LIAG-Institut für Angewandte Geophysik
| LIAG-Institut für Angewandte Geophysik | |
|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="text-align:center; background-color:#Vorlage:Standardfarbe;" | LIAG-Institut für Angewandte Geophysik Deutsches Logo der Forschungseinrichtung | |
| Kategorie: | Forschungseinrichtung |
| Träger: | rechtlich selbständig |
| Bestehen: | seit 1948 |
| Rechtsform des Trägers: | Anstalt des öffentlichen Rechts |
| Sitz des Trägers: | Hannover |
| Standort der Einrichtung: | Hannover |
| Außenstelle: | Grubenhagen |
| Entstanden aus: | Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA) |
| Art der Forschung: | Angewandte Forschung |
| Fächer: | Naturwissenschaften, Geowissenschaften |
| Fachgebiete: | Geophysik |
| Grundfinanzierung: | Niedersachsen (100 %)<ref name=":liag" /> |
| Leitung: | Martin Sauter (seit Dez. 2022) |
| Mitarbeiter: | > 100 (2026)<ref name=":7">Timon Naumann: Job in der Wissenschaft Hannover: Top-Stelle seit zwei Jahren unbesetzt – Verwaltungsgericht stoppte Einstellung. In: Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. 6. März 2026, abgerufen am 6. März 2026.</ref> |
| Homepage: | www.liag-institut.de |
Das LIAG-Institut für Angewandte Geophysik (ehemals Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, kurz LIAG) ist eine eigenständige, außeruniversitäre Forschungseinrichtung für angewandte Geophysik mit Sitz in Hannover. Sie fungiert als Anstalt des öffentlichen Rechts als Nachfolger des ehemaligen Instituts für geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA).
Das Institut bildet zusammen mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie das Geozentrum Hannover.<ref name=":taz">Manfred Ronzheimer: Evaluierung des Geophysik-Instituts Liag: Im Erdboden versunken. In: Die Tageszeitung: taz. 7. April 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 12. Juni 2023]).</ref>
Bis Ende 2019 war das LIAG als Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik Teil der Leibniz-Gemeinschaft. Das Land Niedersachsen beurteilte das LIAG nach Ende der Mitgliedschaft als unverzichtbaren Bestandteil der nationalen Forschungslandschaft und übernahm daher mit Ende der Bund-Länder-Förderung 2023 die Finanzierung. Mit Fokus auf die letzten Evaluationsempfehlungen wird seitens des LIAGs langfristig eine Wiederaufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft angestrebt.<ref name=":liag">Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik schärft Forschungslinie mit Fachkommission. In: LIAG. 7. September 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. März 2021; abgerufen am 3. Juli 2023.</ref>
Aufgabenbereiche
Hauptforschungsziel ist die Untersuchung von Prozessen im anthropogen beeinflussbaren Untergrund, im Vorfeld und als Folge einer wirtschaftlichen Nutzung sowie zur Daseinsvorsorge und zum Schutz der Umwelt.<ref name=":1">Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, abgerufen am 30. Oktober 2023.</ref><ref name=":5" /> Entsprechend liegen die zentralen Aufgabenfelder in der Erkundung von Strukturen und Zuständen des Untergrundes, einschließlich deren Entwicklung in Raum und Zeit.<ref name=":1" /> Das LIAG koordiniert Forschungsaktivitäten im In- und Ausland und kooperiert mit geologischen Diensten von Bund und Ländern, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie.<ref name=":1" />
Das Institut fokussiert seine Arbeiten auf zeitlich befristete, thematisch ausgerichtete Forschungsschwerpunkte im Fach der physikalischen Geowissenschaften. Die derzeitigen Schwerpunkte sind:<ref name=":1" />
- Struktur, Qualität und Prozesse von Grundwassersystemen, z. B. die Dynamik von Grundwässern in großskaligen unterirdischen Rinnensystemen
- Geothermische Energie, Forschung im Vorfeld einer wirtschaftlichen Erdwärmenutzung, etwa die Ergiebigkeit tiefer, geothermisch nutzbarer Grundwasserleiter
- Struktur, Genese und Alter terrestrischer Sedimentsysteme, wie etwa der mächtigsten quartären Ablagerungen im Oberrheingraben
- Methodische Entwicklungen: Forschungsarbeiten zur Entwicklung von Mess- und Auswerteverfahren in den Fachdisziplinen Seismik, Gravimetrie, Geomagnetik, Geoelektrik, Elektromagnetik, Geothermik, Gesteinsphysik, Geochronologie, Isotopenhydrologie, Bohrlochgeophysik, Informationssysteme und andere
Das LIAG betreibt zur Speicherung seiner und anderer geophysikalischer Messdaten und deren zur Verfügung Stellung das Fachinformationssystem Geophysik und das Geothermische Informationssystem GeotIS.
