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Jean Lemaire de Belges

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Jean Lemaire de Belges (* um 1473 in Bavay; † nach 1515 in Paris) war ein französischer Autor aus dem Gebiet des heutigen französischen Hennegau oder "Hainaut"<ref>Es stand damals unter der Ägide des Herzogtums Burgund.</ref>.

Leben

Jean Lemaire wurde in Bavay, einem befestigten Dorf im Hennegau, geboren<ref>Dieses kleine mittelalterliche Dorf wurde von den Gelehrten Belges genannt. Daher der erweiterte Familienname "Lemaire de Belges".</ref>. Der junge Mann studierte in Valenciennes bei seinem Onkel Jean Molinet, der Bibliothekar des Herzogs von Burgund war, die Dichtkunst. Er hat an der Universität von Paris studiert, dort er ist ein "tonsurierter Kleriker" geworden. Nach Studien in Paris bekleidete er Ämter bei verschiedenen Fürsten, insbesondere der Regentin der Niederlande, Margarete von Habsburg, und der französischen Königin Anne de Bretagne, Ehefrau von Ludwig<ref>Der junge Dichter wurde zunächst vom Herzog von Bourbon während der Regentschaft Karls VIII. beschützt. Für Marguerite oder Margarete ist er gleichzeitig Sekretär, Diplomat und Aufseher der Brou-Arbeiten.</ref>. 1506 und 1508 reiste er in Italien und kam dort mit der voll erblühten italienischen Renaissance-Kultur in Berührung.

Er begann als Lyriker im Stil der Rhétoriqueurs und führte 1504 die italienische Form der Terzine in die französischsprachige Lyrik ein. 1505 verfasste er die heiter-melancholischen Lettres de l'amant vert (dt. Briefe des grünen Liebhabers), fiktive Briefe des realen grünen Papageis von Margarete, der sich wegen einer langen Abwesenheit seines Frauchens zu Tode grämt und dann von seinen Erlebnissen aus dem Jenseits berichtet. 1509 und 1511 unterstützte Lemaire literarisch-propagandistisch Annes Gatten, König Ludwig XII., d. h., er versuchte dessen Eroberungskrieg in Norditalien zu rechtfertigen sowie seine Bestrebungen schönzureden, eine von Rom (denn der Papst zählte zu seinen Kriegsgegnern) relativ unabhängige französische Kirche zu schaffen, etwa im Sinne des späteren Gallikanismus.

Der Tod seiner Beschützerin Anna von Bretagne 1514 trübte seine Zukunft

Werk

Datei:Houghton Typ 515.12.515 - Les illustrations de Gaule, dive ivnoni.jpg
Les illustrations de Gaule et sĩgularitez de Troye, 1512

Lemaires Name ist vor allem aber verbunden mit dem zu seiner Zeit vielgelesenen Werk Les illustrations de Gaule et singularités de Troye (1511–13; dt. etwa: Die Ruhmesblätter Galliens und die Einzigartigkeiten Trojas). Es ist eine Nacherzählung der sich um Troja rankenden Geschichten (Buch I und II), gefolgt von einer Genealogie der Gründer Galliens und des Frankenreichs bis hin zu Karl dem Großen (Buch III). Lemaire verknüpft Trojaner und Franken über die Figur des Francus, eines (bei Homer nicht erwähnten) angeblichen Sohnes von Hektor, der sich zusammen mit dem späteren Rom-Gründer Aeneas aus dem von den Griechen eroberten Troja gerettet habe, um seinerseits das alte Gallien zu gründen, dessen Fortführung wiederum das frühmittelalterliche Francia, das Frankenreich, gewesen sei.

Die Illustrations stützen sich auf viele im heutigen Sinne pseudoantike und pseudohistorische Quellen (z. B. eine zeitgenössische lateinische Ilias-Bearbeitung). Sie sind motiviert vom Wunschtraum des Autors, das alte Frankenreich, also in etwa Frankreich, Deutschland und die Niederlande (d. h. etwa die jetzigen Benelux-Staaten) wieder zu vereinen, und sei es zunächst nur zum Zweck eines gemeinsamen Kreuzzugs gegen die Türken, die 1453 das christliche Byzanz (heute Istanbul) erobert hatten.

Lemaire begann die Illustrations 1505 als Sekretär Margaretes in den Niederlanden und stellte sie fertig als Sekretär und Chronist der französischen Königin Anne. Er selber bildete also gewissermaßen eine Klammer zwischen dem Ost- und dem Westteil des alten Frankenreichs (das sich unter Karl dem Großen um 800 von Lübeck bis Barcelona und von Brest bis Rom erstreckt hatte).

Ausgaben

Bekannte literarische Beiträge

  • Déplorations, Veröffentlichungen auf verstreuten Blättern (Kunst der posthum Bedauern)
  • Les épîtres de l'amant vert, Handschrift seit 1505 bekannt, aber erst 1511 gedruckt. Diese "Briefe des grünen Liebhabers" stellen eine Parodie der Kunst des Bedauerns ou "art de la déploration" dar.
  • Traité de la différence des schismes et des conciles de l'église, 1511. (Werk in Prosa für die Verteidigung der galicanischen Kirche)
  • La concorde des deux langages, 1511. (Über die ideale Verbindung der französischen und toskanischen Sprache)
  • Les illustrations de Gaule et singularités de Troie, in drei Büchern, nacheinander erschienen 1511, 1512, 1513.

Literatur

  • Philipp August Becker, Jean Lemaire, der erste humanistische Dichter Frankreichs, in octo, Verlag der Karl J. Trübner, Straßburg, 1893, 390 pages. Réédition 2017, e-book ISBN 978-3111472973.
  • Paul Spaak: Jean Lemaire de Belges. Sa vie, son oeuvre et ses meilleures pages. Champion, Paris 1926 (Digitalisat).
  • Kathleen M. Munn: A contribution to the study of Jean Lemaire de Belges. A critical study of bio-bibliographical data, including a transcript of various unpublished works. Slatkine, Genève 1975 (Nachdruck der Ausgabe New York 1936)
  • Pierre Jodogne: Jean Lemaire de Belges, écrivain franco-bourguignon. Académie Royale de Belgique, Bruxelles 1972

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

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