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Ḫannaḫanna

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Datei:HittiteGoddessAndChildAnatolia15th-13thCenturyBCE.jpg
Hethitische Göttin mit Kind

Ḫannaḫanna ist eine hethitische Muttergöttin, die oft in hattischen Mythen auftaucht. Ihr Name bedeutet „Urgroßmutter“ (von hethitisch ḫanna- = Großmutter).<ref name="Haas224" /> Sie wurde mit der mesopotamischen Muttergöttin Dingirmaḫ gleichgesetzt.<ref name="Taracha125" />

Aufgaben und Verehrung

Als Muttergöttin half Ḫannaḫanna auch bei der Geburt.<ref name="Taracha125" /> Sie hatte einem Geburtshilferitual zufolge keinen eigenen Kultort, doch es hieß, dass sie stattdessen die Menschheit gewählt habe.<ref>Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 198.</ref> Allerdings nahm sie im Kult des Karums Kaneš eine wichtige Position ein.<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 31.</ref>

Im Mythos

In einem fragmentarisch erhaltenen Mythos verspricht Ḫannaḫanna der Göttin Inara Land und einen Mann. Bei diesem Menschen könnte es sich um Ḫupašiya aus dem Illuyanka-Mythos handeln.<ref>Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 97 f.</ref>

Im Mythos vom Verschwinden des Gottes Telipinu berät sie die anderen Götter, was zu tun sei, um den verschwundenen Gott wieder aufzuspüren. Sie schickt am Ende nach mehreren erfolglosen Versuchen ihren Hilfsgeist, die Biene, los, um den verschwundenen Telipinu zu finden, was der Biene auch gelingt.<ref>Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 106 f.</ref> In einem anderen Mythos verschwindet sie selbst.<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 156.</ref>

Im Mythos vom Raub der Sonne durch das Meer vermittelt die Muttergöttin zwischen Tarḫunna und dem Meeresgott bezüglich des Brautpreises für Ḫatepuna, die Tochter des Meeres, welche von dem Gott Telipinu im Zuge der Befreiung der Sonne geraubt wurde.<ref>Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 116.</ref>

In einem weiteren Mythos bestimmt Ḫannaḫanna, dass ein Armer, der der Sonne opfert, mit nur einem Schaf nicht so viel opfern muss wie ein reicher Mann (neun Schafe).<ref>Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 120.</ref>

Andere Großelterngottheiten

Ḫannaḫanna ist nicht die einzige Großelterngottheit im hethitischen Pantheon.

So gibt es den Großvatergott Ḫuḫḫa (hethitisch ḫuḫḫa- = Großvater), den Vater eines Wettergottes und Großvater eines weiteren Wettergottes.<ref name="Haas224" />

Auch ist die Großmuttergöttin Ammamma (hethitisch amma- evtl. = Mutter) bekannt.<ref name="Haas224" /> Sie ist eine Göttin der Natur und Fruchtbarkeit.<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 57.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Gary M. Beckmann: Hittite Birth Rituals. (= Studien zu den Boğazköy-Texten. 29). Harrassowitz 1983, ISBN 3-447-02310-4.
  • Volkert Haas: Die hethitische Literatur., Walter de Gruyter, Berlin 2006, ISBN 3-11-018877-5.
  • Volkert Haas, Heidemarie Koch: Religionen des alten Orients: Hethiter und Iran. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-51695-9.
  • Galina Kellermann: La deesse Ḫannaḫanna. In: Hethitica. Band VII, 1987, ISBN 90-6831-081-X, S. 93–107.
  • Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Harrassowitz Verlag, Göttingen / Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05885-8.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Haas224"> Volkert Haas, Heidemarie Koch: Religionen des alten Orients: Hethiter und Iran. Göttingen 2011, S. 224.</ref> <ref name="Taracha125"> Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 125.</ref> </references>