Ledererschlössel
Vorlage:Österreichbezogen Das Ledererschlössel – als Palais Huldenberg errichtet – war ein historisches Bauwerk in Wien-Weidlingau, Mühlbergstraße 7–9.
Namensgebung
Das ursprünglich nach dem Namen des Bauherren Freiherr von Huldenberg benannte Palais wurde im Lauf der Geschichte nach mehrfachem Eigentümerwechsel ab dem Erwerb durch das Ehepaar August und Serena Lederer im Jahr 1929 Ledererschlössel bezeichnet. Der Industrielle August Lederer, Inhaber der Raaber und Jungbunzlauer Spiritusfabriken, und seine Frau Serena galtenen damals als die bekanntesten Kunstsammler, Kunstmäzene und Förderer der Wiener Secession, besonders von Gustav Klimt, mit dem die Familie freundschaftlich verbunden war, der im Lauf der Jahre nicht nur Serena geb. Pulitzer und deren Mutter Charlotte Pulitzer (1833–1920), sondern auch ihre Tochter Elisabeth (1894–1944) porträtierte.
Errichtung, Umgestaltungen und Ausstattung
Erbaut wurde das Palais in den Jahren 1709–1715 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach als Gartenpalais für den Repräsentanten des Kurfürsten von Hannover sowie Gesandten des Königs von England am Hof Kaiser Karls VI., Daniel Erasmus Freiherr von Huldenberg, von dem sich auch die Bezeichnungen „Palais Huldenberg“, „Huldenbergvilla“ oder „Huldenbergschlösschen“ ableiten. Das im oberen Bereich des vom Wienerwald abfallenden großen Grundstücks errichtete Gebäude besaß neun Fensterachsen, wobei das mittlere Fenster des höheren dreiachsigen Mittelrisalits mit einer Ädikula bekrönt war. Das große Anwesen war weit über die Landesgrenzen – nicht zuletzt für seine abgetreppte, einzigartige barocke Gartenanlage mit einer Reihe von Statuen und zahlreichen kombinierbaren Wasserspielen, einem Amphitheater und einer Reitbahn – bekannt, und wurde von illustren Gästen, angeblich auch von Kaiser Karl VI., besucht.
Die Töchter Huldenbergs veräußerten die Liegenschaft an den Pächter des Kärntnertor-Theaters in Wien, Joseph de Selliers, dieser 1751 an Camillo Graf von Colloredo. 1764 kauften Fürst Johann Joseph Khevenhüller-Metsch und seine Gattin Carolina das Anwesen, die es renovieren, großzügig umgestalten und zu einem Repräsentationsbau mit 17 Fensterachsen erweitern ließen.
Dabei wurde der Mittelrisalit mit einem Altan und Säulenunterbau versehen und ihm – um dem nunmehr langgestreckten Baukörper mehr Gewicht zu verleihen – anstelle der Ädikula ein großer Dreiecksgiebel mit der fürstlichen Wappenkartusche der Familie aufgesetzt, während der Mittelrisalit der hangseitigen Ostfassade mit einer Attika mit vier Steinvasen bekrönt wurde. Auch das Innere des nun fürstlichen Gebäudes wurde großzügig ausgestattet: So erhielt beispielsweise der zentrale Salon des Piano nobile üppige, hochplastische Deckenstuckaturen und feine Boiserien.
Gerade zu dieser Zeit wurden in Wiens Vorstädten oder Vororten einige ursprünglich kleinere adelige Landvillen wesentlich vergrößert, so etwa das Palais von Staatskanzler Fürst Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg in der Vorstadt Mariahilf<ref>Palais Kaunitz</ref>, das von Johann Bernhard Fischer von Erlach zwischen 1692 und 1697 für Graf Theodor Heinrich von Stratmann in Neuwaldegg umgebaute kleine Gartenpalais<ref>Heute: Schloss Neuwaldegg</ref>, oder das von Lukas von Hildebrandt geplante Palais von Friedrich Carl von Schönborn-Buchheim, dem späteren Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, in der Alservorstadt<ref>Palais Schönborn (Laudongasse) </ref>.
Nach Kauf der Liegenschaft durch die neuen Eigentümer Serena und August Lederer, die diese als Sommersitz und zur Unterbringung eines Teils ihrer Kunstsammlung erworben hatten – beauftragten sie Anton Faistauer im Jahr 1929 mit der Schaffung eines zentralen Freskos an der Decke des eindrucksvollen Treppenhauses zum Thema Heimkehr Dianas von der Jagd, in dem dieser u. a. auch Hugo von Hofmannsthal – rechts unten am Sockel lehnend – verewigte, mit dem ihn eine lange Freundschaft verband. Das Fresko sollte übrigens Faistauers letztes – und einziges auf Wiener Boden – werden.
