Eisenhart von Loeper
Eisenhart von Loeper (* 3. Juni 1941 in Potsdam) ist ein deutscher Jurist und Rechtsanwalt.<ref name=vita>https://eisenhart-von-loeper.de/vita/</ref><ref>https://d-nb.info/gnd/10687862X</ref>
Leben
Eisenhart von Loeper wuchs in Stuttgart auf und ging im Dillmann-Gymnasium zur Schule. Er arbeitet seit 1966 in Publikationen, Initiativen und praktischen Konflikten am Thema Tierrechte. Der promovierte Jurist gründete 1987 die Vereinigung „Juristen für Tierrechte“ und war von 1987 bis 2006 Vorsitzender des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner. Während dieser Zeit initiierte und leitete er maßgeblich die Bestrebungen zur Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.<ref name=geo>https://www.geo.de/natur/tierwelt/wie-ein-jurist-vor-20-jahren-den-tierschutz-ins-grundgesetz-brachte-31613594.html</ref>
Eisenhart von Loeper hat den damaligen Berliner Gesundheitssenator Michael Luther einen entfernten Nachfahren des Reformators Martin Luther vor Gericht vertreten, weil er die qualvollen Affenexperimente damals bereits als ethisch nicht gerechtfertigt ablehnte. Das beruhte zentral darauf, dass das Grundgesetz als höchste Rangordnung die Wissenschaftsfreiheit vorbehaltlos gewährleistet, aber keinen Platz für Tiere kannte. Wegen seiner nachhaltigen Bemühungen von 1990 bis 2002 für die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz<ref>Beitrag „Tierschutz ins Grundgesetz“ in Zeitschrift für Rechtspolitik 1996, Seite 143–149</ref> wurde von Loeper im Jahre 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er will mit dem jetzigen Vorstoß dafür einstehen, dass sich der im Grundgesetz errungene ethische Wandel zu Gunsten der auf uns angewiesenen Tiere endlich in der gesellschaftlichen Wirklichkeit wiederfindet.<ref name=vita></ref><ref name=geo></ref>
Von Loeper war knapp 10 Jahre bis Anfang 2022 einer der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, der ehemalige Vorsitzende Richter Dieter Reicherter nimmt jetzt für ihn diese Aufgabe wahr.
Seinen Protest gegen das Bahnprojekt bringt von Loeper weiter wegen Versagen des Brandschutzes bei Gericht zur Geltung. Er agierte zuvor gemeinsam mit Dieter Reicherter.<ref>„Dieter Reicherter Ein Richter unter Verdacht“, Frankfurter Rundschau, 3. August 2012</ref>
Zu Beginn noch zu dritt, gemeinsam mit dem am 11. März 2016 verstorbenen Peter Conradi, erfolgten Strafanzeigen gegen aktuelle und ehemalige Bahnvorstände und Aufsichtsräte. Die Strafanzeigen betrafen über viele Jahre den Vorwurf von Betrug und Untreue, später nur von schwerer Untreue.
Auch wurde gerichtliche Klage gegen die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Mitarbeiter des Bundeskanzleramts geführt. Die gerichtliche Klage beim Verwaltungsgericht Berlin gegen die Bundesrepublik Deutschland/Kanzleramt betraf den Vorwurf gesetzwidriger politischer Beeinflussung der Bahnvorstände und Aufsichtsräte und die Offenlegung geschwärzter Dokumente. Einmalig in der deutschen Justizgeschichte werden alle Unterlagen und Schreiben auf einer umfangreichen Internetseite veröffentlicht und so allen Interessierten zur Verfügung gestellt.<ref>„stuttgart21.strafvereitelung.de“</ref>
Positionen zum Tierschutz
Eisenhart von Loeper setzt sich für die rechtliche Anerkennung von tierspezifischen Grundrechten ein. Er argumentiert, dass menschliche Pflichten gegenüber Tieren spiegelbildlich als Rechte der Tiere verstanden werden können, eine Idee, die er als „Symmetriethese“ bezeichnet.
