Jörg Dräger
Jörg Dräger (* 1. Januar 1968 in Darmstadt) ist ein deutscher Physiker, parteiloser Politiker und Manager.<ref>Bernhard Hänel: Zukunft entscheidet sich im Klassenzimmer. In: Neue Westfälische. 29. August 2011.</ref><ref name=":2" /> Von 2001 bis 2008 war er Senator der Freien und Hansestadt Hamburg.<ref>Elisabeth Jessen: Wege aus der Bildungskrise. In: Hamburger Abendblatt. 29. August 2011.</ref> Bis Ende 2021 gehörte er dem Vorstand der Bertelsmann Stiftung an und war dort für Bildung, Integration und Digitalisierung zuständig.<ref>Hamburgs Wissenschaftssenator wechselt zu Bertelsmann. In: Der Tagesspiegel. 5. März 2008.</ref><ref>Bertelsmann: Dräger geht zur Stiftung. In: Manager Magazin. 4. März 2008, abgerufen am 30. Juni 2017.</ref> Dräger gilt als Experte für diese Bereiche und hat mehrere Bücher zu bildungspolitischen Themen verfasst, unter anderem zu den Auswirkungen der Digitalisierung.<ref>Michael Okrob: Spät, aber wichtig. Wieder ein Schulbuch. In: Die Tageszeitung. 31. August 2011.</ref><ref>Jörn Lauterbach: Das wird ein Angriff auf die Eliten. In: Welt am Sonntag. 27. September 2015.</ref><ref>Jörg Dräger, Ralph Müller-Eiselt: Digitalisierung: Humboldt gegen Orwell. In: Die Zeit. 8. Oktober 2015 (zeit.de [abgerufen am 5. Juli 2017]).</ref><ref>Debatte über das Lernen der Zukunft. In: Die Welt. 1. April 2016.</ref><ref>Bildungsexperte Dräger: „Das Abitur wird zum Normalfall“. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 22. März 2017, abgerufen am 30. Juni 2017.</ref> Seit 1. April 2022 ist Dräger Geschäftsführender Stiftungsrat der Kühne-Stiftung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />kuehne-stiftung.org Dr. Jörg Dräger wird Geschäftsführender Stiftungsrat ( vom 17. August 2021 im Internet Archive), Medienmitteilung vom 17. August 2021, kühne-stiftung.org</ref><ref>Stiftungsrat, kuehne-stiftung.org</ref>
Leben
Dräger machte 1987 in Hamburg Abitur am Christianeum und danach Zivildienst.<ref>Renate Pinzke: Ich brauche kein Lob. In: Hamburger Morgenpost. 31. August 2004.</ref><ref name=":0">Jörg Dräger. In: Internationales Biographisches Archiv. Munzinger, 9. September 2008, abgerufen am 30. Juni 2017.</ref> Anschließend studierte Dräger Physik und im Nebenfach Betriebswirtschaft an der Universität Hamburg.<ref name=":2">Florian Hanauer: Reformer mit kühlem Kopf. In: Welt am Sonntag. 21. August 2005.</ref> Nach dem Vordiplom wechselte er an die Cornell University nach Ithaca, New York.<ref name=":1">Bildung ist die Basis. In: Neue Westfälische. 2. Juli 2008.</ref> Dort erwarb Dräger 1993 den Master of Science in Theoretischer Physik und wurde drei Jahre später promoviert zum Doctor of Philosophy mit einer Arbeit aus der mathematischen Kristallographie.<ref name=":0" /> Parallel zum Studium und der Promotion arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent.<ref name=":1" />
Dräger ist verheiratet und hat zwei Kinder.<ref>Dräger-Nachwuchs. In: Hamburger Abendblatt. 9. Juni 2005.</ref><ref>Bernd Eyermann: Guter Unterricht nimmt alle mit. In: Bonner General-Anzeiger. 20. Januar 2012.</ref>
Karriere
