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Kunstdiebstahl von Gotha

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Datei:Kunstdiebstahl-Gotha.jpg
Nachbildungen der fünf im Jahr 1979 gestohlenen Kunstwerke

Der Kunstdiebstahl von Gotha ist ein nicht aufgeklärter Einbruchdiebstahl, bei dem in der Nacht zum 14. Dezember 1979 fünf Gemälde aus Schloss Friedenstein in Gotha gestohlen wurden. Er gilt als schwerwiegendster Kunstraub in der Geschichte der DDR und gehört zu den spektakulärsten der deutschen Nachkriegsgeschichte.<ref name="NTV101209">Antje Lauschne: Nach 30 Jahren noch immer ungeklärt. Der Coup von Gotha. In: n-tv.de. 10. Dezember 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Dezember 2009; abgerufen am 6. Dezember 2019.</ref> Im Dezember 2019 tauchten die fünf Gemälde wieder auf und befinden sich inzwischen wieder an ihrem angestammten Platz.<ref>Schlossmuseum Gotha - Gemälde aus spektakulärem DDR-Kunstdiebstahl wieder da. Abgerufen am 6. Dezember 2019.</ref>

Tathergang

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Der Hof von Schloss Friedenstein

In der Nacht zum 14. Dezember 1979 wurden von unbekannten Tätern folgende fünf Gemälde aus Schloss Friedenstein gestohlen:

Von den betroffenen Bildern, die in verschiedenen Räumen des Museums im Schloss Friedenstein ausgestellt waren und mit den zugehörigen Bilderrahmen gestohlen wurden, waren seitdem lediglich Schwarz-Weiß-Fotos vorhanden. Nur von dem Werk „Selbstbildnis mit Sonnenblume“ war vor dem Diebstahl eine Farbfotografie angefertigt und erst Ende der 2000er Jahre bei Recherchen des Fernsehmagazins ttt – titel, thesen, temperamente wiederentdeckt worden.<ref name="ARD140609">Ulli Wendelmann: Rückschau: Der Kunstraub von Gotha. In: DasErste.de. 14. Juni 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Mai 2010; abgerufen am 6. Dezember 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.daserste.de</ref> Der Wert der Gemälde wurde zur damaligen Zeit auf rund fünf Millionen Mark der DDR geschätzt.<ref name="NTV101209" />

Die im Museum damals bereits installierte Alarmanlage war zum Zeitpunkt des Einbruchs, der mit Hilfe von Steigeisen über ein Regenfallrohr und ein Fenster in der dritten Etage der Westfassade des Schlosses erfolgte, noch nicht in Betrieb. Die Daten eines Klimaschreibers, der einen Temperaturabfall registrierte, deuten auf zwei Uhr morgens als Zeitpunkt des Diebstahls hin.<ref name="NTV101209" />

Aufgrund der Tatumstände, die eine gezielte Auswahl der Werke nahelegen, handelte es sich möglicherweise um einen Auftragsdiebstahl.<ref name="NTV101209" /> Sowohl die Fertigungsweise eines aufgefundenen Steigeisens als auch die Legierung des dafür verwendeten Stahls deuteten nach den damaligen Ermittlungen darauf hin, dass die verwendeten Steigeisen nicht in der DDR hergestellt worden waren.<ref name="ARD140609" /> Als Täter beziehungsweise Auftraggeber verdächtigt wurden zum damaligen Zeitpunkt sowohl die in Gotha ansässigen Hochseilartisten Geschwister Weisheit als auch Mitarbeiter des Museums<ref name="NTV101209" /> und die Fürstenfamilie Sachsen-Coburg und Gotha<ref name="ARD140609" /> sowie nach der politischen Wende in der DDR auch der SED-Wirtschaftsfunktionär Alexander Schalck-Golodkowski.<ref name="NTV101209" /> Die Verjährungsfrist des Herausgabeanspruchs (§ 197 Absatz 1 Nummer 2 BGB nach 30 Jahren eintretende Verjährung des Herausgabeanspruchs aus dem Eigentum nach § 985 BGB) lief im Dezember 2009 ab, wodurch sich die Stadt Gotha und das Museum neue Hinweise auf den Verbleib der Gemälde erhofften.<ref name="ARD140609" /> Der gegenwärtige Wert der Kunstwerke wird auf etwa 50 Millionen Euro geschätzt.<ref name="MSN131109">Der Gotha Coup. Im Dezember 1979 wird das Schloss Friedenstein Tatort eines akrobatischen Einbruchs, der ungelöste Rätsel aufgibt Artikel des Museum Security Network vom 13. November 2009.</ref>

