Kosten und Finanzierung von Stuttgart 21
Kosten und Finanzierung von Stuttgart 21 beschreibt die Höhe der finanziellen Aufwendungen und die Übernahme dieser durch die Projektpartner von Stuttgart 21. Sowohl Kosten als auch Finanzierung des Projekts sorgten für kontroverse Diskussionen. Die prognostizierten Kosten wurden seit der Projektvorstellung im Jahr 1994 mehrfach angehoben.
Die im Finanzierungsvertrag vom 2. April 2009 vereinbarte Finanzierung des Bahnhof-21-Projekts beläuft sich auf 4,526 Milliarden Euro und wird von der Deutschen Bahn, der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Baden-Württemberg, der Region Stuttgart, der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Flughafen Stuttgart getragen.
Im Dezember 2012 rechnete die Deutsche Bahn mit Projektkosten von 4,696 Milliarden Euro. Darüber hinaus wurden „zusätzliche Risiken aus externen Einflussfaktoren“ in Höhe von knapp einer Milliarde Euro genannt.<ref name="db-2012-12-12">Deutsche Bahn AG (Hrsg.): DB S21 Projekt: Informationen zur Pressekonferenz am 12.12.2012. 14-seitige Präsentation, Berlin, 12. Dezember 2012, (PDF; 0,2 MB).</ref> Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn beschloss am 5. März 2013, einem Vorschlag des Vorstands zu folgen, um den Finanzierungsrahmen von 4,526 auf bis zu 6,526 Milliarden Euro anzuheben und gleichzeitig eine Beteiligung der Projektpartner an den Mehrkosten (ggf. gerichtlich) einzufordern.<ref name="db-2013-03-05" /> Im Januar 2018 wurde der Finanzierungsrahmen auf 8,2 Milliarden Euro erhöht. Im März 2022 wurde der „Gesamtwertumfang“ auf 9,15 Milliarden Euro erhöht, zuzüglich einer „ergänzenden Vorsorge“ von 640 Millionen Euro.<ref name="db-2022-03-18" /> Im Dezember 2023 folgte die Erhöhung des Kostenrahmens auf 11,453 Milliarden Euro.
Neben dem Vorhabenträger haben auch der Bundesrechnungshof und weitere Gutachter im Auftrag von Projektgegnern Kostenschätzungen mit jeweils höheren Gesamtsummen veröffentlicht. Wirtschaftsprüfer in der Schlichtung zu Stuttgart 21 beurteilten die damaligen Kalkulation des Unternehmens als grundsätzlich plausibel.
Kosten (Überblick)
Entsprechend der langen Entwicklungszeit des Neubauprojekts „Stuttgart 21“ gehen Kostenangaben bis in die 1990er Jahre zurück. In der Machbarkeitsstudie von Anfang 1995 sind die Kosten (mit Preisstand 1993) mit rund 2,45 Milliarden Euro erwartet worden. Eine nachfolgende Aktualisierung auf den Preis- und Planungsstand 1998 ergab Gesamtkosten von 2,6 Milliarden Euro. Im Ergebnis der weiteren Vorplanung legte die Deutsche Bahn AG als Grundlage für eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung 2006 eine Kostenschätzung mit 2,8104 Milliarden Euro (Realwert 2004) vor.
Diese Angaben wurden zur Grundlage des Finanzierungsvertrages von 2009 über 4,625 Milliarden Euro zwischen der Deutschen Bahn AG, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart. Die Kosten sind auf die Baupreisentwicklung fortgeschrieben („nominalisiert“) mit 3,076 Milliarden Euro angesetzt worden. Der verbleibende Betrag von rund 1,5 Milliarden Euro galt als „Puffer“ für Unvorhergesehenes.
In der anschließenden Entwurfsplanung sind die technischen Planungen und die zugehörigen Kostenermittlungen von rund 60 beteiligten Fachbüros vertieft bearbeitet worden. Im Juli 2009 sind als Ergebnis dieser Kostenberechnung 5,008 Milliarden Euro benannt worden, die sich aus 4,066 Milliarden Euro für Baukosten, 547 Mio. Euro für Planungskosten und 395 Mio. Euro aus der Preisanpassung („Nominalisierung“) auf den Stand 2009 ergeben hatten.
Diese Kostenberechnung ist bis Ende 2009 durch die Deutsche Bahn AG überarbeitet worden. Erhebliche Einsparungen wurden bei der Auftragsvergabe, der Bauwerksplanung und beim Grundstückserwerb erwartet, die sich auf rund 900 Mio. summierten, wodurch die Baukosten auf 3,218 Milliarden Euro sanken. Zusammen mit 547 Mio. Euro Planungskosten und 323 Mio. Euro aus der Baupreisanpassung („Nominalisierung“) belief sich die Kostenberechnung der Deutschen Bahn AG im Dezember 2009 auf 4,088 Milliarden Euro.
Im Zuge der Schlichtungsgespräche im Herbst 2010 sind diese Kostenangaben durch drei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in begrenzter Tiefe geprüft worden. Demnach seien die Annahmen zu Optimierungspotentialen „eher als optimistisch einzuschätzen“, eine Überschreitung des Finanzierungsrahmens sei jedoch nicht absehbar, wobei die Bewertung zukünftiger Risiken mit hoher Unsicherheit behaftet sei. Eine der beteiligten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften kam hierbei zu höheren Gesamtkosten von 4,42 Milliarden Euro, da geringere Einsparungen bei den Grundstücken erwartet und historische Planungsaufwendungen mit angesetzt wurden.
Ende 2012 stellte die Deutsche Bahn AG dem Aufsichtsrat eine „Bestandsaufnahme des Projekts“ auf der Grundlage von externen Gutachten vor. Die Bau- und Planungskosten wurden mit rund 4,7 Milliarden Euro erwartet, die zusammen mit dem „Puffer“ für derzeit nicht absehbare Risiken und Aufwendungen von 930 Millionen € einen „aufgestockten Finanzierungsrahmen“ von knapp 5,7 Mrd. Euro ergeben. Aus „Zusatzleistungen durch externe Einflüsse“ und mögliche „zeitliche Verzögerungen“ sind weitere Kostensteigerungen mit rund einer Milliarde Euro „grob abgeschätzt“ worden.
Die Kostenangaben der Projektierer sind in der Projektlaufzeit kritisch beurteilt und in Zweifel gezogen worden. Der Bundesrechnungshof rechnete 2008 in seinem Bericht an den Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages mit Gesamtkosten von 5,3 Milliarden Euro – basierend auf Maßstäben des Bundesverkehrsministeriums. Diese Beurteilung ist im Jahr 2011 bekräftigt worden.
Das Verkehrsberatungsbüro Vieregg-Rössler prognostizierte Mitte 2008 die Gesamtkosten für Stuttgart 21 mit 6,9 bis 8,7 Milliarden Euro in einer im Auftrag von BUND und Bündnis 90/Die Grünen erstellten Studie. Beamte des Landes Baden-Württemberg hätten Kosten im Herbst 2009 nach einem Medienbericht auf mindestens 4,9 Milliarden Euro geschätzt. Wahrscheinlicher sei jedoch ein Betrag von bis zu 6,5 Milliarden Euro. Der damalige Ministerpräsident Oettinger habe die Beamten angewiesen, von einer neuen Kostenberechnung abzusehen, da diese Zahlen „in der Öffentlichkeit schwer kommunizierbar“ seien.
Finanzierung
| Finanzierungs- anteil |
Kostenträger | Kosten (gerundet, in Mio. €) |
|---|---|---|
| 1.1 | Deutsche Bahn AG (Eigenmittel) | 1.237,0 |
| 1.2 | Deutsche Bahn AG (Anteil Risikopuffer) | 232,0 |
| 2.1 | Bund (nach GVFG) | 168,6 |
| 2.2 | Bund Nahverkehrsmittel § 8 (1) BSchwAG (finanziert aus LuFV) |
197,0 |
| 2.3 | Bund Fernverkehrsmittel §8 (1) BSchwAG |
563,8 |
| 2.4 | Bund Bestandsnetzmittel (LuFV) |
300,0 |
| 3.1 | Land (nach GVFG und Regionalisierungsmittel) | 285,7 |
| 3.2 | Land (Landeshaushalt) | 84,6 |
| 3.3 | Land (Anteil Risikopuffer, aus Landeshaushalt) | 453,6 |
| 4.1 | Stadt Stuttgart | 31,6 |
| 4.2 | Stadt Stuttgart (Anteil Risikopuffer) | 206,9 |
| 5.1 | Flughafen | 107,8 |
| 5.2 | Flughafen (Anteil Risikopuffer) | 119,4 |
| 6 | Verband Region Stuttgart | 100,0 |
| Summe | 4.088,0 | |
Von den im Dezember 2009 geschätzten Projektkosten (einschließlich Puffern) von 4,088 Milliarden Euro trägt die Deutsche Bahn AG 1,469 Milliarden Euro (davon 1.237 Mio. Euro Eigenmittel und 232 Mio. Euro Risikovorsorge), der Bund (einschließlich EU-Mitteln) 1,229 Mrd. Euro, das Land Baden-Württemberg 823,8 Mio. Euro, die Landeshauptstadt Stuttgart 238,58 Mio. Euro, der Flughafen Stuttgart 227,2 Mio. Euro sowie der Verband Region Stuttgart 100 Mio. Euro.<ref name="dnhe-2010-05-05"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Finanzierung Stuttgart 21: Was kostet der Umbau des Bahnknotens Stuttgart? ( vom 25. Oktober 2014 im Internet Archive). Dokument auf dem Internetauftritt bahnprojekt-stuttgart-ulm.de, abgerufen am 14. Januar 2013.</ref> Die Stadt leistet dabei einen Baukostenzuschuss in Höhe von 31,56<ref name="stg-2007-11-19">Stadt Stuttgart: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. Presseinformation vom 19. November 2007.</ref> Millionen<ref name="db-welt-2010-01-04" /> Euro, der ab 2010 in acht Jahresraten gleicher Höhe zur Verfügung gestellt werden soll.<ref name="stz-2009-12-17" /> (Dieser Wert ergibt sich der Summe aus den Verpflichtungen aus Rahmen- und Realisierungsvereinbarung)<ref name="st-609-2007" /> Weitere 207 Millionen Euro, die in der bis Dezember 2009 gültigen Kalkulation noch als Anteil an der Risikovorsorge definiert waren, sollen frühestens ab 2015 aufgebracht werden.<ref name="stz-2009-12-17"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hoffen, dass Geld übrigbleibt ( vom 20. Dezember 2009 im Internet Archive). In: Stuttgarter Zeitung, 17. Dezember 2009.</ref> Laut Medienberichten investiert die Bahn bis 2013 jährlich 338 Millionen Euro in das Projekt.<ref name="schwarzbuch-272">Christian Esser, Astrid Randerath: Schwarzbuch Deutsche Bahn, 1. Auflage, Bertelsmann-Verlag, München 2010, ISBN 978-3-570-10036-3, S. 272.</ref>
Der im Finanzierungsvertrag von April 2009 auf die damals geschätzten Gesamtkosten von 3,076 Milliarden Euro aufgeschlagene Risikopuffer von 1,45 Milliarden Euro war zur Finanzierung der Ende 2009 geplanten Gesamtkosten von 4,088 Milliarden Euro bis auf einen Restbetrag von 438 Millionen Euro aufgebraucht.<ref name="herz-2009-12-10">Projektpartner sind sich einig: Stuttgart 21 kommt. Presseinformation vom 10. Dezember 2009.</ref> Die entstandenen Mehrkosten (Differenz aus 4,088 und 3,076 Milliarden Euro) tragen das Land Baden-Württemberg (454 Mio. Euro), die Deutsche Bahn (220 Mio. Euro) und die Stadt Stuttgart (207 Mio. Euro).<ref name="welt-2009-12-10">Bahn feuert Vorstand nach „Stuttgart 21“-Debakel. In: Die Welt (Onlineausgabe), 10. Dezember 2009.</ref> Darüber hinausgehende Kostensteigerungen wären von der Deutschen Bahn (220 Millionen Euro), dem Land Baden-Württemberg (106,7 Millionen Euro) sowie der Stadt Stuttgart (53,3 Millionen Euro) zu tragen.<ref name="dnhe" /> Bei darüber hinausgehenden Kostensteigerungen sind Gespräche vereinbart.<ref name="ds-14-4382" />
Die Europäische Union beteiligte sich zunächst mit 114,47 Millionen Euro.<ref name="tena-2007">Trans-European Transport Network Executive Agency (Hrsg.): Works for the construction of the high speed line between Stuttgart and Wendlingen (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018. Suche im Internet Archive ) (PDF; 0,3 MB). Datenblatt mit Stand von Oktober 2012.</ref> Die Investitionsmittel der EU sind im Bundesanteil enthalten.<ref name="dnhe" /> Bis 2020 stellt die EU weitere 594,4 Millionen Euro zur Verfügung, die den Bundesanteil reduzieren.<ref name="stn-2015-161-17">Konstantin Schwarz: EU zahlt Milliarde für Bahnstrecke bis Ulm. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 161, 16. Juli 2015, S. 17.</ref>
In den Jahren 2012 und 2013 beteiligte sich die EU mit 20,6 Millionen Euro an Stuttgart 21. Die Summe soll in den Fildertunnel investiert werden.<ref name="stn-2014-16-15">Konstantin Schwarz: EU gibt Geld für Stuttgart 21 und Strecke nach Ulm. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 16, 21. Januar 2014, S. 15 (online).</ref> Zuvor bezuschusste die EU sechs Studien zur Machbarkeit und Umweltverträglichkeit des Knotens Stuttgart sowie der Neubaustrecke Stuttgart–Wendlingen–Ulm mit 18,7 Millionen Euro.<ref name="stz-2010-10-17"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das Projekt aus europäischer Sicht ( vom 24. Dezember 2010 im Internet Archive). In: Stuttgarter Zeitung, 17. Oktober 2010.</ref><ref name="balzas-2010">Europäischer Koordinator PP17 (Hrsg.): Jährlicher Tätigkeitsbericht 2009-2010 für PP17. Brüssel, August 2010, S. 14.</ref> Die EU-Kofinanzierung wurde im Oktober 2010 bis 2015 verlängert.<ref name="eu-10-1391">Verkehr: Kommission überprüft Finanzierung von 92 größeren Infrastrukturvorhaben im Bereich der transeuropäischen Netze. Presseinformation IP/10/1391 vom 27. Oktober 2010.</ref>
Der Finanzierungsbeitrag der Landeshauptstadt Stuttgart durch die Grundstücke ist in der Finanzierungssumme von 4,088 Milliarden Euro nicht enthalten.<ref name="dnhe" />
Am 25. Januar 2018 wurde eine mögliche Erhöhung des Finanzierungsrahmens auf rund 8,2 Milliarden Euro bekannt. Darin soll eine auf 2025 verschobene Inbetriebnahme sowie ein Risikopuffer von einer halben Milliarde Euro enthalten sein.<ref name="spon-2018-01-25">Gerald Traufetter: Stuttgart 21 droht noch teurer und später fertig zu werden. In: Spiegel Online. 25. Januar 2018, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref>
Durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Stuttgart im Mai 2024 müssen sämtliche Mehrkosten durch die Bahn getragen werden.<ref name=":0">Urteil zu S-21-Kosten: Stadt, Land und Flughafen atmen auf – aber was macht jetzt die Bahn? In: stuttgarter-zeitung.de. Abgerufen am 20. Mai 2024.</ref>
Geschichte
Vorstandsentscheidung vom 24. Februar 1994
Auf seiner Sitzung am 24. Februar 1994 sprach sich der Vorstand der Deutschen Bahn gegen einen tiefliegenden Durchgangsbahnhof mit einer Neubaustrecke von Stuttgart über den Flughafen und Wendlingen nach Ulm und für eine Ausbaustrecke von Stuttgart nach Mettingen mit von dort anschließender Neubaustrecke nach Ulm aus. Die interne betriebswirtschaftliche Verzinsung der vom Land vorgeschlagenen Lösung sei selbst unter günstigsten Annahmen mit 6,56 Prozent unter der von der DB beschlossenen Lösung (mit 7,5 Prozent) zurückgeblieben. Die Mehrkosten der vom Land vorgeschlagenen Variante wurden mit mindestens einer Milliarde DM angegeben.<ref name="eri-2013-96">Rudolf Breimeier: Stuttgart 21: Ein schräger Bahnhof – wirtschaftlich und betriebstauglich? In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 2, 2013, ISSN 1421-2811, S. 96–99.</ref>
Machbarkeitsstudie (1995)
Die Machbarkeitsstudie von Anfang 1995 schätzte die Kosten (Preisstand 1993) überschlägig auf 4,807 Milliarden D-Mark (4,180 Mrd. DM Baukosten zzgl. 15 Prozent Planungszuschlag), inflationsbereinigt (Lebenshaltungskostenindex) entspricht dies heute 4,4 Milliarden Euro. Die Finanzierung sollte über den Verkauf von Grundstücken, durch Mehreinnahmen aus erhöhtem Fahrgastaufkommen, verbesserten Betriebsabläufen sowie Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes erfolgen. Die Beteiligung privater Investoren war Teil der Überlegungen. Gegenübergestellt wurde der so genannte „Weiterführungsfall“. Für die Instandhaltung und Ausbau des Kopfbahnhofs wurden Kosten von 2,901 Milliarden D-Mark angesetzt (2,522 Mrd. DM, zzgl. 15 Prozent Planungskosten). Die ermittelten Betriebsführungskosten fielen mit 83,9 Mio. DM zu 107,2 Mio. DM pro Jahr für Stuttgart 21, die ermittelten Instandhaltungskosten mit 41,1 zu 53,5 Mio. DM pro Jahr im Weiterführungsfall günstiger aus. Durch zusätzlichen Verkehr sollten bei S21 gegenüber dem Weiterführungsfall zwischen 145,4 und 159,4 Mio. DM mehr erlöst werden. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis (nach der Methodik des Bundesverkehrswegeplanes 1992) des Projekts Stuttgart 21 wurde mit 2,4 angegeben; der Nutzen von Stuttgart 21 hätte zwischen 257 und 267 Mio. DM über den beiden Varianten des Weiterführungsfalls gelegen. Das Projekt sollte sich binnen rund 30 Jahren amortisieren.<ref name="db-1995b-5">Deutsche Bahn AG, Geschäftsbereich Netz, Regionalbereich Stuttgart, Projekte (Hrsg.): Projekt »Stuttgart 21«. Die Machbarkeitsstudie. Broschüre (40 A4-Seiten), Stuttgart, ca. 1995, S. 5, 8, 16 f., 20–25, 32 f., 36 f (ähnliche Fassung als <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF-Datei ( des Vorlage:IconExternal vom 24. August 2017 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. online, 14 MB).</ref>
