László Lovász
László Lovász (* 9. März 1948 in Budapest) ist ein ungarischer Mathematiker, der vor allem für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Kombinatorik und Graphentheorie bekannt ist.
Leben und Werk
Lovász wuchs in Budapest auf und besuchte dort das Fazekas Mihály Gimnázium. Von 1963 bis 1966 nahm er an der Internationalen Mathematik-Olympiade teil und gewann dabei drei Gold- und eine Silbermedaille. Zudem wurde er mit zwei Spezialpreisen ausgezeichnet.<ref name="imo">Hans-Dietrich Gronau (Hrsg.), Hanns-Heinrich Langmann (Hrsg.), Dierk Schleicher (Hrsg.): 50th IMO - 50 Years of International Mathematical Olympiads. Springer, 2011, ISBN 978-3-642-14565-0, S. 185</ref>
Lovász promovierte 1971 bei Tibor Gallai an der Loránd-Eötvös-Universität (ELTE) in Budapest.<ref>László Lovász im Mathematics Genealogy Project (englisch) </ref> Von 1971 bis 1975 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ELTE, von 1975 bis 1978 Dozent an der József-Attila-Universität in Szeged. Anschließend war er bis 1982 Inhaber des Lehrstuhls für Geometrie. Dann kehrte er nach Budapest zurück und übernahm dort den Lehrstuhl für Informatik der ELTE, den er von 1983 bis 1993 hielt. 1993 ging László Lovász in die USA, wo er von 1993 bis 2000 als Professor an der Yale University und von 1999 bis 2006 für Microsoft Research arbeitete. 2006 kehrte er nach Budapest zurück und wurde Direktor des Mathematischen Institutes der ELTE. Des Weiteren hielt er Gastprofessuren an der Vanderbilt University (1972/72), der Universität von Waterloo (1978/79), der Universität Bonn (1984/85), der University of Chicago (1985) und der Cornell University (1985) und ist Honorarprofessor am Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik der Universität Bonn. Von 2007 bis 2010 war er Präsident der International Mathematical Union (IMU) und ist im Vorstand 2011 bis 2014 als Ex Officio vertreten. Im Mai 2014 wurde er für drei Jahre zum Präsidenten der Ungarischen Akademie der Wissenschaften gewählt und im Jahr 2017 wiedergewählt.<ref name="cv">Curriculum Vitae auf den Webseiten der Loránd-Eötvös-Universität (abgerufen am 22. September 2022)</ref>
Mit dem (g,f)-Faktorsatz lieferte Lovász 1970 eine wichtige Verallgemeinerung des f-Faktorsatzes von Tutte.<ref>Lutz Volkmann: Fundamente der Graphentheorie, Springer (Wien) 1996, ISBN 3-211-82774-9, S. 150, Satz 7.8</ref><ref>Lutz Volkmann: Graphen an allen Ecken und Kanten (PDF; 3,5 MB), 2006, nicht als Buch erschienen, S. 127, Satz 7.13</ref> 1972 bewies er dann die sogenannte schwache Vermutung für perfekte Graphen, die seitdem auch als Perfekter-Graphen-Satz oder als Satz von Lovász bezeichnet wird. 1975 bewies er das nach ihm benannte Lovász-Local-Lemma.<ref name="imo" /> 1978 bewies Lovász mit Hilfe topologischer Methoden eine Vermutung von Kneser in der Graphentheorie. Dies führte zur Herausbildung des neuen mathematischen Fachgebiets der Topologische Kombinatorik.