Wiederentdeckung 2019

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Gestohlenes Gemälde von Hans Holbein d. Ä., „Heilige Katharina“

Im Dezember 2019 wurde bekannt, dass die fünf Gemälde sichergestellt wurden. Sie befanden sich in der Obhut der Staatlichen Museen zu Berlin. Dort wurde im Rathgen-Forschungslabor ihre Echtheit überprüft.<ref>Hochkarätige Gemälde nach Diebstahl möglicherweise aufgetaucht. In: Märkische Oderzeitung. 6. Dezember 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Dezember 2019;.</ref> Im Januar 2020 wurde die Echtheit der Gemälde bestätigt.<ref>Wiederaufgetauchte Gemälde aus „Gothaer Kunstraub“ sind echt. In: Deutschlandfunk.de. 18. Januar 2020, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 21. Januar 2020.@1@2Vorlage:Toter Link/www.deutschlandfunk.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Presseberichten zufolge hatten über einen Rechtsanwalt aus Süddeutschland die Besitzer im Juli 2018<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.mdr.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2024. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref> zuvor die Stiftung Schloss Friedenstein kontaktiert.<ref>Stefan Trinks: Fünf Meisterwerke wieder aufgetaucht. In: FAZ.net. 6. Dezember 2019, abgerufen am 6. Dezember 2019.</ref> Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel gab es jedoch zunächst nur Verhandlungen mit Knut Kreuch, dem Oberbürgermeister von Gotha, und Martin Hoernes, dem Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.<ref>Der Spiegel, Heft 50/2019, 7. Dezember 2019, Seiten 122 f.</ref> Der Anwalt sowie der Einlieferer der Bilder, ein Arzt aus Ostfriesland, sahen sich dem Vorwurf des Verdachts der Erpressung und der Hehlerei ausgesetzt.<ref>Konstantin von Hammerstein: Gemälde aus größtem DDR-Kunstraub wieder aufgetaucht. In: Spiegel.de. 6. Dezember 2019, abgerufen am 6. Dezember 2019.</ref> Strafrechtlich galt der Diebstahl als verjährt, jedoch konnte sich die westdeutsche Familie nicht auf eine „gutgläubige Ersitzung“ berufen. Die Stiftung Schloss Friedenstein hat nach Auffassung einer Anwältin „durch den Diebstahl von 1979 nie ihr Eigentum verloren, gleichgültig wie dieser Diebstahl genannt oder erklärt wird. Durch die Übergabe der Bilder befinden sich jene aber, falls es sich um die Originale […] handelt, wieder in Besitz und Eigentum der rechtmäßigen Eigentümer.“<ref>Stefan Koldehoff, Tobias Timm: Kunstdiebstahl in Gotha – Ein deutsch-deutscher Krimi. In: Zeit Online. 6. Dezember 2019, abgerufen am 7. Dezember 2019.</ref>

Die Gemälde wurden vom 20. bis zum 26. Januar 2020 wieder an ihrem ursprünglichen Ausstellungsort, im Obergeschoss des Herzoglichen Museums, präsentiert. Anschließend wurden sie abgehängt, restauriert und sind seit 24. Oktober 2021 in einer Sonderausstellung wieder zu sehen.<ref>Gotha: Schloss Friedenstein zeigt verlorene und zurückgekehrte Meisterwerke. In: MDR.de. 24. Oktober 2021, abgerufen am 24. Oktober 2021.</ref>

Nach Recherche des Spiegel handelt es sich bei dem Kunsträuber um den Lokführer Rudi Bernhardt aus Schmalkalden, der 2016 in Frankfurt am Main verstarb. Er hatte die gestohlenen Gemälde an ein befreundetes Ehepaar verkauft.<ref>FAZ.net: Gothas Alte Meister Kunstraub wohl aufgeklärt, August 2020</ref><ref>Konstantin von Hammerstein: Rudis Rache. In: Der Spiegel 36/2020, Seiten 36–40</ref>

Literatur

  • Allmuth Schuttwolf: Verlustdokumentation der Gothaer Kunstsammlungen. Band 2: Die Gemäldesammlung. Stiftung Schloss Friedenstein, Gotha 2011, ISBN 978-3-940998-12-5, S. 21 ff.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />