Karsdorfer Eisenbahngesellschaft
Die Karsdorfer Eisenbahngesellschaft GmbH (KEG) war eine private deutsche Eisenbahngesellschaft, die 1992<ref>Gesellschaftsvertrag vom 12.9./12.10.1992, siehe Handelsregister-Auszug HR B 11418 beim AG Halle-Saalkreis, abgerufen von www.handelsregister.de am 11. Februar 2024 (Historischer Abdruck)</ref> aus der Werksbahn des Zementwerkes Karsdorf (Sachsen-Anhalt) hervorging.
Unternehmen und Betrieb
Güterverkehr
Neben der Durchführung des Karsdorfer Werkverkehrs dehnte die KEG ab 1992 ihre Geschäftstätigkeit auf die deutschlandweite Abwicklung von Bauzug- und Güterverkehren aus, weiterhin wurde die Anschlussbahn des Hydrierwerkes Zeitz übernommen.<ref name="nd">Erich Preuß: Karsdorfer Bahn in der Insolvenz. In: Neues Deutschland. 19. Februar 2004, abgerufen am 27. Februar 2024.</ref> Von 1999 bis 2002 wurde Kerosin von der Raffinerie Emsland in Lingen (Ems) zum Flughafen München gefahren,<ref>Der KEG-Kerosinzug Holthausen – München. In: Bahn-Report. IG Schienenverkehr e. V., archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. April 2020; abgerufen am 1. November 2021.</ref> im Jahr 2001 übernahm die KEG auch die Anfuhr von Rohöl aus Barnstorf und Bartmannsholte zur Lingener Raffinerie.<ref>Karsdorfer Eisenbahngesellschaft übernimmt Rohöltransporte. In: Verkehrsrundschau. 20. August 2001, abgerufen am 1. November 2021.</ref> Für die Abwicklung dieser und anderer Verkehre wurde am Bahnhof Rheine die frühere Triebwagenhalle angemietet und als Bw genutzt.<ref name="nd" /> Zusammen mit Rail4Chem wurde außerdem 2002 ein Teil des Transports von Mineralölprodukten für Shell übernommen.<ref>(Kurzmeldung) In: Modelleisenbahner. Nr. 3, 2002, S. 4.</ref>
Reiseverkehr
Parallel dazu wurde die KEG ab 1993 im Personenverkehr aktiv, zunächst im Sonder- und Ausflugsverkehr.<ref>Frank Thomas: KEG VT 2.15 als Sonderzug aus Nebra, anlässlich der Eröffnung der Weinstraße, am 18.09.1993 im Bf Laucha. Abgerufen am 28. Mai 2023.</ref> Dabei wurde unter anderem auch der Restabschnitt der Finnebahn bis Bad Bibra befahren.<ref>Paul Lauerwald: Die Pfefferminz- und Finnebahn. Wolfgang Herdam Fotoverlag, Wesseling 1997, ISBN 3-9804798-3-8, S. 62</ref> Ab 1995 erfolgten Verkehrsleistungen im Auftrag der Deutschen Bahn auf der Strecke Naumburg–Artern.<ref>Foto der ersten Fahrt am 28. Mai 1995: Paul Lauerwald: Die Unstrutbahn Artern–Naumburg. Wolfgang Herdam Fotoverlag, Wesseling 1995, ISBN 3-9804798-0-3, S. 79</ref> KEG-Triebwagen verkehrten auch über unterschiedliche Zeiträume und auf verschiedener Rechtsgrundlage (Verkehrsvertrag, Fahrt im DB-Auftrag, reine Fahrzeugvermietung) auf den Strecken Weißenfels–Zeitz, Merseburg–Querfurt, Röblingen am See–Vitzenburg und Zeitz–Osterfeld. Ab 1998 bediente die KEG im Rahmen des Vorlaufbetriebs für die City-Bahn Chemnitz die Strecke Chemnitz–Stollberg bis zu deren Elektrifizierung mit Dieseltriebwagen, wofür die Fahrzeuge VT 2.01, VT 2.02 und VT 3.00 mit dem City-Bahn-Logo versehen wurden.<ref>Fotos im Webforum www.drehscheibe-online.de von Dieter Riehemann: Klein- und Privatbahnimpressionen: Die MAN-Triebwagen der Karsdorfer Esb (4). Abgerufen am 10. Juli 2025.</ref> 1999 übernahm die KEG – neben der DB Regio AG – 30 % der Anteile an der neu gegründeten Burgenlandbahn GmbH. Zunächst setzte sie hier gebraucht gekaufte MAN-Schienenbusse ein, später erfolgte für diese Dienste die Beschaffung neuer Triebwagen des Typs LVT/S. Zudem führte sie ab dem Fahrplanwechsel 2003/2004 bis zu ihrer Insolvenz den Personenverkehr auf der Strecke Bergen–Lauterbach durch.