Er ist mit Arjen Lenstra und Hendrik Lenstra Erfinder des LLL-Algorithmus<ref>Phong Q. Nguyen, Brigitte Vallée: The LLL Algorithm: Survey and Applications (Information Security and Cryptography). 496 S., Springer-Verlag 2009, ISBN 978-3-642-02294-4.</ref> zur Reduktion der Basis von Gittern mit Anwendungen zum Beispiel in der Kryptographie.<ref>Arjen Lenstra, Hendrik Lenstra, Laszlo Lovasz: Factoring polynomials with rational coefficients. Mathematische Annalen, Bd. 261, 1982, S. 515–534</ref>
1995 stellte er mit Ravi Kannan und Miklós Simonovits die KLS-Vermutung (benannt nach den drei Mathematikern) auf, bei der bis 2021 mit Hilfe der Methoden der stochastischen Lokalisierung von Ronen Eldan (siehe dessen Artikel) bedeutende Fortschritte erzielt wurden. Sie ist eine zentrale Vermutung der konvexen Geometrie.<ref>R. Alonzo-Gutierez, J. Bastero, Approaching the Kannan-Lovasz-Simonovits and variance conjectures, Lecture Notes in Mathematics 2131, Springer 2015</ref>
Lovász ist mit der ungarischen Mathematikerin Katalin Vesztergombi verheiratet, mit der er vier Kinder hat. Einer ihrer Söhne nahm ebenfalls an der Internationalen Mathematik-Olympiade teil und gewann dort eine Gold- und eine Silbermedaille.<ref name="imo" />
Auszeichnungen und Ehrungen
Lovász wurde 1979 mit dem Pólya-Preis ausgezeichnet.<ref>Major Prizes & Lectures | SIAM. In: siam.org. Abgerufen am 4. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Für seine Arbeiten auf dem Gebiet der diskreten Mathematik erhielt Lovász 1999 den Wolf-Preis<ref>Laszlo Lovasz. In: Wolf Foundation. 10. Dezember 2018, abgerufen am 5. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie den Knuth-Preis.<ref>ACM SIGACT - Knuth Prize. In: sigact.org. Abgerufen am 5. Mai 2023.</ref> 2006 erhielt er den John-von-Neumann-Theorie-Preis. 1990 hielt er einen Plenarvortrag auf dem ICM in Kyōto (Geometric Algorithms and Algorithmic Geometry) und 1983 war er Invited Speaker auf dem ICM in Warschau (Algorithmic aspects of combinatorics, geometry and number theory). 1993 erhielt er die Brouwer-Medaille, 2001 wurde er mit dem Gödel-Preis ausgezeichnet,<ref>Lovász Receives Kyoto Prize. In: ams.org. Abgerufen am 5. Mai 2023.</ref> sowie 2007 mit dem János-Bolyai-Kreativpreis.<ref name=":0">Abel Prize awarded to László Lovász. In: elte.hu. 17. März 2021, abgerufen am 5. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2008 hielt er einen Plenarvortrag auf dem Europäischen Mathematikerkongress in Amsterdam (Very large graphs)<ref>5 ECM. In: 6ecm.pl. Abgerufen am 5. Mai 2023.</ref> und wurde zudem mit dem Széchenyi-Preis ausgezeichnet.<ref name=":0" /> 2010 wurde er mit dem Kyoto-Preis ausgezeichnet,<ref>László Lovász. In: Kyoto Prize. Abgerufen am 22. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2012 mit dem Fulkerson-Preis<ref>Lovász László. In: Corvin-lánc. Abgerufen am 22. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und 2017 mit der Béla-Szőkefalvi-Nagy-Medaille.<ref>Depts for Mathematics at the Univ of Szeged - The Béla Szőkefalvi-Nagy Medal for the year 2017 has been awarded to Professor László Lovász. In: math.u-szeged.hu. Abgerufen am 22. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2002 wurde er in die Leopoldina gewählt.<ref>Mitgliedseintrag von László Lovász bei der Deutschen Akademie der Naturforscher LeopoldinaVorlage:Abrufdatum</ref> 1991 wurde er als ordentliches Mitglied in die Academia Europaea aufgenommen.<ref>Mitgliederverzeichnis: László Lovász. Academia Europaea, abgerufen am 29. September 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), mit biographischen und anderen Informationen).</ref> Er ist seit 2009 Ehrenmitglied der London Mathematical Society und seit 2012 Fellow der American Mathematical Society. Seit 2006 ist er Mitglied der Russischen und der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften, seit 2007 der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften und seit 2012 der National Academy of Sciences. Der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften gehört er seit 1993 als korrespondierendes Mitglied an. Er ist Ehrendoktor mehrerer Universitäten.<ref name="cv" />
2004/05 und 2005/06 war Lovász im Abelpreis-Komitee.<ref>Abel Committee</ref> 2021 erhielt er selbst den Abelpreis.<ref name="quanta">Kevin Hartnett: Pioneers Linking Math and Computer Science Win the Abel Prize. Quanta Magazine, 17. März 2021</ref> Lovász wurde ausgewählt, 2022 eine Gauß-Vorlesung zu halten.<ref>Gauß-Vorlesung in Leipzig. 12. September 2022, abgerufen am 17. Mai 2023.</ref> Für 2026 wurde ihm die Helmholtz-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zugesprochen.