1996 trat Dräger eine Stelle als Unternehmensberater bei Roland Berger in Frankfurt am Main an,<ref>Norbert Bensel (Hrsg.): Hochschulen, Studienreform und Arbeitsmärkte: Voraussetzungen erfolgreicher Beschäftigungs- und Hochschulpolitik. W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2003, ISBN 3-7639-3168-6, S. 286.</ref><ref>Peter Meyer, Christoph Rind: Unis: Wer baut aus, wer baut ab? In: Hamburger Abendblatt. 21. März 2002.</ref> bevor er 1999 als Geschäftsführer des neu gegründeten Northern Institute of Technology nach Hamburg zurückkehrte.<ref name=":0" /><ref>Nicola Sieverling: Der Laptop-Senator. In: Welt am Sonntag. 26. Januar 2003 (welt.de [abgerufen am 30. Juni 2017]).</ref> Das Institut war eine der ersten öffentlich-privaten Partnerschaften im deutschen Hochschulbereich und zeichnet sich durch einen interdisziplinären Ansatz aus.<ref>Wolfgang Ehemann: Ausruhen gibt es hier nicht. In: Welt am Sonntag. 15. August 1999.</ref><ref>Deborah Knür: Die Besten der Besten studieren jetzt in Harburg. In: Die Welt. 17. August 1999.</ref><ref>Northern Institute of Technology: Wirtschaft zieht voll mit. In: Hamburger Abendblatt. 17. Dezember 1999.</ref><ref>Petra Kipphoff: Jenseits der Technik. In: Die Zeit. 31. August 2000 (zeit.de [abgerufen am 30. Juni 2017]).</ref>
Öffentliche Ämter
2001 wurde Dräger als parteiloser Senator für Wissenschaft und Forschung in die Landesregierung der Freien und Hansestadt Hamburg unter Ole von Beust berufen.<ref>Christoph Rind: An die Arbeit, Herr Senator! In: Hamburger Abendblatt. 20. November 2001.</ref><ref>Arnfrid Schenk: Der Quereinsteiger. In: Die Zeit. 21. Oktober 2004 (zeit.de [abgerufen am 30. Juni 2017]).</ref> Er sprach sich für Studiengebühren und mehr Wettbewerb der Hochschulen untereinander aus,<ref>Christoph Rind: Gebühren und mehr Wettbewerb. In: Hamburger Abendblatt. 13. November 2001.</ref> um ihre Finanzierung dauerhaft sicherzustellen.<ref>Kaija Kutter: Drägers Uni-Modell. In: Die Tageszeitung. 24. Oktober 2001.</ref> Die Vorschläge stießen bei Studierenden und Lehrenden auf heftige Kritik.<ref>Kaija Kutter: Unerwünschter Auftritt. In: Die Tageszeitung. 15. November 2001 (Ausgabe Hamburg).</ref><ref>Insa Gall: Entwurf für Hochschulgesetz stößt auf scharfen Widerstand. Hochschulpräsidenten äußern massive Kritik an den Plänen von Wissenschaftssenator Dräger. In: Die Welt. 30. April 2002, S. 35.</ref>
Nach der vorgezogenen Bürgerschaftswahl 2004 übernahm Dräger im Senat von Beust II die Ressorts Wissenschaft und Gesundheit.<ref name=":0" /><ref>Das sind Oles neue Senatoren. In: Hamburger Morgenpost. 16. März 2004.</ref> Unter seiner Verantwortung führte Hamburg 2006 als fünftes Bundesland Studiengebühren ein.<ref>Ira von Mellenthin: An der Problemlage hat sich nichts geändert. In: Die Welt. 25. März 2004.</ref><ref>Studiengebühren trotz Protests auch in Hamburg. In: Rheinische Post. 30. Juni 2006.</ref><ref>Einführung von Studiengebühren in Hamburg. In: Frankfurter Neue Presse. 30. Juni 2006, S. 2.</ref> Drägers Ziel war eine grundlegende Reform der Hamburger Hochschulen,<ref>Martin Spiewak: Blaupause für deutsche Universitäten. In: Die Zeit. 6. Februar 2003 (zeit.de [abgerufen am 30. Juni 2017]).</ref> er förderte Gründungen neuer und Zusammenschlüsse bestehender Hochschulen.<ref name=":0" /> Dieser Kurs galt rückblickend als umstritten:<ref>Umkrempeln um jeden Preis. In: Parlament. 16. Januar 2006.</ref> Während Befürworter seine Kompetenz und Zielstrebigkeit lobten, monierten Kritiker unter anderem Kürzungen bei den Geisteswissenschaften.<ref>Martin Spiewak: Tortenschlacht um den Überzeugungstäter. In: Die Zeit. 23. März 2005 (zeit.de [abgerufen am 30. Juni 2017]).</ref> 2008 belegte Dräger im „Minister-Ranking“ des Deutschen Hochschulverbands den letzten Platz, ein Jahr später stand er wieder an sechster Stelle.<ref>Jochen Leffers: Die Professoren keilen aus. In: Spiegel Online. 21. Februar 2008, abgerufen am 30. Juni 2017.</ref><ref>Jochen Leffers: Ein bisschen Spaß muss sein. In: Spiegel Online. 28. Januar 2009, abgerufen am 30. Juni 2017.</ref>
