Karl Decker (Fußballspieler)
Karl Leopold Decker (* 5. September 1921 in Wien; † 27. September 2005 ebenda) war ein österreichischer Fußballspieler und -trainer. Von 1958 bis 1964 war er Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft.
Leben
Karl Decker wurde am 5. September 1921 als unehelicher Sohn der Aloisia Decker (verwitwete Lakmayer; * 14. September 1884 in Wien-Alservorstadt) in Wien geboren und am 17. September 1921 auf den Namen Karl Leopold getauft.<ref name="Taufbuch, Karl">Taufbuch Wien-14., Penzing, tom. LVIII, fol. 72 (Faksimile), abgerufen am 28. November 2024</ref> Die Mutter lebte zu dieser Zeit in der Penzinger Fünkhgasse Nr. 6 und war seit rund viereinhalb Jahren Witwe, nachdem ihr damaliger Ehemann Johann Lakmayer am 1. Februar 1917 verstorben war.<ref name="Taufbuch, Karl"/> Über den Vater Karl Deckers geht aus dem Taufbucheintrag nichts hervor; so wurde dieser auch nie nachgetragen.<ref name="Taufbuch, Karl"/> Nach absolvierter Schulausbildung erlernte er den Beruf des Werkzeugmachers und Härtetechnikers.
Bereits mit sieben Jahren spielte er in der Schülermannschaft des Baumgartner Sportclub und kam um das Jahr 1934 zum Ottakringer SC. Über den SC Schwarz-Weiß Wien und den SC Weiße Elf Wien kam er im Herbst 1937 zur Vienna, für die er mit 16 Jahren debütierte. Mit der Vienna feierte er zwischen 1938 und 1952 auch seine größten Erfolge als Spieler. Er wurde mit den Döblingern dreimal Meister und schoss am 31. Oktober 1943 zwei Tore zum historischen 3:2-Triumph der Vienna im deutschen Tschammer-Pokal über Hamburg. In 609 Spielen für die Vienna erzielte der schusskräftige Rechtsverbinder insgesamt 605 Tore und wurde 1944 und 1950 österreichischer Torschützenkönig. Während seiner dortigen Zeit heiratete er am 4. November 1944 in erster Ehe in Wien-Hernals eine Johanna Maria.<ref name="Taufbuch, Karl"/>
Nach seiner Zeit bei der Vienna kam er als Spielertrainer für zwei Spielzeiten zum SK Sturm Graz, ehe er als Legionär in Frankreich für den FC Sochaux auf Torjagd ging. 1956/57 zog es ihn in die Schweiz, wo er beim Erstligaabsteiger FC Grenchen Spielertrainer wurde. Es gelang ihm der umgehende Wiederaufstieg, wobei er in 25 Spielen noch acht Tore erzielte. In der Nationalliga A trat er nur noch einmal selbst als Spieler an: am 13. April 1958 beendete er mit einem 0:0 gegen den FC Lugano im Alter von 36 Jahren vor 2000 Zusehern im heimischen Stadion Brühl seine Spielerlaufbahn. Am Saisonende stand die Mannschaft auf einem hervorragenden fünften Platz.
Für Deutschlands Nationalmannschaft stand er 1942 achtmal auf dem Platz und erzielte acht Tore.<ref>DFB-Spielerarchiv</ref> Zwischen 1945 und 1952 absolvierte er 25 Länderspiele für die österreichische Fußballnationalmannschaft und schoss dabei 19 Tore.
In den Jahren 1958 bis 1964 war Karl Decker ÖFB-Teamchef, einer der erfolgreichsten in der Geschichte des österreichischen Fußballs. Seine Mannschaft (u. a. mit Stotz, Koller, Hanappi, Hof, Senekowitsch, Nemec und Buzek) ließ 1960/61 mit ihrer Erfolgsserie (Siege gegen Schottland (4:1), die UdSSR (3:1 und 1:0), Spanien (3:0 vor der noch immer gültigen Rekordkulisse von 90.726 Zuschauern im Praterstadion), Italien (2:1), England (3:1), Ungarn (2:1 und 2:1)) Erinnerungen an das Wunderteam wach werden. In dieser Phase ging nur ein Spiel gegen Ungarn (0:2) verloren. Da der ÖFB aus Geldmangel auf eine Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 1962 in Chile verzichtete, blieb der ganz große Erfolg aus, die Mannschaft zerfiel. Nach sechs sieglosen Spielen in Folge und insgesamt 36 Länderspielen beendete Decker am 24. Februar 1964 diese Tätigkeit vor dem Vertragsende bzw. schied mit 28. Februar endgültig aus den Diensten des ÖFB aus.<ref>Bundeskapitän Decker demissioniert. In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 25. Februar 1964, S. 1.</ref><ref>Decker scheidet endgültig aus. In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 29. Februar 1964, S. 12.</ref>
Anschließend wurde er Trainer beim Wiener Sport-Club und trainierte von September bis Dezember 1968 für den erkrankten Rudolf Vytlačil interimistisch den SK Rapid Wien, der er beim Aufstieg im Meistercup-Achtelfinale gegen Real Madrid betreute. Decker fungierte bei den Grün-Weißen zu dieser Zeit eigentlich als sportlicher Leiter und füllte das Traineramt parallel dazu aus. Auch in den Jahren 1969/70 agierte er als sportlicher Leiter von Rapid.