Synergiekonzept und Finanzierungsvereinbarung (1995)
Nach dem Ende 1995 vorgelegten Synergiekonzept sollten die Projektkosten von 4,893 Mrd. D-Mark (2,502 Mrd. Euro) für die Variante S4/F3 etwa zur Hälfte (2175 Mio. DM) aus Grundstückserlösen finanziert werden. Durch den Bund sollten die Kosten zur Anbindung der Neubaustrecke nach Ulm (nach § 8 Abs. 1 BSchwAG) von 886 Mio. DM finanziert werden; weitere 350 Mio. DM als zinsloses Darlehen nach §8 Abs. 2 BSchwAG. Die übrigen 500 Mio. DM sollten nach GVFG von Bund, Land und Kommunen finanziert werden. Die Wirtschaftlichkeit war, bei einem Betrachtungszeitraum von 45 Jahren, mit einem errechneten Kapitalwert (zum 31. Dezember 1994, Zinssatz von 7,5 %) von 0,8 Mio. D-Mark knapp gegeben. Das verkehrswissenschaftliche Institut an der Universität Stuttgart ermittelte einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 314 Mio. DM pro Jahr (Nutzen-Kosten-Faktor von 2,6).<ref name="db-1995">Das Synergiekonzept Stuttgart 21: Die Ergebnisse des Vorprojekts. (PDF; 14,1 MB) Broschüre. Deutsche Bahn AG, Geschäftsbereich Netz, Regionalbereich Stuttgart, Projekte, 18. September 1995, S. 10–21, 38–40, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Dezember 2013; abgerufen am 20. Januar 2012.</ref>
Auf Grundlage dieser Daten wurde am 7. November 1995 eine erste Finanzierungsvereinbarung für das Projekt unterzeichnet.<ref name="sz-1995-257-1">Stuttgarter Hauptbahnhof soll untertunnelt werden. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 257, 1995, ISSN 0174-4917, S. 1.</ref> Den in dieser Rahmenvereinbarung vorgesehenen Projektkosten von exakt 4,893 Mrd. DM lag der Preisstand von Januar 1993 zu Grunde.<ref name="bt-16-10233">Kosten des Bahnprojekts Stuttgart 21 (PDF; 116 kB). Bundestags-Drucksache 16/10233, 16. September 2008.</ref> Dabei verpflichtete sich der Bund, das Projekt mit 886 Millionen D-Mark mitzufinanzieren.<ref name="sz-2000-283-5">Teufel verlangt von Berlin klares Ja zu „Stuttgart 21“. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 283, 2000, ISSN 0174-4917, S. 5.</ref> Die Stadt Stuttgart übernahm 29 Millionen Euro, ein Drittel der Baukostenerhöhungen von 170 Millionen D-Mark (87 Millionen Euro).<ref name="st-609-2007">Stadt Stuttgart: Stuttgart 21. Aktueller Bericht zum Sachstand. Anlage zur Gemeinderats-Drucksache 609/2007.</ref>
Aus Mehrerträgen durch größere Fahrgastaufkommen und verminderten Betriebskosten sollten etwa 30 Prozent der Projektkosten gedeckt werden. Weitere 30 Prozent sollten durch die Vermarktung der freiwerdenden Gleisflächen erlöst werden. Die übrigen 40 Prozent der geschätzten Projektkosten von 4,893 Mrd. D-Mark sollte durch Darlehen und Zuschüsse der öffentlichen Hand gedeckt werden.<ref name="tiefbau-1998-614">H. Dieterle: Stuttgart 21 – Ein Jahrhundertprojekt auf dem Weg zur Realisierung. In: Tiefbau, 9/1998, S. 614–620 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF-Datei ( vom 23. Februar 2014 im Internet Archive).</ref> Je 443 Mio. DM (226,5 Mio. Euro) sollten dabei als Baukostenzuschuss und zinsloses Darlehen durch den Bund finanziert werden (jeweils nach § 8 (1) Bundesschienenwegeausbaugesetz). Insgesamt 1050 Mio. DM (537 Mio. Euro) sollte das Land Baden-Württemberg finanzieren (davon 179 Mio. Euro aus Mitteln nach § 8 (2) Bundesschienenwegeausbaugesetz, 256 Mio. Euro als Baukostenzuschuss nach Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sowie weitere 102 Mio. Euro als Baukostenzuschuss aus Regionalisierungsmitteln). Für die Flughafenanbindung sollte die Flughafen Stuttgart GmbH 51 Mio. Euro aufbringen, die Stadt Stuttgart, das Land Baden-Württemberg und der Bund gemeinsam insgesamt 10 Mio. Euro.<ref name="tf-2005-38">Eine Rechnung, die aufgeht. Die Finanzierung des Projekts Stuttgart 21. In: TurmForum Stuttgart 21 e. V. (Hrsg.): Das Projekt Stuttgart 21. Begleitbuch zur Ausstellung im TurmForum Stuttgart 21, S. 38 f.</ref>
Kostenschätzung von 1998
Laut einer Quelle aus dem Jahr 2005 wurden auf Basis des Preis- und Planungsstandes von 1998 Gesamtkosten von 2,6 Milliarden Euro ermittelt. Die Mehrkosten gegenüber früheren Planungen wurden mit der weiterentwickelten Planung und der allgemeinen Preissteigerung begründet. Die Kosten sollten zum größten Teil (1.543 Mio. Euro) durch Eigenmittel der Deutschen Bahn AG gedeckt werden.<ref name="tf-2005-38" />
Bis Ende 1998 fielen Planungskosten in Höhe von 120 Millionen D-Mark an.<ref name="hp-1999-9-50">Jutta Garber: Stuttgart 21: Die grosse Schwester von Eurogate. In: Hochparterre, Heft 9, Jahrgang 12, 1999, S. 50 f.</ref>
Aktualisierung der Wirtschaftlichkeitsrechnung (1999)
Im Frühjahr 1999 stoppte der DB-Vorstandsvorsitzende Johannes Ludewig die weitere Projektvorbereitung und veranlasste ein Neubewertung der Wirtschaftlichkeit.<ref name="st-89-2000" /> Im Mai 1999 beauftragte die DB eine Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, das Projekt zu bewerten. Neben Stuttgart 21 waren auch Frankfurt 21, die Mottgers-Spange und die Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar Teil des Prüfpakets.<ref name="faz-1999-122-73">Beratungsfirma prüft Projekt "Frankfurt 21". In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 122, 29. Mai 1999, S. 73.</ref> Die Untersuchung ließ eine knappe Wirtschaftlichkeit erwarten.<ref name="stz-2001-4-9-21">Michael Ohnewald: "Die Bahn arbeitet mit Hochdruck an Stuttgart 21". In: Stuttgarter Zeitung. 9. April 2001, S. 21.</ref>
Die Wirtschaftlichkeitsrechnung des Projekts wurde im November 1999 aktualisiert. Eine weitere Aktualisierung sollte (Stand: Mai 2001) mit Abschluss des Planfeststellungsverfahrens und im Rahmen der Vergaben (erwartet für Ende 2004) erfolgen.<ref name="db-2001-05-16" /> Diese Aktualisierung erfolgte letztlich im Jahr 2006 (siehe unten).<ref name="bt-17-4008" />
Ende 1999 rechnete der Vorstand der Deutschen Bahn mit Gesamtkosten von rund 5,5 Milliarden D-Mark für das Projekt.<ref name="sz-1999-11-29">Wulf Reimer: Bahn-Vorstand doch für Bau von „Stuttgart 21“. In: Süddeutsche Zeitung, 29. November 1999, S. 2.</ref><ref name="sz-1999-279-25">Bahn-Aufsichtsrat stoppt „Stuttgart 21“. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 279, 1999, ISSN 0174-4917, S. 25.</ref>
Die unsichere Zukunft des Projekts kostete im Jahr 2000 nach DB-Angaben mehr als 500.000 DM pro Monat.<ref name="stz-2000-05-11">Thomas Wüpper: Bahn: Stuttgart21 nicht gefährdet. In: Stuttgarter Zeitung, 11. Mai 2000, S. 1.</ref> Bis Mitte 2000 waren rund 190 Millionen Planungskosten.<ref name="stz-2000-08-01">Michael Ohnewald: Der Kanzler will Stuttgart 21 aufs rechte Gleis bringen. In: Stuttgarter Zeitung. 1. August 2000, S. 17.</ref> entstanden, bis Mitte 2001 rund 200 Millionen.<ref name="stz-2001-07-11">Michael Ohnewald: Neuer Bahnhof soll 2013 in Betrieb gehen. In: Stuttgarter Zeitung. 11. Juli 2001, S. 21.</ref>
Einigung über Vorfinanzierung (2001)
Bei einem Treffen mit den Landesverkehrsministern Müller und Wiesheu sowie Bahnchef Mehdorn forderte Bundesverkehrsminister Klimmt im Oktober<ref name="gdrs-177-2001" /> 2000 von den Ländern Baden-Württemberg und Bayern, die Projekte Stuttgart 21, Neu-Ulm 21 und die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm vorzufinanzieren.<ref name="sz-2000-209-12">Zuversichtlich ins letzte Gefecht. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 209, 2000, ISSN 0174-4917, S. 12.</ref> Der damalige Bundesanteil von 886 Millionen DM für das Projekt Stuttgart 21 hätte ohne die Vorfinanzierung erst ab 2012 zur Verfügung gestanden.<ref name="gdrs-177-2001" />
Mitte Februar 2001 einigten sich Bund und das Land Baden-Württemberg auf eine Vorfinanzierung<ref name="eri-2001-148" /> von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Die geschätzten Gesamtkosten für die Vorfinanzierung beider Projekte wurde dabei, je nach Zinsentwicklung, auf etwa eine Milliarde DM geschätzt.<ref name="sz-2001-38-5">Milliardenprojekt „Stuttgart 21“ wird realisiert. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 38, 2001, ISSN 0174-4917, S. 5.</ref> Damit sollte der Baubeginn um sieben Jahre auf 2004 vorgezogen werden; der Bund sollte die vorfinanzierten Baukosten ab 2011 in acht Jahren tilgen.<ref name="eri-2001-148">Meldung „Grünes Licht“ für Stuttgart 21. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2001, ISSN 1421-2811, S. 148.</ref> Bis Mitte 2001 summierten sich die verausgabten Planungskosten für Stuttgart 21 auf mehr als 240 Millionen DM.<ref name="stz-2001-07-25" /> Die Kosten der Vorfinanzierung des Bundesanteils von Stuttgart 21 (886 Mio. DM) wurden, unter der Annahme einer sechsprozentigen Verzinsung, mit 270 Mio. DM angegeben. Zuvor wurde von der Summe von 886 Mio. DM „von der Bahn zu überbringend[e] notwendig[e] Sanierungsmaßnahmen“ im Umfang von 120 Mio. DM abgezogen. Von den 270 Mio. DM wurde wiederum ein Anteil der DB von 120 Mio. DM abgezogen, womit sich Kosten von 150 Mio. DM für die Partner Bund, Land und Region ergaben.<ref name="gdrs-177-2001" /> Die Stadt Stuttgart beschloss darauf aufbauend, sich mit höchstens 50 Mio. DM (26 Mio. Euro) an den Kosten der Vorfinanzierung des Bundesanteils zu beteiligen, soweit Land und Region jeweils ebenfalls ein Drittel tragen.<ref name="st-609-2007" /><ref name="gdrs-177-2001">Gemeinderat der Stadt Stuttgart: Drucksache 177/2001. März 2001.</ref> Damit galt ein Baubeginn im Jahr 2004, nach dem erwarteten Abschluss der Planfeststellungsverfahren, als gesichert.<ref name="gdrs-177-2001" />
Am 14. März 2001 beschloss der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG, die Planung zwar weiterzuführen, soweit eine Ergänzungsvereinbarung zur Rahmenvereinbarung von 1995 wie geplant abgeschlossen werde. Planfeststellungs- und Vergabephase sollten strikt voneinander getrennt werden. Damit verschob sich der Baubeginn von 2004 auf 2005. Die bisherige Finanzierung habe sich damit nicht mehr halten lassen. Zu dieser Zeit wurden Einnahmen durch verkehrliche Mehrerträge in Höhe von 668 Millionen DM und durch Immobilienerlöse von 799 Millionen DM erwartet.<ref name="stz-2001-03-15">Michael Ohnewald: Bahn sagt ja – aber Stuttgart 21 drohen neue Verzögerungen. In: Stuttgarter Zeitung. 15. März 2001, S. 21.</ref>
Nach Medienberichten hielten sich Bund und Bahn dabei die Möglichkeit eines Ausstiegs aus dem Projekt offen. Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung sollte die Risiken des Projekts darlegen.<ref name="sz-2001-54-5">Milliardenprojekt Stuttgart 21 noch sehr unsicher. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 54, 2001, ISSN 0174-4917, S. 5.</ref> Anfang 2001 hielten Bahn und Bund einen 34-seitigen Zwischenbericht einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Wirtschaftlichkeit des Projekts unter Verschluss. Darin wurden Risiken von 930 Millionen DM für Stuttgart 21 beziffert, im Wesentlichen in den Bereichen Tunnelbau, fehlerhafte Planung und nicht abgeschlossene Planfeststellungsverfahren. Beispielsweise seien 30.500 DM pro Tunnelmeter angesetzt worden, was aufgrund der Erkenntnisse aus laufenden Projekten niedrig erschienen sei. Das Gutachten war von der Bundesregierung beauftragt worden, um ein Bild des tatsächlichen Mittelbedarfs zu erhalten.<ref name="stz-2001-03-16">Michael Ohnewald: Geheimpapier zu Stuttgart 21 heizt Spekulationen an. In: Stuttgarter Zeitung. 16. März 2001, S. 23.</ref> Weitere Risiken waren noch nicht bewertet worden.<ref name="sz-2001-61-2">Kostenexplosion bei Großprojekten der Bahn. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 61, 2001, ISSN 0174-4917, S. 2.</ref> In dem Papier wurde auch allgemeine Preisentwicklung und erhöhte Planungskosten berücksichtigt. Das Papier konstatierte aus politischen Motiven geschönte Zahlen sowie Missmanagement der DB. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn zog daraufhin zunächst seine Bereitschaft zurück, Bauangebote für das Projekt einzuholen.<ref name="sz-2001-70-5">Schöngerechneter Schienenstrang. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 70, 2001, ISSN 0174-4917, S. 5.</ref>
Eine ergänzende Vereinbarung von Juli 2001 sah die Wiederaufnahme der zuvor für mehr als zwei Jahre gestoppten Planung vor. Die Deutsche Bahn erklärte sich bereit, weitere 427<ref name="stz-2001-07-25" /> Millionen D-Mark an Planungsmitteln für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm<ref name="stz-2001-05-17">Michael Ohnewald: Fahrplan für Stuttgart 21 aus dem Takt. In: Stuttgarter Zeitung. 17. Mai 2001, S. 23.</ref> bereitzustellen.<ref name="lbw-13-111" /> Davon waren 100 Millionen DM für Grunderwerb und 60 Millionen DM für geologische Erkundungen reserviert.<ref name="stz-2001-07-11" />
Darauf aufbauend war vorgesehen, Verhandlungen über die Vorfinanzierung zwischen Bund, Land und Deutscher Bahn aufzunehmen.<ref name="lbw-13-111">Landtag von Baden-Württemberg (Hrsg.): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kleine Anfrage der Abg. Heiderose Berroth FDP/DVP und Antwort des Ministeriums für Umwelt und Verkehr: Stand der Vorbereitungen zu der termingerechten Realisierung des Projekts Stuttgart 21 ( vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive) (PDF; 10 kB). Drucksache 13/111 vom 20. Juli 2001, Punkt 5.</ref> Die Stadt Stuttgart verpflichtete sich dabei, freiwerdende Flächen zu kaufen, die Region, sich an S-Bahn-Mehrkosten zu beteiligen.<ref name="stz-2001-07-25">Michael Ohnewald: Vertragspartner holen Stuttgart 21 vom Abstellgleis. In: Stuttgarter Zeitung. 25. Juli 2001, S. 19.</ref> Das Land Baden-Württemberg verpflichtete sich, zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Stuttgart 21 insbesondere die Anschaffung von Doppelstockwagen durch DB Regio mit 200 Millionen D-Mark zu fördern.<ref name="db-2001-05-16">Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Signale für Stuttgart 21, die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm und Neu Ulm 21 weiterhin auf Grün (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018. Suche im Internet Archive ). Presseinformation 056/2001 vom 16. Mai 2001.</ref> Die Stadt Stuttgart übernahm im Rahmen dieser so genannten Realisierungsvereinbarung Mehraufwendungen aus wasserwirtschaftlichen Risiken in Höhe von 40 Millionen DM (20,5 Mio. Euro) sowie einen Anteil von 5 Mio. DM (2,56 Mio. Euro) an den zusätzlichen Kosten der Flughafenanbindung.<ref name="st-609-2007" /> Die Projektpartner einigten sich darauf, das Projekt im Jahr 2004, vor dem geplanten Baubeginn, noch einmal einer Wirtschaftlichkeitsprüfung zu unterziehen und anschließend über die Realisierung zu entscheiden.<ref name="stz-2001-11-02">Mathias Bury: Die Vision des Tunnelbahnhofs in 18 Aktenordnern. In: Stuttgarter Zeitung. 2. November 2001, S. 23.</ref>
Erwerb von Flächen durch die Stadt Stuttgart (2001)
Nachdem sich Bund und Stadt etwa Anfang 2000 grundsätzlich auf den Verkauf aller freiwerdenden Flächen (mit Ausnahme des Gebiets A1) geeinigt hatten, war zunächst die Vorfinanzierung des Projekts Stuttgart 21 zu klären, bevor im Folgejahr der Verkauf der Flächen besiegelt werden konnte.<ref name="gdrs-177-2001" />
Die Landeshauptstadt Stuttgart erwarb am 21. Dezember 2001 nahezu die gesamten durch Stuttgart 21 freiwerdenden Flächen mit einem Gesamtumfang von 109 Hektar für 897,7 Millionen DM (459 Millionen Euro) von der Deutschen Bahn.<ref name="stz-2001-12-22">Mathias Bury: "Historische Dimension". In: Stuttgarter Zeitung. 22. Dezember 2001, S. 24 ([online]).</ref> Die Fläche A1 wird weiterhin von der Deutschen Bahn vermarktet.