Die Verantwortung für den Bereich Gesundheit gab Dräger im Jahr 2006 an die Senatorin Birgit Schnieber-Jastram ab.<ref>Neue Senatorin für Gesundheit in Hamburg. In: Ärzte Zeitung. 24. März 2006.</ref> Nach der Bürgerschaftswahl 2008 kündigte er an, auf eine weitere Amtszeit zu verzichten.<ref>Jörg Dräger verlässt die Politik. In: Spiegel Online. 4. März 2008, abgerufen am 30. Juni 2017.</ref> Diese Entscheidung bedauerte unter anderem Klaus von Dohnanyi in einem Kommentar für das Hamburger Abendblatt, weil die Stadt dadurch ihren „vermutlich wirkungsvollsten Wissenschaftssenator seit 1945“ verliere.<ref>Wegweisende Entscheidungen. In: Hamburger Abendblatt. 5. März 2008.</ref> Andere Medien zeigten sich dagegen erleichtert, dass der „Bulldozer im Dreiteiler“ (taz) die Politik verlasse.<ref>Bulldozer im Dreiteiler. Jörg Dräger, Wissenschaftssenator auf Abruf. In: Die Tageszeitung. 5. März 2008.</ref>
Bertelsmann Stiftung
Dräger wurde 2008 Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung.<ref>Insa Gall: Senator Dräger wechselt zu Bertelsmann. In: Die Welt. 5. März 2008 (Ausgabe Hamburg).</ref><ref>Bildung ist die Basis. In: Neue Westfälische. 2. Juli 2008.</ref> Er verantwortet die Bereiche Bildung, Integration und Digitalisierung. Zusätzlich übernahm er die Geschäftsführung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das auf eine Initiative der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz zurückgeht.<ref>Wolf Schmidt: Der stolze Schlachter der heiligen Kühe. In: Die Tageszeitung. 21. Juni 2008.</ref><ref>Ein radikaler Reformer. In: Der Tagesspiegel. 23. Juni 2008.</ref> In dieser Funktion gehört er auch dem Hochschulforum Digitalisierung seit seiner Gründung an.<ref>Projektpartner. Hochschulforum Digitalisierung, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Juni 2021; abgerufen am 14. Juli 2021.</ref> 2021 schied Dräger aus dem Vorstand der Bertelsmann Stiftung aus, um sich einer neuen Aufgabe im internationalen Umfeld zu widmen.<ref>Jörg Dräger verlässt die Bertelsmann Stiftung Ende 2021. In: Zeit Online. 30. Juni 2021, abgerufen am 14. Juli 2021.</ref>
Dräger setzte sich unter anderem für die Unabhängigkeit der Hochschulen ein.<ref>Dorothee Fricke: Rankings ausbauen, Autonomie stärken. In: Junge Karriere. 1. April 2008.</ref> Er forderte eine bessere Ausstattung von Brennpunktschulen und drängte darauf, das Bildungssystem in ländlichen Regionen an den demografischen Wandel anzupassen.<ref>Jeannette Goddar: Ein Sofortprogramm für Brennpunktschulen ist überfällig! In: Frankfurter Rundschau. 8. Dezember 2010.</ref><ref>Investieren statt reparieren. In: Westfalen-Blatt. 20. Februar 2013.</ref> Dräger befürwortete die Ganztagsschule,<ref>Michael Nichau: Ganztagsschule wird Normalität. In: Westfalen-Blatt. 30. Januar 2014.</ref> digitale Medien betrachtete er als Hilfsmittel für eine bessere Pädagogik.<ref>Digitale Medien sind Hilfsmittel. In: Neue Westfälische. 22. Juni 2017 (Zeitung für das Lübbecker Land).</ref> Zudem plädierte er für eine Reform der Kindergrundsicherung durch Einführung eines Teilhabegeldes.<ref>Jörg Dräger: Ein Deutschland ohne Kinderarmut ist möglich. In: Die Welt. 8. Dezember 2020, abgerufen am 16. Dezember 2020 (Gastkommentar).</ref>
Mandate
