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Düsseldorfer Jonges

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Datei:Düsseldorfer Jonges. Logo. 2013..jpg
Logo der Düsseldorfer Jonges, Illumination einer Fontäne am „Jrönge Jong“ im Düsseldorfer Hofgarten zum 725. Stadtjubiläum, 2013
Datei:Heimatverein Düsseldorfer Jonges e. V., Mertensgasse 1, Düsseldorf-Altstadt.jpg
Geschäftsstelle des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges e. V., Mertensgasse 1

Heimatverein Düsseldorfer Jonges e. V., kurz Düsseldorfer Jonges, ist ein seit 1932 bestehender Düsseldorfer Heimatverein. Mit rund 3300 Mitgliedern im Jahr 2025 gilt er, wohl unüberprüft, als der größte Heimatverein Europas.<ref>In: Gemeinsam 2000 Johr Düsseldorfer Karneval. Sonderveröffentlichung der Rheinischen Post, 14. Februar 2025, S. 25.</ref><ref name="Bender" />

Geschichte

Am 16. März 1932 wurde der Verein mit dem Ziel gegründet, Brauchtum und Tradition Düsseldorfs zu pflegen und zu bewahren.<ref name="Tor2022" /> Zu den Gründervätern zählten der Düsseldorfer Historiker Paul Kauhausen und der Schlachtenmaler Theodor Rocholl.<ref>In eigener Sache. In: Das Tor. 4. Jahrgang, Heft 8 (1935), S. 211 f. (PDF)</ref> 1936 war der Verein auf 1000 Mitglieder angewachsen,<ref name="Tor2022" /> im Jahr 2023 waren es annähernd 3400 männliche Mitglieder, Frauen sind nicht zugelassen, eine entsprechende Änderung der Satzung wird seit 2022 verstärkt diskutiert. Frauen sind im Verein „Düsseldorfer Weiter e. V.“ organisiert.<ref>Düsseldorfer Weiter e. V. Zuletzt abgerufen am 6. November 2019.</ref> Der Verein verfolgt die Pflege der regionalen Geschichte und Mundart, Schutz und Gestaltung der Stadt- und Heimatlandschaft, Unterstützung von Landschafts- und Naturschutz, Hilfe in Notlagen, so auch bei der Integration von Bürgerinnen und Bürgern mit ausländischen Wurzeln, sowie Flüchtlingen aus Kriegsgebieten und Förderung der Weltoffenheit der Stadt.

Unter den Jonges-Mitgliedern gibt es Angehörige der verschiedensten Berufe. Sie verstehen sich als konfessionell und parteipolitisch neutral, engagieren sich aber im politischen Diskurs. Es besteht ein Zusammenwirken mit einer Vielzahl von Düsseldorfer Vereinen, die ebenfalls Tradition und Brauchtum der Stadt pflegen. In besonderem Maße wird der Regiolekt gepflegt, das Düsseldorfer Rheinisch. So wird der Präsident des Vereins nicht „Präsident“, sondern „Baas“ genannt.

Innerhalb des Vereins gibt es 2023 55 sogenannte Tischgemeinschaften, in denen sich Heimatfreunde zusätzlich zusammenfinden, um kulturelle Gemeinsamkeiten zu pflegen. Fast jede Tischgemeinschaft hat die Patenschaft über ein oder zwei Denkmäler der Stadt übernommen und kümmert sich um deren Erhaltung und Pflege.<ref>www.duesseldorferjonges.de: Tischgemeinschaften. Zuletzt abgerufen am 6. November 2019.</ref>

2022, im Jahr des 90-jährigen Bestehens, erschien eine von den Jonges bei dem Vorsitzenden des Düsseldorfer Geschichtsvereins, Volker Ackermann, in Auftrag gegebene Vereinsgeschichte. In der Jubiläumszeitschrift des Vereins wurde über die Zeit des Vereins während des Nationalsozialismus bemerkt: „Man muss leider sagen, dass die Jongens keine Widerstandskämpfer waren. Dieser Diskussion werden wir uns stellen müssen“.Seitentext.<ref name="Bender" />