Die Grundstückserlöse seien nach Angaben des damaligen Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel vorsichtig berechnet worden. Von 100 Hektar Bahnflächen sollten 63 bebaut und 37 Hektar als Nicht-Bauflächen ausgewiesen werden. Die Preise seien von städtischen Sachverständigen geschätzt und davon 30 Prozent abgezogen worden. Die Altlastenbeseitigung soll (Stand: 1996) von der Deutschen Bahn AG übernommen und aus einem speziellen Programm finanziert werden.<ref name="rommel-1996">Manfred Rommel: Die Diskussion hat erst begonnen. In: Landeshauptstadt Stuttgart (Hrsg.): Stuttgart 21: Entwürfe für die neue Stadt. Deutsche Verlags-Anstalt, 1996, ISBN 3-421-03219-X, S. 3–7.</ref>
Der Kaufvertrag sah die Zahlung von Verzugszinsen vor, wenn die erworbenen Flächen nicht bis zum 31. Dezember 2010 der Landeshauptstadt übergeben würden. Die Landeshauptstadt erklärte sich später (Stand: 2007) bereit, aufgrund der verzögerten Realisierung des Projekts auf die Verzugszinsen bis zum 31. Dezember 2020 zu verzichten (212,5 Millionen Euro). Diese Zinsen wurden nicht in die Wirtschaftlichkeitsrechnung aufgenommen. Dies sei sachgerecht, nachdem die DB sich bereit erklärt habe, den Überschuss aus ihrer Wirtschaftlichkeitsrechnung zur Finanzierung des Kostensteigerungsrisikos aufzuwenden.<ref name="st-609-2007" /> Ab dem 1. Januar 2021 zahlt die Deutsche Bahn Verzugszinsen in variabler Höhe an die Landeshauptstadt. Für 2021 werden die Verzugszinsen auf 11,3 Millionen Euro geschätzt (Stand: 2020).<ref name="stz-21012020">Stadt erhält Zins für S 21 von Bahn. www.stuttgarter-zeitung.de, 21. Januar 2020.</ref>
Kritiker des Projekts wiesen um 2007 darauf hin, dass die seit einigen Jahren geräumten Flächen des ehemaligen Stuttgarter Güterbahnhofs bis dahin brach gelegen und allenfalls von öffentlich-rechtlichen Einrichtungen vereinzelt bebaut worden seien.<ref name="schiene-2007-2-20">Gangolf Stocker: Stuttgart 21: 2007 Jahr der Entscheidung. In: Schiene, Heft 2/2007, ISSN 0932-2574, S. 20–23.</ref> Ferner habe das Unternehmen mit den bereits bezahlten 459 Millionen Euro wirtschaften können, ohne Aufwendungen für das Projekt getragen zu haben.<ref name="fr-2009-12-19">Bahn profitiert von Projekt Stuttgart 21. In: Frankfurter Rundschau, 19. Dezember 2009.</ref>
Im Februar 2000 hatte sich die Stadt Stuttgart bereiterklärt, die Teilflächen A2 (ca. 10,52 ha) und A3 (ca. 1,42 ha) für 415 Millionen DM (A2) bzw. 35 Mio. DM (A3) zu erwerben. Die Wertstellung war zum 31. Dezember 2000 vorgesehen. Dem Gesamtwert von 450 Millionen D-Mark lag die Vermarktung von 275.000 m² Geschossflächen zu 2.520 DM/m² zu Grunde. Abgezinst mit 4,0 % pro Jahr zwischen 31. Dezember 2000 und 31. Dezember 2011 ergab sich damit ein Kaufpreis von 450,2 Mio. DM zum 31. Dezember 2010.<ref name="st-89-2000">Gemeinderat der Stadt Stuttgart: Vertrag zur Realisierung von Stuttgart 21 sowie Erwerb der Teilflächen A2 und A3 des Planungsgebietes Stuttgart 21 von der Deutschen Bahn AG. Drucksache 89/2000 vom 11. Februar 2000.</ref> 2001 kaufte die Stadt Stuttgart die Gebiete A2 bis D.<ref name="s21-fruejahr-2002-5">Die erste Adresse. In: Stuttgart 21. Das Projektmagazin. Ausgabe Frühjahr 2002, März 2002, ZDB-ID 1500833-2, S. 5.</ref> Die Flächen waren in den Büchern der Bahn zuvor mit 25 Millionen Euro bewertet worden.<ref name="spiegel-2013-7-16" />
Weitere Entwicklung
Anfang 2002 wurden Gesamtkosten von 2,594 Milliarden Euro für Stuttgart 21 kommuniziert. 1,543 Milliarden Euro davon sollte die Deutsche Bahn (aus Grundstückserlösen und bahnbetrieblichen Mehrerträgen) finanzieren. Der Bund sollte sich mit 453 Millionen Euro beteiligen, das Land Baden-Württemberg mit 537 Millionen Euro. Für die Flughafenanbindung (61 Millionen Euro) sollten Beiträge von der Flughafengesellschaft, der Stadt, dem Land und dem Bund beigesteuert werden. Nach dem für 2004 vorgesehenen Abschluss der Planfeststellungsverfahren sollte eine erneute Wirtschaftlichkeitsrechnung vorgelegt werden.<ref name="s21-fruejahr-2002-2">DB Projekte Süd im Überblick. In: Stuttgart 21. Das Projektmagazin. Ausgabe Frühjahr 2002, März 2002, ZDB-ID 1500833-2, S. 2.</ref> Ende 2004 sollte darauf aufbauend eine endgültige Entscheidung mit einer gesicherten Finanzierung erfolgen.<ref name="s21-fruejahr-2002-8">„Wichtige Zukunftsprojekte, die zusammengehören…“. In: Stuttgart 21. Das Projektmagazin. Ausgabe Frühjahr 2002, März 2002, ZDB-ID 1500833-2, S. 8.</ref>
2002 rechnete die DB laut einem Medienbericht von 2010 bereits mit Kosten von 4,203 Mrd. Euro für das Projekt.<ref name="stern-2010-11-24">Bahn verschwieg Kosten für S21. stern.de, 24. November 2010.</ref> Laut DB-Angaben sei dieser Wert nicht in Euro, sondern D-Mark anzusetzen, entsprechend 4,203 Mrd. D-Mark (rund 2,15 Milliarden Euro)<ref name="db-2010-11-24">Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Deutsche Bahn: Kosten für Stuttgart 21 transparent dargestellt – Bericht von „stern.de“ über angeblich geheim gehaltene Kostensteigerungen unzutreffend. Presseinformation vom 24. November 2010.</ref> und beziehe sich nur auf den Anteil der DB Netz.<ref>Schlichtungsverfahren zu Stuttgart 21: Stenografisches Protokoll vom 26. November 2010 (PDF; 604 kB), Seite 13.</ref>
Ende 2004 wurde offiziell mit Kosten in Höhe von 2,6 Milliarden Euro gerechnet. Im Zuge des noch laufenden Planfeststellungsverfahrens sollten die genauen Kosten ermittelt werden.<ref name="sz-2004-264-V113">Der Superbahnhof. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 264, 2004, ISSN 0174-4917, S. V1/13.</ref>
Im Oktober 2004 dem Land wurde dem Land eine aktualisierte Kostenberechnung vorgelegt, die über drei Jahre von der Deutschen Bahn ausgearbeitet worden war. Die 1998 ermittelten Kosten von 2,6 Milliarden Euro wurden demnach auf 2,81 Milliarden Euro angehoben. Laut einem Medienbericht sei ein Puffer von fünf Prozent in diesem Betrag berücksichtigt worden. Das Land rechnete mit der Möglichkeit, dass das Projekt keinen Euro teurer werden würde als 1998 veranschlagt. Eine Kostenexplosion schloss der damalige Verkehrsminister Stefan Mappus „zu 99 Prozent“ aus.<ref name="stz-2004-252-21" />
Die 2001 vereinbarten Finanzierungsgespräche liefen noch 2005.<ref name="tf-2005-38" />
Einzelne Planungen und Bohrprogramme des Projekts Stuttgart 21 wurden zwischen 2001 und 2004 zu 50 % von der Europäischen Union finanziert.<ref name="swr-2007-04-23">Finanzierung zu Stuttgart 21 klärt sich erst im Juni. swr.de, 23. April 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. September 2007; abgerufen am 25. November 2011.</ref> Die Gesamtförderung liegt bei 114,5<ref name="stz-2010-08-03">Tausende demonstrieren friedlich. Stuttgarter Zeitung (Onlineausgabe), 3. August 2010.</ref> Millionen Euro.<ref name="stz-2010-07-28"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Eine Lücke im europäischen Netz ( vom 1. August 2010 im Internet Archive). In: Stuttgarter Zeitung, 28. Juli 2010.</ref> TEN-Mittel der EU werden auf den Bundesanteil von 500 Millionen angerechnet.<ref name="mom-2007-07-19" />
Um 2004 wurde mit EU-Zuschüssen in Höhe von bis zu 20 Prozent der Baukosten gerechnet.<ref name="stz-2004-252-21">Michael Ohnewald: Bilanz der Ingenieure: Stuttgart 21 nicht teurer. In: Stuttgarter Zeitung, Nr. 252, 29. Oktober 2004, S. 21.</ref> 2006 sprach sich der Koordinator des TEN-Korridors 17 (Paris–Bratislava), Péter Balázs, vor dem Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments gegen eine Kofinanzierung von Stuttgart 21 mit TEN-Mitteln aus.<ref name="eri-2006-270">Meldung EU gegen Stuttgart 21. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 6/2006, S. 270.</ref>
Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen (2006/2007)
2006 führte die Deutsche Bahn eine weitere Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zu Stuttgart 21 und der Neubaustrecke nach Ulm durch.<ref name="bt-17-955">Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Winfried Hermann, Dr. Anton Hofreiter, Bettina Herlitzius, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (PDF; 145 kB). In: Drucksache 17/955.</ref> Sie basierte auf den von der DB AG erwarteten Investitions- und Betriebskosten mit Kosten- und Preisstand von 2004. Je nach Planungsstand der zu Grunde liegenden Abschnitte wurde der Planungsstand der Konzeptions- oder der Entwurfsplanung berücksichtigt.<ref name="bt-17-4008" />
Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung ging von Gesamtkosten von 2,8 Mrd. Euro für Stuttgart 21 und einem Baukostenrisiko von einer Milliarde Euro aus, das die Deutsche Bahn und das Land Baden-Württemberg tragen sollten. Die Bahn betonte, das Projekt sei unter der Bedingung, dass diese Risiken abgesichert werden, wirtschaftlich tragbar.<ref name="bundestag-16-5519">Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Winfried Hermann, Fritz Kuhn, Alexander Bonde, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (PDF; 90 kB). Drucksache 16/5331 vom 30. Mai 2007.</ref> TEN-Mittel in Höhe von 250 Millionen Euro flossen in die Wirtschaftlichkeitsberechnung ein; die Höhe der tatsächlich zur Verfügung stehenden TEN-Mittel stand jedoch noch nicht fest (Stand: Mai 2007).<ref name="bundestag-16-5519" /> Das Gutachten ging ferner von Grundstückserlösen in Höhe von 740 Millionen Euro (Preisstand: 2004) aus.<ref name="bmvbs-2008-11-13" /> Fast 800 Millionen Euro der geschätzten Gesamtkosten von 2,8 Milliarden Euro entfielen auf den Hauptbahnhof.<ref name="stz-2006-232-36">Michael Ohnewald: Alte Liebe rostet nicht. In: Stuttgarter Zeitung, Nr. 232, 7. Oktober 2006, S. 36.</ref>
Unter der Voraussetzung zusätzlicher Finanzierungsbeiträge der Beteiligten ermittelte die Wirtschaftlichkeitsrechnung ein positives Ergebnis in Höhe von 86 Millionen Euro.<ref name="bt-17-4008">Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Winfried Hermann, Dr. Anton Hofreiter, Dr. Valerie Wilms, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/3766 – Wirtschaftlichkeitsberechnung für Stuttgart 21 (PDF; 94 kB). Drucksache 17/4008 vom 30. November 2010.</ref> Der Bericht nennt die Bedingungen einer Realisierung und zeigt Risiken auf.<ref name="bundestag-16-5519" /> Die aktualisierte Wirtschaftlichkeitsrechnung wurde im September 2006 dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt.<ref name="bt-17-4008" /> Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wird von der Deutschen Bahn als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis eingestuft.<ref name="bt-17-955" /> Eine gesamtwirtschaftliche Prüfung wurde nicht vorgenommen.<ref name="bt-17-4008" />
Bei einem zweistündigen<ref name="stn-2006-10-24b">Markus Grabitz: Stuttgart 21: Bund verzögert Entscheidung. In: Stuttgarter Nachrichten. 24. Oktober 2006, S. 1.</ref> Spitzengespräch zwischen Bund, Land, Stadt und Deutscher Bahn blieb am 23. Oktober 2006 die Realisierung von Stuttgart 21 offen. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee forderte eine Wirtschaftlichkeitsberechnung des Projekts durch interne und externe Wirtschaftsprüfer, auf deren Grundlage eine Entscheidung spätestens im Februar oder März 2007 fallen sollte.<ref name="stn-2006-10-24a" /><ref name="stz-2006-10-24" /> Die vorliegende Wirtschaftlichkeitsrechnung habe nur „Grobzahlen“ genannt und sei dem Bund erst wenige Tage vor der Sitzung vorgelegt worden. Laut einem Pressebericht habe die Wirtschaftlichkeitsrechnung der Bahn ein Plus von 80 Millionen Euro beziffert.<ref name="stn-2006-10-24a">Michael Isenberg: Wiedervorlage Frühjahr 2007: Tiefensee lässt Stuttgart 21 noch einmal durchrechnen. In: Stuttgarter Nachrichten. 24. Oktober 2006, S. 3.</ref> Der Bund bekannte sich zur Realisierung der NBS Wendlingen–Ulm, sah sich allerdings außer Stande, vor 2017 in die Finanzierung einzusteigen.<ref name="stz-2006-10-24">Roland Pichler: Bund zweifelt an Stuttgart 21. In: Stuttgarter Zeitung. 24. Oktober 2006, S. 1.</ref> Eine Entscheidung bis Mai 2007 wurde für erforderlich gehalten, da der Bund spätestens bis dahin seine Bahnbauvorhaben bei der EU zur Förderung hätte anmelden müssen.<ref name="stn-2006-10-25">Konstantin Schwarz: Oettinger: Stadt soll Risiko übernehmen. In: Stuttgarter Nachrichten. 25. Oktober 2006, S. 19.</ref> Land und Bahn einigten sich im Rahmen des Gesprächs, wie unvorhergesehene Mehrkosten verteilt werden sollten. Zunächst sollte die Bahn dafür einstehen, anschließend Land und Stadt.<ref name="stz-2006-10-25">Mathias Bury: "Geld für ICE-Strecke nur bei Ja zu neuem Bahnhof". In: Stuttgarter Zeitung. 24. Oktober 2006, S. 21.</ref>
Im September 2006 liefen zwischen den Projektpartnern Verhandlungen, wie Mehrkosten von 200 Millionen Euro verteilt werden sollten.<ref name="stz-2006-09-01">Mathis Bury: Gäubahnanschluss bremst Verfahren. In: Stuttgarter Zeitung. 1. September 2006, S. 19.</ref> Der Anteil des Flughafens wurde im Oktober 2006 mit 150 Millionen Euro beziffert, der Anteil der Region mit 100 Millionen Euro.<ref name="stn-2006-10-11">Michael Isenberg: "Wir werden nicht jede Forderung akzeptieren". In: Stuttgarter Nachrichten. 11. Oktober 2006, S. 18.</ref>
Der Prüfauftrag des Bundesverkehrsministeriums wurde im April 2007 abgeschlossen.<ref name="bt-17-4008" />
Memorandum of Understanding (2007)
Im Rahmen eines Memorandum of Understanding einigten sich am 19. Juli 2007 Bund, Land, Stadt, Bahn und der Verband Region Stuttgart darauf, den Baubeginn für Stuttgart 21 und der Neubaustrecke auf 2010 vorzuziehen. Das Papier beziffert die voraussichtlichen Kosten mit 2,8 Milliarden Euro.<ref name="mom-2007-07-19" /> Am gleichen Tag wurde ein Eckpunktepapier für einen Finanzierungsvertrag abgeschlossen.<ref name="ds-14-4382" /> Den Hauptteil der Kosten sollten demnach die Deutsche Bahn (1,115 Mrd. Euro) und das Land (685 Mio., u. a. nach GVFG) tragen. Der Bund sollte sich mit Mitteln aus dem Bedarfsplan in Höhe von 500 Mio. Euro sowie nach Bundesschienenwegeausbaugesetz mit rund 200 Mio. Euro beteiligen; eventuelle, zu beantragende Zuschüsse im Rahmen des TEN-Programms werden von den Bundesmitteln abgezogen. Baukostensteigerungen bis zur Höhe von einer Milliarde Euro werden nach dieser Vereinbarung zunächst von der DB AG (220 Mio. Euro) und vom Land (bis 780 Mio. Euro) getragen.<ref name="mom-2007-07-19" />
Land und Landeshauptstadt einigten sich wiederum darauf, dass die Stadt Stuttgart im Bedarfsfall bis zu 131 Millionen Euro dieser 780 Millionen Euro übernehmen sollte. Im Gegenzug entfielen die Verbindlichkeiten der Stadt aus der Vorfinanzierungsvereinbarung (26 Mio. Euro) und der Übernahme der wasserwirtschaftlichen Risiken (20,5 Millionen Euro). Letztere gingen auf das allgemeine Mehrkostenrisiko über. Die von der Stadt Stuttgart zu tragenden Kosten stiegen damit um bis zu 84,5 Millionen Euro.<ref name="st-609-2007" /> Für über die 3,8 Milliarden Euro hinausgehende Kosten sollte die Deutsche Bahn ihren in einer Wirtschaftlichkeitsrechnung ermittelten Überschuss im Umfang von bis zu 160 Millionen Euro (93 Millionen Euro Kapitalwert von 2007) einsetzen.<ref name="st-609-2007" /><ref name="mom-2007-07-19" /> Darauf aufbauend sollte das Land weitere bis zu 160 Millionen Euro (93 Millionen Euro zum Kapitalwert von 2007) leisten.<ref name="mom-2007-07-19">Memorandum of Understanding zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Baden-Württemberg, der Deutsche Bahn AG, der DB Netz AG, der DB Station&Service AG und der DB Energie GmbH, der Landeshauptstadt Stuttgart, dem Verband Region Stuttgart zur Realisierung der Neubaustrecke Stuttgart – Ulm und des Projekts Stuttgart 21 mit Datum vom 19. Juli 2007 (PDF-Datei, 3 Seiten).</ref> Die Landeshauptstadt sollte aus diesem zusätzlichen Landesanteil ein Drittel übernehmen (31 Mio. Euro zum Kapitalwert von 2007).<ref name="st-609-2007" />
