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Karlheinz Töchterle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Österr. Wissenschaftsbuch des Jahres 2012 c-Töchterle.png
Karlheinz Töchterle (2012)

Karlheinz Töchterle (* 13. Mai 1949 in Brixlegg, Tirol) ist österreichischer Altphilologe und Politiker. Er war von 2007 bis 2011 Rektor der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und vom 21. April 2011 bis zum 16. Dezember 2013 Bundesminister für Wissenschaft und Forschung. Von Oktober 2013 bis November 2017 war er Abgeordneter zum Nationalrat.

Leben

Karlheinz Töchterle studierte ab dem Wintersemester 1969/70 an der Universität Innsbruck die Fächer Klassische Philologie und Germanistik. Studienaufenthalte führten ihn auch an die Universität Konstanz und die Universität Padua. 1976 wurde er mit der Arbeit „Ciceros Staatsschrift im Unterricht“ in Klassischer Philologie zum Dr. phil. promoviert. Zwei Jahre später schloss er die Lehramtsprüfung in Deutsch und Latein ab und wurde zum Mag. phil. spondiert. Mit der Schrift „SenecaÖdipushabilitierte sich Töchterle 1986 in Klassischer Philologie. Von 1976 bis 1997 wirkte er als Universitätsassistent am Institut für Klassische Philologie der Universität Innsbruck. Vertretungsprofessuren führten ihn an die Universität Graz und die Universität München.

Im Jahr 1997 erhielt Karlheinz Töchterle die Berufung an den Lehrstuhl für Klassische Philologie der Universität Innsbruck. (Er war von 1987 bis 1989 Vorsitzender der gesamtösterreichischen Studienkommission Klassische Philologie gewesen.) Töchterle war von 2000 bis 2007 zudem Vorstand des Instituts für Sprachen und Literaturen und Studienleiter der Philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck. Er war Vorsitzender des Kollegiums der Geisteswissenschaftlichen Fakultät von 1998 bis 2004. Von 2005 bis 2007 war er Studienleiter der Philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät.

Vom 1. Oktober 2007 bis zum 21. April 2011 war er als Nachfolger von Manfried Gantner Rektor der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.<ref>iPoint - das Informationsportal der Universität Innsbruck: Karlheinz Töchterle ist neuer Rektor der Universität Innsbruck, 8. August 2007, abgerufen am 22. April 2011</ref> Am 14. Dezember 2010 wurde er von Universitätsrat und Senat für die Zeit von 2011 bis 2015 einstimmig wiedergewählt.<ref>ORF: Rektor Töchterle einstimmig wiedergewählt, 14. Dezember 2010, abgerufen am 22. April 2012</ref> Am 19. April 2011 wurde bekannt, dass Töchterle Beatrix Karl als Bundesminister für Wissenschaft und Forschung nachfolgen wird.<ref name="diepresse">ÖVP-Team präsentiert: Kurz "außergewöhnliche Lösung", Die Presse, 19. April 2011, abgerufen am 23. Mai 2015.</ref> Daher wurde Tilmann Märk am 21. April zunächst interimistisch und am 13. Dezember 2011 schließlich offiziell zum Rektor der Universität Innsbruck gewählt.

Die Forschungsschwerpunkte von Töchterle sind das antike Drama, Literatur der Kaiserzeit, neulateinische Literatur, Rezeptionsgeschichte und Fachdidaktik. Er gilt als Verfechter von Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen an den Universitäten<ref>Tiroler Hochschulen wollen sich Studenten selbst aussuchen, Der Standard, 27. September 2010</ref>. 2011 gelang es Töchterle, das Ludwig Boltzmann Institut für Neulateinische Studien an die Universität Innsbruck zu holen, die weltweit erst zweite Forschungseinrichtung dieser Art.<ref name="stol"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Karlheinz Töchterle: Parteiloser Grüner löst ÖVP-Ticket (Memento vom 7. Januar 2015 im Internet Archive), APA, 19. April 2011, abgerufen am 22. April 2012</ref>

Ab 2015 war er Präsident der Österreichischen Forschungsgemeinschaft, Ende Juni 2018 wurde Reinhold Mitterlehner zu seinem Nachfolger gewählt.<ref>Reinhold Mitterlehner zum neuen Präsidenten der Österreichischen Forschungsgemeinschaft gewählt. OTS-Meldung vom 3. Juli 2018, abgerufen am 3. Juli 2018.</ref>

Für die Funktionsperiode 2023 bis 2028 wurde er Vorsitzender des Universitätsrates der Universität Mozarteum Salzburg.<ref>Iris Wagner: Neuer Universitätsrat der Universität Mozarteum Salzburg komplett. In: moz.ac.at. 7. Juni 2023, abgerufen am 8. Juni 2023.</ref>

Politik

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Karlheinz Töchterle (r., 2012)

Neben seinem Beruf machte Töchterle durch sein ökologisches Engagement in der Landespolitik auf sich aufmerksam. Bis zum Amtsantritt als Rektor der Innsbrucker Universität war er von 1992 an Gemeinderat in Telfes im Stubai, leitete den Umweltausschuss und war auch als Kulturreferent engagiert. 1994 wurde er für Die Grünen Tirol in den Tiroler Landtag gewählt, verzichtete aber aus beruflichen Gründen zugunsten der Bürgerinitiative auf das Mandat. Zwei Jahre später kandidierte er gegen Johannes Voggenhuber bei der Wahl um den Spitzenkandidaten der Grünen für die Europawahl 1996.<ref name="stol" />

Töchterle ist parteilos.<ref name="stol" />

Karlheinz Töchterle wurde am 19. April 2011 als Bundesminister für Wissenschaft und Forschung nominiert.<ref name="diepresse" /> Seine Angelobung als Bundesminister in der Bundesregierung Faymann I durch Bundespräsident Heinz Fischer erfolgte am 21. April 2011.

