Zum Inhalt springen

Kephallenia (byzantinisches Thema)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Thema von Kephallenia oder Kefalonia ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), thema Kephallēnias/Kephalonias) war ein byzantinisches Thema in Westgriechenland, das die Ionischen Inseln umfasste und vom 8. bis 12. Jahrhundert existierte. Benannt ist es nach der gleichnamigen Insel.

Geschichte

In der Periode des Oströmischen Reiches waren die Ionischen Inseln (Korfu, Kephalonia, Zakynthos, Ithaka, Leukas und Kythera) Teil der römischen Provinz Achaea und Epirus vetus.<ref>Kazhdan: The Oxford Dictionary of Byzantium. 1991, S. 1007; Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 44–50.</ref> Mit Ausnahme Kytheras bildeten diese Inseln später das Thema von Kephallenia.<ref name="DOAKS">Nesbitt, Oikonomides: Catalogue of Byzantine Seals at Dumbarton Oaks and in the Fogg Museum of Art. 1994, S. 2.</ref><ref name="Pertusi175">Pertusi: Constantino Porfirogenito: De Thematibus. 1952, S. 175.</ref><ref name="TIB176">Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 176.</ref> Die Inseln blieben von der Landnahme der Slawen auf dem Balkan im 7. Jahrhundert unberührt und bildeten so einen Brückenkopf für die Wiederherstellung der byzantinischen Macht und (Re-)Hellenisierung des griechischen Festlands.<ref>Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 51–52, 175.</ref>

Das genaue Datum der Einrichtung des Themas von Kephallenia ist unbekannt. Kaiser Konstantin VII. (regierte 913–949) berichtet in seinem Werk De administrando imperio, dass Kephallenia ursprünglich der Sitz einer Turma (Division) des Themas Longobardia in Süditalien, das unter Kaiser Leo VI. (regierte 886–912) zur Position einer Strategis (einer „Generalität“), aber keinem eigenen Thema ausgebaut wurde.<ref name="ODB1122">Kazhdan: The Oxford Dictionary of Byzantium. 1991, S. 1122.</ref><ref>Pertusi: Constantino Porfirogenito: De Thematibus. 1952, S. 174.</ref> Das ist allerdings offensichtlich falsch, denn mehrere Militärgouverneure (Strategoi) von Kephallenia sind uns aus Quellen vor der Regentschaft Leos bekannt. So spricht das Taktikon Uspensky von 842/843 klar von einem Strategos von Kephallenia und die lateinisch verfasste Chronik Annales regni Francorum berichtet schon 809 von solchen. Siegel lassen das Entstehen der Strategis von Kephallenia schon gegen Mitte des 8. Jahrhunderts wahrscheinlich werden.<ref name="DOAKS" /><ref name="Pertusi174-175">Pertusi: Constantino Porfirogenito: De Thematibus. 1952, S. 174–175.</ref><ref>Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 52, 175.</ref>

Der Fehler Konstantins VII. jedenfalls zeigt die enge Verflechtung des Themas von Kephallenia mit den byzantinischen Besitztümern in Süditalien: die Ionischen Inseln dienten als Verbindung und Militärbasis für Operationen in Süditalien, außerdem bewachten sie den Zugang zum ionischen und adriatischem Meer gegen arabische Piraten.<ref name="DOAKS" /><ref name="Pertusi174-175" /><ref>Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 52, 54.</ref> In mehreren Fällen wurde das Kommando über die Themen von Kephallenia und Longobardia (alternativ über Nikopolis in Epiros) von derselben Person ausgeübt.<ref name="DOAKS" /><ref name="TIB52">Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 52.</ref>

Der Strategos des Themas saß wahrscheinlich auf Kephallenia, vielleicht aber auch auf Korfu.<ref name="DOAKS" /> In De administrando imperio belegt das Thema den siebten Rang unter den „westlichen“ oder europäischen Themen;<ref>Pertusi: Constantino Porfirogenito: De Thematibus. 1952, S. 91.</ref> Kephallenia war ein Seethema,<ref name="TIB52" /> das seine eigene Flotte hatte, in der einige Mardaiten als Seesoldaten und Ruderer unter einem Tourmarches Dienst taten.<ref name="DOAKS" /> Andere Tourmarchai standen den Garnisonen des Themas vor.<ref name="DOAKS" /> Der Historiker W. Treadgold schätzt die Armee des Themas im 9. Jahrhundert auf 2000 Mann.<ref>Treadgold: Byzantium and Its Army, 284–1081. 1995, S. 66 ff.</ref> Das Thema wurde häufig als Exil für politische Gefangene benutzt.<ref name="ODB1123">Kazhdan: The Oxford Dictionary of Byzantium. 1991, S. 1123.</ref>