Der Unterzeichnung waren bis in die Nacht dauernde Verhandlungen vorausgegangen, bei dem vor allen Dingen das Land, aber auch die Region und die Stadt ihren Finanzierungsanteil aufstockten. Am gleichen Tag sollten die Förderanträge für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm eingereicht werden. Aufgrund des Bundesanteils von 500 Millionen Euro für Stuttgart 21 hätte dabei nach Angaben des Bundes mit maximal 100 Millionen Euro EU-Förderung gerechnet werden können.<ref name="stn-2007-07-20">Konstantin Schwarz: Bahn-Chef: Von 2010 an rollen die Bagger. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 165, 20. Juli 2007, S. 21.</ref>
Am 25. Juli 2007 stimmte der Landtag dem Memorandum zu.<ref name="tunnel-2009-7-12">Hany Azer, B. Engel: Stuttgart 21 und NBS Wendlingen–Ulm. In: Tunnel. Heft 7/2009, ISSN 0722-6241, S. 12–24 (PDF-Datei, 290 kB).</ref> Im Herbst 2007 wurde mit der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung für März 2008 gerechnet.<ref name="stn-2007-10-18">Michael Isenberg: Korrektur an Stuttgart 21: Bahn soll Kosten tragen. In: Stuttgarter Nachrichten. 18. Oktober 2007, S. 22.</ref>
Im August 2008 nannte die baden-württembergische Landesregierung 5,08 Milliarden Euro Kosten für das Projekt Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Darüber hinaus sei ein Risikofonds von 1,45 Milliarden Euro notwendig.<ref name="sz-20082008-5">Finanzbedarf für Stuttgart 21 steigt. In: Süddeutsche Zeitung, 20. August 2008, S. 5.</ref> Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages genehmigte am 20. November 2008 Bundesmittel in Höhe von insgesamt 1,55 Milliarden Euro für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. In: Stuttgarter Nachrichten, 21. November 2008.</ref> Am 28. November verabschiedete der Bundestag diese Mittel mit dem Bundeshaushalt 2009.<ref>Ohne Quelle.</ref> Die Bundesmittel sollen erst ab 2014 zur Verfügung stehen. Bis dahin soll das Land Baden-Württemberg in Vorleistung treten.<ref name="bt-16-10233" /> Mitte März 2009 kündigte das Bundesfinanzministerium an, im Rahmen einer außerordentlichen Verpflichtungsermächtigung Mittel in Höhe von 280,2 Millionen Euro für das Projekt bereitzustellen.<ref name="bt-2009-03-18"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. Nachricht auf Website der Initiative "Magistrale für Europa", 19. März 2009 (abgerufen am 7. Januar 2013).</ref> Die Bundesmittel sind über elf Jahre verteilt.<ref name="db-2009-12-16">Deutsche Bahn AG: Stuttgart 21: höchste Sicherheit bei Kosten und Tunnelbau. Presseinformation vom 16. Dezember 2009.</ref>
Die Finanzierung teilte sich dabei auf folgende Quellen auf:
- Der Anteil der Deutschen Bahn liegt bei 1,3008 Milliarden Euro.<ref name="ds-14-4382" />
- Das Land Baden-Württemberg übernimmt, mit Partnern, 501,8 Millionen Euro (darunter 112,4 Mio. Euro aus dem GVFG-Bundesprogramm).<ref name="ds-14-4382" /> Der Verband Region Stuttgart, der 100 Millionen zugesagt hat, refinanziert dabei seinen Beitrag durch Umlagen aus seinen Mitgliederkommunen.<ref name="lvz-2010-04-24"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kommunen müssen für Stuttgart 21 zahlen ( vom 6. März 2016 im Internet Archive). In: Ludwigsburger Kreiszeitung (Onlineausgabe), 24. April 2010.</ref> Das Land finanziert seinen Anteil an Stuttgart 21 und der Neubaustrecke nach Ulm aus einer 2008 gebildeten Rücklage, einschließlich der daraus auflaufenden Zinsen.<ref name="mm-2010-08-24"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters
archive-todaymuss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. In: Mannheimer Morgen, 24. August 2010.</ref> - Der Flughafen Stuttgart übernimmt unmittelbar einen Anteil von 107,8 Mio. Euro, weitere 112,242 Mio. „zum Ausgleich für Betriebsverluste“ und errichtet auf eigene Kosten verschiedene Bauwerke und Anlagen.<ref name="ds-14-4382" /> Der Aufsichtsrat des Flughafens stimmte am 16. Juli 2008 der Überweisung der 112 Millionen Euro an die Deutsche Bahn zu. Diese Mittel sind nicht an konkrete Bauleistungen gebunden.<ref name="stn-2008-08-20">Michael Isenberg: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Flughafen hilft Bahn auf die Beine ( vom 14. Juli 2011 im Internet Archive). In: Stuttgarter Nachrichten, 20. August 2008.</ref>
- Der Bund übernimmt insgesamt fast 1,5 Milliarden Euro. Darunter sind 500 Mio. Euro Investitionsmittel (Preisstand: 2004<ref name="bmvbs-2008-11-13" />) nach § 8 Abs. 1 BSchwAG; dieser Anteil soll um die Preisentwicklung (Baukostenindex) bis 2008 einmalig um 63,8 Millionen Euro<ref name="bt-17-444">Deutscher Bundestag: Unterrichtung durch die Bundesregierung: Verkehrsinvestitionsbericht 2009 (PDF; 22 MB), Drucksache 17/444 vom 14. Januar 2010, S. 28 f.</ref> fortgeschrieben werden und repräsentiert die „Sowieso-Kosten“ der ursprünglich geplanten Einbindung der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm in den Knoten Stuttgart. Weitere 300 Mio. Euro sind Bundesmittel für vermiedene Ersatzinvestitionen<ref name="bt-16-10233" /> in das Bestandsnetz, die der Deutschen Bahn ebenfalls nach § 8 Abs. 1 BSchwAG zur Verfügung gestellt werden. Weitere 197 Mio. Euro an Investitionsmitteln für das Regionalverkehrsnetz nach § 8 Abs. 2. BSchwAG sowie 168,6 Mio. Euro aus dem GVFG-Bundesprogramm.<ref name="ds-14-4382" />
- Da das Projekt kein Bedarfsplanvorhaben des Bundesverkehrswegeplans ist, beteiligt sich der Bund nur mit den so genannten Als-Ob-Kosten, die ohne die Realisierung von Stuttgart 21 für die Neubaustrecke Stuttgart–Wendlingen(–Ulm) angefallen wären.<ref name="bt-16-7371">Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Winfried Hermann, Dr. Anton Hofreiter, Peter Hettlich, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 16/7104 – (PDF; 69 kB). In: Drucksache 16/7371, 29. November 2007.</ref>
Die Messe Stuttgart beteiligt sich durch die Übernahme von Kosten für Bauvorkehrungen indirekt.<ref name="stn-2012-134-18">Jörg Hamann, Konstantin Schwarz: „Jetzt geht es um die Optimierung“. In: Stuttgarter Nachrichten, Nr. 134, 13. Juni 2012, S. 18 (ähnliche Fassung online).</ref>
Laut Medienberichten hätten nach der am 19. Juli 2007 erzielten Einigung über die Finanzierung von Stuttgart 21 bauliche Unwägbarkeiten am Flughafen (Ausnahmegenehmigung) zu einer Verzögerung des Finanzierungsvertrages von mehr als einem Jahr geführt.<ref name="stn-2008-06-04">Konstantin Schwarz: Wirtschaftlichkeit erneut gefährdet. In: Stuttgarter Nachrichten. 4. Juni 2008, S. 17.</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Finanzierungsvertrag vom 2. April 2009
Die Deutsche Bahn schätzte die Gesamtkosten 2008<ref name="bt-16-10233" /> auf 2,8104 Milliarden Euro (Realwert<ref name="db-2009-12-10">Deutsche Bahn AG: Aktueller Sachstand Stuttgart 21 (PDF; 95 kB). Information (10 A4-Seiten) vom 10. Dezember 2009.</ref> mit Preis- und Kostenstand vom 1. Januar 2004). Diese Kalkulation wurde zur Unterzeichnung des Finanzierungsvertrags am 2. April 2009 um eine unterstellte Baupreissteigerung von 1,5 %<ref name="bmvbs-2008-11-13" /> pro Jahr fortgeschrieben und auf Nominalwert<ref name="db-2009-12-10" /> von 3,076 Milliarden Euro angehoben. (Alle Preise zzgl. Umsatzsteuer, soweit die Eisenbahninfrastrukturunternehmen nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind)<ref name="ds-14-4382">Landtag von Baden-Württemberg (Hrsg.): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Finanzierungsvereinbarung zum Bahnprojekt Stuttgart–Ulm ( vom 21. August 2010 im Internet Archive) (PDF; 2,4 MB). Drucksache 14/4382 vom 22. April 2009.</ref> Die geschätzten Kosten waren bis 2016 nominalisiert.<ref name="bmvbs-2013-02-05">Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Informations-Workshop der DB AG zu Stuttgart 21 für die AR-Vertreter am 05.02.2013. S. 1, 7–9, 11 (PDF-Datei).</ref>
Die zu Grunde gelegte Rate basiere auf langjährigen Erfahrungen der Deutschen Bahn bei Tunnel- und Neubauprojekten.<ref name="bmvbs-2008-11-13" /> Für die Deutsche Bahn sei eine „ausgeglichene Wirtschaftlichkeit“ des Projekts bis zu Gesamtkosten von 4769 Mio. Euro gegeben.<ref name="stz-2013-1-12-21" /> Die Belastung des Ergebnisses der beteiligten Infrastrukturunternehmen von DB Netze soll durch Preiserhöhungen bei den Infrastrukturanlagen bis zur Inbetriebnahme des Projektes ausgeglichen werden.<ref name="db-2009-12-10" />
Die Bausumme sollte im Rahmen der Entwurfsplanung aktualisiert werden. Dafür wurde im Rahmen der Finanzierung ein „Risikovorsorgebetrag“ von 1.450 Mio. Euro vorgesehen.<ref name="db-2009-12-10" /> Über die Summe von 3.076 Mio. Euro hinausgehende Kosten werden zunächst (bis 220 Mio. Euro) von der Deutschen Bahn übernommen. Weitere 780 Mio. Euro tragen Land und Stadt, wobei der Flughafen Stuttgart einen Anteil von 119,4 Mio. trägt. Die nächsten 160 Mio. Euro leistet die Deutsche Bahn, ebenso wie weitere 130 Mio. Euro, die jedoch um die Kosten der Finanzierung der Neubaustrecke–Ulm vermindert werden sollen, bis der Bund diese Strecke refinanziert hat. Weitere 160 Millionen Euro leistet das Land, darüber hinaus sind Gespräche vereinbart.<ref name="ds-14-4382" />
Kritiker bemängeln, dass eine interne Kostenschätzung der Deutschen Bahn von Ende 2008/Anfang 2009 bereits Baukosten von 3,9271 Milliarden Euro für das Projekt veranschlagte. Einschließlich Planungskosten und Inflationszuschlag lag die Kostenschätzung damit bei fünf Milliarden Euro.<ref name="stz-2010-12">Jörg Nauke, Thomas Braun: Bahn behielt Wissen für sich. In: Stuttgarter Zeitung (Onlineausgabe), Dezember 2010.</ref> Die bis dahin angefallenen Planungskosten von 186 Millionen Euro waren von der DB aus Eigenmitteln finanziert worden und waren nicht in dieser Summe enthalten.<ref name="stz-2011-03-22">Jörg Nauke: Eine grobe Rechnung. In: Stuttgarter Zeitung, 22. März 2011.</ref>
Das Unternehmen habe beim Abschluss der Finanzierungsvereinbarung im April 2009 diese über dem vereinbarten Kostenrahmen liegenden Kosten den Projektpartnern verschwiegen.<ref name="stn-2010-12-23">Konstantin Schwarz: Bahn hielt wahre Kosten ein Jahr unter Verschluss. In: Stuttgarter Nachrichten (Onlineausgabe), Dezember 2010.</ref> Laut DB-Angaben von Ende 2010 sei bei der Unterzeichnung der Vereinbarung klar gewesen, dass eine Aktualisierung der geplanten Kosten mit Fertigstellung der Entwurfsplanung habe erfolgen müssen.<ref name="db-2010-12-08" />
Laut einem Juli 2011 an Medienvertreter herausgegebenen, internen Papier des baden-württembergischen Verkehrsministeriums von Anfang 2009 habe das Ministerium in den Wochen vor Abschluss der Finanzierungsvereinbarung bereits von Baukosten von 4,066 Milliarden Euro gewusst. Zuzüglich 809,134 Millionen Euro Planungskosten habe sich damit ein Gesamtbetrag von 4.875,134 Millionen Euro ergeben. Dieser Kostenstand sei auf Basis einer nahezu vollständig abgeschlossenen Entwurfsplanung entstanden. Die Deutsche Bahn habe dabei bereits Ende 2008 von Kostensteigerungen in Höhe von bis zu 142 Prozent in Tunnelabschnitten von Stuttgart 21 gewusst.<ref name="fr-2011-07-16">Thomas Wüpper: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />S21: „Mit deutlich höheren Kosten ist zu rechnen“ ( vom 3. September 2011 im Internet Archive). In: Frankfurter Rundschau, 16. Juli 2011.</ref>
Laut einem Medienbericht von Ende 2011 errechneten im Herbst 2009 Controller des Innenministeriums anhand von Bahnunterlagen zu drei Bauabschnitten (Hauptbahnhof, Fildertunnel, Tunnel Obertürkheim) Kosten zwischen 4,9 und 6,5 Milliarden Euro für das Projekt. Als wahrscheinlich galten demnach Kosten von 5,5 Milliarden Euro, bei einer Preissteigerungsrate von 2,5 Prozent pro Jahr für Personal und Material rechneten die Beamten von 6,5 Milliarden Euro. Laut einem Vermerk solle „Auf Wunsch des Herrn MP“ (Ministerpräsident Oettinger) von einer „neuen Kostenberechnung abgesehen werden“. Oettinger habe knapp einen Monat später, am 12. November 2009, sich dafür ausgesprochen, Berechnungen, die über der Kostengrenze von 4,5 Milliarden Euro liegen, nicht „aktiv“ in die Öffentlichkeit zu tragen.<ref name="spiegel-2011-45-42">Schwäbische Rechnung. In: Der Spiegel, Nr. 45, 2011, S. 42 f.</ref>
Kostenberechnung von Dezember 2009
Anfang Dezember 2009 legte die Deutsche Bahn AG eine Kostenberechnung auf Basis der Entwurfsplanung und nach dem Preisstand von 2009 vor.<ref name="stz-2009-12-12"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Grube: Wir bauen Tunnels und keine Bunker ( vom 15. Dezember 2009 im Internet Archive). In: Stuttgarter Zeitung, 12. Dezember 2009.</ref> Die größten Kostensteigerungen gegenüber der vorherigen Kostenschätzung von 2004 entfielen auf die Blöcke Tunnelbau (370 Mio. Euro) sowie Steigerungen in Planung und Preisen (230 Mio. Euro).<ref name="stz-2009-12-12" />
Weitere Kostensteigerungen resultierten aus konkretisierten Masseannahmen, neuen technischen Richtlinien und einem aufwendigeren Grundwassermanagement.<ref name="db-welt-2010-01-04">Stuttgart 21: Ein Jahrhundertprojekt kommt ins Rollen. In: DB Welt, Heft 1/2010, S. 4 f.</ref>
Die Prognose basiere laut DB-Angaben auf detaillierten Planungen, die zwischen Dezember 2008 und Juni 2009 von den rund 60 an der Entwurfsplanung beteiligten Planungsbüros bei der DB eingereicht worden seien. Damit seien Daten über Mengen, Preise, Gewerke und geologische Verhältnisse vorgelegt worden, auf deren Basis eine genauere Baukostenberechnung möglich gewesen sei (siehe nebenstehende Tabelle).<ref name="db-2010-12-08">DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Deutsche Bahn weist Behauptungen zu Intransparenz bei Kosten von Stuttgart 21 zurück. Presseinformation vom 8. Dezember 2010.</ref>
Dieses Ergebnis der Planungsbüros von 4066 Mio. Euro ist von der Deutschen Bahn AG in drei Schritten modifiziert worden: Erstmals im Rahmen des Projekts seien Baukosten von 44,1 Mio. Euro für Abstell- und Behandlungsanlagen ergänzt worden, die durch das Projekt notwendig würden. In einem zweiten Schritt seien gemäß einer internen „Markt- und Vergabeanalyse“ Einsparpotentiale untersucht worden, bei der sich 468 Mio. Euro zzgl. 129,9 Mio. Euro aus Grundstücksfinanzierungen, also insgesamt 597,9 Mio. Euro ergeben hätten. Im dritten Schritt seien weitere 294,0 Mio. Euro aufgrund von „Chancen aus Optimierung der Bauwerke“ aus der vorgenannten Baukostenberechnung abgezogen worden (siehe nachfolgende Tabelle).