Struktur
Leitung
An der Spitze der Organisation steht eine Institutsleitung, vertreten durch Direktor Martin Sauter, welche durch ein Kuratorium beaufsichtigt wird. Die Leitung wird von einem wissenschaftlichen Beirat, einer Administration, einem Management für Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskoordination, einer IT-Abteilung für Dateninfrastruktur und durch verschiedene interne Gremien und Beauftragte begleitet.<ref name=":2">Organigramm. In: LIAG. 7. März 2024, abgerufen am 23. Juli 2024.</ref>
Forschungsabteilungen
Seit 2024 ist das Institut ist in 3 Forschungsabteilungen mit je 2 Forschungsbereichen unterteilt:<ref name=":2" />
- Geophysikalische Erkundung (Geoelektrik, Elektromagnetik, NMR, Seismik, Georadar, Gravimetrie)
- Strukturen
- Monitoring
- Geophysikalische Parametrisierung (Bohrlochgeophysik, hydrogeophysikalische Charakterisierung, Gesteins- und Paläomagnetik, Petrophysik, geochronologische Methoden)
- Regionalisierung
- Gesteinsphysikalische Charakterisierung
- Systemintegration (geologische Modelle, Grundwassermodellierung, Reservoirmodellierung, Szenarioanalyse)
- Statische Modellierung
- Dynamische Modellierung
Die Abteilung arbeiten insbesondere in den drei Themenbereichen: Grundwasser(systeme), Geogefahren und Georeservoire (Energiequellen und -speicher).<ref name=":2" />
Geschichte
Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben: 1948 – 2008
<templatestyles src="Mehrere Bilder/styles.css" />
Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) geht aus der Abteilung „Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben“ (GGA) hervor, die 1948 durch die Höchster Vereinbarungen ins Leben gerufen wurde. Im März 1949 wurde die Finanzierung dieser Aufgaben durch das Königsteiner Staatsabkommen geregelt.<ref name=":0">Geschichte. In: LIAG. Abgerufen am 12. Juni 2023.</ref> Von 1950 bis 1958 ist das GGA Teil des Amtes für Bodenforschung (AfB), worin die geologischen Landesämter Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens dem GGA die überregionalen Aufgaben – die „Gemeinschaftsaufgaben“ – übertragen.<ref name=":0" /> Durch ein Verwaltungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Niedersachsen entsteht 1958 in Hannover die Bundesanstalt für Bodenforschung (BfB, zugehörig zum Bundesministerium für Wirtschaft, heutige BGR) aus dem Bestand des AfB in Hannover. Die GGA verbleibt jedoch vorerst im AfB und wird mit der Auflösung 1959 Teil des Nachfolgers Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung (NLfB).<ref name=":0" />
Ab 1963 mietet das AfB erstmals die heutige LIAG-Außenstelle Grubenhagen, um die Liegenschaft unter anderem für geophysikalische Langzeitversuche zu nutzen. Seit dem Jahr 1968 befindet sich dort das Gesteinsmagnetiklabor des Instituts.<ref name=":0" /> Im Januar 1977 tritt die „Rahmenvereinbarung zwischen Bund und Ländern über die gemeinsame Förderung der Forschung nach Artikel 91b GG“ in Kraft und die GGA erhält den Status einer „Blaue Liste“-Einrichtung und wurde entsprechend gefördert.<ref name=":0" />
Der Wissenschaftsrat kritisiert 1996, dass die GGA keine selbstständige Forschungseinrichtung von überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem wissenschaftlichen Interesse sei. Das leitet für die GGA Änderungsmaßnahmen zur Neuorientierung im Rahmen einer dreijährigen Übergangsphase ein. Im Februar 1998 veröffentlichten die GGA ein Konzept für eine Forschungseinrichtung auf Grundlage der Empfehlungen des Wissenschaftsrates, welches sich ausschließlich auf den positiv evaluierten Arbeitsbereich Geophysik stützt.<ref name=":0" />
Im Dezember 1999 wird das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA-Institut) offiziell als eigenständige Forschungseinrichtung gegründet.<ref name=":6">Gesetz über das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik. In: Niedersächsisches Vorschrifteninformationssystem. Niedersachsen, abgerufen am 28. Januar 2025.</ref> Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung N 1 des niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung, die überwiegend mit geophysikalischen Forschungsaufgaben beschäftigt sind, nehmen ab dem Folgejahr ihre Arbeit im neuen Institut auf.<ref name=":0" /> Gründungsdirektor war Hansjürgen Dürbaum, auf den im Juli 2001 Hans-Joachim Kümpel als erster offizieller Direktor des Instituts für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben folgte. Ende 2004 besteht das GGA die Evaluierung der Leibniz-Gemeinschaft mit sehr gutem Erfolg.<ref name=":0" />
Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik: 2008 – 2024
Im Dezember 2008 erfolgte die Umbenennung in Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG), das LIAG bildet fortan mit dem BGR und LBEG das Geozentrum Hannover.<ref name=":6" /><ref name=":5">Franz Binot, Ugur Yaramanci: GGA-Institut in „Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik“ umbenannt. In: Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (Hrsg.): Mitteilungen. ISSN 0934-6554, S. 47 (dgg-online.de [PDF]).</ref><ref name=":0" /> Im November 2011 bestand das LIAG eine Evaluierung erneut mit sehr gutem Erfolg. Im April 2016 übernahm Thomas Wonik interimistisch die Leitung des Instituts, gefolgt von Manfred Frechen im April 2018.<ref name=":0" />
Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft empfiehlt im März 2019 nach einer negativen Evaluation Ende 2018 das LIAG nicht weiter, als Mitglied zu fördern.<ref name=":0" /> Mit Beginn des Jahres 2020 endete offiziell die Mitgliedschaft des LIAG in der Leibniz-Gemeinschaft, gleichzeitig sicherte das Land Niedersachsen aber die Fortführung der Finanzierung zu (Jahresetat 2019 von etwa 10,6 Millionen Euro),<ref name=":taz" /> als in Folge die Bund-Länder-Förderung 2023 eingestellt wurde. Im November 2020 wurde Manfred Frechen offiziell zum kommissarischen Direktor ernannt, und Gerald Gabriel wurde als sein Stellvertreter eingesetzt. Die Leitung erstellte einen Entwurf zur Neuausrichtung der Forschung mit den Startthemen Grundwasser-Geophysik und Geogefahren. Im Dezember 2022 übernahm Martin Sauter die Leitung des Instituts.<ref name=":0" />
Als neues Mitglied der Initiative Wissenschaft Hannover ist das LIAG mit den Lenkungskreisen der Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen unter der Schirmherrschaft der Landeshauptstadt Hannover vernetzt und unter anderem gemeinsamer Partner des Novembers der Wissenschaft in Hannover.<ref name=":0" />
Beginn des Jahres 2023 wechselte die Finanzierung von der Bund-Länder-Finanzierung (50 % Bund, 37,5 % Niedersachsen und 12,5 % übrige Bundesländer)<ref name=":taz" /> zu der vollständigen Übernahme durch das Land Niedersachsen.<ref name=":liag" /> Anfang 2024 wurden die Arbeitsgruppen des LIAG neu strukturiert, so dass es statt 5 Sektionen seither 3 Forschungsabteilungen mit je 2 Forschungsbereichen gibt.<ref>Organization Chart: LIAG. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Januar 2024; abgerufen am 6. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Organisation Chart: LIAG. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. April 2024; abgerufen am 6. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
LIAG-Institut für Angewandte Geophysik: 2024 – heute
<templatestyles src="Mehrere Bilder/styles.css" />
Seit März 2024 ist das LIAG zur Abgrenzung von der Leibniz-Gemeinschaft unter neuen Namen und Logo aktiv, aufgrund der Verankerung in Gesetzestexten war der Bezug auf die Leibniz-Gemeinschaft bis dahin etwa 4 Jahre über die Mitgliedschaft hinaus erhalten geblieben.<ref name=":0" /> Die Besetzung der Leitungsposition einer der 2024 hinzugekommenen Forschungsbereiche wurde Ende 2025 vom Verwaltungsgericht Hannover wegen möglicher Befangenheit des Institutsleiters gestoppt.<ref name=":7" />
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 52° 24′ 17,4″ N, 9° 49′ 19,4″ O
{{#coordinates:52,404841|9,822056|primary
|dim=
|globe=
|name=
|region=DE-NI
|type=landmark
}}
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Naturwissenschaftliches Forschungsinstitut
- Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft
- Geophysikalische Organisation
- Forschungseinrichtung in Hannover
- Gottfried Wilhelm Leibniz als Namensgeber
- Wikipedia:Gründungsdatum ungeklärt
- Angewandte Geophysik
- Geowissenschaftliche Organisation (Deutschland)
- Anstalt des öffentlichen Rechts (Deutschland)
- Forschungseinrichtungsgründung 1948