Ein damals auch im Düsseldorfer Karneval stark engagiertes, frühes Mitglied war der Unternehmer Leo Statz (1898–1943). Am 1. September 1943 verhaftete ihn die Gestapo. Statz hatte am 22. Juli 1943 Verkaufsverhandlungen mit dem Kantinenwirt einer Trierer Wehrmachtskaserne geführt und soll anschließend in der Kantine zu schwerversehrten Soldaten gesagt haben, dass sie sich ihre Knochen nicht für das deutsche Volk, sondern für Adolf Hitler zusammenschießen lassen und einen fröhlichen Optimismus hätten, zu meinen, dass sie als Schwerversehrte schon durchs Leben kommen würden.<ref>Leo Statz, Homepage des Leo-Statz-Berufskollegs</ref> Im September 1943 fand die Verhandlung vor dem Volksgerichtshof unter dessen Präsidenten Roland Freisler statt. Statz wurde wegen „Zersetzungspropaganda“ zum Tode verurteilt. Trotz zahlreicher Gnadengesuche wurde die Hinrichtung durch Enthauptung am 1. November im Zuchthaus Brandenburg-Görden vollstreckt. Der Historiker Ackermann hatte bereits vor Erscheinen seines Buches festgestellt, dass die Jonges zwar ein Gnadengesuch formuliert hätten, in dem sie behaupteten, Statz wäre betrunken gewesen. „Aber als er von Roland Freisler wegen Zersetzungspropaganda zum Tode verurteilt wurde, forderten einige Mitglieder, ihn möglichst noch vor seiner Hinrichtung auszuschließen“.<ref>Jörg Janssen: Jonges nehmen die NS-Zeit in den Blick. In: Rheinische Post, 19. Juli 2017. Abgerufen am 17. März 2022. </ref>

Nach dem Zweiten Weltkrieg, am 2. Oktober 1945, nahmen 140 Jonges in der Bolkerstraße im neuen Vereinslokal Schwarzer Anker das Vereinsleben wieder auf.<ref name="Tor2022" /> 1997 erwarb man in der Altstadt das Haus Mertensgasse 1, in dem Heinrich Heine lange Zeit gewohnt hatte und das dadurch geschichtliche Bedeutung erlangte. Hier wohnten auch sein Großvater Gottschalk van Geldern (1726–1795) und anschließend sein Onkel Simon von Geldern, beide spielten in der Entwicklung Heines wichtige Rollen. Nach einem Umbau konnte es am 22. Juni 1997 bezogen werden. Hier befindet sich das Archiv der Düsseldorfer Jonges.<ref name="Sichtbare Zeichen" />

Datei:Köbes-Denkmal, neu errichtet, Düsseldorf, März 2024 (3).jpg
Köbes-Bronzestatue (März 2024)

Als Monatsschrift des Heimatvereins werden seit 1932 die Düsseldorfer Heimatblätter „Das Tor“ herausgegeben. Die Jonges unterstützen kulturelle Einrichtungen (Theater, Tonhalle, Oper) und den lokalen Sport (Fortuna Düsseldorf, Düsseldorfer EG, Borussia Düsseldorf etc.). Vor allem besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität, der Hochschule Düsseldorf, der Robert Schumann Hochschule für Musik und der Kunstakademie. Regelmäßig werden herausragende Bachelor-, Master-, Promotions- oder andere Arbeiten mit Förderpreisen honoriert. Es werden Preise für Wissenschaft, Architektur, Kunst, Musik und Handwerk verliehen.

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Literatur

  • Stefan Keller, Düsseldorf. Porträt einer Stadt, Meßkirch: Gmeiner-Verlag, S. 120–125.
  • Volker Ackermann: Ein rheinisches Erfolgsmodell – Jonges schreiben Geschichte. Heimatverein Düsseldorfer Jonges (Hrsg.), J. P. Bachem-Verlag Köln, 2022

Weblinks

Commons: Düsseldorfer Jonges – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Bender">Brigitte Bender: Ein Erfolgsmodell schreibt Geschichte. In: das tor, Jubiläumsausgabe zum 90-jährigen Geburtstag der Düsseldorfer Jonges., 04, 2022, S. 25, 53.</ref> <ref name="Maes">Hans Maes (Hrsg.), Alfons Houben: Düsseldorf in Stein und Bronze. Triltsch Verlag, Düsseldorf, S. 33, 37, ISBN 3-7998-0018-2</ref> <ref name="Sichtbare Zeichen">Hermann J. Schulte: Sichtbare Zeichen der Düsseldorfer Jonges e. V. Zusammengestellt von Mitgliedern der Tischgemeinschaft De Hechte im Heimatverein Düsseldorfer Jonges e. V., Oktober 2000.</ref> <ref name="Tor2022">Unsere Geschichte. In: das Tor, Jubiläumsausgabe zum 90-jährigen Geburtstag der Düsseldorfer Jonges, 04, 2022, S. 36–38.</ref> </references>

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