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Kernenergie in Kanada

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Die Bedeutung der Kernenergie in Kanada unterscheidet sich in den einzelnen Provinzen sehr stark. National betrachtet wurden 2022 ca. 62 % des Stroms mit Wasserkraft erzeugt, 18 % in fossilen Kraftwerken sowie 13 % in Kernkraftwerken. Die Nutzung der Kernenergie beschränkt sich fast ausschließlich auf die Provinz Ontario, dort wurden 2022 53 % des Stroms in 18 Kernreaktoren erzeugt, ein weiterer Reaktor wird zudem in New Brunswick (28 % der Stromerzeugung) betrieben.<ref>Natural Resources Canada (Hrsg.): Energy Fact Book 2024-2025. 2024, ISSN 2370-5027, S. 64 (canada.ca).</ref> Zwei der Reaktoren in Ontario wurden 2024 stillgelegt, sodass insgesamt noch 17 Reaktoren in Betrieb sind.

Entwicklung einer eigenständigen Nuklearindustrie

Kanada/Ontario baute nach dem Zweiten Weltkrieg eine eigene Nuklearindustrie auf und entwickelte ein eigenes Reaktordesign (CANDU), welches den vorhandenen industriellen Möglichkeiten des Landes Rechnung trug. Kanada verfügte nach 1945 mangels militärischem Nuklearprogramm weder über Urananreicherungsanlagen noch über eine Schwerindustrie, die große Druckkessel fertigen konnte. Der entwickelte CANDU-Reaktor wird daher mit unangereichertem Natururan betrieben und verwendet eine Vielzahl von Druckröhren anstatt eines großen Druckkessels. Wegen der Absorptionsneigung für Neutronen kann als Moderator kein leichtes Wasser benutzt werden, sondern es muss auf Schweres Wasser zurückgegriffen werden. Das Schwere Wasser wird hierbei sowohl zu Kühlung der Brennelemente als auch in einem separaten fast drucklosen Tank, der Calandria als Moderator genutzt. Da in Kanada nur CANDU-Reaktoren in Betrieb sind, ist die Profitabilität der kanadischen Kernkraftwerksbetreiber eng mit dem Reaktordesign verbunden.

Ökonomisch ergeben sich aus der Verwendung des Schweren Wassers, des Natururans und der Druckröhren drei Nachteile: Einerseits müssen die Brennelemente in größeren Abständen als bei Leichtwasser-Druckreaktoren angeordnet werden; dies senkt die Leistungsdichte im Kern und führt im Umkehrschluss bei gleicher Leistung zu größeren Reaktorkern-Abmessungen und damit auch höheren Baukosten für die Gebäudestruktur. Als zweiter Aspekt sind die Kosten für die Bereitstellung des Schweren Wassers für den Moderatortank sowie den Primärkreislauf zu nennen<ref name="Schwerwasser-Kosten"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 22. April 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cleanairalliance.org (PDF; 72 kB) Baukosten für das Kernkraftwerk Darlington</ref>. Drittens ist eine Vielzahl von einzelnen Druckröhren im Betrieb zu überwachen und bei Inspektionen zu überprüfen. Die Druckröhren sowie die Röhren des Moderatortanks werden durch ihre Position zwischen den Brennelementen einem sehr starken Neutronenbeschuss und hohen Temperaturen ausgesetzt. Dies macht einen Austausch der Druckröhren im Laufe eines Kraftwerkslebens erforderlich<ref name="Druckröhren-Austausch">[1] Nuclearfaq.ca - CANDU Nuclear Power Technologie - Frequently Asked Questions - How is core refurbishment part of the CANDU life management?</ref>. Während der Generalüberholung des Reaktorkerns kann keine Stromproduktion erfolgen und es sind hohe Investitionen<ref name="Point Lepreau Sanierung">[2] CBC News - Canada - Point Lepreau overruns to cost $1.6B</ref> während der Betriebszeit des Kraftwerks nötig.

Die Nuklearforschung in Kanada begann 1940. Mit dem ZEEP nahm 1945 ein erster experimenteller Reaktor in den Chalk River Laboratories den Betrieb auf, der zweite Reaktor NRX wurde 1947 für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt.<ref name="CANDU-Geschichte"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 25. Februar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.candu.org Geschichte des Candu-Reaktors</ref>

Datei:Pickering-nuclear-generating-station-001-2.jpg
Panoramaansicht des Kernkraftwerks Pickering

Die kommerzielle Nutzung der Kernenergie trieb in Kanada maßgeblich der regionale Energieversorger Ontario Hydro voran – im Rahmen einer industriepolitisch motivierten Auftragsvergabe kamen bei der Entwicklung von Reaktoren und deren Bau auch hauptsächlich Firmen aus Ontario zum Zug.<ref name="CANDU oder Nicht"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 27. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.queensu.ca Bryne Purchase - CANDU or no CANDU? - The future of nuclear power in Ontario</ref>

