Leithaprodersdorf-Gruppe
| Bronzezeit – Frühe Bronzezeit | |
| 2300 v. Chr.–2000 v. Chr. | |
| A1 | |
| Ausdehnung
| |
| Donau | |
| südliches Burgenland / Siegendorf | |
| Wienerwald | |
| Leithagebirge | |
| Leitformen | |
| „Trausdorfer Tasse“; „Leithaprodersdorfer Tasse“ | |
Die Leithaprodersdorf-(Kultur-)Gruppe ist eine frühbronzezeitliche Kultur, die aus der Glockenbecher-Kultur hervorgegangen ist.<ref name="epöf">Ernst Probst: Österreich in der Frühbronzezeit. S. 20.</ref> In weiterer Folge wird diese Kulturgruppe durch die Wieselburger Kultur abgelöst.<ref name="neugebauer">Johannes-Wolfgang Neugebauer: Bronzezeit in Ostösterreich. 1994, S. 49.</ref> Die Bezeichnung Leithaprodersdorf-Gruppe geht auf Alois Ohrenberger zurück.<ref>Ernst Probst: Österreich in der Frühbronzezeit. 2011, S. 17.</ref> Die namengebende Fundstelle befindet sich im Süden des Gemeindegebietes von Leithaprodersdorf auf der Flur Edelseeäcker, wo Alois Ohrenberger 1950 und 1951 etwa 70 Körpergräber aufdeckte.<ref>Alois Ohrenberger: Fundberichte aus Österreich 5, 1959, S. 42 und Fundberichte aus Österreich 6, 1967, S. 28–29.</ref>
Verbreitungsgebiet und Siedlungstypen
Als wohl westlichstes Siedlungsgebiet (und Höhensiedlung) der Leithaprodersdorf-Gruppe ist der Jennyberg bei Mödling in Niederösterreich anzusehen. Funde von Keramik, die für diese Kulturgruppe als typisch anzusehen ist, und Spuren von Hüttenlehm zeugen davon, wenngleich auch definitive Siedlungsobjekte nicht nachgewiesen werden konnten.<ref>Ernst Probst: Österreich in der Frühbronzezeit. 2011, S. 19.</ref> Flachlandsiedlungen sind aus Gallbrunn und Pellendorf bekannt und in Siegendorf und Trausdorf anzunehmen. Als Höhlensiedlung, wenn auch nur für eine kurze Periode, ist die Königshöhle bei Baden (Niederösterreich) anzusehen.<ref>Ernst Probst: Österreich in der Frühbronzezeit. 2011, S. 18.</ref> Die westlichsten Gräber befinden sich im Westen Niederösterreichs in Gollensdorf und sogar im oberösterreichischen Gräberfeld in Haid können an Keramikgefäßen Elemente der Leithaprodersdorf-Gruppe nachgewiesen werden.<ref>Violetta Reiter: Die Gräber der Leithaprodersdorf-Gruppe der Flur Kreuzäcker in Leithaprodersdorf (Burgenland). In: Anita Kozubová, Erika Makarová und Martin Neumann (Hrsg.), Ultra velum temporis, Slovenská Archeológia 68 Supplementum 1, Nitra 2020, Abb. 4.</ref>
Handwerk und Kulturtechnik
Waffen und Schmuckstücke wurden aus reinem Kupfer angefertigt. Die typische Waffe der Träger dieser Kulturgruppe ist ein Kupferdolch mit einer kupfernen Klinge, die mittels vier Nieten an einer Heftplatte angebracht wurde, an der wiederum ein Griffstück aus Knochen, Holz oder Geweih befestigt war.<ref>Ernst Probst: Die Leithaprodersdorf-Gruppe. 2011, S. 27.</ref>
In Frauengräbern fanden sich kupferne „Diademe“ oder Haubenbesätze, wie sie auch aus anderen Kulturgruppen der gleichen Periode (z. B. Unterwölblinger Gruppe) bekannt sind. Ebenso zählten zu den Schmuckstücken Nadeln aus Knochen und Kupfer sowie kupferne Armringe.<ref name="epöf2">Ernst Probst: Österreich in der Frühbronzezeit. 2011, S. 22.</ref> Nadeln aus Tierknochen wurden zum Zusammenhalt der Kleidung oder als Zierde verwendet.<ref name="epöf2" />
Typische Keramikerzeugnisse (Tongefäße) sind vor allem die „Leithaprodersdorf-Tasse“ (mit kugeligem Unterteil, abgesetztem, konischem Hals, gewulstetem Rand und einem Bandhenkel der sich von Unterteil bis Rand erstreckt) und die „Trausdorfer Tasse“ (im Gegensatz zur „Leithaprodersdorfer Tasse“ deutlich abgesetzter, engerer, höherer Hals und Bandhenkel unterhalb des Randes angebracht) wie auch Schalen mit Henkeln, kugelige Henkeltöpfe, konische Schüsseln und Becher und henkellose Amphoren. Verzierte Tongefäße zeigen unterhalb des Halses eingeritzte Zierbänder.<ref name="epöf" /> „Zierbänder mit eingestochenen punktgefällten konturlosen Dreiecken“, die sich sowohl auf typischen Gefäßen der Leithaprodersdorf-Gruppe als auch der Unterwölblinger-Gruppe finden, legen nahe, dass diese Kulturgruppen entweder in wirtschaftlicher Beziehung zueinander standen, oder aber einer gemeinsamen Vorläuferkultur entstammen.<ref name="JWN56">Johannes-Wolfgang Neugebauer: Bronzezeit in Ostösterreich. 1994, S. 56.</ref>