Ab 1969 bzw. laut anderen Quellen ab 1972 fungierte er lange Jahre als Präsident des Bundes Österreichischer Fußballlehrer (BÖFL).
Er initiierte die sogenannte Lehrling-Fit-Aktion, aus der wiederum auf Initiative des damaligen österreichischen Nationaltrainers Leopold Šťastný im Jahre 1975 die Schülerliga entstand.
Von 1980 bis 2005 war Karl Decker auch als Trainer des Fußballklubs der Österreichischen Parlamentarier tätig.
Am 24. Mai 1976 hatte er in 2. Ehe in Wildalpen eine Herta Wolf (geborene Lischtansky) geheiratet.<ref name="Taufbuch, Karl"/> Am 29. Juli 1999 heiratete der mittlerweile 77-Jährige in Wieselburg eine Adelheid „Heidi“ Holz.<ref name="Taufbuch, Karl"/><ref>Sonnenaufgangsfrühstück, 02.10.2022, abgerufen am 28. November 2024</ref>
Decker starb am 27. September 2005 und wurde in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 85) beerdigt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zentralfriedhof, Ehrengräber, Gruppe 40, Nr. 85 ( vom 11. Januar 2010 im Internet Archive) Bild</ref>
Vor dem Eingang zum Stadion Hohe Warte wurde nach seinem Ableben eine Büste Karl Deckers errichtet, die sich heute im digitalen Kulturgüterverzeichnis der Gemeinde Wien befindet. Nach einem Gemeinderatsbeschluss vom 1. März 2011 wurde in Wien-Döbling (19. Bezirk) der Karl-Decker-Weg nach ihm benannt.<ref>Die Wege sind das Ziel, abgerufen am 28. November 2024</ref> Die Vienna veranstaltete ab 2012 das internationale Karl-Decker-Gedenkturnier, an dem Jugendmannschaften aus verschiedenen Ländern teilnahmen.<ref>Stars von Morgen spielen in Wien, abgerufen am 28. November 2024</ref> Das Nachwuchsturnier wurde nur zweimal ausgetragen (2012 und 2016) und fand danach nicht mehr statt.<ref>Karl Decker Gedenkturnier mit großem Erfolg in die 2. Runde gestartet, abgerufen am 28. November 2024</ref>
Stationen als aktiver Spieler
- um 1928: Baumgartner Sportclub
- um 1934: Ottakringer SC
- SC Schwarz-Weiß Wien
- um 1937: SC Weiße Elf Wien
- 1937–1952: First Vienna FC
- 1952–1954: SK Sturm Graz
- 1954–1956: FC Sochaux
- 1956–1958: FC Grenchen (Spielertrainer)
Trainerstationen
- 1951–1952: First Vienna FC (Spielertrainer)
- 1952–1954: SK Sturm Graz
- 1956–1958: FC Grenchen (Spielertrainer)
- 1958–1963: Österreichische Nationalmannschaft
- 1964–1965: Wiener Sport-Club
- 1966–1967: Wiener Sport-Club
- 1968: SK Rapid Wien
Erfolge
Als Spieler:
- Dreifacher Österreichischer Meister mit dem First Vienna FC
- Tschammer-Pokal-Sieger mit dem First Vienna FC 1943
- Torschützenkönig 1944 (33 Tore) und 1950 (23)
Als Trainer:
- Mehrere unerwartete Siege gegen Traditionsgegner und „große Mannschaften“.
