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Istituto per le Opere di Religione

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Istituto per le Opere di Religione
Staat VatikanstadtDatei:Flag of Vatican City (2023–present).svg Vatikanstadt
Sitz Cortile Sisto V
00120 Città del Vaticano
Rechtsform eigene Rechtspersönlichkeit nach kanonischem Recht<ref name="Chirografo" /> (Personalità giuridica canonica)
BIC IOPRVAVXXXX<ref name="DatenIOPRVAVXXXX">Eintrag im BIC Directory beim SWIFT</ref>
Gründung 27. Juni 1942
Website www.ior.va
Geschäftsdaten 2023<ref name="GDaten">Annual Report 2023 (englisch; PDF)</ref>
Einlagen 1.601 Mio. Euro
Kundenkredite 667 Mio. Euro
Mitarbeiter 107
Leitung
Vorstand Direzione:<ref>Direttore Generale. Abgerufen am 29. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Gian Franco Mammì
Aufsichtsrat Consiglio di Sovrintendenza:<ref name="consiglio">Consiglio di Sovrintendenza. Abgerufen am 29. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
François Pauly

Das Istituto per le Opere di Religione, kurz IOR (italienisch „Institut für die religiösen Werke“), allgemein bekannt als die Vatikanbank, ist ein privatrechtliches Finanzinstitut im Besitz des Heiligen Stuhles. Es hat seinen Sitz im Turm Nikolaus V. in unmittelbarer Nähe zum Apostolischen Palast.<ref name="Schuemer">Dirk Schümer: Gott, Geld und die Macht. In: FAZ.net. 13. März 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref>

Das Institut galt in der Vergangenheit wegen der mangelnden Transparenz seiner Bilanzen sowie zahlreicher anonymer Nummernkonten, die in Verbindung mit Geldwäsche für die Mafia und Steuerhinterziehung gebracht wurden, auch als „ein Offshore-Paradies mitten in Europa“.<ref name="Schuemer" />

Im April 2014 wurden der Auftrag und die Mission des IOR durch Papst Franziskus auch für die Zukunft bestätigt. Er habe einem Vorschlag zur Zukunft des Geldinstituts zugestimmt, der die „Wichtigkeit des Auftrags des IOR für das Wohl der Kirche nochmals bestätigt“, hieß es in dem vatikanischen Statement.<ref>domradio.de: Papst hält an Vatikanbank fest, 7. April 2014</ref><ref>ala: Papst-Entscheidung zur Vatikanbank IOR: Reformen ja, Schließung nein. In: Spiegel Online. 7. April 2014, abgerufen am 22. November 2022.</ref>

Geschichte und Aufgabe des Instituts

Vorlage:Hinweisbaustein

Datei:Vatikanbank und Apostolischer Palast 01.jpg
Turmfassade des Torre di Niccolò V (erbaut 1473), seit 1942 Sitz der Vatikanbank IOR, im Hintergrund der Apostolische Palast

Mit päpstlicher Konstitution vom 11. Februar 1887 ordnete Papst Leo XIII. die Bildung der Commissione ad pias causas ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) an,<ref name="Chirografo">Johannes Paul II.: Chirografo di Giovanni Paolo II con il quale viene data nuova configurazione all'„Istituto per le Opere di Religione“. Libreria Editrice Vaticana, 1. März 1990, abgerufen am 3. Juli 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Chirograph zur Neugestaltung des „Istituto per le Opere di Religione“).</ref> die 1908 von Papst Pius X. in Amministrazione per le Opere di Religione (AOR) ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) umbenannt wurde und deren Statut am 17. März 1941 von Papst Pius XII. angenommen worden ist. Die AOR war zunächst nicht mehr als eine Art Sammel- und Verwaltungsstelle für das päpstliche Restvermögen und die Ausgleichszahlungen, die die junge italienische Monarchie dem Heiligen Stuhl für den Verlust des Staatsterritoriums des Kirchenstaates gewährt hatte. Überdies erhielt der Papst vom italienischen Staat bis zur Unterzeichnung der Lateranverträge 1929 eine jährliche Apanage, die für die damalige Zeit ein Vermögen darstellte. Das alles wollte Leo XIII. zentral verwaltet wissen. Die AOR war keine Bank und trat auch nicht als eine solche in Erscheinung. Bis 1942 war die Existenz dieser Verwaltung, die direkt dem Papst unterstellt war, kaum bekannt.<ref>Philipp Charwarth (2010): Kirchengeschichte. Ein Lesebuch, S. 772.</ref>

Am 27. Juni 1942 konstituierte Papst Pius XII. per Chirograph (Acta Apostolica Sedis n. 217, 1942) das Istituto per le Opere di Religione (IOR) mit eigenem Rechtsstatus, das damit die „Amministrazione per le Opere di Religione“ absorbierte.<ref name="Chirografo" />

Laut seinen Statuten ist der Zweck des Instituts, „für die Aufrechterhaltung und Administration von beweglichem und unbeweglichem Eigentum zu sorgen, welches dem IOR von physischen oder juristischen Personen übertragen oder anvertraut worden ist und das für religiöse oder wohltätige Werke bestimmt ist.“<ref name="Chirografo" />

Das IOR ist nicht Teil der Römischen Kurie und daher auch nicht Teil der zentralen Administrationsstruktur der römisch-katholischen Kirche.<ref>THE ROMAN CURIA, vatican.va</ref> Es ist zudem auch keine Zentralbank, die für die Geld- und Währungspolitik der Vatikanstadt zuständig wäre. Diese Funktion wird durch ein Abkommen zwischen der Europäischen Union und dem vatikanischen Stadtstaat reguliert.<ref>Monetary Agreement between the European Union and the Vatican City State (PDF; 38 kB), ec.europa.eu</ref> Die Implementierung und Überwachung dieses Abkommens sollte von der Autorità di Informazione Finanziaria (AIF, vatikanische Financial Intelligence Unit) durchgeführt werden, die mit päpstlichem Motu Proprio am 30. Dezember 2010 gegründet worden ist.<ref>STATUTO DELL’AUTORITÀ DI INFORMAZIONE FINANZIARIA (AIF), vatican.va</ref><ref>APOSTOLIC LETTER IN THE FORM OF A “MOTU PROPRIO” OF BENEDICT XVI FOR THE PREVENTION AND COUNTERING OF ILLEGAL ACTIVITIES IN THE AREA OF MONETARY AND FINANCIAL DEALINGS, vatican.va</ref> Zudem wurde die Rolle der vatikanischen Güterverwaltung APSA als Zentralbank erneut im Februar 2014 bestätigt: Papst Franziskus begründete per Motu Proprio das Wirtschaftssekretariat als neue zentrale Finanzaufsichtsbehörde des Vatikans.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Radio Vatikan: Papst Franziskus gründet Wirtschaftssekretariat für den Vatikan, 24. Februar 2014 (Memento vom 8. März 2014 im Internet Archive)</ref>

Die Erträge des IOR stehen dem Papst zur Verfügung. Das Institut erwirtschaftete im Jahr 2012 eine Summe von ca. 55 Millionen Euro.<ref>Tobias Bayer: Bilanz: Vatikanbank beschert dem Papst einen Geldsegen. In: welt.de. 1. Oktober 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Darüber hinaus vergibt das IOR keine Kredite aus seinen Einlagen und gibt keine Sicherheiten zum Wiederverkauf oder andere Finanzprodukte aus.<ref>Vatican bank launches website in effort to increase transparency. In: Catholic Herald, 1. August 2013.</ref>

