Kamrušepa
Kamrušepa ist die Haus- und Heilgöttin der Hethiter und Luwier. Den Hattiern und Palaern war sie als Kataḫzipuri<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 58.</ref> oder Kataḫziwuri bekannt.<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 43.</ref> Sie wurde mit der mesopotamischen Heilgöttin Gula gleichgesetzt.<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 150.</ref>
Aufgaben
Kamrušepa ist auch die Göttin der Zauberei. Sie ist eine göttliche Hebamme, die Frau und Kind bei der Geburt hilft, aber auch eine Heilerin, die sich auf reinigende Magie versteht. In diesem Sinne ist sie die Patronin der Familie und des Haushalts.<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 115.</ref>
Sie gilt als Erfinderin einiger Rituale.<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 43.</ref> Ihr gelingt es beispielsweise, Telipinu mit einem Ritual wieder zu besänftigen.<ref>Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 110 f.</ref> Auch hilft sie Mondgott Arma mit einem Ritual wieder zum Himmel aufzusteigen.<ref>Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 120 f.</ref>
Zudem wurde Kamrušepa auch noch mit dem häuslichen Herd, mit Feuer und Rauch assoziiert.<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 114 f.</ref> Deswegen wird ihr Name von Volkert Haas als "Herdgenius" (hethit. kamara- "Rauch" + hethit. -š/zipa "Genius") gedeutet.<ref>Volkert Haas, Heidemarie Koch: Religionen des alten Orients: Hethiter und Iran. Göttingen 2011, S. 240.</ref>
Familie und Wohnort
Bei den Palaern war die der Kamrušepa ähnliche Kataḫzipuri mit dem palaischen Wettergott Zaparwa verbunden.<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 58.</ref>
In der Stadt Tauriša hingegen war sie die Frau des luwischen Sonnengottes Tiwad und die Mutter des Schutzgottes (Sumerogramm KAL) mit dem luwischen Beinamen wašḫazza- ("geweiht, heilig").<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 100.</ref>
Als Kamrušepas Wohnort wurde der Himmel angesehen.<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 115.</ref> Ähnlich wie der Sonnengott des Himmels fuhr sie einen pferdegezogenen Wagen.<ref>Piotr Tararcha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 114.</ref>
Siehe auch
Literatur
- Volkert Haas: Die hethitische Literatur, Walter de Gruyter, Berlin 2006, ISBN 3-11-018877-5, S. 104, 110, 120 f., 205.
- Volkert Haas, Heidemarie Koch: Religionen des alten Orients: Hethiter und Iran. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-51695-9.
- Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05885-8.
Einzelnachweise
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