Schriften
- Combinatorial Problems and Exercises. North-HOlland, 1979
- mit M. D. Plummer: Matching Theory. North-Holland, 1986
- An algorithmic theory of numbers, graphs, and convexity. Society for Industrial and Applied Mathematics, 1986
- mit Martin Grötschel, Alexander Schrijver: Geometric Algorithms and Combinatorial Optimization. Springer, 1988
- mit Bernhard Korte, Rainer Schrader: Greedoids. Springer, 1991
- mit Ronald L. Graham, Martin Grotschel (als Herausgeber): Handbook of Combinatorics – Vol. 1 & 2. MIT Press 1996
- mit J. Pelikán, K. Vesztergombi: Discrete Mathematics: Elementary and Beyond. Springer 2003.
- Large Networks and Graph Limits. AMS, 2012
Literatur
Weblinks
- Webseite von László Lovász an der ELTE
- John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: László Lovász. In: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (englisch).
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />International Mathematical Union ( vom 3. November 2014 im Internet Archive), Vorstand
- László Lovász in der Datenbank zbMATH
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
Vorlage:Navigationsleiste Präsidenten der MTAVorlage:Klappleiste/Anfang 1978: Israel Moissejewitsch Gelfand, Carl Ludwig Siegel | 1979: Jean Leray, André Weil | 1980: Henri Cartan, Andrei Nikolajewitsch Kolmogorow | 1981: Lars Valerian Ahlfors, Oscar Zariski | 1982: Hassler Whitney, Mark Grigorjewitsch Krein | 1983/4: Shiing-Shen Chern, Paul Erdős | 1984/5: Kodaira Kunihiko, Hans Lewy | 1986: Samuel Eilenberg, Atle Selberg | 1987: Itō Kiyoshi, Peter Lax | 1988: Friedrich Hirzebruch, Lars Hörmander | 1989: Alberto Calderón, John Willard Milnor | 1990: Ennio De Giorgi, Ilja Pjatetskij-Shapiro | 1991: Nicht vergeben | 1992: Lennart Carleson, John Griggs Thompson | 1993: Michail Leonidowitsch Gromow, Jacques Tits | 1994/5: Jürgen Moser | 1995/6: Robert Langlands, Andrew Wiles | 1996/7: Joseph B. Keller, Jakow Grigorjewitsch Sinai | 1998: Nicht vergeben | 1999: László Lovász, Elias Stein | 2000: Raoul Bott, Jean-Pierre Serre | 2001: Wladimir Igorewitsch Arnold, Saharon Shelah | 2002/3: Mikio Satō, John T. Tate | 2004: Nicht vergeben | 2005: Grigori Alexandrowitsch Margulis, Sergei Petrowitsch Nowikow | 2006/7: Stephen Smale, Hillel Furstenberg | 2008: Pierre Deligne, Phillip Griffiths, David Bryant Mumford | 2009: Nicht vergeben | 2010: Shing-Tung Yau, Dennis Sullivan | 2011: Nicht vergeben | 2012: Michael Aschbacher, Luis Caffarelli | 2013: George Mostow, Michael Artin | 2014: Peter Sarnak | 2015: James Arthur | 2016: Nicht vergeben | 2017: Richard Schoen, Charles Fefferman | 2018: Alexander Beilinson, Vladimir Drinfeld | 2019: Jean-François Le Gall, Gregory F. Lawler | 2020: Simon Donaldson, Jakow Eliaschberg | 2021: Nicht vergeben | 2022: George Lusztig | 2023: Ingrid Daubechies | 2024: Noga Alon, Adi Shamir Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang 2003: Jean-Pierre Serre | 2004: Michael Francis Atiyah, Isadore M. Singer | 2005: Peter Lax | 2006: Lennart Carleson | 2007: S. R. Srinivasa Varadhan | 2008: John Griggs Thompson, Jacques Tits | 2009: Michail Gromow | 2010: John T. Tate | 2011: John Milnor | 2012: Endre Szemerédi | 2013: Pierre Deligne | 2014: Jakow Grigorjewitsch Sinai | 2015: John Nash, Louis Nirenberg | 2016: Andrew Wiles | 2017: Yves Meyer | 2018: Robert Langlands | 2019: Karen Uhlenbeck | 2020: Hillel Furstenberg, Grigori Margulis | 2021: László Lovász, Avi Wigderson | 2022: Dennis Sullivan | 2023: Luis Caffarelli | 2024: Michel Talagrand | 2025: Masaki Kashiwara | 2026: Gerd Faltings Vorlage:Klappleiste/Ende
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lovász, László |
| KURZBESCHREIBUNG | ungarischer Mathematiker |
| GEBURTSDATUM | 9. März 1948 |
| GEBURTSORT | Budapest |
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- Mathematiker (20. Jahrhundert)
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