Die Goldreserven des IOR, von Bernardino Nogara in den 1930er-Jahren aufgebaut, bestanden laut Angaben der Präfektur für die Ökonomischen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls im Januar 1992 aus 235.765 Feinunzen im damaligen Gegenwert von rund 83 Millionen US-Dollar. Ende 1992 waren es nur noch 139.302 Feinunzen und Ende 1993 hatte das IOR nur noch 47.772 Feinunzen Gold in seinen Büchern. 1994 bezifferte Kardinal Castillo Lara die Einlagen des IOR mit 7 Billionen Lire, was damals rund 4 Milliarden US-Dollar entsprach. Die Nettoeinnahmen betrugen laut Lara im gleichen Jahr rund 70 Milliarden Lire, also rund 40 Millionen US-Dollar. Nach Angaben des damaligen IOR-Präsidenten Angelo Caloia lag das Vermögen des IOR Ende November 1987 bei 7 Milliarden DM (umgerechnet ca. 3,5 Milliarden EUR), das vor allem in ausländischen Wertpapieren angelegt worden sei. Unter anderem nannte Caloia als wichtiges Vermögen des IOR Anteile an fünf Bankhäusern, ohne diese zu nennen.

Am 1. Oktober 2013 veröffentlichte das IOR erstmals in seiner Geschichte seine Jahresbilanz;<ref>Fabio Ghelli: Die Vatikanbank lüftet ihren Schleier. In: ZEIT online, 1. Oktober 2013.</ref> sie kann auf der (im Juli 2013 gestarteten) IOR-Website heruntergeladen werden. Besagte Jahresbilanz nennt eine Bilanzsumme von knapp 5 Milliarden Euro und ein Eigenkapital in Höhe von 769 Millionen Euro. Als Einlagen und zur Vermögensverwaltung sind dem IOR insgesamt 6,3 Milliarden Euro anvertraut worden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jahresbericht 2012 (Memento vom 8. Oktober 2013 im Internet Archive; PDF; 3,8 MB), ior.va, 1. Oktober 2013.</ref> Die F.A.Z bezeichnete die Veröffentlichung als „Revolution“.<ref>Tobias Piller: Die Vatikanbank veröffentlicht ihre erste Bilanz. In: FAZ.net. 1. Oktober 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref><ref>Paul Krainer: Vatikan: Geld und Geheimnis. In: diepresse.com, 30. Juli 2011, abgerufen am 31. Juli 2011.</ref>

Im Dezember 2014 machte der Vatikan Ermittlungen gegen Angelo Caloia wegen Veruntreuung von fast 60 Millionen Euro bekannt.<ref>Hans-Jürgen Schlamp: Skandal: Vatikanbank-Chef Angelo Caloia soll 60 Millionen veruntreut haben. In: Spiegel Online. 8. Dezember 2014, abgerufen am 22. November 2022.</ref><ref>Corriere della Sera 6. Dezember 2014: Ior, il Vaticano indaga su Caloia: peculato su operazioni immobiliari</ref> Im Januar 2021 verurteilte der Gerichtshof des Vatikanstaates (siehe Gerichtsorganisation (Vatikanstadt)) Caloia und seinen Anwalt wegen Geldwäsche und Unterschlagung von 59 Millionen Euro zu je 8 Jahren und 11 Monaten Haft. 38 Millionen Euro Vermögen der beiden, unter anderem in der Schweiz, wurden beschlagnahmt. Beide Verurteilte kündigten Berufung an. Ob die Verurteilten die Haft antreten müssen, ist auch aufgrund ihres Alters (Caloia 81, Anwalt Liuzzo 97 Jahre) unsicher.<ref>Jörg Seisselberg: Lange Haftstrafe für Ex-Vatikanbankchef. In: tagesschau.de. 21. Januar 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. Februar 2021; abgerufen am 22. November 2022.</ref>

Struktur des IOR

Vorlage:Hinweisbaustein Das IOR besteht laut seinen Statuten von 1990<ref>CHIROGRAFO DI GIOVANNI PAOLO II CON IL QUALE VIENE DATA NUOVA CONFIGURAZIONE ALL'«ISTITUTO PER LE OPERE DI RELIGIONE», vatican.va.</ref> aus einer fünfteiligen Struktur, welche die Aufsichtskommission der Kardinäle, einen Prälat, einen Aufsichtsrat, ein Direktorat, sowie einen Rechnungsprüferausschuss umfasst.

Aufsichtskommission der Kardinäle

Die vom Papst für einen Zeitraum von fünf Jahren ernannte Aufsichtskommission der Kardinäle (Commissione Cardinalizia di Vigilanza) besteht aus sechs Kardinälen. Sie ernennt den fünfköpfigen Aufsichtsrat und auf Empfehlung des Aufsichtsrats auch den Generaldirektor und den Vize-Generaldirektor. Sie ist zuständig für die Überprüfung größerer Geschäftsprozesse und Strategien, welche ihr vom Präsidenten des Aufsichtsrates präsentiert werden, und trifft sich mindestens dreimal pro Jahr.<ref>press.vatican.va, 28. April 2014: Comunicato della Commissione Cardinalizia di vigilanza dell’Istituto per le Opere di Religione (IOR)</ref> Im Januar 2014 berief Papst Franziskus vier neue Mitglieder in die damals noch fünfköpfige Aufsichtskommission der Kardinäle. Einzig Kardinal Jean-Louis Tauran gehörte auch schon dem vorherigen Kardinalskommission-Kollegium an.<ref>Vatikanbank: Papst beruft Schönborn in Aufsichtsorgan. In: religion.orf.at. 16. Januar 2014, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Im März 2014 wählten die Mitglieder den Kurienkardinal Santos Abril y Castelló zu ihrem Präsidenten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Radio Vatikan: Kardinalskommission für IOR wählt neuen Präsidenten, 4. März 2014 (Memento vom 15. April 2014 im Internet Archive)</ref> Im Januar 2015 wurde mittels eines Rescriptum ex audentia des Papstes die Anzahl der Mitglieder der Kommission auf sechs Kardinäle erhöht und der kroatische Kardinal Josip Bozanić als weiteres Mitglied nominiert.<ref name="ior:20150122">IOR: Rescriptum ex audientia Ss.mi on the modification to the IOR Statute, 22. Januar 2015 (Zugriff: 21. April 2015), PDF</ref> Durch Taurans Tod im Juli 2018 ging die Mitgliederzahl wieder auf fünf zurück. Am 10. Oktober 2020 hat Papst Franziskus die Kommission teilweise neu besetzt:<ref>Commissione Cardinalizia. Abgerufen am 29. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Prälat

Der Prälat wird von der Aufsichtskommission der Kardinäle unter Zustimmung des Papstes berufen. Er fungiert als Sekretär bei den Treffen der Kardinäle und nimmt an den Sitzungen des Aufsichtsrats teil, insofern stellt er ein Verbindungsglied zwischen den beiden Gremien dar. Im Juni 2014 ernannte Papst Franziskus Monsignor Ricca zum Prälaten. Dieser war bis dato unter anderem Verwaltungsdirektor des vatikanischen Gästehauses Santa Martha, in welchem auch Papst Franziskus wohnt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />kipa: Ricca wird neuer Prälat der Vatikanbank, 15. Mai 2013 (Memento vom 15. April 2014 im Internet Archive)</ref>

Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat<ref name="consiglio" /> kommt vier- bis sechsmal pro Jahr zusammen. Er legt die Strategie des IOR fest und stellt die operative Beaufsichtigung sicher. Das Mandat der aktuellen Mitglieder läuft 2015 aus. Präsident des Aufsichtsrats war von Februar 2013 bis Juli 2014 Ernst von Freyberg. Unter seiner Präsidentschaft wurde eine Transparenz- und Compliance-Offensive sowie eine „Null-Toleranz-Politik“ gegen Finanzkriminalität jedweder Art initiiert und implementiert.<ref>Neuer Präsident will Ruf der Vatikanbank verbessern. In: wiwo.de. 31. März 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref><ref>nck/dpa-afxp: Europarat lobt Fortschritte des Vatikans im Kampf gegen Geldwäsche. In: Spiegel Online. 12. Dezember 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Die vier weiteren Mitglieder waren bereits vor v.Freybergs Berufung Aufsichtsratsmitglieder.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ior.va: governance (Memento vom 3. August 2013 im Internet Archive)</ref> Am 9. Juli 2014 wurde Jean-Baptiste Douville de Franssu als neuer Präsident vorgestellt.<ref>handelsblatt.com, 9. Juli 2014: Franzose neuer Bankchef am Heiligen Stuhl</ref> Mauricio Larraín und Carlo Salvatori wurden im September 2014 als weitere Mitglieder des IOR-Aufsichtsrates ernannt.<ref>IOR Board of Superintendence complete</ref> Im Zuge des päpstlichen Rescriptum ex audentia im Januar 2015 wurde Alfred Xuereb als nicht-stimmberechtigter Sekretär berufen.<ref name="ior:20150122" />

  • François Pauly (Präsident)
  • Javier Marín Romano (Vize-Präsident)
  • Georg Freiherr von Boeselager
  • Bernard Brenninkmeijer
  • Sheila Marie L. Uriarte-Tan
  • Elizabeth McCaul

Generaldirektion

  • Gian Franco Mammì (Direktor)

Rechnungsprüferausschuss

Die drei Revisoren werden vom Aufsichtsrat für eine maximale Dauer von drei Jahren ernannt. Als Nachfolger von Massimo Spina wurde Mario M. Busso im Oktober 2014 zum Präsidenten des Rechnungsprüferausschusses ad interim nominiert.<ref name="ior:17102014">IOR: IOR Board of Superintendence appointed Mario M. Busso as President of the Board of Auditors ad interim, 17. Oktober 2014 (Zugriff: 21. April 2015)</ref>

  • Mario M. Busso (Präsident ad interim)<ref name="ior:17102014" />
  • Rodolfo Molinuevo Orue
  • Pierluigi Bernasconi

Päpstliche Kommission

Am 24. Juni 2013 berief Papst Franziskus zudem per Chirograph eine Päpstliche Kommission zur Berichterstattung über das IOR ein, die Vorschläge zur Beschaffenheit des IOR erarbeiten und dem Papst direkt berichten soll. Diese fünfköpfige Kommission besteht unter anderem aus der Harvard Jura-Professorin und ehemaligen US-Botschafterin Mary Ann Glendon.<ref>Chirograph von Papst Franziskus, Osservatore Romano online.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pope sets up Pontifical Commission to study IOR reform. (Memento vom 16. Oktober 2013 im Internet Archive) In: en.radiovaticana.va, 26. Juni 2013 (englisch).</ref> Ziel der sogenannten CRIOR Kommission (Pontificia Commissione Referente sullo IOR) sei eine „bessere Harmonisierung“ des IOR „mit dem universalen Auftrag des Apostolischen Stuhls“, so die Begründung im vatikanischen Dokument.<ref>domradio.de: Papst will Vatikanbank IOR reformieren, 26. Juni 2013</ref> Am 24. Mai 2014 wurde bekannt gegeben, dass die Arbeiten der Kommission beendet seien und diese nicht mehr für weitere Treffen zusammenkommen werde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />news.va, 24. Mai 2014: Conclusi lavori Commissioni referenti, il grazie del Papa (Memento des Vorlage:IconExternal vom 27. Mai 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.news.va</ref>

Kontroversen

Ende der 1970er-Jahre gab es einen Skandal um undurchsichtige Geschäfte, in die das IOR, die größte italienische Privatbank Banco Ambrosiano sowie die Mafia verwickelt waren.<ref>Fabrizio Rossi: Der Vatikan: Politik und Organisation, C.H. Beck, Kapitel 6: Das päpstliche Finanzwesen. 3. Aufl. 2006, ISBN 978-3-406-51483-8</ref> Das IOR war Hauptaktionär der Banco Ambrosiano, unterstand aber wegen des völkerrechtlichen Sonderstatus des Heiligen Stuhls selbst nicht der italienischen Bankenaufsicht. Dies nutzten der Mafia-Rechtsanwalt Michele Sindona und Ambrosiano-Generalmanager Roberto Calvi mit Unterstützung des damaligen IOR-Direktors Erzbischof Paul Casimir Marcinkus zur Unterschlagung und Geldwäsche von Mafia-Geldern und zu Transfers von Millionenbeträgen in die Schweiz und auf die Bahamas aus. Marcinkus war nicht nur Chef der Vatikanbank, sondern auch Hauptaktionär der Banco Ambrosiano.<ref name="ts2012">Mafia, Mord & Vatikan, Der Tagesspiegel vom 17. Juni 2012</ref> Roberto Calvi wurde am 18. Juni 1982 erhängt unter der Blackfriars Bridge in der City of London aufgefunden. Am Tag zuvor war seine Sekretärin und Vertraute Graziella Corrocher in Mailand aus einem Gebäude gestürzt. Der damalige IOR-Präsident Marcinkus konnte zeitweilig den Vatikan nicht verlassen, da in Italien ein Haftbefehl gegen ihn vorlag.<ref>Gott und Geld. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1987, S. 133–136 (online2. März 1987).</ref> Im Urteil zum Prozess um Calvis Ermordung bestätigte 2010 das Berufungsgericht in Rom, dass die Cosa Nostra über mehrere Jahre illegal erworbenes Kapital über IOR-Konten gewaschen hatte.

Es wird vermutet, dass über die Banco Ambrosiano eine geheime Finanzierung der Solidarność-Bewegung in Polen stattgefunden hat.<ref>Francesco Viviano: Dal Vaticano a Calvi ecco chi aiutò Solidarnosc. In: La Repubblica, 14. März 2009 (italienisch).</ref>

Der Zusammenbruch der Banco Ambrosiano und die Ermittlungen rund um diesen Bankrott sowie der Mord an Roberto Calvi und der Tod Johannes Pauls I. entwickelten sich zu einer wirklichen Bedrohung nicht nur für das IOR, sondern für die Reputation des Vatikans schlechthin. Diese Geschehnisse sowie der Tod Johannes Pauls I. werden unter anderem im Film Der Pate III (1990) aufgegriffen und filmisch interpretiert. Beweise für die darin behaupteten Verbindungen liegen jedoch nicht vor.