| Baukostenschätzung (2004) und Baukostenberechnung (2009) | |||
| Planfest- stellungs- abschnitt |
Räumlicher Umfang | 2004 (gerundet in Mio. Euro) |
2009 (gerundet in Mio. Euro) |
|---|---|---|---|
| 1.1 | Talquerung mit Hauptbahnhof Stuttgart | 775 | 893,1 |
| 1.2 | Fildertunnel | 311 | 753,9 |
| 1.3 | Filderbereich mit Flughafenanbindung | 322 | 488,0 |
| 1.4 | Filderbereich bis Wendlingen | 216 | 205,1 |
| 1.5 | Zuführung Feuerbach/Bad Cannstatt | 453 | 801,0 |
| 1.6 | Zuführung Ober-/Untertürkheim | 479 | 925,0 |
| Summe | 2.508 | 4.066,0 | |
|
Linke Spalte: Kostenstand der Finanzierungsvereinbarung<ref name="frontal-2011-11-22">(Fax vom 22. November 2011) auf dem Internetauftritt des Zweiten Deutschen Fernsehens.</ref> | |||
In Summe hätten sich so Baukosten von 3218,2 Mio. Euro ergeben, auf die 17 Prozent (547,1 Mio. Euro) für Planungskosten zugeschlagen worden seien (Preisstand: jeweils 2008). Auf die Summe (reale Bau- und Planungskosten von 3765,9 Mio. Euro) seien wiederum 322,5 Mio. Euro (8,6 Prozent) als Inflationsausgleich aufgeschlagen worden. In Summe würden sich dadurch nominale Projektkosten von 4087,8 Mio. Euro ergeben. Nach diesem Planungsstand blieben, als Differenz zu den in der Finanzierungsvereinbarung von April 2009 festgelegten 4526 Mio. Euro rund 440 Millionen Euro als Risikovorsorge.<ref name="db-2009-12-10" />
| Baukostenberechnung DB AG nach Kostenoptimierung (Nominalisiert, Stand 2009).<ref name="schlichtung-chance-2010-11-26" /> |
Kosten (gerundet in Mio. Euro) |
|---|---|
| Baukosten gemäß Entwurfsplanung | 4.066 |
| Regionale Abstell u. Beh.-anlagen | 44,1 |
| Einsparpotentiale aus Markt- u. Vergabeanalyse | - 597,9 |
| Chancen aus Optimierung der Bauwerke | - 294,0 |
| Summe Baukosten | 3.218,2 |
| Planungskosten (+ 17 % der Baukosten) | 547,1 |
| Summe Bau- u. Planungskosten | 3.765,3 |
| Nominalisierung | 322,5 |
| Summe Bau- u. Planungskosten Nominalwert Stand 2009 |
4.087,8 |
Die Projektkosten lagen im Dezember 2009 damit bei 3,765 Milliarden Euro.<ref name="herz-2009-12-10" /> Davon entfielen rund 3,2 Mrd. Euro auf Bau- sowie 547 Mio. Euro auf Planungskosten.<ref name="welt-2009-12-11" /> Für Baupreissteigerungen wurden weitere 322 Mio. Euro zugeschlagen.<ref name="welt-2009-12-11">„Stuttgart 21“ soll trotz Mehrkosten gebaut werden. In: Die Welt, 11. Dezember 2009.</ref> Dieser Wert sei durch einen pauschalen Aufschlag von 1,5 Prozent je Jahr (ab 2004) auf die jährlichen Finanzierungsanteile ermittelt worden.<ref name="db-2009-12-10" /> Die geschätzten Gesamtkosten für das Projekt beliefen sich damit auf 4,088 Milliarden Euro.<ref name="herz-2009-12-10" />
Nach Medienberichten habe das Unternehmen zwischenzeitlich intern mit Gesamtkosten von 4,9 Milliarden Euro gerechnet.<ref name="welt-2009-12-10" /> Die im Rahmen der genannten „Markt- und Vergabeanalyse“ ermittelten Einsparungen von 597,8 Mio. Euro seien in einem mehrstufigen Verfahren ermittelt worden: Zunächst sei der Kalkulation eine von der Einkaufsabteilung der Deutschen Bahn durchgeführte Marktpreiserhebung zu Grunde gelegt worden. Die Projektkosten seien ferner aufgrund von Erfahrungswerten korrigiert worden. In einem abschließenden Schritt seien die überarbeiteten Kosten mit anderen Tunnelbaumaßnahmen des Unternehmens verglichen worden.<ref name="db-2009-12-10" /> In den knapp 598 Mio. Euro seien unter anderem 129,9 Millionen Euro eingesparte Grunderwerbskosten enthalten; beim Tunnelausbruch sollen 146,5 Millionen Euro gespart werden, beim Betonstahl 87,7 Mio. Euro sowie 28,8 Mio. Euro beim Spritzbeton.<ref name="stz-2010-05-11">Hatten die Fachplaner Mondpreise kalkuliert?. In: Stuttgarter Nachrichten, 11. Mai 2010.</ref>
Die genannten Einsparmöglichkeiten durch „Optimierung von Bauwerken“ gliedern sich nach DB-Angaben in 218 Mio. Euro ohne Änderungen der zu Grunde liegenden Planfeststellungsbeschlüsse und weiteren 76 Mio. Euro mit derartigen Änderungen. Neben Veränderungen der Tunnelvortriebstechnologie (Spritzbetonbauweise statt Tunnelbohrmaschinen) und geringerer angenommener Quelldrücke seien unter anderem auch Veränderungen im Planfeststellungsabschnitt 1.5 und an Bahnhöfen vorgesehen. Bei den Änderungen sei dabei die Zustimmung von Eisenbahn-Bundesamt, der Architekten, Bauherren, Projektpartner und Gutachter notwendig.<ref name="db-2009-12-10" /> Die Kosteneinsparung bei den Tunneln beruhen nach Unternehmensangaben auf neuen, niedrigeren Belastungsannahmen nach Messungen. Dem Eisenbahn-Bundesamt liegt dabei noch kein Antrag der Deutschen Bahn auf Anpassung der Planung vor (Stand: Dezember 2009).<ref name="stz-2009-12-23">Deutsche Bahn AG: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Für neue Tunnelpläne fehlt der Antrag ( vom 26. Dezember 2009 im Internet Archive). Stuttgarter Zeitung, 23. Dezember 2009.</ref> Ob die geplanten Kosteneinsparungen vor der Aufsichtsbehörde Bestand haben, wird bezweifelt.<ref name="unternehmer-2009-12-20" />
Nach Angaben von Mitte 2010 sollen für die im Zuge des Projekts notwendigen Veränderungen an Anlagen der Stadtbahn 132 Millionen Euro aufgewendet werden.<ref name="stz-2010-07-04a">Stadtbahn muss Platz machen. In: Stuttgarter Zeitung, 4. Juli 2010.</ref>
Schlichtung (2010)
Im Zuge der Schlichtungsgespräche im Herbst 2010 sind die Projektkosten in Höhe von 4,088 Milliarden Euro durch drei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften beurteilt worden (Märkische Revision, PricewaterhouseCoopers und Susat&Partner).<ref name="schlichtung-chance-2010-11-26" /> Sie kommen grundlegend zu der Einschätzung, dass die Deutsche Bahn AG einerseits die Chancen für Kosteneinsparungen „sehr optimistisch beurteile“ und es andererseits auf Grund der Risiken, insbesondere aus der Baudurchführung, fraglich sei, ob sie in vollem Umfang realisiert werden könnten.
| Einsparpotenziale aus Markt- u. Vergabeanalyse der DB AG<ref name="schlichtung-chance-2010-11-26" /> |
Kosten (in Mio. Euro) |
|---|---|
| Einsparungen Summe | 597,9 |
| Gesteinsausbruch | 146,5 |
| Baustelleneinrichtung | 130,6 |
| Betonstahl | 87,7 |
| konventioneller Oberbau | 40,1 |
| Feste Fahrbahn, Masse-Feder-System | 34,2 |
| Spritzbeton | 28,8 |
| Grundstücksgeschäfte | 129,9 |
Die beteiligte Firma „Märkische Revision“ kommt nach Prüfung der Unterlagen der Deutschen Bahn AG zu höheren Projektkosten von 4,42 Milliarden Euro, da Einsparungen bei Grundstücken formal nicht abgesichert seien und historische Planungskosten einzubeziehen seien. Mit Blick auf die von der Deutschen Bahn AG erwarteten Einsparungen in Höhe von insgesamt 579,9 Millionen Euro erklärt die Firma „Märkische Revision“, dass dieses Einsparpotenzial sehr optimistisch sei und die Deutsche Bahn AG für wesentliche Massen keine belastbaren Nachweise vorgelegt habe.<ref name="schlichtung-chance-2010-11-26" /> Demnach bestehe aus Sicht der Wirtschaftsprüfer ein signifikantes Risiko, dass die Einsparungen nicht in vollem Umfang realisiert werden könnten, die Projektkosten also höher ausfallen könnten.
Die erwarteten Einsparungen in technischen Bereichen von 468 Millionen Euro (=11,5 % der Gesamtkosten) würden nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft den Ausbruch bei den Tunnelgewerken, Baustelleneinrichtung, Betonstahl, Spritzbeton und Kosten des Oberbaus betreffen (s. Tabelle). Folgende Abminderungen der Kostenschätzungen der Fachplaner seien nachlaufend von der Deutschen Bahn AG vorgenommen worden:
- Ausbruchkosten für die Tunnel (Gesteinsausbruch) in den Planfeststellungsabschnitt 1.2 um 49 % und bei Planfeststellungsabschnitt 1.6a um 43 % unter den Preisansätzen der Planer (ohne prüffähigen Nachweis)
- Baustelleneinrichtungskosten insbesondere in den Planfeststellungsabschnitt 1.3 (Filderbahnhof/Flughafen) und 1.5 (zwei Tunnel Richtung Feuerbach und Bad Cannstatt) deutlich reduziert (ohne vorherige eingehende Prüfung der Hintergründe)
- Betonstahlkosten (inkl. Einbau) für alle Planfeststellungsabschnitte mit Marktpreisniveau des 2. Quartals 2009 (seinerzeit deutliche Absenkung durch Finanzkrise, eingetretene Reduktion war Ende 2010 bereits ausgeglichen)
- Spritzbetonkosten reduziert ohne konkrete prüffähige Preisnachweise
- Oberbaukosten (Feste Fahrbahn, Weichen, Schotterbett, Masse-Feder-System) um ca. 32 % reduziert
Hinzu kämen Einsparpotenziale bei den Grundstückskosten von 129,9 Mio. Euro. Zur Vorlage dieser Angaben merkte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an, dass zunächst von der Deutschen Bahn AG eine Version mit 298 Mio. Euro vorgelegt worden sei. In einer nachträglich übergebenen „aktuellen“ Version sei dieser Bereich auf 129,9 Mio. Euro reduziert und erstmals die vorstehend beschriebenen Einsparpotenziale bei den Bauaufwendungen ausgewiesen worden.<ref name="schlichtung-chance-2010-11-26" />
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers merkt grundlegend zu den Kostenangaben der Deutschen Bahn AG und der Fortschreibung auf Grund von Kostensteigerungen (Nominalisierung) an, dass die Angaben von 2004 bis 2009 umgerechnet worden seien, nicht jedoch bis zum Projektende.<ref name="schlichtung-chance-2010-11-26" /> Bei dieser von der Deutschen Bahn AG gewählten Methodik sei eine jährliche Steigerung um 1,5 Prozent unterstellt. Bei Vertragsabschluss würden weitere Steigerungen durch Festpreisbindung auf den Lieferanten übergewälzt. Sofern dies nicht gelänge (z. B. durch Preisschwankungen von Baustoffen oder mehrjährigen Ausführungszeiten) bestünde die Gefahr von weiteren Kostensteigerungen.<ref name="schlichtung-chance-2010-11-26">Märkische Revision, PricewaterhouseCoopers AG WPG, Susat & Partner OHG WPG (Hrsg.): Bericht Schlichtungskreis zum Projekt Stuttgart 21 unter Leitung von Dr. Heiner Geißler. Stuttgart Gutachterliche Stellungnahme zum Stichtag 15. November 2010 (PDF; 1,2 MB). Dokument zum Schlichtungsgespräch vom 26. November 2010, S. 19–44.</ref>
Weitere Entwicklung (2011/2012)
Eine interne Risikoanalyse<ref name="DBPB-2011-03-25">DB ProjektBau GmbH: Großprojekt Stuttgart 21 – Wendlingen-Ulm – Chancen und Risiken, (PDF; 2,7 MB), 25. März 2011.</ref> von Ende März 2011, die durch einen Medienbericht teilweise öffentlich wurde, listet 121 Risiken des Projektes auf. Die 48 davon mit konkreten Beträgen unterlegten Positionen haben ein Gesamtvolumen von 1,264 Milliarden Euro.<ref name="stern-2011-15-130">Arno Luik: 121 Risiken. In: Stern, 25. März 2011, S. 130–135.</ref> Rund 750 Millionen Euro davon seien als „Einsparpotentiale“ vorgesehen worden. Davon seien zum Berichtszeitpunkt rund die Hälfte bereits realisiert worden. Die Deutsche Bahn ging nach eigenen Angaben davon aus, auch die übrigen Potentiale abschöpfen zu können. Mögliche Mehrkosten, die sich aus dem Schlichtungsverfahren ergeben, sind nicht in den Projektrisiken enthalten.<ref name="sb-2011-04-01" /> Zu den konkret in dem Dokument bezifferten Risiken zählten unter anderem Mehrkosten für den Tunnelbau (174 Millionen Euro) sowie Planungs- und Abstimmungsmängel (76 Millionen Euro).<ref name="stz-2013-229-21">Thomas Durchdenwald, Jörg Nauke: Kritiker werfen der Bahn Vertuschung vor. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 229, 2. Oktober 2013, S. 21 (online).</ref>
Die geplanten Projektkosten seien bis März 2011 um 50 Millionen Euro überschritten worden. Gleichzeitig seien bis dahin Einsparungen von rund 60 Millionen Euro realisiert worden.<ref name="sb-2011-04-01">Michael Isenberg, Konstantin Schwarz: Bisher 50 Millionen Euro Mehrkosten. In: Schwarzwälder Bote (Onlineausgabe), April 2010.</ref> Die Deutsche Bahn wies die Darstellungen zurück. Die im Schlichtungsverfahren vorgestellten Einsparungen seien mittlerweile größtenteils in die Realisierung gebracht.<ref name="db-2011-04-01">DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): DB weist Spekulationen über Kostensteigerungen bei Stuttgart 21 als haltlos zurück. Presseinformation vom 1. April 2011.</ref> Ende September 2011 deutet Bahn-Technikvorstand Volker Kefer weitere Kostensteigerungen von 370 Millionen Euro an.<ref name="HB-2011-09-23">Handelsblatt: S 21, Bahn deutet höhere Kosten an. 23. September 2011, aufgerufen am 4. Oktober 2011.</ref>
Auf der Sitzung des Lenkungskreises vom 30. Juli 2011 korrigierte die Deutsche Bahn die Gesamtkosten auf 4,166 Milliarden Euro. Vier zusätzliche Maßnahmen schlagen demnach mit 78 Millionen Euro zu Buche: 17,5 Millionen Euro für zusätzliche konventionelle Sicherungstechnik, 23,4 Millionen Euro für GSM-R-Ausbauten, 35,1 Millionen Euro für die durchgehend zweigleisige Anbindung des Flughafens sowie eine zusätzliche Weichenverbindung nördlich von Feuerbach (2,3 Millionen Euro).<ref name="stz-2011-09-01">Thomas Wüpper: Befürworter verschweigen Kostensteigerungen. In: Stuttgarter Zeitung, 1. September 2011. (online).</ref>
Am 23. September 2011 gab die Deutsche Bahn im Rahmen einer Sitzung des Lenkungskreises an, bis 2016 mit Mehrkosten von 370 Millionen Euro zu rechnen. Davon entfallen 130 Millionen Euro auf Projektmehrkosten und 240 Millionen Euro auf Vergaberisiken. Dazu kämen weitere, nicht bekannte Risiken. Vom vereinbarten Finanzierungsbeitrag von 4,526 Milliarden Euro verblieben damit 390 Millionen Euro als Reserve.<ref name="stn-2011-09-24">Michael Isenberg, Josef Schunder: Bahn: Mehrkosten und erhöhter Puffer. In: Stuttgarter Nachrichten, 24. September 2011 (online).</ref>
McKinsey-Gutachten (2012)
| Kostenangaben für „Stuttgart 21“ Deutsche Bahn AG Stand Dez. 2012.<ref name="db-2012-12-12" /> |
aktualisierte Kosten- berechnung (in Mio. Euro) |
aufge- stockter Finanz.- rahmen (in Mio. Euro) |
Grob- schätzung externe Mehrkosten (in Mio. Euro) |
|---|---|---|---|
| Bau- und Planungskosten nach Kostenoptimierung Dez. 2009 |
3.766 | ||
| abzgl. verbliebene Chancen | −170 | ||
| zzgl. notwendige Leistungen<templatestyles src="FN/styles.css" /> (2) | 610 | ||
| zzgl. nicht realisiertes Einsparpotential<templatestyles src="FN/styles.css" /> (2) |
490 | ||
| Bau- und Planungskosten Stand Dez. 2012<templatestyles src="FN/styles.css" /> (1) |
4.696 | 4.696 | |
| Puffer<templatestyles src="FN/styles.css" /> (1) | 930 | ||
| Summe | 5.626 | ||
| Schätzung von Mehrkosten durch Land u. Landeshauptstadt Stuttgart<templatestyles src="FN/styles.css" /> (3) |
590 | ||
| Schätzung von Mehrkosten durch Behörden (zeitliche Verzögerungen)<templatestyles src="FN/styles.css" /> (4) |
400 | ||
| Summe | 990 | ||
| <templatestyles src="FN/styles.css" />
<templatestyles src="FN/styles.css" />
(1) S. 4 (2) S. 5, Summe von 1.100 Mio. € wird als „Kalkulationsdifferenz“ bezeichnet (3) Im Einzelnen (S. 9) als „Grobschätzung“: Zusatzleistungen (Flughafenbhf.) 300 Mio. € Spezifikationsänderungen 300 Mio. €, konkrete Risiken 140 Mio. € Grundstücke 50 Mio. € abzüglich „Chancen“ −200 Mio. € (4) S. 11 | |||