Fahrzeuge
Für den Reiseverkehr übernahm die KEG ab 1993 zahlreiche gebrauchte MAN-Schienenbusse, die im Karsdorfer Betriebswerk aufgearbeitet wurden.<ref>Foto in: Paul Lauerwald: Die Unstrutbahn Artern–Naumburg. Wolfgang Herdam Fotoverlag, Wesseling 1995, ISBN 3-9804798-0-3, S. 82</ref> Dieser Bestand wurde in den Jahren 1997 bis 1999 durch insgesamt 19 Triebwagen des Typs LVT/S ergänzt und später ersetzt. Weiterhin wurde sie durch den Ankauf einer großen Anzahl von Diesellokomotiven der CFR-Baureihe 060 DA zur Bespannung schwerer Güterzüge sowie der Mehrheitsbeteiligung am rumänischen Waggonhersteller Romvag aus Caracal in Fachkreisen bekannt. Auch eine rumänische Elektrolokomotive der CFR-Baureihe 060 EA (CFR 40-0079) wurde gekauft, auf das deutsche Bahnstromsystem umgebaut und auf der InnoTrans 2000 ausgestellt.<ref>Rüdiger Block: Innotrans 2000: Schaufenster der Bahnen. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 11, 2000, S. 505.</ref> Ab 2002 trug sie die KEG-Nummer 7001, erhielt jedoch wegen des Insolvenzverfahrens keine deutsche Zulassung und kehrte nach langer Abstellzeit in Karsdorf und einem Aufenthalt in Schweden<ref>Tudor C, TrainsDepot.org: KEG 7001. Abgerufen am 24. Mai 2023.</ref> (2011 bis 2016) nach Rumänien zurück.<ref>Silviu Dirlea: Die ex-KEG 7001 ist wieder in Rumänien. Abgerufen am 24. Mai 2023.</ref>
Daneben wurden vor allem für Bauzugzwecke kleinere Dieselloks verschiedener Bauarten eingesetzt, darunter insgesamt sechs der Baureihen V 75 und T435.0/T458.1 (inklusive zwei Loks der ehemaligen Werkbahn). Auch vier V 180 (ehemalige Loks 201 und 203 der Leuna-Werke, 204 der Buna-Werke, 118 306 der DR) waren bei der KEG im Bestand, zwei davon als Ersatzteilspender.<ref>Volker Thalhäuser: ARCO ex KEG. Abgerufen am 28. Mai 2023.</ref> Für langlaufende Güterzüge wurden auch Elektroloks angemietet.<ref>Ingo Hütter: Beiträge zur Lokomotiv- und Eisenbahngeschichte – Karsdorfer Eisenbahn. In: beitraege.lokomotive.de. Abgerufen am 1. November 2021.</ref>
Weiterhin wurden in Karsdorf Fahrzeuge als Ersatzteilspender oder für eine spätere Aufarbeitung gesammelt, deren Übergang in den KEG-Bestand fraglich oder nicht belegbar ist und die bis zur Insolvenz nicht in Betrieb gingen. Bekannt sind beispielsweise die ehemalige 211 031-0 der DR (zuletzt 4-1316 des Braunkohlekombinats Bitterfeld)<ref>Frank Thomas: KEG 1316 (211 031-0) am 01.11.1998 in Karsdorf. Abgerufen am 28. Mai 2023.</ref> und die V 200 508 des Braunkohlewerks Geiseltal.<ref>Frank Thomas: ARCO V200 508 am Zementwerk in Karsdorf; 02.12.2006. Abgerufen am 28. Mai 2023.</ref> Diese Fahrzeuge wurden später verkauft oder vor Ort zerlegt.