Bisher konnte sich der Kirchenstaat nicht dazu entschließen, jene Dokumente freizugeben, die zur Aufklärung dieses großen Finanzskandals seiner jüngeren Geschichte beitragen würden. Noch immer wartet die italienische Justiz auf die Aufklärung der Hintergründe der Affäre Calvi. Eine Anfrage an den Vatikan um Amtshilfe läuft nun schon seit 2010.<ref name="ts2012" />

Zur Sanierung des IOR, das im Zuge dieses Skandals am Rande des Ruins stand, ernannte der Vatikan 1982 ein vierköpfiges Beratergremium von Finanzfachleuten, darunter prominente Bankiers im Ruhestand wie den Schweizer Philippe de Weck und den ehemaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank Hermann Josef Abs. Nach Verhandlungen zwischen dem italienischen Staat und dem Heiligen Stuhl akzeptierte der Vatikan, rund 250 Millionen Dollar an die Konkursverwaltung der alten Banco Ambrosiano zu zahlen.<ref>Friedhelm Gröteke: Der Vatikan zahlt. In: zeit.de. 30. März 1984, abgerufen am 22. November 2022.</ref>

In den 1990er-Jahren war der Vatikan zudem in den Korruptionsskandal Enimont verwickelt, der im Zuge der Ermittlungen von Mani pulite in Italien aufgedeckt wurde.<ref>Jean François Tanda: Vatikan: Der heilige Investor. In: Handelszeitung, 11. Februar 2013.</ref>

2003 hinterließ Monsignore Renato Dardozzi sein in der Schweiz angelegtes Geheimarchiv aus fast 5000 Dokumenten des vatikanischen Staatssekretariats und Papieren der Vatikanbank dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi. Die Dokumente erhärteten den Verdacht der Geldwäsche im Dienste der Mafia, der Blockade von Korruptionsermittlungen, von Schmiergeldaffären und geheimen Nummernkonten, die angeblich etwa das Geld des siebenmaligen Ex-Ministerpräsidenten Giulio Andreotti von der ehemaligen katholischen Volkspartei Democrazia Cristiana enthielten. Nuzzi erregte mit der Veröffentlichung des darauf basierten Buches Vatikan AG – Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche über das Finanzgebaren der Vatikanbank in den Jahren 2009/2010 großes Aufsehen.<ref>Alan Posener: Mafiagelder in der Vatikanbank gewaschen. In: welt.de, 29. März 2013.</ref> Der damalige Präsident Angelo Caloia trat nach der Buchveröffentlichung nach zwanzig Jahren an der Spitze der Vatikanbank zurück.<ref>Gianluigi Nuzzi: Vatikan AG. Ecowin Verlag, 2010, ISBN 3-7110-5098-0, S. 78 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="faz">FAZ.NET mit Reuters/dapd/KNA: Chef der Vatikanbank im Visier der Ermittler. In: FAZ.net. 21. September 2010, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Die Financial Times hat diese weitreichende Entscheidung des Kirchenstaates auf die Enthüllungen des Buches Vatikan AG zurückgeführt.<ref>Guy Dinmore: Upheaval lifts Vatican bank’s veil of secrecy. In: Financial Times, 16. Oktober 2009 (englisch).</ref><ref>Friedrich Halfmann: Die schmutzigen Geschäfte der VATIKAN AG. Buchvorstellung. In: hpd.de, 13. Mai 2010.</ref>

Am 21. September 2010 beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei 23 Millionen Euro von einem Konto des Instituts und leitete gegen den damaligen Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi sowie den damaligen Generalsekretär des Instituts Paolo Cipriani Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche ein.<ref>Catrin Gesellensetter: Geldwäsche: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vatikanbank - FOCUS online. In: Focus Online. 15. November 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref><ref>Geldwäscherei bei der Vatikanbank? In: nzz.ch. 21. September 2010, abgerufen am 22. November 2022.</ref><ref name="faz" /> Tedeschi wies die Vorwürfe vehement zurück. Die Ermittlungen gegen ihn wurden 2012 eingestellt<ref>FAZ.NET mit Reuters, KNA: Vatikanbank spricht von gezieltem Angriff. In: FAZ.net. 22. September 2010, abgerufen am 22. November 2022.</ref><ref>Patricia Arnold: Diener des Papstes verhaftet. In: nzz.ch. 26. Mai 2012, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Im März 2014 wurde Gotti Tedeschi erneut von einem italienischen Gericht von jedweder Verantwortung entlastet – es werde keinen weiteren Prozess gegen ihn geben, so die römische Staatsanwaltschaft.<ref>DPA-AFXNews: Unternehmen: Ehemalige Vatikanbank-Manager sollen vor Gericht - FOCUS online. In: Focus Online. 28. März 2014, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Ein italienisches Gericht lehnte zunächst im Oktober 2010 die Forderung des IOR auf Freigabe der einen Monat zuvor beschlagnahmten 23 Millionen Euro ab.<ref>Guy Dinmore: Court rejects Vatican bid to unfreeze funds. In: ft.com, 20. Oktober 2010.</ref>

Situation 2012

Im Februar 2012 wurden im Rahmen der „Vatileaks“-Affäre Details über angebliche undurchsichtige Geschäfte des IOR öffentlich: So kam etwa ein Schreiben von Kardinal Attilio Nicora, Präsident der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde AIF, an die Medien, in dem er beklagte, dass auch die neuen Kontrollregeln nicht strikt genug seien. Der Brief war an den Bankchef und an das Staatssekretariat gerichtet, wurde aber zusammen mit weiteren Dokumenten der Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“ zugespielt.<ref>Hans-Jürgen Schlamp: „VatiLeaks“: Enthüllungen vom Heiligen Stuhl. In: spiegel.de, 17. Februar 2012.</ref><ref>„Vatileaks“ beunruhigt die Kirchenführung. In: derStandard.at, 19. Februar 2012.</ref><ref>Vatican paper brands leakers irresponsible "wolves"</ref>

Im Mai 2012 trat Tedeschi als IOR-Präsident zurück, nachdem der Aufsichtsrat des Instituts ihm einstimmig das Misstrauen ausgesprochen hatte. Laut vatikanischem Statement habe er „bestimmte Aufgaben von vordringlicher Wichtigkeit nicht ausgeführt“. Auch Spekulationen um Mobbing gegen Tedeschi standen im Raum.<ref>Chef der Vatikanbank entlassen. In: handelsblatt.com, 25. Mai 2012.</ref><ref>Stefan Troendle: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vatikanbank-Chef fällt in Ungnade und tritt ab. (Memento vom 26. Mai 2012 im Internet Archive) In: tagesschau.de, 25. Mai 2012.</ref><ref>Katharina Kort: Die Raben im Vatikan. In: handelsblatt.com, 4. Juni 2012.</ref> Daraufhin wurde bis zum 15. Februar 2013 Ronaldo Hermann Schmitz, pensioniertes Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, zum Interims-Präsidenten des IOR ernannt.