Im Jahr 809 besiegte der Strategos Paulos eine venezianische Flotte vor der Küste Dalmatiens. Im Jahr 880 vernichtete der Admiral Nasar eine arabische Flotte, die die Inseln des Themas verwüstete. Truppen aus Kephallenia nahmen immer wieder an Feldzügen in Italien teil.<ref>Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 52–53, 175–176.</ref> Mardaiten aus Kephallenia nahmen an der gescheiterten Expedition von 949 gegen das Emirat von Kreta teil.<ref>Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 54, 176.</ref> Die letzte Erwähnung eines Strategos von Kephallenia erfolgt 1011, als Kontoleon Tornikios nach Italien entsandt wurde, um eine langobardische Revolte zu unterdrücken.<ref>Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 55, 176.</ref> Nach dem Kollaps byzantinischer Kontrolle in Süditalien in der Mitte des 11. Jahrhunderts nahm die Wichtigkeit des Themas ab und es wurde nunmehr von einem Krites („Richter“) verwaltet.<ref name="ODB1123" />

Ab dem späten 11. Jahrhundert wurden die Ionischen Inseln zum Schlachtfeld der byzantinisch-normannischen Kriege. Die Insel Korfu wurde von den Normannen 1081–1085 und abermals 1147–1149 besetzt, die Venezianer belagerten es erfolglos 1122–1123. Die Insel Kephalonia wurde 1085 gleichfalls erfolglos belagert, wurde aber 1099 von Pisanern und 1126 von Venezianern geplündert.<ref>Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 56–57, 176.</ref> Schließlich wurde Korfu und die restlichen Inseln des Themas mit Ausnahme von Leukas von den Normannen unter Wilhelm II. im Jahr 1185 erobert. Obwohl Korfu von den Byzantinern 1191 zurückerobert wurde blieben die anderen Inseln für Byzanz verloren; sie bildeten ein Pfalzgrafschaft Kefalonia und Zakynthos unter der Führung von Wilhelms griechischem Admiral Margaritos von Brindisi.<ref name="ODB1123" /><ref>Soustal, Koder: Tabula Imperii Byzantini. 1981, S. 58, 176.</ref>

Literatur

  • Alexander Kazhdan (Hrsg.): Oxford Dictionary of Byzantium. Oxford University Press, New York/Oxford 1991, ISBN 0-19-504652-8 (Seitenzahl?).
  • John W. Nesbitt, Nicolas Oikonomides: Catalogue of Byzantine Seals at Dumbarton Oaks and in the Fogg Museum of Art. Band 2: South of the Balkans, the Islands, South of Asia Minor. Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington 1994, ISBN 0-88402-226-9 (Online-Vorschau).
  • Nicolas Oikonomides: Les Listes de Préséance Byzantines des IXe et Xe Siècles. Editions du Centre National de la Recherche Scientifique, Paris 1972 (books.google.de).
  • Agostino Pertusi: Constantino Porfirogenito: De Thematibus. Biblioteca Apostolica Vaticana, Città del Vaticano, Rom 1952, OCLC 912189938.
  • Peter Soustal unter Mitwirkung von Johannes Koder: Tabula Imperii Byzantini. Band 3: Nikopolis und Kephallēnia (= Denkschriften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse. Band 150). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1981, ISBN 3-7001-0399-9.
  • Warren Treadgold: Byzantium and Its Army, 284–1081. Stanford University Press, Stanford 1995, ISBN 0-8047-3163-2 (books.google.de).

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

nach De Thematibus von Konstantin VII. (um 950)
Östliche (asiatische) Themen

AnatolikonArmeniakonThrakesionOpsikionOptimatoiBukellarionPaphlagonienChaldiaMesopotamienKoloneiaSebasteiaLykandosSeleukeiaKibyrrhaiotaiZypernSamosÄgäis

Westliche (europäische) Themen

ThrakienMakedonienStrymonThessalonikeHellasPeloponnesKephalleniaNikopolisDyrrhachionSizilienLongobardiaCherson

Vorlage:Klappleiste/Ende