In der nationalsozialistischen Ära flüchtete die Witwe Serena Lederer wegen ihrer jüdischen Herkunft nach Budapest ins Exil (nachdem man ihr die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen – so auch über das Gebäude und seiner wertvollen Ausstattung – entzogen hatte), wo sie 1943 verstarb. Ab 1942 wurde das Gebäude von den Machthabern bis Kriegsende für verschiedene Zwecke – so etwa zur Einquartierung von Militärpersonen – genutzt.
Demolierung
Im November 1970 wurden erste Befürchtungen laut, dass der Fortbestand des zusehends sanierungsbedürftigen Gebäudes, das nach dem Zweiten Weltkrieg ins Eigentum der Stadt Wien gelangt war, gefährdet sei, vor allem als bald danach Pläne für die Errichtung einer „Stadt des Kindes“ im unteren Bereich des Grundstücks das Palais an die Öffentlichkeit drangen<ref>Die Spitzhacke bedroht Schloß Weidlingau. – Es regnet in ein Haus. Die Gemeinde Wien läßt Fischer von Erlachs barocken Villenbau verfallen. Karlheinz Roschitz in: Kurier, 5. November 1970, Seite 11.</ref>. Als schließlich die Schleifung des Gebäudes – ohne Notwendigkeit für das neue Bauprojekt – zur Debatte stand, veranstaltete das „Aktionskomitee SOS für Wien“ im „Presseclub Concordia“ am 15. Februar 1972 bei namhafter Beteiligung eine Pressekonferenz, bei der für die Erhaltung des geschichtsträchtigen Gebäudes plädiert wurde. In Pressenotizen zum Thema wurde danach besonders auf die Bedeutung des Deckenfreskos Dianas Heimkehr von der Jagd von Anton Faistauer aus 1929 hingewiesen. Kurz bevor das Gebäude der Spitzhacke zum Opfer fiel, konnte fast in letzter Minute auf Betreiben des „Aktionskomitees SOS für Wien“ (Heinz P. Adamek) das Faistauer-Fresko von Prof. Josef Fastl<ref>Vorlage:Wien Geschichte Wiki</ref> (der es ironischerweise 1948 restauriert hatte) gesichert, in vier Bahnen abgenommen und danach nach Salzburg transferiert werden. Nach verschiedenen Überlegungen wurde das Faistauer-Fresko schließlich 1976 im Zuge des Neubaus der Hochschule für Musik und darstellende Kunst (heute Universität Mozarteum Salzburg) in einem, in den (damaligen) Neubau integrierten verbliebenen Saal des größtenteils abgebrochenen barocken Primogeniturpalastes – dem nunmehrigen „Faistauersaal“ – von Prof. Josef Fastl wieder appliziert und restauriert.
Nachnutzung
Anton Schweighofer, dem Architekten der von der Gemeinde Wien auf dem weitläufigen Areal geplanten Stadt des Kindes, wäre es ein Anliegen gewesen, das kunsthistorisch wichtige Objekt, etwa als Direktionsbau oder Bibliothek, zu erhalten. Das Schlössl wurde allerdings in einer sogenannten Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen. Der danach auf dem unteren Gelände im Jahr 1974 errichtete Bau, die Stadt des Kindes, eine soziale Großeinrichtung, wurde 2002 überflüssig und an einen Wohnbauträger verkauft.
Galerie
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Fürst Johann Joseph von Khevenhüller-Metsch (1706–1776)
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August Lederer (1857–1936), Egon Schiele, 1918
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Serena Pulitzer-Lederer (1867–1943), Gustav Klimt, 1899
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Elisabeth Lederer (1894–1944), Gustav Klimt, 1914–1916
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Ledererschlössel, Seitenansicht der Hauptfassade kurz vor Demolierung 1971
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Ledererschlössel, Mittelrisalit der Hauptfassade mit Altan und Säulenunterbau, kurz vor Demolierung 1971
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Ledererschlössel, Seitlicher oberer Parkeingang, kurz vor Demolierung 1971
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Heimkehr Dianas von der Jagd, 2. Detail des Deckenfreskos, Anton Faistauer, 1929, Palais Huldenberg-Lederer
Literatur
- Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy, Stadtbildverluste Wien – ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte, Wien 2005, ISBN 3-8258-7754-X
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
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