Im März 2012 wurde die Vatikanstadt vom Außenministerium der Vereinigten Staaten gemeinsam mit Irland, Polen und Ungarn in eine Liste von Ländern eingereiht, deren Finanzsysteme hinsichtlich ihrer potenziellen Anfälligkeit für Geldwäsche der mittleren Kategorie (concern) entsprechen.<ref>Philip Pullela: U.S. adds Vatican to money-laundering 'concern' list. Reuters, 8. März 2012, abgerufen am 13. März 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Situation 2013

Zwischen Januar und Mitte Februar 2013 war der Kredit- und EC-Kartenverkehr des Vatikans zeitweise eingestellt.<ref>Hans-Jürgen Schlamp: Finanzen des Vatikan: Intrigenstücke um Macht und Geld. In: Spiegel online, 7. Januar 2013.</ref> Die Banca d’Italia, Italiens Zentralbank und zugleich oberstes Organ der italienischen Bankenaufsicht, hatte der italienischen Tochter der Deutschen Bank untersagt, das Geld- und Kartengeschäft der Vatikanbank so wie bislang abzuwickeln, da es Banken der EU untersagt sei, in Nicht-EU-Ländern ohne adäquate Geldwäsche-Überwachungsbehörden tätig zu sein. Im Februar 2013 wurde seitens des Vatikans bekannt gegeben, dass der Kredit- und EC-Zahlungsverkehr wieder aufgenommen wurde und die Abwicklung dem Schweizer Geldinstitut Aduno SA übertragen worden sei.<ref>Vatican picks Swiss company for credit card payments. In: Global Post. 12. Februar 2013, abgerufen am 13. März 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Am 28. Juni 2013 wurden im Zuge von Ermittlungen der italienischen Justiz im Zusammenhang mit dem IOR drei Personen wegen Betrugs- und Korruptionsverdacht verhaftet.<ref>Hans-Jürgen Schlamp: Verhaftung von Vatikan-Priester: Die Skandal-Bank Gottes. In: Spiegel Online. 28. Juni 2013, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> Der dabei mit verhaftete Priester Monsignore Nunzio Scarano, früherer Rechnungsprüfer der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, soll bei den vorgeworfenen illegalen Geldtransaktionen über die Vatikanbank eine führende Rolle eingenommen haben.<ref>Tobias Bayer: Der Pakt des Nunzio Scarano mit dem Teufel. In: Die Welt. 28. Juni 2013, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> Nach dem darauffolgenden Rücktritt des Generaldirektors Paolo Cipriani und seines Stellvertreters Massimo Tulli am 1. Juli 2013 übernahm der damalige Aufsichtsratspräsident des IOR, Ernst von Freyberg, zudem interimistisch bis zur Berufung von Rolando Marranci im November auch das Amt des Generaldirektors.<ref>IOR-Generaldirektor Cipriani tritt zurück. In: Radio Vatikan, 1. Juli 2013, abgerufen am 1. Juli 2013.</ref><ref>Vatikanbank bekommt neuen Generaldirektor. In: Handelsblatt. 30. November 2013, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref>

Unter der Präsidentschaft Ernst von Freybergs etablierte das IOR eine sogenannte strikte „Null Toleranz“-Politik gegenüber jeglichen Formen von Finanzkriminalität.<ref>dpa: Ernst von Freyberg: Neuer Präsident will Ruf der Vatikanbank verbessern. In: handelsblatt.com. 31. Mai 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Seither wurden unter anderem die rund 19.000 Konten des IOR durch eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überprüft.<ref>Tobias Piller: Vatikanbank schließt fast 1000 Konten. In: FAZ.net. 6. Oktober 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref>

Anfang August 2013 stellte der Staatsanwalt des Vatikans wegen der Affäre im Fall Scarano zum ersten Mal in der Geschichte ein Rechtshilfeersuchen an die Republik Italien, um den Fall aufklären zu können. Zudem hatte der zuständige Vatikan-Staatsanwalt bereits zuvor die Konten Nunzio Scaranos einfrieren lassen.<ref>Vatikan bittet Italien um Justiz-Hilfe gegen Prälaten. In: de.radiovaticana.va. Radio Vatikan, 2. August 2013, abgerufen am 2. August 2013.</ref>

Situation 2014

Am 21. Januar 2014 wurde gegen den ehemaligen vatikanischen Rechnungsprüfer Nunzio Scarano ein neuer Haftbefehl wegen Geldwäsche erlassen.<ref>rls/Reuters/AP/dpa: Vatikanbank-Skandal: Geldwäsche-Ermittlungen gegen Nunzio Scarano. In: Spiegel Online. 21. Januar 2014, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Das IOR lieferte diesbezüglich umfangreiche Informationen an die italienischen Ermittlungsbehörden, wie der Pressesprecher des Vatikans, Federico Lombardi, bestätigte.<ref>Italian Police Arrest Vatican Cleric in New Money Laundering Probe. In: The Wall Street Journal. 21. Januar 2014, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> „Die neue Entwicklung des Falls Scarano sei auch das Ergebnis der Zusammenarbeit des Vatikans mit den italienischen Behörden“, wurde Lombardi des Weiteren von der Nachrichtenagentur dpa zitiert.<ref>Geldwäsche-Vorwürfe gegen Nunzio Scarano. In: Mittelbayerische Zeitung. 21. Januar 2014, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> Auch die zuständige und ermittelnde Staatsanwaltschaft in Salerno hatte sich bei Bekanntwerden der neuen Vorwürfe positiv über die behördliche Zusammenarbeit mit dem Vatikan im Fall Scarano geäußert.<ref>vaticanhistory.de: Vatikanbank will Kampf gegen Geldwäsche verstärken, 22. Januar 2014</ref> Entgegen einigen Medienberichten<ref>Italienische Justiz will Vatikanbank durchsuchen In: kath.net, 21. Januar 2014.</ref> gab es keine Durchsuchungen der italienischen Finanzpolizei im IOR.

Am 19. Mai 2014 berichtete die Vatikanische Finanzinformationsbehörde (AIF), dass gegen den früheren Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone wegen Veruntreuung von 15 Millionen Euro ermittelt werde.<ref>Hat Benedikts Vize 15 Mio. Euro verschoben?, Bild.de vom 19. Mai 2014</ref> Laut vatikanischen Quellen soll beim IOR „im Dezember 2012 mit Wandelschuldverschreibungen getrickst“ worden sein: demnach hatte das IOR für 15 Millionen Euro Wandelanleihen eines Unternehmens erworben – also verzinsliche Wertpapiere, die nach einem vereinbarten Zeitraum in Aktien umgewandelt werden können. Laut „Bild“ sollen diese jedoch inzwischen weitgehend wertlos geworden sein. Die 15 Millionen Euro tauchten daher als „Abschreibung“ in der IOR-Bilanz für 2013 auf. Der Empfänger des Geldes war die TV-Produktionsgesellschaft „Lux Vide“; dessen Gründer Ettore ist Mitglied des Ordens Opus Dei und eng befreundet mit Bertone. Der Deal kam gegen Widerstand aus dem IOR auf Druck von Bertone zustande, berichtete der AIF-Chefermittler René Brülhart. Tarcisio Bertone hat darüber hinaus weitere tiefe Finanzlöcher hinterlassen. Eines davon bedroht die wirtschaftliche Struktur jener Ordensgemeinschaft, der Bertone angehört: der Salesianer Don Boscos – Güter im Wert von 130 Millionen Euro sind gepfändet, darunter auch die Ordenszentrale in Rom.<ref>Pasul Kreiner: Missstände im Vatikan: Kardinal Bertone verursacht Finanz-Desaster in Millionen-Höhe. In: tagesspiegel.de. 27. Mai 2014, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Weiter berichtete die „Bild“-Zeitung, der katholischen Kirche sei ein zweistelliger Millionenbetrag verloren gegangen, weil vatikanische Immobilien weit unter Marktwert verkauft worden seien; dieser Schaden wird demnach auf 20 Millionen Euro beziffert. Insgesamt erhöhten sich die Verdachtsfälle für Geldwäsche von sechs Fällen im Jahr 2012 auf 202 Fälle im Jahr 2013. Fünf Fälle leitete Brülhart an die Vatikanische Anklagebehörde weiter.