Die Deutsche Bahn stellte Ende 2012 in einer „Bestandsaufnahme des Projekts“ auf der Grundlage eines externen Gutachtens so genannte Kalkulationsabweichungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro fest. Dieser Mehrbedarf ist dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn am 12. Dezember 2012 zusammen mit weiteren Themen präsentiert worden. Er setzt sich aus 610 Millionen Euro für „notwendige, aber nicht budgetierte Leistungen“ (beispielsweise Gebühren<ref name="stn-2012-12-13a">Markus Grabitz, Konstantin Schwarz: Stuttgart 21 wird für Kefer zum Offenbarungseid. In: Stuttgarter Nachrichten, 13. Dezember 2012, S. 3 (ähnliche Version online).</ref>) und 490 Millionen Euro für „nicht realisierbare Planansätze (Einsparpotentiale)“ (beispielsweise zuvor unterschätzte Grundstücks- und Rohstoffpreise<ref name="stn-2012-12-13a" />) zusammen.<ref name="db-2012-12-12" /> Vergessen worden seien unter anderem Grundstückskosten, auch sei die Dichte der vorhandenen Leitungen unterschätzt worden.<ref name="stn-2012-12-13b">Konstantin Schwarz: Auf der Kippe. In: Stuttgarter Nachrichten, 13. Dezember 2012, S. 1 (online).</ref> Als weitere Gründe wurden Nachforderungen, Fehlplanungen und fehlende Puffer genannt.<ref name="welt-2012-12-03">Nikolaus Doll: Bahn-Vorstand droht wegen S21 der Rauswurf. In: Die Welt, 3. Dezember 2012, S. 10 (online).</ref> Während früheren Kostenkalkulationen eher die Entwurfsplanung hinterlegt wurde, handele es sich heute vielfach um eine Ausführungsplanung.<ref>Zwei Milliarden mehr für S21 – Bahn legt neue Kostenrechnung für Stuttgarter Tiefbahnhof vor. In: Badische Zeitung, 13. Dezember 2012, S. 1.</ref>
Weitere Risiken werden durch „externe Einflüsse“ festgestellt, die aus den Zusatzleistungen „Filderdialog/Schlichtung“ mit etwa 300 Millionen Euro und aus Grundstückserwerb, Spezifikationsänderungen und konkreten Risiken mit etwa 290 Millionen Euro beziffert werden. Zusammen mit Mehrkosten von weiteren etwa 400 Millionen Euro aus absehbaren zeitlichen Verzögerungen und „behördlichem Schwergang“ summiert die Deutsche Bahn diese „zusätzlichen Risiken aus externen Einflussfaktoren“ auf rund eine Milliarde Euro. Zur Finanzierung dieser weiteren Risiken erwartet die Deutsche Bahn eine Vereinbarung im Rahmen der so genannten Sprechklausel.<ref name="db-2012-12-12" /> „Interne Hochrechnungen“, nach anderen Angaben ein Worst-Case-Szenario, der Deutschen Bahn gehen laut Presseberichten von 10,7 bis 11,3 Milliarden Euro Gesamtkosten aus.<ref>Thomas Wüpper: Grüne: Bahn rechnet mit elf Milliarden. In: Stuttgarter Zeitung. 19. Januar 2013, S. 20 (online).</ref><ref name="handelsblatt-2013-26-1">D. Delhaes, D. Fockenbrock: Deutschlands teuerstes Loch. In: Handelsblatt. Nr. 26, 6. Februar 2013, ISSN 0017-7296, S. 1.</ref>
Die Deutsche Bahn schlägt vor, den bisher mit 4,5 Milliarden Euro vereinbarten Finanzierungsrahmen aus eigenen Mitteln auf 5,6 Milliarden Euro zu erhöhen.<ref name="db-2012-12-12" /> Laut Bahnangaben sinke damit die erwartete Verzinsung auf das eingesetzte Kapital von 7,5 Prozent (bezogen auf den zuvor geplanten Eigenanteil von 1,7 Milliarden Euro) auf 1,9 Prozent.<ref name="stz-2013-1-12-21" /><ref name="handelsblatt-2013-26-7">Dieter Fockenbrock: Was wird aus dem Renditeziel des Konzerns? In: Handelsblatt. Nr. 26, 6. Februar 2013, ISSN 0017-7296, S. 7.</ref> Laut einem Medienbericht seien unter anderem deutlich erhöhte Mieten und massive gestiegene Trassen- und Stationpreise angesetzt worden, um die Wirtschaftlichkeit zu erreichen.<ref name="stz-2013-1-12-21">Thomas Wüpper: Bahn sagt auch Treffen des Aufsichtsrats ab. In: Stuttgarter Zeitung. 12. Januar 2013, S. 21 (online).</ref> Die Kapitalrendite für die Deutsche Bahn werde ab Mehrkosten von 1,78 Milliarden Euro negativ.<ref name="stz-2013-45-22">Bahn-Vorstand will neuen Antrag vorlegen. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 45, 22. Februar 2013.</ref>
Laut Angaben von Bahnchef Rüdiger Grube wolle die Deutsche Bahn mit einer frühzeitigen Information über die zum Projektende erwartenden Kosten für Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Transparenz sorgen.<ref name="sz-2013-01-11">Daniela Kuhr: Der schnelle Herr Grube. In: Süddeutsche Zeitung. 11. Januar 2013, ISSN 0174-4917, S. 16.</ref> Laut inoffiziellen Angaben solle durch diese einmalige Erhöhung ein realistischer Wert erreicht werden.<ref name="handelsblatt-2012-241-18b" /> Nach Unternehmensangaben sollen zur Finanzierung der Mehrkosten die Schulden der Deutschen Bahn jährlich um etwa 100 Millionen Euro pro Jahr weniger abgebaut werden als geplant.<ref name="handelsblatt-2012-244-16">D. Delhaes, D. Fockenbrock: Bahnaufseher fordern Fakten. In: Handelsblatt. Nr. 244, 2012, ISSN 0017-7296, S. 16.</ref> Durch die Mehrkosten soll laut Bahnangaben die Verschuldung des Unternehmens in den Jahren 2017 bis 2019 „etwas langsamer“ abgebaut werden als geplant. Die Mehrkosten gingen nicht zu Lasten anderer Projekte.<ref name="rp-2012-12-22">Bahn will kein "Stuttgart 21-light". In: Rheinische Post (Onlineausgabe), 22. Dezember 2012.</ref> Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann rechnet damit, dass die Deutsche Bahn zwar nicht über steigende Fahrpreise, jedoch zusätzliche Trassen- und Stationspreise refinanzieren wolle.<ref name="zeit-2012-12-13">Wird Stuttgart 21 die Bahnfahrkarten verteuern?. In: Zeit online, 13. Dezember 2012.</ref>
Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn forderte den Vorstand auf, alle Alternativen zu prüfen – einschließlich eines Ausstiegs. Die drei Staatssekretäre im Aufsichtsrat forderten den Vorstand auf, zukünftig auf jeder Sitzung einen Statusbericht zu Stuttgart 21 vorzulegen.<ref name="handelsblatt-2012-249-16">Dieter Fockenbrock: Die Bahn muss Ausstieg aus „Stuttgart 21“ prüfen. In: Handelsblatt. Nr. 242, 13. Dezember 2012, ISSN 0017-7296, S. 16 f.</ref> Dazu solle jeweils ein schriftlicher Bericht mit quartalsmäßig aktualisierten Zahlen rechtzeitig vorgelegt werden.<ref name="handelsblatt-2012-241-18b">Daniel Delhaes: Bund misstraut der Bahn bei S21. In: Handelsblatt. Nr. 241, 12. Dezember 2012, ISSN 0017-7296, S. 18.</ref> Er übermittelte dem Vorstand 135 Fragen.<ref name="derwesten-2013-01-23" />
Arbeitnehmer- und Kapitalvertreter sollten ursprünglich in getrennten Sitzungen am 14. und 18. Januar Antworten auf ihre auf der Sitzung vom 12. Dezember 2012 gestellten Fragen erhalten.<ref name="handelsblatt-2012-244-16" /> Diese Treffen wurden am 11. Januar abgesagt, da die notwendigen Daten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers nicht vorgelegen hätten.<ref name="stz-2013-1-12-21" /> Der Aufsichtsrat sollte am 21. Februar 2013 entscheiden.<ref name="derwesten-2013-01-23">Dietmar Seher: Stuttgart 21, zu wenig Züge - das sind die Baustellen des Bahnchefs. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 23. Januar 2013, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref>
In einer vierstündigen Sitzung der im Aufsichtsrat der DB vertretenen Kapitalvertreter wurde die Anfertigung einer neuen Wirtschaftlichkeitsrechnung beschlossen.<ref name="handelsblatt-2013-26-1" /> In einer für die Sitzung gefertigten Tischvorlage für die politischen Vertreter im Aufsichtsrat hielt das Bundesverkehrsministerium die von der Deutschen Bahn bis dahin vorgebrachten Argumente für zu schwach, um einer Finanzierung der Mehrkosten aus Unternehmensmitteln zuzustimmen. Das Ministerium wolle die von der Deutschen Bahn vorgelegten Informationen nochmals prüfen lassen. Finanzielle Mittel des Bundes sollten nach dem damaligen Stand nicht freigegeben werden.<ref name="stz-2013-02-05">Thomas Wüpper: Bund geht auf Distanz zu Stuttgart 21. In: Stuttgarter Zeitung. 5. Februar 2013 (online).</ref> Laut einer Stellungnahme der Deutschen Bahn für den Aufsichtsrat würde „unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen (…) ein solches Projekt nicht beginnen, jedoch fortführen“.<ref name="handelsblatt-2013-26-1" />
Das Unternehmen bezifferte die Summe der bereits eingetretenen oder konkret absehbaren Mehrkosten mit 1,165 Milliarden Euro. Davon entfielen 613 Mio. Euro vergessene Leistungen/Kosten für Bau und Planung, 490 Mio. Euro kalkulierte, aber nicht erzielte Einsparungen, 200 Mio. Euro auf allgemeine Preissteigerung, 156 Mio. Euro auf schlechte Projektabwicklung sowie 83 Mio. Euro allgemeine Mehrkosten.<ref name="stn-2013-54-15" />
Aufsichtsratsbeschluss vom 5. März 2013
Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn beschloss am 5. März 2013, einem Vorschlag des Vorstands zu folgen, um den Finanzierungsrahmen von 4,526 auf bis zu 6,526 Milliarden Euro anzuheben und gleichzeitig eine Beteiligung der Projektpartner an den Mehrkosten (ggf. gerichtlich) einzufordern. In diesem Betrag seien bereits ermittelte und weitere mögliche Mehrkosten enthalten. Laut Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden sei die Kalkulation von zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften überprüft worden.<ref name="db-2013-03-05">Deutsche Bahn AG (Hrsg.): DB-Aufsichtsrat genehmigt zusätzliche Mittel für die Erhöhung des Finanzrahmens des Bahnhofprojektes Stuttgart 21. Presseinformation vom 5. März 2013.</ref> 18 von 20 Aufsichtsratsmitgliedern hatten dem Vorschlag zugestimmt, der Anwalt Christoph Dänzer-Vanotti enthielt sich, der Vertreter der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer stimmte dagegen. Nach Auffassung des Bahnchefs Rüdiger Grube sollten die Projektpartner etwa 60 Prozent der Mehrkosten übernehmen.<ref name="handelsblatt-2013-46-20">Martin Buchenau, Daniel Delhaes, Dieter Fockenbrock: Volle Fahrt in den Tunnel. In: Handelsblatt. Nr. 46, 6. März 2013, ISSN 0017-7296, S. 20.</ref> Die Deutsche Bahn rechne laut einem internen Gutachten damit, nur über selbst verschuldete Mehrkosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro hinaus die Projektpartner an der Finanzierung beteiligen zu können.<ref name="wiwo-2013-11-13">Max Haerder, Christian Schlesiger: Ärgerliches Gutachten. In: Wirtschaftswoche. Nr. 11, 2013, S. 13.</ref>
Damit wurde die Wirtschaftlichkeit des Projekts nicht mehr erreicht.<ref>Bahn: S 21 erreicht Wirtschaftlichkeit nicht mehr. In: stuttgarter-zeitung.de. 26. Februar 2013, abgerufen am 4. Juni 2016.</ref>
Mit Steuermitteln dürfen nur Vorhaben finanziert werden, deren volkswirtschaftlicher Nutzen höher als die erwarteten Kosten ist. Im Vorfeld der Entscheidung nahm der damalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla Einfluss, um ein Gutachten der Bundesregierung zu den Ausstiegskosten zu verhindern. Eisenhart von Loeper erreichte mittels des Informationsfreiheitsgesetzes, unter anderem mit zwei Klagen vor dem Verwaltungsgericht Berlin, die Herausgabe von fünf entsprechenden Beratungsvermerken des Kanzleramts.<ref>Franz Schmider: Bundeskanzleramt und Stuttgart 21 – wie groß war der Einfluss? In: Badische Zeitung. 23. Mai 2016, abgerufen am 23. Mai 2016.</ref><ref>Kanzleramt gibt geschwärzte S-21-Vermerke frei? In: stuttgarter-zeitung.de. 29. Mai 2016, abgerufen am 29. Mai 2016.</ref>
Entwicklung ab 2013
Am 22. November 2013 nahmen die Projektpartner im Lenkungskreis die auf knapp sechs Milliarden Euro angehobene Kostenprognose zur Kenntnis und gaben Finanzmittel bis zu 4,5 Milliarden Euro frei; die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg lehnen eine Beteiligung über den zugesagten Beitrag hinaus weiterhin ab.<ref>Hermann hegt große Zweifel am Zeitplan. In: Stuttgarter Zeitung, 22. November 2013, abgerufen am 25. November 2013.</ref> Laut Angaben der Deutschen Bahn an ihren Aufsichtsrat war im April 2014 468 Millionen Euro des rund zwei Milliarden Euro umfassenden Sicherheitspuffers verbraucht.<ref name="handelsblatt-2014-109-26">Dieter Fockenbrock: Stuttgart 21 geht das Geld aus. In: Handelsblatt. Nr. 109, 10. Juni 2014, ISSN 0017-7296, S. 26.</ref>
Bis April 2014 gab die Deutsche Bahn 787 Millionen Euro für Stuttgart 21 aus. Nicht enthalten sind darin vor dem 1. April 2009 angefallene Planungskosten.<ref name="bt-18-1606">Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Harald Ebner, Christian Kühn (Tübingen), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/1420 – Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 – Kostenentwicklung und Projektfortschritt. Band 18, Nr. 1606, 3. Juni 2014, ISSN 0722-8333, S. 2, 3, 5, 6, 8 (PDF-Datei).</ref>
Laut Bahnangaben von April 2015 seien Aufträge in Höhe von 48 Prozent des Gesamtwertumfangs, rund 2,8 Milliarden Euro, vergeben worden.<ref name="stn-2015-04-22">Konstantin Schwarz: Bahn muss ein Jahr Bauverzug aufholen. In: Stuttgarter Nachrichten. 22. April 2015, S. 16 (online).</ref>
Gutachten von Vieregg-Rössler (2015)
Im Dezember 2015 kam ein weiteres Gutachten von Vieregg-Rössler auf Kosten von 9,8 Milliarden Euro für Stuttgart 21. Die aktualisierten Zahlen berücksichtigten bereits gemachte Erfahrungen beim Baufortschritt. Diese erlaubten eine präzisere Prognose der Gesamtkosten. Mit einer Fertigstellung des Projekts rechnete Vieregg-Rössler aufgrund der aktualisierten Erkenntnisse frühestens im Jahre 2024.<ref>Neues Gutachten von Vieregg-Rössler: Wahre Kosten von Stuttgart 21 liegen derzeit bei 9,8 Milliarden Euro. Dokumentensammlung auf der Seite des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21, 16. Dezember 2015, abgerufen am 16. April 2016.</ref> Der Aufsichtsrat der Bahn beschloss daraufhin in seiner nächsten Sitzung, seine eigenen Haftungsrisiken und die Kosten von Stuttgart 21 prüfen zu lassen.<ref>Bahn-Aufsichtsrat lässt Kosten und Haftung prüfen. Stuttgarter Zeitung, 16. März 2016, abgerufen am 16. April 2016.</ref> Ausschlaggebend für die Entscheidung war möglicherweise auch, dass der Bundesrechnungshof einen Prüfbericht zur Rolle der Staatssekretäre im Aufsichtsrat ankündigte.<ref>Rechnungshof will Bundestag über S21 informieren. Stuttgarter Nachrichten, 15. Februar 2016, abgerufen am 16. April 2016.</ref> Der Bundesrechnungshof hatte zuvor öffentlich beklagt, dass die Bahn sich nicht kooperativ verhalte.<ref>Für den Rechnungshof eine Dauerbaustelle. Stuttgarter Nachrichten, 13. Mai 2014, abgerufen am 16. April 2016.</ref>
Erhöhung des Kostenrahmens (Januar 2018)
Im Januar 2018 erhöhte der Aufsichtsrat den „Gesamtwertumfang“ auf 7,705 Mrd. Euro, der Finanzierungsrahmen wurde auf 8,2 Mrd. Euro erhöht. Dazwischen liegt ein Puffer von 495 Millionen Euro. Begründet wurde die Kostensteigerung u. a. durch Baupreissteigerungen, aufwendigere Verfahren beim Tunnelbau im Anhydrit und umfangreicheren Genehmigungsverfahren. Darüber hinaus wird mit einer Inbetriebnahme im Jahr 2025 gerechnet.<ref name="db-2018-01-26">Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hat über Termin- und Kostenentwicklung von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm beraten. In: deutschebahn.com. Deutsche Bahn, 26. Januar 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. Januar 2018; abgerufen am 26. Januar 2018.</ref> Kostensteigerungen durch das aufwendigere Bauen im Anhydrit hatten Kritiker bereits zuvor befürchtet.