Am Anfang der 2000er Jahre plante die KEG die Modernisierung ihres Triebfahrzeugparks mit acht neuen dieselelektrischen Lokomotiven ADtranz DE-AC33C („Blue Tiger“); hierfür waren die Maschinen 250 003 und 250 005 bis 011 vorgesehen.<ref>Alexander Bückle: Blue Tiger Lieferliste. Abgerufen am 31. Januar 2024.</ref> Wegen der Zahlungsprobleme der KEG wurde das Vorhaben nicht umgesetzt und die Loks gingen an andere Kunden.
Das Ende
Im Jahr 2003 geriet die KEG in finanzielle Schwierigkeiten, die dazu führten, dass die Gesellschaft am 12. Februar 2004 die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragte,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />KEG und Waggonbau Brüninghaus stellen Insolvenzantrag ( vom 14. November 2006 im Internet Archive) eurailpress.com, 12. Februar 2004</ref> das am 31. März 2004 eröffnet wurde.<ref>Insolvenzantrag: Amtsgericht Hagen Aktenzeichen: 109 IN 45/04 Karsdorfer Eisenbahn GmbH ; 109 IN 44/04 Waggonbau Brüninghaus GmbH</ref> Die Lokomotiven wurden größtenteils nach Polen verkauft, die Anteile an der Burgenlandbahn wurden von der DB Regio AG übernommen. Die deutschen Geschäftsaktivitäten im Bauzugverkehr gingen an die ARCO Transportation, die Leistungen im Schienengüterfernverkehr übernahmen Mitbewerber.
Sonstiges
Die KEG hinterließ im Chemie- und Industriepark Zeitz auf ihrem ehemaligen Betriebsgebäude Dr.-Fischer-Straße 1 (Lage
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}}) ein aus der Luft weithin sichtbares Relikt. In die Dacheindeckung des Gebäudes ist das Unternehmenskürzel K E G in Kontrastfarbe eingelassen.<ref>erkennbar im Luftbild vom 5. Mai 2018, abrufbar im Geoportal des Landes Thüringen (Downloadbereich: https://geoportal.thueringen.de/gdi-th/download-offene-geodaten/download-luftbilder-und-orthophotos) unter der Nummer 201814 0104</ref>
Van Engelen
Der frühere geschäftsführende Gesellschafter der KEG, Bernhard van Engelen (* 3. Januar 1968<ref>s. Handelsregister-Auszug HRA 34065 (Regionalbahn Zeitz) beim AG Stendal, abgerufen von www.handelsregister.de am 27. Februar 2024 (Chronologischer Abdruck)</ref>), war bis 2004 mit der Rügenschen Kleinbahn GmbH & Co. KG Betreiber der landkreiseigenen Rügenschen Kleinbahn (RüKB) sowie Eigentümer der Mainischen Feldbahnen (MFB), der Waggonbau Brüninghaus GmbH und der Regionalbahn Zeitz GmbH & Co. KG.
Bernhard van Engelen starb in der Nacht zum 13. April 2008.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bernhard van Engelen verstorben ( vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive). eurailpress.com, 30. April 2008.</ref>
Literatur
- KEG insolvent – das traurige Ende einer Privatbahn. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2004, ISSN 1421-2811, S. 152 f.
Einzelnachweise
<references />