Ernst von Freyberg trat am 9. Juli 2014 nach ca. eineinhalb Dienstjahren von seinem Posten als Aufsichtsratspräsident des IOR zurück.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vatikanbank bestätigt Rücktritt ihres Präsidenten von Freyberg (Memento vom 4. September 2014 im Internet Archive); zeit.de; 8. Juli 2014</ref> Sein Nachfolger wurde der französische Geschäftsmann Jean-Baptiste Douville de Franssu.<ref>Nikos Tzermias: Vatikan reformiert Banken. In: nzz.ch. 9. Juli 2014, abgerufen am 22. November 2022.</ref>

Situation 2021

Angelo Caloia, von 1989 bis 2009 Präsident des IOR, wurde 2021 wegen Geldwäsche und Unterschlagung zu mehr als acht Jahren Haft verurteilt.<ref>Ferdinand Hammer: Crash-Panik? Papst holt Vermögen in die Vatikanbank zurück – Das ist der Grund! In: Wallstreet Online. Smartbroker Holding AG, 14. September 2022, abgerufen am 2. Mai 2025.</ref><ref>Hans-Jürgen Schlamp: Skandal: Vatikanbank-Chef Angelo Caloia soll 60 Millionen veruntreut haben. In: Spiegel Online. 8. Dezember 2014, abgerufen am 27. Januar 2024.</ref>

Reformprozess

Institutionelle Meilensteine

1990 erfolgte eine Umstrukturierung des IOR durch Johannes Paul II. Nach Art. 4 des Statuts verfügt das IOR seitdem über folgende Organe: Eine Aufsichtskommission von fünf Kardinälen, den Prälat, den Aufsichtsrat, die Direktion und die Revisoren.<ref name="Chirografo" /> Zudem ordnete Papst Franziskus am 24. Juni 2013 die Bildung einer fünfköpfigen Päpstlichen Kommission (CRIOR) an, welche ihm über die internen Abläufe des IOR berichten und Vorschläge zur künftigen Gestaltung erarbeiten sollte<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Radio Vatikan: Papst ruft Gremium zur Untersuchung des IOR ins Leben, 26. Juni 2013 (Memento vom 7. August 2013 im Internet Archive)</ref> (siehe auch den Abschnitt Struktur des IOR).

Papst Franziskus nahm am 7. April 2014 den Vorschlag zur künftigen Ausgestaltung des IOR als weiterhin spezialisierter Anbieter von Finanzdienstleistungen für die weltweite Kirche an.<ref>ZDF Vatikan-Blog: Vatikanbank IOR und Kollegialität, 9. April 2014</ref> Dieser war dem Papst zuvor auf Grundlage von Empfehlungen des CRIOR, des Aufsichtsrats und der Direktion des IOR sowie einer weiteren Päpstlichen Kommission (COSEA) unterbreitet worden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Radio Vatikan: Entscheidung zum IOR: Das Institut bleibt, 7. April 2014 (Memento vom 15. April 2014 im Internet Archive)</ref>

Reformschritte 2010/2011

Am 1. Januar 2010 trat das Währungsabkommen zwischen dem Vatikan und der Europäischen Union in Kraft, welches die Währungsvereinbarung zwischen dem Vatikan und dem italienischen Staat aus dem Jahr 2000 ergänzt. Darin verpflichtet sich der Vatikan, die EU-Gesetze gegen Geldwäsche und Geldfälschungen zu übernehmen.<ref>Die krummen Geschäfte des Vatikans. In: Berliner Morgenpost, 15. Dezember 2009.</ref>

Im Dezember 2010 erließ Benedikt XVI. zudem ein sogenanntes Motu proprio, mit welchem die entsprechende Aufsichtsbehörde zur Bekämpfung von illegalen Aktivitäten auf dem Feld des Finanz- und Währungswesens eingeführt wurde, die vatikanische Finanzinformationsbehörde Autorità di Informazione Finanziaria (AIF).<ref>cte/dpa: Finanzaufsicht im Vatikan: Papst sagt Geldwäsche den Kampf an. In: Spiegel Online. 29. Dezember 2010, abgerufen am 22. November 2022.</ref><ref>Eduard Steiner: Der Agent, vor dem die Vatikanbank zittert. In: Die Welt. 16. Juni 2013, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> Seit Anfang April 2011 kann im Vatikanstaat Geldwäsche mit Haftstrafen bis zu zwölf Jahren, Terrorfinanzierung mit bis zu 15 Jahren bestraft werden.<ref>Freigabe von Millionen: Richter belohnen Vatikan für Geldwäsche-Kampf. In: Spiegel Online. 1. Juni 2011, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> Im Juni 2011 wurde aufgrund dieser neu geschaffenen Kontrollbehörde die im Dezember 2010 blockierte Summe von 23 Millionen Euro wieder freigegeben, welche über ein Konto des IOR zur Überweisung beim italienischen Geldinstitut Credito Artigiano vorgesehen war.<ref>IOR bekommt konfiszierte Millionen zurück. In: Der Standard. 1. Juni 2011, abgerufen am 3. Juni 2011.</ref>

Reformschritte 2012

Im Juli 2012 veröffentlichte Moneyval, der Expertenausschuss des Europarats zur Bewertung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche, die Ergebnisse seiner Überprüfung des Vatikanstaats, die auf vatikanische Anfrage hin durchgeführt worden war.<ref>Schatten über Vatikanbank wird größer. In: ORF.at, 19. März 2012, abgerufen am 15. Juni 2022.</ref><ref>US list Vatican as money laundering risk. In: telegraph.co.uk, 8. März 2012 (englisch).</ref> In neun von 16 Kernpunkten erfüllte der Stadtstaat internationale Anforderungen. Es wurden weitere Reformschritte gefordert.<ref>Kerstin Kohlenberg, Arne Storn: Mit Bitte um Prüfung. In: Zeit online. 5. Juli 2012, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vatikan besteht Moneyval-Prüfung. (Memento vom 11. November 2013 im Internet Archive) In: Radio Vatikan, 18. Juli 2012.</ref><ref>Schlechte Noten für Vatikanbank. In: Süddeutsche Zeitung. 18. Juli 2012, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> Ziel des Vatikans ist die Aufnahme in die sogenannte „Weiße Liste“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), in welcher Länder aufgenommen sind, die internationale Standards zur Bekämpfung von Steuerstraftaten und Geldwäsche erfüllen.<ref>verschärft Kampf gegen Geldwäsche – Erster Jahresbericht. In: Focus. 22. Mai 2013, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref>

