Peter Josef Kleesattel (* 1. März1852 in Köln;<ref name="Geburt">Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personenstandsarchiv Rheinland, Zivilstandsregister, Landgerichtsbezirk Köln, Standesamt Köln, Geburten, 1852, Urkunde Nr. 731.</ref> † 29. März1926 in Düsseldorf<ref>Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abt. Rheinland PA 3103 (Personenstandsregister Sterbefälle), Nr. 4969, Standesamt Düsseldorf (Nord), Urkunde Nr. 231 vom 30. März 1926, gestorben im Haus Sterngasse 69. digital</ref>) war ein deutscher Architekt. Sein Werk war prägend für den Kirchenbau im Rheinland. Für seine Gotteshäuser etablierte sich der Begriff „Kleesattel-Kirchen“.<ref>Willy Weyres: Katholische Kirchen im alten Erzbistum Köln und im rheinischen Teil des Bistums Münster. In: Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland. Hrsg. v. Eduard Trier und Willy Weyres. Band 1, Düsseldorf 1980, S. 75–194, dort S. 177.</ref><ref name=Becker-Huberti>Manfred Becker-Huberti (Hrsg.): Düsseldorfer Kirchen. J. P. Bachem Verlag, Köln 2009, S. 66.</ref>
Leben
Als Sohn des Bäckers Hermann Joseph Kleesattel und dessen Ehefrau Maria Catharina Kleesattel geborene Mommertz 1852 in Köln, Hämergasse 21 geboren,<ref name="Geburt" /> besuchte Josef die Fachschule St. Aposteln und die Königliche Provinzial-Gewerbeschule in seiner Heimatstadt. Nach dem Abitur wandte er sich der Architektur zu. Vor seinem Studium war er bei dem Architekten und Bauunternehmer Claasen und dann bei dem Architekten J. Hinden in Köln bis 1872 tätig. An den Technischen Hochschulen in Wien, München und Stuttgart studierte er Architektur.
In Wien konnte er ein Jahr lang praktische Erfahrungen bei der Wiener Baugesellschaft unter dem Architekten Ludwig Tischler sammeln. Von 1874 bis 1878 arbeitete er im Architekturbüro von Julius Raschdorff in Köln. 1878 wechselte er mit Raschdorff nach Berlin an die Technische Hochschule Charlottenburg bzw. die Berliner Bauakademie. Von 1882 bis 1883 war er Lehrer für Projektionslehre an der Königlichen Kunstschule zu Berlin<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> und von 1883 bis 1902 lehrte er als Fachlehrer für Möbel- und Architekturzeichnen an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf. In dieser Zeit wurde ihm anlässlich der Einweihung der Düsseldorfer Rochuskirche am 2. Mai 1897 der Titel Professor verliehen. Nach seiner Lehrtätigkeit, die er im Oktober 1902 aufgab, war er als Privatarchitekt tätig.
Neben Kirchen entwarf er Einrichtungen, Geräte, Bauschmuck und Denkmäler. In der Rheinprovinz war er ein geschätzter Kirchenbaumeister. Den ersten Auftrag für einen größeren Kirchenbau erhielt er im Jahre 1887 für die katholische Pfarrkirche St. Josef in Viersen; es folgten weitere Aufträge, vor allem für Kirchen am Niederrhein. 1902 fungierte er als Leiter der Bauabteilung der Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf, 1904 als Vorsitzender und Leiter der Bauabteilung der Internationalen Kunstausstellung und großen Gartenbau-Ausstellung Düsseldorf. Für seine Verdienste wurde Kleesattel zum Ende der Ausstellung 1902 die Preußische Goldene Staatsmedaille für Kunst und Wissenschaft und der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. Kleesattel war Mitglied des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten, von 1904 bis 1911 in dessen Vorstand. 1909 veröffentlichte er das Buch Alt-Düsseldorf im Bild. Eine Sammlung von niederrheinischer Heimatkunst.
Unter dem um 1900 geprägten Begriff „Kleesattel-Kirchen“ versteht man neuromanische Kirchen, meist mit Doppelturmfassaden, deren Innenräume entweder gewölbt sind oder eine flache Decke besitzen. Bis 1910 entstanden 40 Kirchen nach seinen Entwürfen.<ref name="Becker-Huberti" /><ref>Inge Kähmer: Kleesattel-Kirchen in Düsseldorf. Neuromanik in Bildern. Mit Unterstützung des Düsseldorfer Geschichtsvereins e. V., unveröffentlichte Ausgabe, Düsseldorf 2011, S. 39.</ref>
Familie
Das Ehrengrab von Josef Kleesattel und seiner Familie befindet sich auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf. Kleesattel war verheiratet mit der israelitisch geborenen, getauften Katholikin Rosa Kleesattel, geborene Frank (geboren am 28. August 1850 in Köln<ref>Im Haus Glockengasse 7, also in unmittelbarer Nähe des Geburtshauses von Josef Kleesattel.</ref><ref>Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personenstandsarchiv Rheinland, Zivilstandsregister, Landgerichtsbezirk Köln, Standesamt Köln, Geburten, 1850, Urkunde Nr. 2578.</ref> gestorben am 23. Januar 1912 in Düsseldorf, Sternstr. 69<ref>Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abt. Rheinland PA 3103 (Personenstandsregister Sterbefälle), Nr. 4303, Standesamt Düsseldorf (Nord), Urkunde Nr. 58 vom 14. Januar 1912. digital</ref>; Rosa Frank war eine Tochter des 1850 geschäftslosen, späteren (1875) Gemeindedieners der Synagogengemeinde in der Glockengasse, Benjamin Frank (geboren um 1806 in Dormagen; gestorben am 1. März 1889 in Köln)<ref>Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personenstandsarchiv Rheinland, Personenstandsregister, Standesamt Köln Stadt, Sterbefälle, 1889, Urkunde Nr. 758.</ref> und dessen Ehefrau Henriette genannt Jetta Frank geborene Joel (geboren um 1812 in Deutz; gestorben am 5. Oktober 1875 in Köln)<ref>Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personenstandsarchiv Rheinland, Zivilstandsregister, Landgerichtsbezirk Köln, Standesamt Köln, Sterbefälle, 1875, Urkunde Nr. 3479.</ref>). Das Ehepaar Kleesattel / Frank hatte drei Kinder, Catharina (* 1880, ab 1904 Ehefrau des Regierungsbaumeisters Johann Erberich), Josef (1883–1941, Architekt) und Otto (* 1884, Bankkaufmann).
Heimatverein Düsseldorfer Jonges e. V. (Hrsg.): Josef Kleesattel. Ein Gedenken zu seinem 50. Todestag. In: Das Tor. Düsseldorfer Heimatblätter. Jahrgang 42, Heft 5, Düsseldorf 1976.
Anna Maria Wellding: Josef Kleesattel. Ein Beitrag zum Kirchenbau des Historismus im Rheinland. Dissertation RWTH Aachen 2018 (PDF).
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