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Kościerzyna

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Vorlage:Infobox Ort in Polen

Kościerzyna [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Berent; kaschubisch Kòscérzna) ist eine Stadtgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Die Stadt in der Kaschubei ist Sitz des Powiat Kościerski und der eigenständigen Landgemeinde Kościerzyna.

Geographische Lage

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Pommerellen, im ehemaligen Westpreußen, etwa 30 Kilometer östlich von Bytów und 50 Kilometer südwestlich der Stadt Danzig.

Ein See östlich der Stadt ist der Ausgangspunkt des Flüsschens Wierzyca (Ferse), eines linken Nebenflusses der Weichsel.

Geschichte

Datei:COA Berent (im alten Rathaus in Danzig).jpg
Wappen von Berent im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig
Datei:Kościerzyna z lotu ptaka.jpg
Teilansicht der Stadt aus der Vogelperspektive
Datei:Kościerzyna - fotopolska.eu (192746).jpg
Brunnen im Stadtzentrum
Datei:Marketplace in Kościerzyna Poland.jpg
Marktplatz
Datei:709534Kościerzyna kościół Trójcy.JPG
Dreifaltigkeitskirche
Datei:Kościół Zmartwychwstańców w Kościerzynie.jpg
Auferstehungskirche in Kościerzyna
Datei:Ratusz w Kościerzynie.jpg
Altes Rathaus

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1284 wurde der Ort Costerina genannt. Es handelte sich um eine Verleihung von 21 Orten im Lande Dirsoua (Dirschau) durch den ostpommerschen Herzogs Mestwin II. an Herzogin Gertrud, jüngste Tochter des Sambors II. von Dirschau.

Die Ortschaft gehörte seit 1308 zum Deutschordensstaat; eine aus dieser Zeit überlieferte Ortsbezeichnung lautet Bern.<ref>Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preußen. Gotha 1858, S. 225.</ref> In welchem Jahr Berent Stadtrecht bekam, ist unbekannt, da das Privilegium verlorengegangen ist. Auch das alte Stadtsiegel ist nicht erhalten. Der Name der Stadt könnte mit den Rittern von Beeren in Zusammenhang stehen, von denen der Orden den Nachbarort Bütow erworben hatte; das neue Stadtsiegel zeigt einen Bären.<ref>Friedrich August Voßberg: Geschichte der Preußischen Münzen und Siegel von frühester Zeit bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens. Berlin 1843, S. 45 unten.</ref>

Als sich im Dreizehnjährigen Krieg die Stände einiger preußischer Städte im Bündnis mit dem Königreich Polen gegen den Deutschen Orden erhoben, wurde Berent 1463 (anscheinend dem Orden ergeben) von einem polnischen Heer ausgeplündert und vollständig eingeäschert.<ref name="JFG" /> Mitte des 15. Jahrhunderts gab es in der Stadt etwa 300 Häuser. Die Einwohner lebten zum größten Teil von der Landwirtschaft, aber auch vom Handwerk und dem Bierbrauen.

Von 1466 bis 1772 gehörte Berent dem autonomen Preußen Königlichen Anteils an, das sich freiwillig der Krone Polens unterstellt hatte, und gehörte darin zur Woiwodschaft Pommern. Bei der schwedischen Invasion Preußens Königlichen Anteils im Polnisch-Schwedischen Krieg 1626 brannte die Stadt ganz ab. Weitere Stadtbrände gab es 1646, 1663 und 1669 zum Teil und im Jahr 1709 wiederum vollständig.<ref name="JFG" />

Im Jahr 1772, nach der Ersten Teilung Polens, durch die Preußen Königlichen Anteils wieder mit dem restlichen Preußen zusammengeschlossen wurde, wurde die Stadt der neuen preußischen Provinz Westpreußen zugeordnet.

19. und 20. Jahrhundert

1818 wurde sie Sitz eines Landkreises. Die Stellung als Kreisstadt brachte dem Ort eine Belebung des Handels und des Handwerks. 1885 wurde Berent ans Eisenbahnnetz angeschlossen, mit einer Stichbahn, die in Hohenstein (Pszczółki) von der 1852 eröffneten Zweigstrecke Dirschau (Tczew)–Danzig der Preußischen Ostbahn abzweigte. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde eine befestigte Straße nach Danzig gebaut, was für den Handel ebenfalls bedeutend war. Um 1900 gab es in Berent eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Progymnasium, ein Lehrerseminar, ein Amtsgericht und einige mittelständische Betriebe.<ref name="MKL">Vorlage:Meyers-1905</ref><ref name="BKL" />

Bei den Reichstagswahlen 1907 und 1912 erhielt im Wahlkreis Berent/Preußisch Stargard (Landkreise Berent, Preußisch Stargard und Dirschau) die Polenpartei über 60 % der Stimmen.<ref name="VWG" /> Im Preußischen Landtag wurde Berent in dieser Zeit durch den polnischen Abgeordneten Stanisław Bolesław Kostka vertreten.

Als nach dem Ersten Weltkrieg im Januar 1920 die Bestimmungen des Versailler Vertrages in Kraft traten und der Polnische Korridor durch deutsches Reichsgebiet verlegt wurde, kam Berent an Polen. Beim Überfall auf Polen wurde die Stadt am 2. September 1939 von der deutschen Wehrmacht besetzt, vom Deutschen Reich völkerrechtswidrig annektiert und dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet. Es kam zu Verfolgungen, Hinrichtungen von Ärzten, Lehrern und Geistlichen und Verschleppungen in Konzentrationslager. Untergrundaktivitäten gegen die Deutschen wurden vor allem von der Untergrundorganisation „Gryf Pomorski“ geführt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Berent am 8. März 1945 von der Roten Armee besetzt und wieder Teil Polens. Knapp 8000 Menschen lebten in dem Ort. Die deutsche Minderheit wurde größtenteils vertrieben.