Im November 2012 wurde der Schweizer Anti-Geldwäschespezialist René Brülhart zum Direktor der AIF ernannt.<ref>Vatikan ernennt Schweizer zum Direktor der Finanzaufsicht. In: nzz.ch. 7. November 2012, abgerufen am 22. November 2022.</ref> Brülhart war früher u. a. für die Financial Intelligence Unity (FIU) in Liechtenstein tätig<ref>Dirk Banse, Sebastian Jost: Wem gehört das Geld der Diktatoren? In: Die Welt. 27. März 2011, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> und außerdem Vize-Vorsitzender der Egmont Group,<ref>Der Milliarden-Jäger. In: Focus. 24. Oktober 2011, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref> einem globalen Netzwerk nationaler Zentralstellen für Verdachtsfälle von Korruption, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Er löste damit Kardinal Attilio Nicora ab, welcher am 19. Januar 2011 zum AIF-Präsidenten ernannt worden war.<ref>Kardinal Nicora wird Chef der Finanzaufsichtsbehörde. In: kipa-apic.ch, 19. Januar 2011.</ref>

Reformschritte 2013

Am 15. Februar 2013 wurde Ernst von Freyberg zum Präsidenten des Aufsichtsrates und damit zum neuen Chef des Instituts ernannt.<ref>Ernst von Freyberg wird Chef der IOR. In: Radio Vatikan, 15. Februar 2013.</ref> Die Leitlinien seiner Tätigkeit sind durch den umfassenden Reformprozess des IOR definiert, welcher seit Beginn seiner Präsidentschaft vorangetrieben wird. „Er holte das Beratungsunternehmen Promontory an Bord, das die Konten durchleuchtet. Dubiose Kunden wurden vor die Tür gesetzt. Nach außen übte sich die Bank in Transparenz. Sie hat nun eine Internetseite und veröffentlichte ihren ersten Geschäftsbericht“, zog die Welt am Sonntag nach dem ersten Jahr seiner Präsidentschaft eine Zwischenbilanz.<ref>Ernst von Freyberg hat den „Höllenjob“ des Vatikans. In: Welt am Sonntag. 14. April 2014, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref>

Im Mai 2013 wurde laut Medienberichten das international tätige Wirtschaftsprüfungsunternehmen Promontory Financial Group beauftragt, eine umfassende Untersuchung aller Institutsaktivitäten durchzuführen. Darunter falle unter anderem die Überprüfung aller rund 19.000 Kundenkonten.<ref>Tobias Bayer: Top-Manager stürzen über Geldwäsche-Skandal. In: Die Welt. 2. Juli 2013, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref><ref>Zeitung: Vatikan-Bank IOR kündigt 1.300 Konten. In: religion.orf.at. 10. Oktober 2013, abgerufen am 22. November 2022.</ref>

Im Juni 2013 wurden Mary Ann Glendon, die drei Prälaten Raffaele Farina, Jean-Louis Tauran, Juan Ignacio Arrieta Ochoa de Chinchetru sowie der stellvertretende vatikanische Innenminister Peter Bryan Wells von Papst Franziskus in die Päpstliche Kommission zur Eruierung von grundlegenden IOR-Reformen, die sogenannte CRIOR-Kommission („Pontificia Commissione Referente sullo IOR“) berufen.<ref>Papst ruft Gremium zur Untersuchung des IOR ins Leben. In: Radio Vatikan, 26. Juni 2013.</ref>

Am 1. Oktober 2013 veröffentlichte die Vatikanbank erstmals ihre Bilanz und ihren Geschäftsbericht 2012 auf ihrer im Juli 2013 gelaunchten Website.<ref>Die Vatikanbank vervierfacht ihren Gewinn. In: Die Welt. 30. September 2013, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref><ref name="bilanz" /><ref>Vatikanbank veröffentlicht erstmals Bilanz. In: NZZ. 1. Oktober 2013, abgerufen am 6. Mai 2014.</ref>

Ebenfalls im Oktober 2013 wurden laut Zeitungsberichten rund 1300 Konteninhaber aufgefordert, ihre Bankverbindung beim IOR zu kündigen, da sie nicht zum satzungsgemäßen Kundenkreis des IOR gehören. Die Kündigungen waren Resultat des externen Screenings durch die Wirtschaftsprüfer von Promontory.<ref>Fidelius Schmid: Mutmaßliche Schwarzgeld-Millionen: Prüfer finden tausend illegitime Konten bei Vatikanbank. In: spiegel.de, 6. Oktober 2013.</ref> Bis Ende 2013 wurden ca. 10.000 der insgesamt rund 18.000 Konten des IOR diesem Experten-Screening unterzogen, wie der damalige Präsident Ernst von Freyberg in einem Interview angab.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Radio Vatikan: Vatikanbank will Kampf gegen Geldwäsche verstärken, 22. Januar 2014 (Memento vom 26. Januar 2014 im Internet Archive)</ref>

Am 12. Dezember 2013 legte Moneyval, das Expertenkomitee des Europarats für die Bekämpfung von Geldwäsche, einen zweiten Bericht vor. Darin wurden dem Vatikan wichtige Fortschritte in Bezug auf mehr Transparenz seiner Finanzgeschäfte und seine Maßnahmen gegen Geldwäsche attestiert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ior.va: Council of Europe issues report assessing progress by the Holy See on measures to combat money launderin, 12. Dezember 2013 (Memento vom 15. April 2014 im Internet Archive)</ref> Gleichzeitig wurde empfohlen, dass das vatikanische Kontrollgremium AIF noch enger mit dem IOR zusammenarbeitet, etwa das Konten-Screening betreffend. AIF-Chef René Brülhart bekräftigte dieses Ziel in einem Interview: „Als nächstes werden in erster Linie sogenannte Vor-Ort-Kontrollen durchgeführt werden, die sind momentan in Planung. Das dürfte in Kürze über die Bühne gehen. Ein Hauptpunkt dabei wird sein, dass wir insbesondere den Aufarbeitungsprozess innerhalb des IOR unter die Lupe nehmen werden, dass wir dort also verifizieren, wie das abgelaufen ist. Dieser Prozess findet unter unserer Aufsicht statt; nichtsdestotrotz wird es wichtig sein, dass wir dort in eine entsprechende Verifizierung hineingehen.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Vatikan und das Geld: Fortschritte bei der Transparenz, 12. Dezember 2013 (Memento vom 15. April 2014 im Internet Archive)</ref>

Reformschritte 2014

Am 22. Januar 2014 veröffentlichte das IOR eine Mitteilung zum Fortschritt des Compliance- und Transparenzprogramms.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ior.va: The IOR reports on the progress of the compliance and transparency program, 22. Januar 2014 (Memento vom 15. April 2014 im Internet Archive)</ref> „Wir haben hart daran gearbeitet, Compliance, Transparenz sowie die internen Prozesse zu verbessern. Es liegt noch eine Menge an Implementierungsarbeit vor uns, aber wir sind zweifellos auf dem richtigen Weg und haben bedeutende Fortschritte erzielt“, kommentierte der damalige IOR-Präsident Ernst von Freyberg die Bemühungen des Instituts, ein best practice compliance risk management einzuführen und den Standards der vatikanischen Anti-Geldwäsche-Gesetzgebung zu entsprechen. Konkret seien diesbezüglich die Anti-Geldwäsche-Prozesse überarbeitet und Mitarbeiter geschult worden. Zudem sei auf Basis der vatikanischen Gesetze die Zusammenarbeit mit der zuständigen Kontrollbehörde des Vatikans, der AIF, sehr stark professionalisiert worden.<ref>Radio Vatikan: Vatikanbank will Kampf gegen Geldwäsche verstärken, 22. Januar 2014</ref>

