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Le Lapin Agile

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:P1260946 Paris XVIII Au Lapin Agile rwk.jpg
Au Lapin Agile, 2014

Le Lapin Agile, oder Au Lapin Agile, ist ein kleines traditionsreiches Pariser Kabarett in der Rue des Saules (Nr. 22) auf dem Montmartre-Hügel im 18. Arrondissement, in dem seit dem 19. Jahrhundert in einem familiären Rahmen Kleinkünstler ihre eigenen Gedichte und Lieder vortragen.

Geschichte

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André Gill: Das flinke Kaninchen, 1875
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Le Lapin Agile, 1890 auf einem Gemälde von Pierre Ernest Prins
Datei:Maurice Utrillo - Le Lapin Agile (ca. 1913).jpg
Le Lapin Agile (ca. 1913), gemalt von Maurice Utrillo
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Le Lapin Agile, 1987 gemalt von Raphaël Toussaint

An der Stelle des späteren Kabaretts und beliebten Treffpunkts der Künstler vom Montmartre existierte bereits 1860, zur Zeit der Eingemeindung Montmartres, eine Schänke. Diese wechselte mehrmals den Namen. Zunächst als „Au rendez-vous des voleurs“ („Zum Treffpunkt der Diebe“) bekannt, hieß sie dann – nach Wandmalereien oder Gemälden, die die schaurigen Taten verschiedener Serienmörder schilderten, darunter die von Troppmann – „Cabaret des Assassins“<ref name=":0" /> („Kabarett der Mörder“) und später „Ma Campagne“. Schließlich nahm das Kabarett nach einem Schild (1875) von André Gill,<ref>Original im Musée de Montmartre</ref> dessen Kopie noch heute an der Fassade befestigt ist und ein Wortspiel enthält, seinen heutigen Namen an.<ref>Zitiert nach Jacques Hillairet: Dictionnaire historique des rues de Paris</ref> Es zeigt ein Kaninchen ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=fr|SCRIPTING=Latn|SERVICE=französisch}}), das flink (frz. agile) aus der Pfanne hüpft, und ist gleichzeitig eine Anspielung darauf, dass dieses „Kaninchen von Gill“ (frz. lapin à Gill) gemalt wurde. Aristide Bruant erwarb das Etablissement 1902 und ließ es von Frédéric Gérard, genannt „Père Frédé“, führen. Um den abends Gitarre und Cello spielenden „Père Frédé“ versammelten sich damals unbekannte Künstler wie Picasso und Schriftsteller, die spielten, rezitierten oder gemeinsam sangen. 1922 verkaufte Bruant das Kabarett an dessen Sohn Paul, genannt Paulo, der es im Sinne seines Vaters weiterführte.

Picasso porträtierte 1904 in dem Gemälde La Femme à la Corneille (Die Frau mit der Krähe) Marguerite Luc, genannt Margot, die Stieftochter Gérards.<ref>Abbildung des Gemäldes</ref> 1905 folgte das Gemälde Au Lapin Agile, in dem er sich als Harlekin in Begleitung von Germaine Pichot porträtierte. Im Hintergrund ist der Betreiber des Kabaretts, Frédéric Gérard, mit Gitarre zu sehen. Das Gemälde hing bis 1912 im Kabarett, wurde dann für umgerechnet 20 Dollar verkauft und 1989 zum Preis von 40,7 Millionen Dollar versteigert. Es gehört seit 1992 aufgrund einer Stiftung zum Bestand des Metropolitan Museum of Art.<ref>At the Lapin Agile, metmuseum.org</ref>

Der Esel Gérards namens „Lolo“ ging in die Kunstgeschichte ein. Im Pariser Salon des Indépendants wurde 1910 ein Gemälde eines fiktiven Italieners namens Joachim-Raphaël Boronali mit dem Titel Sonnenuntergang über der Adria ausgestellt – eine Meereskomposition mit Boot, versehen mit wirren Linien. Der Journalist Roland Dorgelès, einer der Urheber der Aktion, gestand später, dass diese, gemeint als Angriff auf die Kunst der Avantgarde, auf dem Gemälde von einem Eselsschwanz produziert worden seien. Der Name „Boronali“ des angeblichen Künstlers geht als Anagramm auf den bekannten Esel „Aliboron“ aus den Fabeln von La Fontaine zurück. Zwei Jahre später nannten Michail Fjodorowitsch Larionow und Natalija Sergejewna Gontscharowa ihre erste Ausstellung in Moskau La queue de l’âneEselsschwanz. Der Titel stammte von Larionow, der die französische Avantgarde damit lächerlich machen wollte, seiner Meinung nach könne man in Paris die Malerei nicht mehr von Machwerken unterscheiden, die selbst ein Esel ausführen könne.<ref>Werner Spies: Ein Kunstwitz mit Folgen – Die große Eselei des Jahres 1910. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. September 2010, abgerufen am 4. Oktober 2025.</ref>

Maurice Utrillo schuf mehrere Bilder der Außenansicht des Kabaretts, in dem er selbst regelmäßig verkehrte, siehe Maurice Utrillo#Le Lapin Agile.<ref>Utrillo. Musée de Lodève, 28 juin - 26 octobre 1997. Electa, Mailand 1997, ISBN 88-435-6210-X, S. 106.</ref> Um 1915 entstand ein Gemälde, das im Februar 2009 bei Christie’s für über 234.000 Dollar versteigert wurde.<ref>Sale 7702, Lot 362 - Maurice Utrillo(1883–1955): Le Lapin Agile. christies.com; abgerufen am 12. März 2015</ref>

Im Lapin Agile verkehrten neben Picasso und Utrillo unter anderem die französischen Schriftsteller und Dichter Courteline (1828–1929), Paul Arène (1843–1896), Verlaine (1844–1896), Max Jacob (1876–1944),<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Apollinaire (1880–1918),<ref name=":0" /> Francis Carco (1886–1958),<ref name=":0" /> Pierre Mac Orlan (1882–1970),<ref name=":0" /> der Journalist und Humorist Alphonse Allais (1854–1905), die französischen Maler, Zeichner und Illustratoren Renoir (1841–1919), Georges Braques (1882–1963),<ref name=":0" /> Pierre Ernest Prins (1848–1913), Jean-Louis Forain (1852–1931), Jules Depaquit (1869–1924), der russische Karikaturist Caran d’Ache (1854–1909),<ref name=":0" /> der Schauspieler und spätere Theaterdirektor Charles Dullin (1885–1949).<ref name=":0" /> Für den Chansonnier Georges Brassens begann an diesem Ort im Jahr 1951 die Karriere. Zu weiteren Vortragenden zählten etwa Annie Girardot oder Claude Nougaro.

Im Jahr 1972 überließ Paulo Gérard die Leitung des Kabaretts seinem Schwiegersohn Yves Mathieu, der auch gegenwärtig der Eigentümer ist.

1993 verfasste der amerikanische Schauspieler Steve Martin das Bühnenstück Picasso at the Lapin Agile. Es beschreibt ein imaginäres Treffen im Jahr 1904 von Pablo Picasso und Albert Einstein im Lapin Agile.<ref>Steve Martin’s Picasso at the Lapin Agile Opens at the MDC, knightfoundation.org</ref>

Literatur

  • Jacques Hillairet: Dictionnaire historique des rues de Paris. Éditions de Minuit, Paris 1963, ISBN 2-7073-0092-6
  • Steve Martin: Picasso at the lapin agile and other plays. Grove Press, New York 1997, ISBN 978-0-8021-3523-0

Weblinks

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Einzelnachweise

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