Karl Emanuel Müller
Karl Emanuel Müller (* 18. März 1804 in Altdorf UR; † 1. Dezember 1869 ebenda<ref name="HLS"> Urs Kälin: Müller, Karl Emanuel. In: Historisches Lexikon der Schweiz. </ref>) war ein Schweizer Bauingenieur und Politiker.
Frühe Jahre
Karl Emanuel Müller stammte aus einer angesehenen urnerischen Familie. Schon sein Grossvater war Landammann von Uri.<ref name="ADB"> Placid Meyer von Schauensee: Müller, Karl Emanuel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 22, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 523–525.</ref> Nach dem Besuch des Lyzeums in Solothurn studierte er Mathematik, Naturwissenschaften<ref name="NDB">Hans Grob: Müller, Karl Emanuel. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 18. Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> und Staatswissenschaften<ref name="ADB"/> in Heidelberg und ab 1826 Architektur und Bauingenieurwesen (Hoch-, Strassen- und Brückenbau) am Polytechnischen Institut in Wien.
Bauingenieur
Nach Beendigung seines Studiums wurde Karl Emanuel Müller in die kantonale Baukommission berufen und wirkte am Bau der Gotthardpassstrasse mit. Er leitete den Bau des Teilstücks von Göschenen nach Hospental<ref name="ADB"/>. Sein wichtigstes Werk war die Überquerung der Schöllenen mit der zweiten Teufelsbrücke (1828 bis 1830).<ref>Andermatt - Teufelsbrücke / Suworow-Denkmal. Gemeinde Andermatt, abgerufen am 15. November 2009.</ref> In den folgenden Jahren entwarf Müller Pläne für den Bau einer Axenstrasse<ref name="axen">Der Bau der Axenstrasse. Gemeinde Flüelen, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Mai 2011; abgerufen am 15. November 2009. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>, ein Projekt, das vorerst nicht realisiert wurde. Nach mehreren Reisen zur Weiterbildung nach Italien und England<ref name="NDB"/> nahm er 1838/39 die Position des Strasseninspektors des Kantons Glarus<ref name="ADB"/> an, legte aber dieses Amt nieder, um den Bau der Nydeggbrücke in Bern zu realisieren (1840–1844). Mit diesem Bau, der ein Jahr vor Termin fertig wurde, wurde er bekannt und der Kanton Bern bot ihm die Stelle des Kantonalbauinspektors an.<ref name="ADB"/> Da sich aber bereits der Konflikt zwischen den liberalen und den katholisch-konservativen Kantonen abzeichnete, der 1845 zur Gründung des Sonderbundes führte, lehnte er dieses Angebot ab und kehrte nach Uri zurück.<ref name="NDB"/>
Sonderbund
Karl Emanuel Müller übernahm zunächst das Amt des Landesfähnrichs des Kantons Uri, wurde aber noch im selben Jahr in den Regierungsrat des Kantons Luzern gewählt, wo er dem Baudepartement vorstand. Gleichzeitig vertrat er den Stand Luzern an der Tagsatzung. 1847 kam es zum Ausbruch des Sonderbundskrieges.<ref name="ADB"/> Müller wurde als Oberstleutnant Kommandant der sonderbündischen Genietruppen<ref name="NDB"/> und erhielt im November 1847 das Kommando über die sogenannte Gotthardexpedition, einen Angriff auf den Kanton Tessin mit dem Ziel, Nachschublinien nach Italien zu öffnen.<ref name="krieg">Von Franz von Elgger: Des Kantons Luzern und seiner Bundesgenossen Kampf gegen den Radikalismus vom 8. Dezember 1844 bis 24. November 1847. Hurter’sche Buchhandlung, Schaffhausen 1850, S. 324–337 (google.com).</ref> Geplant war ein urnerischer Vorstoss über den Gotthard, welcher durch Walliser Truppen, die über den Nufenenpass anrückten, verstärkt werden sollte.<ref name="krieg"/> Der Feldzug verlief zunächst erfolgreich; nach einem Gefecht bei Airolo am 17. November rückten Müllers Truppen unbehelligt bis Biasca vor, wo er auf die versprochenen Walliser Truppen wartete, welche für den geplanten Angriff auf Bellinzona notwendig gewesen wären. Am 22. November erhielt er den Befehl, seine Truppen zurückzuziehen, um diese bei der Verteidigung von Luzern einzusetzen.<ref name="krieg"/>
Politiker
Nach der Niederlage des Sonderbunds und einem Prozess wegen seiner Mitgliedschaft im Kriegsrat des Sonderbunds setzte Karl Emanuel Müller seine Laufbahn als Politiker im Kanton Uri fort. Von 1850 bis 1852 sowie 1856 bis 1869 war er Regierungsrat; als Landammann bekleidete er 1856 bis 1859 und 1864 bis 1866 das höchste Amt des Kantons. 1861 bis 1863 vertrat er den Kanton Uri im Ständerat.<ref name="HLS"/>
Unternehmer
Neben seiner Tätigkeit als Politiker war Müller weiterhin als Unternehmer tätig. Von 1850 bis 1853 leitete er die Reusskorrektion zwischen Attinghausen und Seedorf.<ref name="SAC">G. Muheim: Die Pioniere des Schweizer Alpenclub in Uri. In: Jahrbuch des Schweizer Alpenclub 1884–1885. Band 20. Schmid, Francke & Co., Bern 1885, S. 487 f.</ref> 1851 begann er auf der Halbinsel Isleten mit dem Bau einer Papierfabrik, welche er 1853 in Betrieb nahm.<ref name="isleten">Geschichte. Schweizerische Sprengstoff AG, abgerufen am 15. November 2009.</ref>
1856 erstellte er eine Expertise, welche den Standort des Bahnhofs Solothurn (heute Solothurn-West) festlegte und wofür er mit dem Solothurner Ehrenbürgerrecht geehrt wurde.<ref name="ADB"/> Ab 1853 betrieb er Vermessungs- und Trassierungsarbeiten für die Gotthardbahn.<ref name="NDB"/>
Karl Emanuel Müller unterstützte auch gemeinnützige Projekte. Er trug einen grossen Teil der Kosten für den Bau des Kantonsspitals in Altdorf.<ref name="JB">Die hervorragenden Werke der Wohltätigkeit im Kanton Uri. In: 94. Neujahrsblatt herausgegeben von der Hülfsgesellschaft in Zürich. Schulthess’sche Offizin, Zürich 1894, S. 29 f.</ref>
Literatur
- Hans Grob: Müller, Karl Emanuel. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 18. Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Urs Kälin: Müller, Karl Emanuel. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Placid Meyer von Schauensee: Müller, Karl Emanuel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 22, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 523–525.
- Hans Stadler-Planzer: Karl Emanuel Müller (1804–1869): Ingenieur – Unternehmer – Staatsmann. Uranos Verlag, Schattdorf 1999, ISBN 978-3-9520414-4-4.
Weblinks
Einzelnachweise
<references/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Müller, Karl Emanuel |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Bauingenieur und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 18. März 1804 |
| GEBURTSORT | Altdorf UR |
| STERBEDATUM | 1. Dezember 1869 |
| STERBEORT | Altdorf UR |
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