Dräger lehrte Public Management an der Hertie School of Governance.<ref>Martin Krause: Bertelsmann gibt Millionen für Firmengründer in OWL. In: Neue Westfälische. 17. Februar 2016.</ref><ref>Jörg Dräger. Hertie School of Governance, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. August 2017; abgerufen am 30. Juni 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er beriet junge Gründer in der gemeinnützigen Founders Foundation, die ihren Fokus auf der Förderung der Start-up-Szene von Ostwestfalen hat,<ref>Historie. Founders Foundation, abgerufen am 14. Juli 2021.</ref> und engagierte sich als Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Wildtier Stiftung im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes.<ref>Menschen. Deutsche Wildtier Stiftung, abgerufen am 14. Februar 2020.</ref>
Dräger war Mitglied im Board of Governors der privaten, staatlich anerkannten Jacobs University Bremen.<ref>Neuer Aufsichtsrat an der Jacobs University Bremen. In: Jacobs University - Inspiration is a Place. 21. August 2018 (jacobs-university.de [abgerufen am 1. Oktober 2018]).</ref> Er war stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration.<ref>Kuratorium. Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, abgerufen am 30. Juni 2017.</ref> Dräger sprach sich für eine stärkere Zuwanderung aus,<ref>Daniel Bax: Willkommen im Kanzleramt. In: Die Tageszeitung. 29. Mai 2013.</ref><ref>Barbara Gillmann: Ausländer rein! In: Handelsblatt. 1. September 2014.</ref> andernfalls werde Deutschland den internationalen Wettbewerb um Fachkräfte verlieren.<ref>Jörg Dräger: Punkte für Deutschland. In: Der Tagesspiegel. 22. März 2012, abgerufen am 4. Juli 2017.</ref>
Schriften
- Jörg Dräger: Dichter, Denker, Schulversager. Gute Schulen sind machbar – Wege aus der Bildungskrise. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, ISBN 978-3-421-04529-4 (mit einer politischen Gebrauchsanweisung von Klaus von Dohnanyi).
- Jörg Dräger, Christina Tillmann, Frank Frick: Wie politische Ideen Wirklichkeit werden. Ein Lehr- und Praxisbuch. Nomos Verlag, Baden-Baden 2014, ISBN 978-3-8487-1613-5.
- Jörg Dräger, Ralph Müller-Eiselt: Die digitale Bildungsrevolution: Der radikale Wandel des Lernens und wie wir ihn gestalten können. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2015, ISBN 978-3-421-04709-0.
- Jörg Dräger, Ralph Müller-Eiselt: Wir und die intelligenten Maschinen. Wie Algorithmen unser Leben bestimmen und wir sie für uns nutzen können. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2019, ISBN 978-3-421-04841-7.
Weblinks
- Literatur von und über Jörg Dräger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Offizielle Website von Jörg Dräger
- Vorstand auf der Website der Bertelsmann Stiftung
- Podcast von Jörg Dräger: Die digitale Bildungsrevolution
Einzelnachweise
<references responsive />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
Reinhard Philipp | Dieter Biallas | Hansjörg Sinn | Klaus Michael Meyer-Abich | Ingo von Münch | Leonhard Hajen | Krista Sager | Jörg Dräger | Herlind Gundelach | Dorothee Stapelfeldt | Katharina Fegebank | Maryam Blumenthal
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Heinrich Eisenbarth | Friedrich Dettmann | Walter Schmedemann | Ewald Samsche | Erwin Jacobi | Walter Schmedemann | Hans-Joachim Seeler | Ilse Elsner | Wilhelm Nölling | Helga Elstner | Christine Maring | Ortwin Runde | Helgrit Fischer-Menzel | Karin Roth | Peter Rehaag | Jörg Dräger | Birgit Schnieber-Jastram | Dietrich Wersich | Cornelia Prüfer-Storcks | Melanie Leonhard | Melanie Schlotzhauer
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dräger, Jörg |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Physiker, Politiker und Manager |
| GEBURTSDATUM | 1. Januar 1968 |
| GEBURTSORT | Darmstadt |