Analyse zum Planverlust der DB (April 2018)
In einem internen Papier der Deutschen Bahn vom 18. April 2018 wird davon ausgegangen, dass insgesamt 4,034 Milliarden Euro Eigenmittel der DB für den Umbau des Bahnknotens verwendet werden müssen, rund viermal so viel wie geplant. Positive „Projekt-Effekte“ lägen hingegen bei 0,656 Milliarden Euro, „Immobilien-Effekte“ bei 1,15 Milliarden Euro. Somit wird von einem Planverlust von 2,228 Milliarden Euro für den Bahnkonzern ausgegangen. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung habe die DB-Spitze zugleich erstmals die Unwirtschaftlichkeit von Stuttgart 21 vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages offen eingestanden.<ref>Thomas Wüpper: S 21: Bahn baut sich ein Milliardengrab. In: Stuttgarter Zeitung. 19. April 2018, abgerufen am 19. April 2018.</ref>
Unterdessen wird Ende 2018 die Regelfinanzierung gemäß Finanzierungsvertrag auslaufen. Beitragszahlungen der öffentlichen Projektpartner werden damit enden, die Deutsche Bahn AG wird die weitere Finanzierung selbst übernehmen müssen. Laut MdB Matthias Gastel werden voraussichtlich die Gelder aus öffentlichen Kassen dann auch bereits ausgegeben sein.<ref>Konstantin Schwarz: Warum die Bahn für das Projekt bald allein zahlt. In: Stuttgarter Nachrichten. 4. April 2018, abgerufen am 4. April 2018.</ref>
Erhöhung des Kostenrahmens (März 2022)
Nach Medienberichten von Dezember 2021 standen weitere Mehrkosten in Höhe von 500 Millionen Euro im Raum. Als Gründe wurden stark steigende Baukosten und technische Schwierigkeiten angegeben. Eine Sonderprüfung lief, erste Ergebnisse folgten Januar 2022.<ref name="stn-2021-12-17">Christian Milankovic: S 21: Beton fließt, steigen die Kosten? In: Stuttgarter Nachrichten. Band 76, 17. Dezember 2021, S. 21.</ref>
Februar 2022 wurde aus Regierungskreisen bekannt, dass die DB die Gesamtkosten inzwischen auf 9,2 Mrd. Euro schätzte. Ein entsprechendes Gutachten der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers und der Ingenieur-Gruppe Emch+Berger wurde dem Prüfungsausschuss des DB-Aufsichtsrats vorgestellt.<ref>Markus Balser: Deutsche Bahn: Stuttgart 21 wird eine Milliarde Euro teurer. Abgerufen am 6. Februar 2022.</ref>
Im März 2022 wurde der so genannte „Gesamtwertumfang“ auf 9,15 Milliarden Euro erhöht, zuzüglich einer „ergänzenden Vorsorge“ von 640 Millionen Euro.<ref name="db-2022-03-18">Stuttgart 21: Aufsichtsrat berät über Kostenrahmen. In: DeutscheBahn.com. 18. März 2022, abgerufen am 21. März 2022.</ref> Für die Verzögerung der Inbetriebnahme von Ende 2025 auf Ende 2026 war ein Puffer von 400 Millionen Euro eingeplant. Nach diesen Angaben wäre das Projekt dann bei 9,99 Milliarden Euro gestanden.<ref>Konstantin Schwarz: Bahn AG will Finanzierung klären: Gericht fordert Akten zu Stuttgart 21 an. In: Stuttgarter Zeitung. 18. März 2021 (online).</ref>
Aus Sicht von Klaus-Dieter Hommel, dessen Gewerkschaft EVG die Sondersitzung einforderte, waren in den aktuellen Kalkulationen die Lage in der Ukraine und die damit verbundenen steigenden Energie- und Baukosten nicht eingepreist. Weitere Kostensteigerungen waren deshalb aus seiner Sicht im weiteren Verlauf denkbar. Er hielt es nicht für ausgeschlossen, dass bei den Kosten noch die Zehn-Milliarden-Euro-Marke gerissen werde.<ref name="SWR-2022">https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/aufsichtsrat-sondersitzung-s21-100.html</ref>
Die DB nannte als Grund für die Entwicklung erhebliche Preissteigerungen bei Baufirmen, Lieferanten und Rohstoffen. Zum anderen schlug der geologisch anspruchsvolle Untergrund im Stadtgebiet negativ zu Buche.<ref name="spiegel-2022-06-64">Stuttgart 21 kostet eine Milliarde mehr. In: Der Spiegel. Nr. 6, 2022, ISSN 0038-7452, S. 64 (kostenpflichtig online).</ref><ref name="SWR-2022"/>
Im Oktober 2023 berichtete der Spiegel über einen weiteren Mehrkostenbetrag von 614 Millionen Euro gegenüber 2022. Dies ging aus einem vertraulichen Papier der Bahn hervor, danach sollten die Gesamtkosten insgesamt 9,76 Milliarden Euro betragen.<ref>Serafin Reiber: Deutsche Bahn: Stuttgart 21 kostet 614 Millionen mehr. In: Der Spiegel. 13. Oktober 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 13. Oktober 2023]).</ref>
Erhöhung des Kostenrahmens (Dezember 2023)
Im Dezember 2023 stieg die Kostenschätzung auf 11 Milliarden €, zusätzlich wurde ein Puffer von 500 Millionen eingeplant.<ref>Stuttgart 21 wird teurer und teurer und teurer. In: n-tv.de. Abgerufen am 10. Dezember 2023.</ref> In einem Schreiben an die Projektpartner Mitte Dezember war die Rede von einem Gesamtfinanzierungsrahmen von 11,453 Milliarden Euro.<ref>Kosten für Bahnprojekt steigen weiter: S21 durchbricht neue Milliarden-Marke – das ist die aktuelle Zahl. In: stuttgarter-zeitung.de. Abgerufen am 20. Dezember 2023.</ref>
Das Verwaltungsgericht Stuttgart wies im Mai 2024 die Klagen mehrerer Gesellschaften der DB gegen das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, den Verband Region Stuttgart und den Flughafen Stuttgart ab. Land, Stadt, Region und der Flughafen Stuttgart hatten auf Verjährung geklagt, die Deutsche Bahn forderte eine Übernahme von 65 % der Mehrkosten bis maximal 11,776 Milliarden Euro.<ref>Konstantin Schwarz: Gericht lässt Klage der Bahn zu S 21 zu: Zusatzkosten des Landes bei bis zu 4,7 Milliarden. In: Stuttgarter Zeitung. 1. August 2023, abgerufen am 8. August 2023.</ref> Die Klagen seien teils unzulässig und teils zulässig, aber unbegründet.<ref>Klagen der DB AG u. a. gegen das Land Baden-Württemberg, die Landeshauptstadt Stuttgart, den Verband Region Stuttgart und die Flughafen Stuttgart GmbH abgewiesen. In: verwaltungsgericht-stuttgart.justiz-bw.de. Verwaltungsgericht Stuttgart, 7. Mai 2024, abgerufen am 9. Mai 2024.</ref> Das Land und der VRS begrüßten das Urteil.<ref>Stellungnahme zur Verwaltungsgerichtsentscheidung über S-21-Mehrkostenklage der DB. In: vm.baden-wuerttemberg.de. Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, 7. Mai 2024, abgerufen am 9. Mai 2024.</ref><ref>Region nimmt Stellung zum Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart über S21 Mehrkostenklage der DB. In: region-stuttgart.org. Verband Region Stuttgart, 7. Mai 2024, abgerufen am 9. Mai 2024.</ref> Die DB teilte mit, sie sei weiterhin der Auffassung, dass sich die Projektpartner an der Finanzierung der Mehrkosten im Vorhaben Stuttgart 21 beteiligen müssten.<ref>Stuttgart 21: Deutsche Bahn sieht weiterhin gemeinsame Finanzierungsverantwortung aller Projektpartner. In: Deutsche Bahn. Deutsche Bahn, 7. Mai 2024, abgerufen am 7. Mai 2024.</ref> Das Verwaltungsgericht ließ eine Berufung nicht zu.<ref name=":0" /> Am 25. Oktober 2024 beantragte die DB beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, eine Berufung zuzulassen.<ref>Stuttgart 21: Deutsche Bahn legt gegen Urteil zur Sprechklausel-Klage Rechtsmittel ein. In: deutschebahn.com. 25. Oktober 2024, abgerufen am 27. Oktober 2024.</ref>
Im Juni 2024 wurde die Eröffnung der Tiefbahnhofs auf Ende 2026 verschoben. Der Bahninfrastrukturvorstand Berthold Huber teilte in diesem Zusammenhang mit, dass durch die Verzögerung des Projektes um ein weiteres Jahr eine Kostensteigerung von etwa 100 Millionen Euro entstehe. Diese solle den Finanzierungsrahmen von 11,453 Milliarden Euro jedoch „nicht sprengen“.<ref>Stuttgart 21: Viel Kritik an neuem Konzept der Bahn. In: stuttgarter-zeitung.de. Abgerufen am 13. Juni 2024.</ref> Nach Informationen des Spiegels lagen die Kostenschätzungen von „mit dem Projekt Betrauten“ mittlerweile bei mindestens 12 Milliarden.<ref>Serafin Reiber: Stuttgart 21: Deutsche Bahn wird Inbetriebnahme um ein weiteres Jahr verschieben. In: Der Spiegel. 10. Juni 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 13. Juni 2024]).</ref>
Im November 2025 wurde der Eröffnungstermin für 2026 abgesagt. Welche Kosten dadurch entstehen, war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Laut Pro Bahn wird die Verschiebung „jede Menge Geld kosten, das woanders bei der Bahn fehlen wird“.<ref>SWR Aktuell: "Fatale Nachricht" zu Stuttgart 21: Eröffnung des Milliardenprojekts für 2026 abgesagt. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025.</ref>
Kritik
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Bundesrechnungshof (2008, 2011, 2013 und 2019)
Der Bundesrechnungshof rechnete in einem Bericht Ende 2008 mit Projektkosten von 5,3 Mrd. Euro, also Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro, basierend auf Maßstäben des Bundesverkehrsministeriums. Ein internes Gutachten dieses Ministeriums kam nach Auswertung von aktuellen Baupreisentwicklungen von Großprojekten zu Preissteigerungen von bis zu 60 % bei Vorhaben mit hohen Risikobereichen wie großem Tunnelanteil, hohem Kupfer- und Stahlanteil. Dementsprechend wurde die seinerzeit vorliegende Baukostenschätzung der DB AG von 3,08 Mrd. Euro mit 60 % beaufschlagt (=4,93 Mrd. Euro). Er kritisierte ferner, dass die Kosten für die Kleine Wendlinger Kurve sowie die Abstellanlagen (297 Millionen Euro) nicht in den Projekt-Gesamtkosten enthalten seien.<ref name="brh-2008-10-30">Bundesrechnungshof: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bericht des Bundesrechnungshofes gemäß § 88 Abs. 2 BHO über die Projekte Stuttgart 21 und Neubaustrecke Wendlingen – Ulm ( vom 9. Oktober 2010 im Internet Archive) (PDF; 574 kB), Oktober 2008.</ref> Das Bundesverkehrsministerium wies das Gutachten als unbegründet zurück. Kostensteigerungen um 60 Prozent seien aufgrund der Planungstiefe nicht zu erwarten, die Wirtschaftlichkeit im 2007 vorgelegten Gutachten dagegen erwiesen worden.<ref name="bmvbs-2008-11-13">Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Berichtsanforderung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages für die Bereinigunssitzung zum HH 2009 am 20. November 2008. Stellungnahme (drei Seiten) vom 13. November 2008.</ref>
Der Bundesrechnungshof bekräftigte im Juli 2011 seine Kritik. Auch die mittlerweile korrigierten Kostenangaben der Deutschen Bahn für Stuttgart und die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm hielten den Untersuchungen des Bundesrechnungshofs nicht Stand. Die Prüfer gingen fest davon aus, dass die tatsächlichen Kosten des Projekts noch das Niveau der Schätzung erreichen würden.<ref name="stz-2011-07-15">Thomas Wüpper: Rechnungshof sieht seine Kritik bestätigt. Stuttgarter Zeitung, 15. Juli 2011, abgerufen am 24. Juli 2011.</ref>
Der Bundesrechnungshof kündigte Mitte 2013 eine so genannte Bestätigungsprüfung von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm an. Dabei gehe es um die Rolle des Bundesverkehrsministeriums und der von ihm in den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn entsandten Vertreter. Dazu sollen Kosten- und Nutzenbewertungen geprüft werden, um zu sehen, ob Bundeszuschüsse ordnungsgemäß und wirtschaftlich verwendet worden seien.<ref name="stn-2013-07-31">Rechnungshof prüft auch ICE-Strecke. In: Stuttgarter Nachrichten. 31. Juli 2013, S. 16.</ref> Der Bundesrechnungshof prüft seit Anfang 2013. Belastbare Ergebnisse sollen nach Angaben der Behörde frühestens Ende 2013 vorliegen (Stand: August 2013).<ref name="stz-2013-08-05">Thomas Wüpper: Prüfergebnisse erst nach der Bundestagswahl. In: Stuttgarter Zeitung. 5. August 2013, S. 17 (online).</ref>
Im September 2019 warnte der Bundesrechnungshof, dass der Finanzierungsrahmen von 8,2 Milliarden € erschöpft sei. Mehrere noch vorhandene Risiken in verschiedenen Bauabschnitten könnten nicht mehr abgedeckt werden. Der Bundesrechnungshof mahnte in seinem Bericht vom 13. September eine strengere Kontrolle durch den Bund an. Außerdem müsse gegebenenfalls der Projektumfang von Stuttgart 21 reduziert werden, um den Kostenrahmen zu halten. Ein weiterer Kostenanstieg sei für die Deutsche Bahn AG „wirtschaftlich nicht tragbar“.<ref>David Nau: Bericht: Kein finanzieller Puffer mehr – Kritik an Minister Scheuer. In: Südwest Presse. 17. September 2019, abgerufen am 20. September 2019.</ref><ref>Manfred Schäfers: Scheuer gerät wegen Stuttgart-21-Risiken unter Druck. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. September 2019 (faz.net [abgerufen am 20. September 2019]).</ref>
BUND und die Grünen (2008)
Eine im Auftrag von BUND und Bündnis 90/Die Grünen erstellte Studie prognostizierte Mitte 2008 Gesamtkosten in Höhe von 6,9–8,7 Milliarden Euro, abhängig vom Ansatz der Baukostensteigerungen.<ref name="vr">Vieregg-Rössler GmbH (Hrsg.): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ermittlung der wahrscheinlichen Kosten des Projekts Stuttgart 21 ( vom 26. November 2010 im Internet Archive) (PDF; 1,2 MB). München, Juli 2008, S. 10.</ref> Zur Ermittlung der Zahlen wurde auf empirische Daten anderer Eisenbahnprojekte in pauschalisierter Form zurückgegriffen und um „pauschale Zuschläge“ von 33,4 % ergänzt.<ref name="vr" /> Die offiziellen Kostenprognosen beinhalteten demnach ähnliche Fehler wie im Fall des Transrapids München, insbesondere Nichtberücksichtigung veränderter Tunnellängen und gestiegener Material- und Energiekosten.<ref>Stuttgart 21 wird teurer. In: Süddeutsche Zeitung, 19./20. Juli 2008, S. 6.</ref>
Die Deutsche Bahn AG als Vorhabenträgerin widersprach den Darstellungen. So seien abzusehende Baukostensteigerungen bereits im Kostenansatz berücksichtigt. Das Projekt sei darüber hinaus eines der am besten und umfassendsten geplanten Projekte des Unternehmens. Nur mit dem geplanten, im Gegensatz zu Alternativvarianten weitgehend planfestgestellten, Projekt ließen sich die prognostizierten Verkehre bewältigen.<ref name="db-2008-07-18">Deutsche Bahn AG: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aussagen über Kostenerhöhungen bei Stuttgart 21 sind haltlos ( vom 9. August 2014 im Internet Archive). Presseinformation vom 18. Juli 2008.</ref> Die Baukosten seien durch Vieregg-Rössler „grob geschätzt“ worden und „blanke Annahmen“.<ref name="faz20101126">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig „Stuttgart 21 nicht teurer als 4,5 Milliarden Euro“.] FAZ.NET, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. November 2010.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Gegner bemängeln die zunehmende Verteuerung des Projekts. Ferner wird bemängelt, dass das Projekt zu Lasten regionaler Projekte gehe, wie beispielsweise der Strecke Züttlingen–Möckmühl, der Gäubahn, der Stadtbahn Heilbronn oder der Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar oder dem Ausbau der Rheintalstrecke.
Durch das Projekt fehlten ferner Mittel für den Regionalverkehr.<ref name="sz-2006-248-4">Das Stuttgarter Milliarden-Ding. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 248, 2006, ISSN 0174-4917, S. 4.</ref> Der Verkehrsclub Deutschland kritisierte, dass das Projekt Stuttgart 21 den Druck erhöhe, Einsparungen im Regionalverkehr vor allen Dingen im ländlichen Raum vorzunehmen, da auf Stuttgart zulaufende Linien aufgrund von deren Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit des Großprojekts nicht gekürzt werden könnten.<ref>Verkehrsclub Deutschland, Landesverband Baden-Württemberg: Droht 15 Prozent des Schienennetzes das Aus?. Pressemitteilung Nr. 16/2006 vom 17. Juli 2006.</ref>
Rechtsgutachten von Bündnis 90/Die Grünen (2010)
Ein im November 2010 von Jurist Hans Meyer im Auftrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg vorgelegtes Rechtsgutachten hält die Finanzierung des Projekts Stuttgart 21 für verfassungswidrig. Sowohl die Finanzierung der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm als auch des Projekts Stuttgart 21 verstießen gegen den Grundsatz der Finanzverfassung, Art. 104a.<ref name="meyer-2010">Hans Meyer: Finanzverfassungsrechtliche Fragen des Stuttgarter Bahnkonflikts. Berlin, 3. November 2010, S. 48–51 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF-Datei ( vom 5. Februar 2011 im Internet Archive), 250 kB).</ref>
Ende August 2011 kündigte die Landesregierung von Baden-Württemberg an, die am 31. August 2011 fällige Jahresrate des Landesanteils in Höhe von 50 Millionen Euro nicht zu überweisen. Es solle geprüft werden, ob überhaupt eine Zahlungsverpflichtung bestehe.<ref name="stn-2011-08-30">Konstantin Schwarz: Land setzt Zahlungen an Bahn aus. In: Stuttgarter Nachrichten, 30. August 2011 (online).</ref> Bis August 2011 hatte das Land nach eigenen Angaben 80 Millionen Euro für das Projekt verausgabt.<ref name="sz-2011-08-27">Thomas Braun: Regierung prüft Zahlungsstopp. In: Stuttgarter Zeitung, 27. August 2011.</ref> Die Rate wurde letztlich „unter Vorbehalt“ gezahlt.<ref name="stz-2001-09-01">Land hat fällige Rate doch bezahlt. In: Stuttgarter Zeitung. 1. September 2011, S. 21.</ref> Bis März 2015 überwies das Land 272 Millionen Euro an die Deutsche Bahn.<ref name="stn-2015-62-15">596 Millionen an Bahn bezahlt. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 62, 16. März 2015, S. 15.</ref>
Vergaben
Bis April 2014 gab die Deutsche Bahn 787 Millionen Euro für Stuttgart 21 aus. Nicht enthalten sind darin vor dem 1. April 2009 angefallene Planungskosten.<ref name="bt-18-16062">Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Harald Ebner, Christian Kühn (Tübingen), weiterer Abgeordneter und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – Drucksache 18/1420 – Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 – Kostenentwicklung und Projektfortschritt. Band 18, Nr. 1606, 3. Juni 2014, ISSN 0722-8333, S. 3. BT-Drs. 18/1606</ref> Bis zum vierten Quartal 2018 waren für Planungs- und Bauleistungen 3,3 Milliarden Euro verausgabt und 4,2 Milliarden Euro vertraglich gebunden.<ref name="bt-19-100352">Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Stefan Gelbhaar, Stephan Kühn (Dresden), weiterer Abgeordneter und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – Drucksache 19/9108 –. Stuttgart 21 – Kostenentwicklung und Umsetzung des Planfeststellungsab-schnitts 1.3 (Anbindung Flughafen). Band 19, Nr. 10035, 9. Mai 2019, ISSN 0722-8333, S. 2. BT-Drs. 19/10035</ref>
Ausstiegskosten
Bis 31. Dezember 2009 war bei einer absehbaren Überschreitung der in der Finanzierungsvereinbarung vorgesehenen Risikosumme vorgesehen, Verhandlungen aufzunehmen. Hätten diese nicht zum Erfolg geführt, sollte das Projekt abgebrochen und die bis dahin angefallenen Kosten zwischen den beteiligten Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen und dem Land Baden-Württemberg im Verhältnis 60:40 aufgeteilt werden.<ref name="ds-14-4382" /> Nach DB-Angaben seien zwischen dem Memorandum of Understanding (Juni 2007) und Dezember 2009 Projektkosten von 73 Mio. Euro entstanden; bei einem Projektabbruch Ende 2009 hätte das Land damit 29 Millionen Euro tragen müssen.<ref name="db-2009-12-10" />
Die Gesamtkosten bei einem Projektabbruch hätten laut Angaben der DB von Mitte Dezember 2009 bei rund zwei Milliarden Euro gelegen. 702 Mio. Euro wären auf den Rückkauf von Grundstücken entfallen, 117 Mio. Euro auf zurückzuzahlende Zuschüsse an Flughafen und EU sowie rund 50 Mio. Euro für die Rückabwicklung von Ingenieurverträgen. An Planungskosten hätten rund 210 Mio. Euro abgeschrieben werden müssen. Darüber hinaus hätte ein Investitionsstau in Höhe von 1,35 Mrd. Euro, der im Hinblick auf das Umbauprojekt an den Bestandsanlagen ergeben hat, abgebaut werden müssen.<ref name="handelsblatt-2009-12-11">Ausstieg würde die Bahn teuer zu stehen kommen. In: Handelsblatt, 11. Dezember 2009.</ref> Dieser Investitionsrückstau hätte sich aus einer langfristigen Betrachtung bis 2054 ergeben. Bis 2020 wären demnach Kosten in Höhe von 340 Mio. Euro angefallen.<ref name="unternehmer-2009-12-20">„Stuttgart 21“: Kosteneinsparungen bis zu 294 Millionen „ohne vertiefte Planung“. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. August 2010; abgerufen am 6. Januar 2013.</ref>
Im Zuge der Schlichtungsgespräche im Herbst 2010 wurden diese Ausstiegskosten von drei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften beurteilt. Der Schlichter fasste die Ergebnisse wie folgt zusammen: Eine der (Wirtschaftsprüfungs)-Gesellschaften komme zu der Auffassung, dass ein Ausstieg rund 1 Milliarde Euro kosten würde, die beiden anderen gehen sogar von 1,5 Milliarden Euro aus.<ref>Schlichtung Stuttgart 21 PLUS, Punkt 9, 30. Oktober 2010.</ref>
Die Rückabwicklung der Grundstücksverkäufe wurde von den beteiligten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften unterschiedlich beurteilt. PricewaterhouseCoopers nahm eine rein betriebswirtschaftliche Betrachtung vor.<ref name="schlichtung-2010-11-26" /> Die Firma „Susat & Partner“ geht davon aus, dass die von der Deutschen Bahn AG angesetzten Kosten für die Rückabwicklung der Grundstücksverkäufe gleichzusetzen seien mit der Wertminderung aus der fehlenden Verlagerung des Schienenverkehrs.<ref name="schlichtung-2010-11-26">Märkische Revision, PricewaterhouseCoopers AG WPG, Susat & Partner OHG WPG (Hrsg.): Bericht Schlichtungskreis zum Projekt Stuttgart 21 unter Leitung von Dr. Heiner Geißler. Stuttgart Gutachterliche Stellungnahme zum Stichtag 15. November 2010 (PDF; 1,2 MB). Dokument zum Schlichtungsgespräch vom 26. November 2010, S. 75–81.</ref>
Die „Märkische Revision“ legte eine strukturelle Zuordnung zu Grunde, wonach zwischen der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung und der betriebswirtschaftlichen Betrachtung zu unterscheiden sei.<ref name="schlichtung-2010-11-26" /> Sie sähe die Rückabwicklung der Grundstückskosten in Höhe von 750 Mio. Euro nicht als Ausstiegskosten an, sondern lediglich als Kosten unter betriebswirtschaftlicher Sicht. Die reinen Projektausstiegskosten würden sich auf rd. 450 Mio. Euro belaufen, weitere Projektausstiegskosten" in Höhe von rd. 200 Mio. Euro fielen an, falls auch die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm nicht gebaut würde.
Nach Angaben der Deutschen Bahn von Oktober 2010 koste ein Monat Bauunterbrechung etwa zehn Millionen Euro.<ref name="stz-2010-11-10">"Kein Bau- und Vergabestopp". In: Stuttgarter Zeitung, 11. Oktober 2010.</ref> Laut einem Medienbericht fielen für den siebenwöchigen Bau- und Vergabestopps zwischen der Landtagswahl und der Konstituierung der neuen Landesregierung Kosten in Höhe von etwa 30 Millionen Euro an.<ref name="stn-2011-04-23-5">Michael Isenberg: Stillhalten kostet Hunderte Millionen Euro. In: Stuttgarter Nachrichten, Nr. 94, 23. April 2011, S. 5.</ref> Laut Angaben von Rüdiger Grube im Mai 2011 koste jeder Monat Bauverzögerung 10 bis 15 Millionen Euro. Mit jedem weiteren Monat würden diese Kosten sprunghaft ansteigen. Ein halbes Jahr Verschiebung koste daher etwa 150 bis 200 Millionen Euro, ein Jahr 300 bis 400 Millionen. Wer das Projekt bis zu einer Volksbefragung im Oktober aufhalte, müsse mit Forderungen der DB von mehr als 100 Millionen Euro rechnen.<ref name="focus-2011-20-110">»Wir bauen jetzt weiter«. In: Focus, Heft 20/2011, 16. Mai 2011, S. 110 f.</ref> Die Finanzierung der verzögerungsbedingten Mehrkosten aus dem Projektbudget von 4,5 Milliarden Euro sei aus Sicht der Deutschen Bahn nicht zu akzeptieren. Nach Konstituierung der neuen Landesregierung sollen daher umgehend Gespräche über die Finanzierung der Mehrkosten aufgenommen werden.<ref name="db-2011-04-26">DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): DB zur Ankündigung der zukünftigen Landesregierung Baden-Württemberg, bis Oktober eine Volksabstimmung über Stuttgart 21 abhalten zu wollen:. Presseinformation vom 26. April 2011.</ref>
Bei einem Projektabbruch sei laut DB bei den in der Verkehrsprognose 2015 erwarteten Verkehrsmengen mit einem steigenden Verspätungsniveau im Knoten Stuttgart zu rechnen. Ferner würden Fahrzeiteinsparungen nicht realisiert werden können. Bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen würden Zusatzerlöse durch Mehrverkehre entfallen.<ref name="db-2009-12-10" />
Anfang Juni 2011 bezifferte DB-Vorstand Kefer die Kosten eines bis Mitte Juli verlängerten Baustopps mit 50 bis 60 Millionen Euro, da sich das Projekt dadurch um ein Jahr nach hinten verschiebe. Ein sechsmonatiger Baustopp, bis zum Abschluss des Volksentscheides, hätte laut Kefer 410 Millionen Euro gekostet, da viele Arbeiten hätten neu ausgeschrieben werden müssen und die Planung der Baumaßnahmen im Netz hinfällig werden würde.<ref name="zeit-2011-06-08">"Wir bauen weiter". In: Die Zeit, Nr. 24, 9. Juni 2011, S. 26 (online).</ref>
Die Deutsche Bahn bezifferte Anfang 2013 die Ausstiegskosten mit 2,001 Milliarden Euro. Davon entfielen 795 Mio. Euro auf die Rückabwicklung von Grundstücksgeschäfte, 545 Mio. Euro Schadenersatz für Baufirmen und Planer, 411 Millionen Euro zur Rückzahlung bereits erhaltener Investitionszuschüsse für Planung und Bau, 130 Millionen Euro für die Wiederherstellung des alten Hauptbahnhofs (ohne Bonatz-Bau), 112 Millionen Rückzahlung für den Zuschuss des Flughafens (mit Zinsen).<ref name="stn-2013-54-15">Michael Isenberg: Kosten und Risiken in Milliardenhöhe belasten S-21-Rechnung. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 54, 5. März 2013, S. 15.</ref> Eine andere Quelle beziffert die Höhe der Schadenersatzzahlungen aus Verträgen mit 486 Millionen Euro kalkuliert, entsprechend 30 Prozent des Auftragsvolumens.<ref name="spiegel-2013-7-16" /> Die Staatssekretäre im Aufsichtsrat der DB hielten die Summe der genannten Ausstiegskosten für überhöht.<ref name="spiegel-2013-7-16">Sven Böll, Frank Hornig, Simone Kaiser, Andreas Wassermann: Rette sich, wer kann. In: Der Spiegel. Nr. 7, 2013, ISSN 0038-7452, S. 16–18.</ref> Nach Angaben der Stadt Stuttgart von 2011 beschränkt sich der Rückzahlungsaufwand auf 682 Millionen Euro, da die Kosten der bereits bebauten Areale am Nordbahnhof in Abzug zu bringen seien.<ref name="stz-2013-02-26">Jörg Nauke, Thomas Braun: Mehrkosten kann sich die Bahn nicht leisten. In: Stuttgarter Zeitung. 26. Februar 2013, S. 20 (online).</ref>
Laut Aufsichtsratsunterlagen von Anfang 2013 sei der Weiterbau um 77 Millionen Euro günstiger als die Fortführung. Die Eigenkapitalverzinsung von Stuttgart 21 liegt demnach bei −0,3 Prozent. Die Ausstiegskosten seien von PricewaterhouseCoopers überprüft und durch den Aufsichtsrat durch ein Gutachten von KPMG abgesichert worden.<ref name="handelsblatt-2013-42-9">Daniel Delhaes: Immer weiter mit „Stuttgart 21“. In: Handelsblatt. Nr. 42, 28. Februar 2013, ISSN 0017-7296, S. 9.</ref>
Nach einer im Februar 2016 vorgelegten Kalkulation des Büros Vieregg-Rössler ist ein Ausstieg aus dem Projekt sechs Milliarden Euro billiger als der Weiterbau. Neben unmittelbaren Ausstiegskosten von 1,5 Milliarden Euro, darunter bereits verausgabten Planungskosten von 309 Millionen Euro sowie bereits bezahlte Arbeiten von 730 Millionen Euro, fielen 369 Millionen Euro für die Rückabwicklung des Grundstücksgeschäfts sowie 400 Millionen Euro für die Ertüchtigung der Bestandsanlagen an. Weitere zwei Milliarden Euro seien für einen Neu- und Ausbau zwischen Kopfbahnhof und Ostfildern notwendig. Für die zur Zeit des Gutachtens bereits geschaffene Baugrube des neuen Hauptbahnhofs wird eine Weiterverwendung zum Bau einer Straße, eines Omnibusbahnhofs sowie eines Parkdecks vorgeschlagen.<ref name="stz-2016-02-13">Christian Milankovic: S-21-Gegner prognostizieren niedrige Ausstiegskosten. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 36, 13. Februar 2016, S. 21 (online).</ref>
Einzelnachweise
<references />