Das Staatsziel Tierschutz braucht das Tierrecht durch alle Staatsträger. Von Loeper sieht darin auch eine ethische Verpflichtung des Menschen, artübergreifend Verantwortung zu übernehmen, etwa für Klimaschutz, Biodiversität und den Erhalt der Lebensgrundlagen für Mitwelt und Nachwelt. Er verweist dabei auf philosophische Traditionen, insbesondere auf Immanuel Kant als Pionier ethischer Grundsatzfragen des Grundgesetzes.
Er bezieht sich zudem auf rechtliche Bezüge, darunter Entscheidungen des Bundesverfassungsgericht vom 24. März 2021 zu Umweltschutzpflichten und des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vom 9. April 2024, die nach seiner Auffassung nicht ausreichend umgesetzt werden.<ref>von Loeper, Eisenhart: Tierspezifische Grundrechte – ein kleines Einmaleins, persönliche Website, abgerufen am 6. März 2026.</ref>
Auszeichnungen
- 1981 Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis
- 1997 Tierschutzpreis des Landes Baden-Württemberg
- 1999 Hans-Rönn-Stiftungspreis
- 2005 Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland
- 2024 Peter-Singer-Preis<ref>Homepage - Peter Singer Preis e.V.</ref>
Publikationen (Auswahl)
- 2023: Die Wende zur unteilbaren Ethik für Tiere braucht unser Menschsein – das Sittengesetz im Licht des Art. 20 a GG<ref name="DOI10.1007/s10357-023-4152-7">Eisenhart v. Loeper: Die Wende zur unteilbaren Ethik für Tiere braucht unser Menschsein das Sittengesetz im Licht des Art. 20a GG. In: Natur und Recht. 2023, Band 45, Nummer 3, S. 163–169 doi:10.1007/s10357-023-4152-7.</ref>
- 2021: Warum die Tierethik kraft Verfassungsrang auch für Stadttauben gelten muss<ref name="DOI10.1007/s10357-021-3812-8">Eisenhart v. Loeper: Warum die Tierethik kraft Verfassungsrang auch für Stadttauben gelten muss. In: Natur und Recht. 2021, Band 43, Nummer 3, S. 159–165 doi:10.1007/s10357-021-3812-8.</ref><ref>Enthalten in: Natur und Recht (Bd. 43, 25. März 2021, Nr. 3, date:3.2021: 159–165) </ref>
- 2007: Tierrechte – Entwicklungsdynamik und in der Praxis entschiedene Konflikte, Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft Tierethik (Hrsg.). Tierrechte – Eine interdisziplinäre Herausforderung. Erlangen, ISBN 978-3-89131-417-3
- 1993: Tierschutz ins Grundgesetz, Aachen : Verl. der Augustinus-Buchhandlung, ISBN 978-3-86073-152-9
- 1985: Die Überwindung der tierquälerischen Intensivtierhaltung – rechtlich gesehen, Sonderdruck aus Tierhaltung, Bd. 15: Intensivhaltung von Nutztieren aus ethischer, ethologischer und rechtlicher Sicht, Verlag: Bund gegen d. Missbrauch d. Tiere, München
- 1979: Nahrungsmittel durch Tiermisshandlung? Rechtsgutachten zur Intensivkäfighaltung von Legehennen, Tierhaltung Bd. 8: Intensivhaltung von Nutztieren aus ethischer, rechtlicher und ethologischer Sicht, Birkhäuser Verlag, ISBN 978-3-7643-1119-3
Weblinks
- Literatur von und über Eisenhart von Loeper im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website von Eisenhart von Loeper
- Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Dr. Eisenhart von Loeper
- Video von Eisenhart von Loepers Vorlesung „Tierrechte - Ihre Dynamik und in der Praxis entschiedenen Konflikte“ im Rahmen der Interdisziplinären Vorlesungsreihe Tierrechte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg am 28. Juni 2006
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Loeper, Eisenhart von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Rechtsanwalt |
| GEBURTSDATUM | 3. Juni 1941 |
| GEBURTSORT | Potsdam |