Obwohl nicht Parteimitglied, kandidierte Töchterle bei der Nationalratswahl 2013 in Tirol als Listenerster für die ÖVP,<ref>Laut BMI, abgerufen am 11. September 2013</ref> erhielt viele Vorzugsstimmen und nahm das Mandat an.

Am 12. Dezember 2013 wurde bekannt, dass Töchterle der Bundesregierung Faymann II nicht angehören werde, da in diesem Kabinett von ÖVP-Seite kein eigenständiges Wissenschaftsministerium mehr vorgesehen war. Töchterle kritisierte diese von ÖVP-Obmann Vizekanzler Michael Spindelegger getroffene Entscheidung und kündigte an, im Nationalrat dagegen zu stimmen. Das Wiener Nachrichtenmagazin profil bezeichnete es als den wohl schwersten Sündenfall der neuen Koalition, das Wissenschaftsministerium zugunsten eines völlig überflüssigen Familienministeriums abzuschaffen.<ref>Nachrichtenmagazin profil, Nr. 51, 16. Dezember 2013, S. 40</ref>

Privates

Töchterle ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Er verfasste mehrere Bild- und Textbände über das Stubaital und über Tirol und war langjähriger Mitarbeiter in der Kulturinitiative Stubai. In der Blasmusikkapelle spielt er Trompete und Flügelhorn.

Er ist seit Schülerzeiten Mitglied der römisch-katholischen Schülerverbindung K.Ö.St.V. Sternkorona Hall im MKV.

Ehrungen und Auszeichnungen

Schriften

  • Ciceros Staatsschrift im Unterricht, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1978, ISBN 3-7030-0047-3
  • Stubai: ein Talbuch, Tyrolia-Verlag, Wien/Innsbruck 1991, 2. Auflage, ISBN 3-7022-1660-X
  • Tirol, Steiger Innsbruck 1993, ISBN 3-85423-114-8, zusammen mit Karl Defner
  • Lucius Annaeus Seneca: Oedipus – Kommentar mit Einleitung, Text und Übersetzung, Winter, Heidelberg 1994, ISBN 3-8253-0120-6
  • Neustift im Stubaital – Heimat und Destination, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2008, ISBN 978-3-7030-0456-8, zusammen mit Luis Töchterle
  • Köpfe zwischen Krise und Karriere, Innsbruck Univ. Press 2010, ISBN 978-3-902719-80-5

Literatur

  • Wolfgang Kofler (Hrsg.): Gipfel der Zeit – Berge in Texten aus fünf Jahrtausenden (Karlheinz Töchterle zum 60. Geburtstag). Rombach, Freiburg im Breisgau 2010, ISBN 978-3-7930-9636-8.

Weblinks

Commons: Karlheinz Töchterle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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Unterrichtsminister – Erste Republik: Pacher | Renner | Eldersch | Breisky | Glanz | Breisky | Waber | Breisky | Schneider | Resch | Rintelen | Schmitz | Czermak | Schober | Srbik | Czermak | Rintelen | Schuschnigg | Pernter | Menghin

Unterrichtsminister – Zweite Republik: Fischer | Hurdes | Kolb | Drimmel | Piffl-Perčević | Mock | Gratz | Sinowatz | Zilk | Moritz | Hawlicek | Scholten | Busek | Gehrer | Schmied | Heinisch-Hosek | Hammerschmid | Faßmann | Rauskala

Wissenschaftsminister (1970–2000): Firnberg | Fischer | Tuppy | Busek | Scholten | Einem

Bildungsminister (2000–2007): Gehrer

Wissenschaftsminister (2007–2018): Hahn | Karl | Töchterle | Mitterlehner | Mahrer | Schramböck

Bildungsminister (seit 2018): Faßmann | Rauskala | Faßmann | Polaschek | Wiederkehr

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Erster Lehrstuhl: Anton Müller (1819–1825) | Johann Niederstetter (1825–1834) | Alois Flir (1835–1855) | Antoni Małecki (1853–1856) | Karl Schenkl (1858–1863) | Bernhard Jülg (1863–1886) | Friedrich Stolz (1887–1912) | Julius Jüthner (1912–1936) | Karl Jax (1936–1957) | Wolf Steidle (1958–1963) | Paul Händel (1964–1993) | Otta Wenskus (1994–2023)

Zweiter Lehrstuhl: Karl Kopetzky (1851–1870) | August Wilmanns (1871–1873) | Anton Zingerle (1874–1910) | Ernst Diehl (1911–1925) | Erich Thummer (1973–1996) | Karlheinz Töchterle (1997–2007) | Martin Korenjak (seit 2009)

Dritter Lehrstuhl: Johannes Müller (1865–1902) | Ernst Kalinka (1903–1935) | Albin Lesky (1936–1949) | Robert Muth (1950–1986) | Glenn W. Most (1987–1991) | Wolfgang Kofler (seit 2012)

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