Fischfang und Jagd sind belegt durch Funde eines durchbohrten Fischwirbels und Eberzahnes. Als Haustiere können Hunde, Hausschwein, Hausrind und Hauspferd angenommen werden.<ref>Ernst Probst: Österreich in der Frühbronzezeit. 2011, S. 19 ff.</ref>
Belegt durch Funde von Siedlungsresten in Gallbrunn und Pellendorf gelten als typische Bauten Häuser in Pfostenbauweise.<ref>Johannes-Wolfgang Neugebauer: Bronzezeit in Ostösterreich. 1994, S. 51.</ref>
Bestattungsriten
„Bipolare“, sexualdifferenzierte Bestattungen in Flachgräbern wie auch in Hügelgräbern (z. B. Jois), in Hockerstellung, Männer linksgehockt mit dem Kopf nach Norden, Frauen rechtsgehockt mit dem Kopf nach Süden, sind üblich.<ref name="JWN56" /> Gemeinsam ist, dass sowohl die männlichen als auch die weiblichen Verstorbenen mit Blickrichtung Osten (der aufgehenden Sonne zugewandt) bestattet wurden.<ref name="epöf23">Ernst Probst: Österreich in der Frühbronzezeit. 2011, S. 23.</ref>
Tierknochen und Tonscherben lassen auf entsprechende Bestattungsrituale rückschließen. Als typische Grabbeigaben fanden sich tönerne Tassen, Schalen und Schüsseln.<ref name="epöf2" /> Perlmuttplättchen und Glasperlen zählen zu den Funden in Frauengräbern.<ref>Kerstin Lutteropp: Untersuchungen zu weiblichen und männlichen Bestattungen der Frühen Bronzezeit: Bestattungsgemeinschaften mit bipolar geschlechtsdifferenzierten Bestattungssitten und ihre Sozialstrukturen im Raum Niederösterreich. Inaugural-Dissertation. Bonn 2009, urn:nbn:de:hbz:5-18856, S. 20.</ref>
Es finden sich auch zahlreiche Scheingräber, die dieser Kulturgruppe zuzuordnen sind.<ref name="epöf23" />
Bedeutende Fundstellen in Niederösterreich
- Leithaprodersdorf
- Gallbrunn
- Jennyberg
- Jois
- Pellendorf
Literatur
- Richard Pittioni: Ein keramischer Hortfund der frühen Bronzezeit aus Trausdorf. Germania 24, Berlin 1940, S. 12–15.
- Eckehart Schubert: Studien zur frühen Bronzezeit an der mittleren Donau. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 54 (1973), Berlin 1974, S. 34–35, Tafel 12.
- Elisabeth Ruttkay: Jennyberg II, Beitrag zur Erforschung der Leitha-Gruppe. In: Nándor Kalicz und Rózsa Kalicz-Schreiber (Hrsg.), Die Frühbronzezeit im Karpatenbecken und in den Nachbargebieten. Internationales Symposium 1977 Budapest-Velem, Mitteilungen des Archaeologischen Instituts der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Beiheft 2, Budapest 1981, S. 171–187.
- Wilfried Hicke: Der Keramik-Depotfund der frühen Bronzezeit aus Siegendorf. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abt. 7 – Landesmuseum (Hrsg.), Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland 69, Eisenstadt 1984, S. 24–37.
- Johannes-Wolfgang Neugebauer: Bronzezeit in Ostösterreich (= Wissenschaftliche Schriftenreihe Niederösterreich. 98/101). Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten/Wien 1994, ISBN 3-85326-004-7.
- Alexandra Krenn-Leeb: Ein Keramikdepot der Leithaprodersdorf-Gruppe aus Enzersdorf an der Fischa, NÖ. In: Alexandra Krenn-Leeb und Johannes-Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), Depotfunde der Bronzezeit im mittleren Donauraum. Archäologie Österreichs – Sonderausgabe 9–10, Wien 1998/1999, S. 46–68.
- Ernst Probst: Die Leithaprodersdorf-Gruppe. Eine Kulturstufe der Bronzezeit von etwa 2300/2200 bis 2000 v. Chr. GRIN-Verlag, München 2011, ISBN 978-3-656-08137-1.
- Violetta Reiter: Die Gräber der Leithaprodersdorf-Gruppe der Flur Kreuzäcker in Leithaprodersdorf (Burgenland). In: Anita Kozubová, Erika Makarová und Martin Neumann (Hrsg.): Ultra velum temporis, Slovenská Archeológia 68 Supplementum 1, Nitra 2020, S. 493–502. (Digitalisat)
Einzelnachweise
<references />