> oder (seltener) das reine, vom Stachel abgenommene Gift der weiblichen Honigbiene.<ref name="Phatak">S. R. Phatak: Homöopathische Arzneimittellehre. Elsevier, 2005, ISBN 3-437-56860-4.</ref> | Insektenreste können Krankheitserreger enthalten. Das Gift im Stachel der Biene ruft ggf. starke allergische Reaktionen hervor. |
| Arnica montana | Arn | Die in Alkohol angesetzte ganze blühende Arnika mit der Wurzel<ref name="Lockie" /> oder nur der Wurzelstock nebst Wurzeln.<ref name="DHU" /><ref name="Phatak" /> | Erzeugt Hautreizungen, Muskelschädigung und Herzrhythmusstörungen. |
| Arsenicum album | Ars | Weißes Arsenik | Hochgradig giftig und nachweislich krebserregend. Letale Dosis 0,1 g. |
| Belladonna (In Deutschland, Österreich rezeptpflichtig bis D3 bzw. C1.<ref name="DHU" />) |
Bell | Der ausgedrückte Saft, der zerkleinerten, blühenden, frischen Tollkirsche mit Wurzel, der mit Alkohol vermischt wird.<ref name="Lockie" /> | Enthält Atropin. Letale Dosis 2–3 Früchte für Kinder, 10–20 Früchte für Erwachsene. |
| Bellis perennis | Bell-p | Frische, ganze Gänseblümchen, einschließlich Wurzel, während der Blüte gepflückt und in Alkohol angesetzt.<ref name="Lockie" /> | Saponinhaltige Pflanze. |
| Bryonia alba | Bry | Frische, vor der Blütezeit ausgegrabene weiße Zaunrübenwurzel | Einsatzbereich: alle „inneren Häute“ des Menschen. Pflanzenteile stark giftig. |
| Echinacea | Echi | Tinktur aus der frischen, blühenden Schmalblättrigen Kegelblume (Sonnenhut) mit Wurzel.<ref name="DHU" /><ref name="Lockie" /> | Echinacea angustifolia stimuliert das Immunsystem. In Einzelfällen allergische Reaktionen möglich. |
| Hypericum perforatum | Hyper | Das in Alkohol mazerierte, zerkleinerte Echte Johanniskraut zur Zeit der Blüte.<ref name="DHU" /><ref name="Lockie" /> | Kann Phototoxie hervorrufen. |
| Lachesis muta | Lach | Gift der Buschmeisterschlange | Biss der Buschmeister ist ohne medizinische Behandlung tödlich. |
| Natrium Alter Handelsname: Natrium muriaticum |
Nat-m | Natriumchlorid, NaCl | Natriumchlorid ist Kochsalz. |
| Phosphorus (In Deutschland, Österreich rezeptpflichtig bis D3 bzw. C1.<ref name="LockieGeddes" />) |
Phos | Gelber Phosphor in Alkohol gelöst.<ref name="Lockie" /> | Die tödliche Dosis für den Menschen liegt bei gelbem Phosphor bei 0,05 bis 0,1 Gramm. Führt im Finalstadium zu einem schweren Ikterus und Organversagen (v. a. der Leber, Herz, Niere, Lunge). |
| Silicea terra | Sil | Wasserhaltiges, polymerisiertes Siliciumdioxid (SiO2·H2O) aus zerkleinertem Bergkristall.<ref name="Bahr">Frank R. Bahr (Hrsg.): Praxiscompendium der homöopathischen Arzneimittelbilder. (c) Ärztetag für Medizin ohne Nebenwirkungen, 1997.</ref> Hahnemann schreibt zerkleinertem Bergkristall oder reinen weißen Sand vor.<ref name="Phatak" /> | Siliciumdioxid ist Glas. Giftige Erscheinungen sind unbekannt. |
| Sulfur | Sulph | Chemisch gereinigter Schwefel mit Milchzucker verrieben und pulverisiert, so dass er in Wasser und Alkohol löslich ist.<ref name="DHU" /><ref name="Lockie" /> | Schwefel ist ein essenzielles Element für Menschen, Tiere und Pflanzen. |
| Symphytum officinalis | Symph | Frische Wurzel von Echter Beinwell vor der Blüte gesammelt oder im Herbst.<ref name="Lockie" /> | Enthält Pyrrolizidinalkaloide, die eine krebserregende Wirkung haben. Medizinische Anwendung bei Magen-Darm-Beschwerden wurde daher eingestellt. |
| Thuja occidentalis | Thuj | Frische Zweige des Lebensbaums mit Blättern (vor Beginn der Blüte gesammelt)<ref name="DHU" /> | Sehr giftig wegen Toxizität des Thujons. Kann Leber- und Nierenschäden verursachen.<ref name="Pschyrembel">Willibald Pschyrembel: Pschyrembel Naturheilkunde und alternative Heilverfahren. 3. Auflage. de Gruyter, Berlin / New York 2006, ISBN 3-11-018524-5.</ref> |
Einzelnachweise
Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Literatur angegebenen Quellen, darüber hinaus sind folgende Einzelnachweise wiedergegeben: <references />
Literatur
- William Boericke: Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen: Materia medica und Repertorium. 5. Auflage. Verlag Grundlagen und Praxis, 1995, ISBN 3-921229-72-3. (Englische Erstauflage von 1927, siehe auch: homeoint.org - Homöopathic Materia Medica by William Boericke)
- Samuel Hahnemann: Reine Arzneimittellehre. Band 1–6, Haug, Heidelberg 1995, ISBN 3-7760-1462-8. (Typograph. Neugestaltung der zweiten vermehrten Auflage von 1827, online: Samuel Hahnemann: Reine Arzneimittellehre. Band 1 bis 6 bei Zeno.org)