Liste der Kernreaktoren in Kanada

Liste der Kernkraftwerke in Kanada

Reaktortypen

siehe: CANDU-Reaktor

Ökonomische Situation

Datei:Bruce-Nuclear-Szmurlo.jpg
Kernkraftwerk Bruce A

Die Stromgestehungskosten von Kernkraftwerken werden hauptsächlich von Baukosten und deren Finanzierungskosten sowie auf der anderen Seite der vom Kraftwerk erzeugten Strommenge, also der Betriebszuverlässigkeit bestimmt. Im Falle der in Kanada verwendeten CANDU-Reaktoren kommen noch die Kosten für mindestens eine Generalüberholung des Reaktorkerns während der Lebensdauer hinzu. In Ontario gab es auf der Kosten- und auf der Einnahmeseite Probleme. Die AKWs in Ontario wurden nie im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen fertiggestellt, die tatsächlichen KKW-Neubaukosten betrugen im Schnitt 250 % der geplanten Kosten.<ref name="Atomschuld"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 27. Juli 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cleanairalliance.org (PDF; 421 kB) Ontario Clear Air Alliance Reseurach - Ontario's Stranded Nuclear Debt: A Cautionary Tale</ref><ref name="Ontario Hydro - Cost Overruns"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 27. Juli 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cleanairalliance.org (PDF; 1,4 MB). Ontario Clear Air Alliance Research Inc. - The Darlington Re-Build Consumer Protection Plan - Anhang A</ref> Durch verspätete Inbetriebnahme einzelner Reaktoren erhöhten sich zudem die Finanzierungskosten, diese können über ein Drittel der während des Betriebs zu tilgenden Kreditsumme ausmachen.<ref name="Schwerwasser-Kosten" />

Wegen technischer Probleme blieben zudem die erzeugten Elektrizitätsmengen hinter den Erwartungen zurück. 1993 wurden die Reaktoren in Bruce wegen möglicher Nichtbeherrschung eines Kühlmittelverlust-Störfalls auf 60 % ihrer Nominalleistung gedrosselt. Infolge von Nachrüstungen wurde diese Beschränkung später auf 90 % angehoben. Weiterhin wurden mehrere Reaktoren außer Betrieb genommen. Nach einer ersten Reaktorblock-Abschaltung wegen Materialproblemen in Bruce A 1995 musste Ontario Hydro Ende 1997 die vier Reaktoren in Pickering A wegen unterbliebener Nachrüstungen am Notabschaltesystem und ungenügender Wartungs- und Instandsetzungsbemühungen vorübergehend stilllegen. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wurden auch die verbliebenen drei Reaktoren des Kernkraftwerks Bruce A für einige Jahre in den Betriebsstillstand versetzt,<ref name="Report - Stilllegung wegen Sicherheitsproblemen">[3] (PDF; 2,5 MB) Canadian National Report for the Convention on Nuclear Safety - Minister of Public Works and Government Services - Canada 1998 - Catalogue number CC2-0690E</ref> danach aber wieder in Betrieb genommen.

1998 lagen die Gestehungskosten für Strom aus Kernkraftwerken von Ontario Hydro mit 7,7 kanadischen Cent/kWh über dem durchschnittlichen Verkaufspreis von 6,4 kanadischen Cent/kWh. Die Verluste aus dem Betrieb von KKW wurden durch Wasserkraftwerke (1,1 kanad. Cent/kWh) und fossile Kraftwerke (4,3 kanad. Cent/kWh) ausgeglichen – eine Abzahlung der Kredite für die Kraftwerksbauten war aufgrund dessen nicht erreichbar. Daraufhin wurde Ontario Hydro 1999 in fünf Einzelgesellschaften zerlegt, die aufgelaufenen Schulden von 19,4 Mrd. kanadischen Dollar (mehr als 75 % davon aus dem Kernkraftwerksbau und -betrieb) wurden in die staatliche Ontario Electricity Financial Corporation ausgelagert. Diese sollten bis 2018 durch eine allgemeine Verbrauchssteuer auf elektrische Energie sowie den Erträgen aus den anderen Teilen der ehemaligen Ontario Hydro getilgt sein – wobei sich die Prognose für den Tilgungszeitpunkt im Zeitraum von 2001 bis 2010 stetig weiter in die Zukunft verschob.<ref name="Atomschuld" />

Datei:CANDU at Qinshan.jpg
Kernkraftwerk Qinshan-III, Blöcke III-1 und III-2

Nach der Aufspaltung von Ontario Hydro wurden vier im Betriebsstillstand verharrende Reaktoren modernisiert und wieder in Betrieb genommen, bei zwei Reaktoren dauerten die Arbeiten im Januar 2010 noch an<ref name="Bruce1&2-Instandsetzung">[4] PowerMag - Bruce A Proves There Are Second Acts in Nuclear Power</ref>. Auch Reaktoren außerhalb Ontarios mussten generalüberholt werden. Alle Sanierungen überschritten dabei wiederum den geplanten Zeit- und Kostenrahmen, aber spätere Reaktorsanierungen wurden termingerecht und innerhalb des Budgets abgeschlossen.<ref name="Ontario Hydro - Cost Overruns" /><ref name="Point Lepreau Sanierung" /><ref name="Darlington under budget">[5]Nuclear refurbishment done and under budget at Ontario's Darlington plant: minister</ref> Ins Ausland wurde der in Ontario nicht gebaute Reaktortyp CANDU-6 exportiert, davon wurde z. B. Wolsong 1 nach 37 Jahren unterdurchschnittlicher Verfügbarkeit stillgelegt.<ref name="IAEA-PRIS - WOLSONG-1">[6] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse WOLSONG-1</ref><ref name="IAEA-PRIS - WOLSONG-2">[7] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse WOLSONG-2</ref><ref name="IAEA-PRIS - WOLSONG-3">[8] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse WOLSONG-3</ref><ref name="IAEA-PRIS - WOLSONG-4">[9] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse WOLSONG-4</ref><ref name="IAEA-PRIS - CERNAVODA-1">[10] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse CERNAVODA-1</ref><ref name="IAEA-PRIS - CERNAVODA-2">[11] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse CERNAVODA-2</ref><ref name="IAEA-PRIS - QINSHAN 3-1">[12] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse QINSHAN 3-1</ref><ref name="IAEA-PRIS - QINSHAN 3-2">[13] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse QINSHAN 3-2</ref><ref name="IAEA-PRIS - EMBALSE">[14] IAEA - Power Reactor Information System - Betriebsergebnisse EMBALSE</ref>

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />

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