Auszeichnungen (Auszug)
- 1980: Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich<ref>Spalte 1: «in Kürze», erster Beitrag. In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 13. Juni 1980, S. 9.</ref>
- 1996: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
ÖFB-Länderspiele unter Teamchef Karl Decker
Legende
- H = Heimspiel
- A = Auswärtsspiel
- * = Spiel auf neutralem Platz
- − = kein offizielles Länderspiel
- grüne Hintergrundfarbe = Sieg Österreichs
- gelbe Hintergrundfarbe = Unentschieden
- rote Hintergrundfarbe = Niederlage
| Spiele | Siege | Remis | Niederlagen | Tore | TD |
|---|---|---|---|---|---|
| 36 | 16 | 3 | 17 | 60:67 | −7 |
Literatur
- Karl Decker: Mein Leben für den Fußball. Eine Fußballlegende erinnert sich (Autobiographie), Wien 1998
Weblinks
- Karl Deckers A-Länderspiele und -tore auf der offiziellen Webpräsenz der Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation (englisch)
- Karl Decker (Fußballspieler) im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
- Karl Decker im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Vorlage:Metavorlage Fußballdatenbank (Spieler)
- Vorlage:Metavorlage Fußballdatenbank (Trainer)
- Nationalspielerprofil Karl Deckers auf der offiziellen Webpräsenz des Österreichischen Fußballbunds
- Karl Decker im Rapid-Archiv
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
1913–1937: Hugo Meisl | Heinrich Retschury
ab 1945: Josef Argauer | Otto Barić | Eduard Bauer | Karel Brückner | Didi Constantini | Karl Decker | Branko Elsner | Franco Foda | Alfred Frey | Eduard Frühwirth | Karl Geyer | Béla Guttmann | Ernst Happel | Josef Hickersberger | Andreas Herzog | Erich Hof | Hans Kaulich | Marcel Koller | Hans Krankl | Arthur Kolisch | Slavko Kovačić | Felix Latzke | Josef Molzer | Walter Nausch | Johann Pesser | Herbert Prohaska | Franz Putzendopler | Alfred Riedl | Willibald Ruttensteiner | Egon Selzer | Helmut Senekowitsch | Leopold Šťastný | Karl Stotz | Karl Zankl
aktueller Teamchef: Ralf Rangnick
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang 1912 Schwarz | 1913 Kuthan | 1914 Neumann | 1915 Deutsch | 1916 Kuthan | 1917 Bauer / Neubauer | 1918 Bauer | 1919 Uridil | 1920 Uridil / Winkler | 1921 Uridil | 1922 Kuthan | 1923 Swatosch | 1924 Wieser | 1925 Wieser | 1926 Wieser | 1927 Schall | 1928 Schall | 1929 Schall | 1930 Weselik | 1931 Schall | 1932 Schall | 1933 Binder | 1934 Bican | 1935 Kaburek | 1936 Hahnemann | 1937 Binder | 1938 Binder | 1939 Binder | 1940 Binder | 1941 Binder | 1942 Jelinek / Reitermaier | 1943 Kerbach | 1944 Decker | 1945 Fischer | 1946 Stojaspal | 1947 Stojaspal | 1948 Stojaspal | 1949 Habitzl | 1950 Decker | 1951 Dienst | 1952 Stojaspal | 1953 Dienst / Stojaspal | 1954 Dienst | 1955 Brousek | 1956 Buzek | 1957 Dienst | 1958 Horak | 1959 Hof | 1960 Cejka | 1961 Nemec | 1962 Nemec | 1963 Hof | 1964 Nemec | 1965 Gayer | 1966 Buzek | 1967 Starek | 1968 Bjerregaard | 1969 Köglberger | 1970 Kaltenbrunner | 1971 Kreuz | 1972 Riedl | 1973 Breuer | 1974 Krankl | 1975 Köglberger | 1976 Pirkner | 1977 Krankl | 1978 Krankl | 1979 Schachner | 1980 Schachner | 1981 Jurtin | 1982 Bakota | 1983 Krankl | 1984 Nyilasi | 1985 Polster | 1986 Polster | 1987 Polster | 1988 Stojadinović | 1989 Pacult | 1990 Rodax | 1991 Daněk | 1992 Westerthaler | 1993 Daněk | 1994 Jurčević / Pfeifenberger | 1995 Sané | 1996 Vastić | 1997 Wagner | 1998 Frigård | 1999 Glieder | 2000 Vastić | 2001 Gilewicz | 2002 Brunmayr | 2003 Lawarée | 2004 Kollmann | 2005 Mayrleb | 2006 Kuljić / Linz | 2007 Zickler | 2008 Zickler | 2009 Janko | 2010 Hofmann | 2011 Linz | 2012 Jantscher / Maierhofer | 2013 Hosiner | 2014 Soriano | 2015 Soriano | 2016 Soriano | 2017 Kayode | 2018 Dabbur | 2019 Dabbur | 2020 Weissman | 2021 Daka | 2022 Adeyemi | 2023 Burgstaller | 2024 Konaté | 2025 Ronivaldo Vorlage:Klappleiste/Ende<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang
Vorlage:Klappleiste/Ende| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Decker, Karl |
| ALTERNATIVNAMEN | Decker, Karl Leopold (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Fußballspieler und -trainer |
| GEBURTSDATUM | 5. September 1921 |
| GEBURTSORT | Wien, Österreich |
| STERBEDATUM | 27. September 2005 |
| STERBEORT | Wien, Österreich |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:VIAF in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Fußballnationalspieler (Österreich)
- Fußballnationalspieler (Deutschland)
- Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1948
- Olympiateilnehmer (Österreich)
- Fußballspieler (First Vienna FC)
- Fußballspieler (FC Sochaux)
- Fußballspieler (SK Sturm Graz)
- Fußballspieler (FC Grenchen)
- Österreichischer Meister (Fußball)
- DFB-Pokal-Sieger
- Fußballtorschützenkönig (Österreich)
- Fußballnationaltrainer (Österreich)
- Fußballtrainer (FC Grenchen)
- Fußballtrainer (First Vienna FC)
- Fußballtrainer (SK Rapid Wien)
- Fußballtrainer (Wiener Sport-Club)
- Träger des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (1952)
- Österreicher
- Geboren 1921
- Gestorben 2005
- Mann