Bei einer Verwaltungsreform 1975 verlor die Stadt ihre Stellung als Sitz eines Powiat, erhielt diese aber 1999 wieder.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945

Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 Vorlage:0602 <ref name="HHS">Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Ost- und Westpreußen. Unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1966. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 15–16 (= Kröners Taschenausgabe. Band 317).</ref>
1784 über 600 in 97 Häusern, überwiegend katholische Polen und einige deutsche protestantische Familien<ref name="JFG">Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II. Marienwerder 1789, S. 66–67, Nr. 5; Vorlage:Archive.org.</ref>
1802 Vorlage:0840 <ref name="AAMB5" />
1810 Vorlage:0710 <ref name="AAMB5" />
1816 Vorlage:0737 davon 93 Evangelische, 544 Katholiken, 100 Juden<ref name="AAMB5">Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 256–263, Ziffer 46.</ref>
1818 Vorlage:0796 <ref name="AAM">Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 1: A-F. Halle 1821, S. 87, Ziffer 1528; Vorlage:Archive.org.</ref>
1821 1318 in 164 Privatwohnhäusern<ref name="AAMB5" />
1831 1592 vorwiegend Katholiken, einige protestantische Familien und Juden<ref name="AEP">August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 390, Nr. 23; Vorlage:Archive.org.</ref>
1852 2625 <ref>Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 35; Vorlage:Archive.org.</ref>
1867 4004 davon 1305 Evangelische, 2268 Katholiken und 431 Juden<ref name="GN2">Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 44, Ziffer 6.</ref>
1871 4136 <ref name="GN2" />
1875 4138 <ref name="VWG">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> |
1880 4238 <ref name="VWG" />
1890 4299 davon 1322 Protestanten und 396 Juden (also ca. 2580 Katholiken), dabei 1700 Polen<ref name="VWG" />
1900 4910 mehrheitlich Katholiken<ref name="MKL" />
1905 6207 <ref name="BKL">Vorlage:Brockhaus-1911</ref>
1910 6474 am 1. Dezember, davon 1994 Evangelische, 4116 Katholiken, 173 Juden, zwei Sonstige (2903 mit deutscher, 3096 mit polnischer, 286 mit kaschubischer Muttersprache, 189 Einwohner sprechen Deutsch und eine andere Sprache)<ref>Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft II: Regierungsbezirk Danzig. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt, S. 2–3, Ziffer 1: Berent.</ref>
1920 6500 überwiegend Polen<ref>Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 2, Leipzig 1929, S. 540.</ref>
1943 8385 <ref name="HHS" />
Anzahl Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg
Jahr 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 10.900 15.100 18.664 22.663 23.722

Partnerstädte

Landgemeinde Kościerzyna

Vorlage:Hauptartikel Die Landgemeinde Kościerzyna, zu der die Stadt selbst nicht gehört, umfasst eine Fläche von 310,15 km² und hat Vorlage:EWZ Einwohner (Stand Vorlage:EWD).

Bauwerke

  • Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit, 1914 bis 1917 im neubarocken Stil errichtet
  • Auferstehungskirche, erbaut von 1892 bis 1894 im neugotischen Stil mit 35 Meter hohem Turm, bis 1945 evangelisch, seitdem katholisch
  • Altes Rathaus am Marktplatz, erbaut 1843/1844, jetzt Regionalmuseum

Verkehr

Datei:SP47-001.jpg
Diesellok SP47-001 im Eisenbahnmuseum Kościerzyna

Kościerzyna ist der Knotenpunkt der Bahnstrecken Nowa Wieś Wielka–Gdynia, Chojnice–Kościerzyna und ehemals Pszczółki–Kościerzyna.

Im ehemaligen Bahnbetriebswerk ist ein Eisenbahnmuseum eingerichtet. Dort ist neben verschiedenen deutschen und polnischen Lokomotiven auch ein ehemals in Danzig eingesetzter Berliner S-Bahn-Wagen zu sehen.

Der ÖPNV in Kościerzyna ist seit April 2015 kostenlos nutzbar.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Kościerzyna war die erste Stadt in Pommern, die einen kostenlosen ÖPNV einführte.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Berent, Kreisstadt, rechts der Ferse, Regierungsbezirk Danzig, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Berent (meyersgaz.org).
  • Johann Friedrich Goldbeck: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 66–67, Nr. 5; Vorlage:Archive.org.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 390, Nr. 23.
  • Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Ost- und Westpreußen. Unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1966. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 15–16 (= Kröners Taschenausgabe; Band 317).
  • Bernhard Jähnig: Verleihung des Kulmer Rechts an das spätere Berenter Stadtdorf Kostrin und die Anfänge der Stadt Berent (Bern). Nachdruck in: Berenter Kreisbote, 6. Jahrgang, Nr. 9, Dezember 2006 (PDF; 1,5 MB) westpreussen-online.de
  • H. Schuch: Historische Nachrichten über die Landschaft um Berent und die Anfänge ihrer Germanisierung vornehmlich im 13. Jahrhundert. In: Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins. Heft X, Danzig 1883, S. 55–218 (books.google.de).

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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