Am 7. April 2014 gab der Vatikan bekannt, dass die Mission und Aufgabe des IOR entsprechend dem Vorschlag des Managements und der beiden Päpstlichen Kommissionen CRIOR und COSEA weitergeführt werden wird. Papst Franziskus beschied somit positiv über eine künftige Ausgestaltung des IOR, welche die „Wichtigkeit des Auftrags des IOR für das Wohl der Kirche nochmals bestätigt“. Das Institut werde seine Arbeit „mit Umsicht fortsetzen und der katholischen Kirche weltweit spezialisierte Finanzdienstleistungen anbieten“, teilte der Vatikan in seiner Pressemitteilung mit.<ref>Entscheidung zum IOR: Das Institut bleibt</ref> Zudem wurde in dem vatikanischen Statement betont, dass der unter Ernst von Freyberg eingeschlagene Weg der Transparenz und Compliance auch künftig von zentraler Bedeutung sein werde und die Anstrengungen des IOR zur Anpassung an internationale Transparenzstandards entsprechend fortgesetzt würden.<ref>Sala Stampa del Vaticano: Communique: Holy Father approves recommendations on the future of the Ior, 7. April 2014</ref>

Am 19. Mai 2014 veröffentlichte die Finanzaufsichtsbehörde des Vatikans (AIF) ihren Jahresbericht 2013. Die Zahl der gemeldeten Transaktions-Verdachtsfälle war stark angestiegen von sechs im Jahr 2012 auf 202 im Jahr 2013. Dies stehe in Verbindung mit den neuen effizienteren Kontroll- und Transparenzmechanismen, so AIF-Direktor René Brülhart. Fünf dieser Fälle wurden an den vatikanischen Staatsanwalt zur Prüfung juristischer Schritte weitergeleitet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Radio Vatikan, 19. Mai 2014: Vatikan-Finanz-Aufsichtsbehörde legt Jahresbericht vor (Memento vom 19. Juni 2013 im Internet Archive)</ref> Auch die Überprüfung des IOR wurde in dem Jahresbericht thematisiert. Laut Mitteilung des Vatikans seien 2013 am Institut „wesentliche Fortschritte“ erzielt worden.<ref>press.vatican.va, 19. Mai 2014: Briefing per la presentazione del Rapporto Annuale dell’Autorità di Informazione Finanziaria (AIF), Anno II, 2013</ref>

Medienberichten zufolge wurde das Screening der bestehenden 18.900 IOR-Konten durch Wirtschaftsprüfer des US-Unternehmens Promontory im Mai 2014 erfolgreich abgeschlossen. Die Nachrichtenagentur APA sprach von einem „ersten Etappensieg“ in der Transparenzinitiative des IOR.<ref>religion.orf.at, 21. Mai 2014: Erste Untersuchungen in Vatikanbank abgeschlossen</ref>

Reformschritte 2018

Nach Angabe des Kurienbischofs Juan Ignacio Arrieta Ochoa de Chinchetru ist die Finanz- und Organisationsreform der Vatikanbank fast abgeschlossen. Die Bank erfülle nunmehr „vollumfänglich“ die einschlägigen europäischen Normen, „was etwa die Kontrolle und Nachverfolgung von Geldflüssen angeht“.<ref>Mario Galgano: „Vatikan: Bischof sieht Reform bei Vatikanbank fast abgeschlossen“, Avvenire vom 28. Juli 2018, Website Vatican News vom 28. Juli 2018</ref>

Reformschritte 2019 (Neues Statut des IOR)

Papst Franziskus hat am 10. August 2019 das Statut des IOR aus dem Jahr 1990 geändert<ref>Chirografo del Santo Padre Francesco per il nuovo Statuto dell’Istituto per le Opere di Religione. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 10. August 2019, abgerufen am 11. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und vollständig neu gefasst.<ref name="Statut 2019">Statuto dell’Istituto per le Opere di Religion. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 10. August 2019, abgerufen am 11. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Zielsetzung des Instituts bleibt unverändert: „Schutz und Verwaltung der Güter, die dem Institut von physischen oder juridischen Personen anvertraut werden und die für Werke der Religion und der Nächstenliebe bestimmt sind.“ Die Struktur der Bank wird nach der Änderung folgende Elemente enthalten<ref name="RV">Stefan von Kempis: Finanzreform: Papst ändert das Statut der Vatikanbank. Vatican News, 10. August 2019, abgerufen am 11. August 2019.</ref>:

  • Die Kardinalskommission wird aus fünf Kardinälen bestehen mit einer Amtszeit von fünf Jahren und einer möglichen Verlängerung um fünf Jahre.
  • Aufsichtsrat, bestehend aus sieben Mitgliedern mit einer Amtszeit von fünf Jahren und einer möglichen Verlängerung um fünf Jahre.
  • Verantwortlicher Prälat mit einer Amtszeit von fünf Jahren und einer möglichen Verlängerung um fünf Jahre. Hauptaufgabe wird die Überwachung des IOR in Hinblick auf „die ethische Dimension“ sein.
  • Direktion mit einer Altersbegrenzung von 70 Lebensjahren.

Die Direktion der Bank ist verpflichtet, monatlich dem Aufsichtsrat und dem leitenden Prälaten einen umfassenden wirtschaftlichen Bericht vorzulegen.<ref name="RV" />

Neu wird die Rolle einer „auswärtigen Revision“ eingeführt, die von einer Person oder einem Unternehmen ausgefüllt werden kann und weitgehende Kontroll- und Auskunftsrechte erhalten wird; Hauptzweck ist ein Controlling der IOR-Bilanzen gemäß internationalen Standards. Die interne Revision wird aufgelöst. Das Vorschlagsrecht liegt auf Seite des Aufsichtsrates; die Trennung erfolgt durch die Kardinalskommission des IOR.<ref name="RV" />

Neu wird ebenfalls sein, dass Mitarbeiter des IOR keine Nebentätigkeiten mehr ausüben dürfen.<ref name="RV" />

Literatur

  • Conferenza Episcopale Italiana: Dalla parola alle opere. 15 anni di testimonianze del Vangelo della carità nel Terzo Mondo. on-line: [1].
  • Umberto Folena: La vera questua. Analisi critica di un'inchiesta giornalistica. Avvenire Nuova Editoriale Italiana, Milano, 2008, ISBN 9771120602306.
  • Giancarlo Galli: Finanza bianca. La Chiesa, i soldi, il potere. Mondadori, 2004, ISBN 88-04-51262-8.
  • Jonathan Levy: The Vatican Bank. Chapter in: Everything You Know is Wrong, Disinformation Press, 2002, ISBN 1-56731-701-4.
  • Larry Gurwin: The Calvi Affair: Death of a Banker. Pan Books, London, 1984, ISBN 0-330-28540-8.
  • Heribert Blondiau, Udo Gümpel: Der Vatikan heiligt die Mittel. Mord am Bankier Gottes. Patmos, Düsseldorf, 1999, ISBN 3-491-72417-1.
  • Friederike Hausmann: Kleine Geschichte Italiens von 1943 bis heute. Berlin, 1997, S. 118–123.
  • Nino Lo Bello: Vatikan im Zwielicht. Die unheiligen Geschäfte des Kirchenstaates. Heyne, München 1992, ISBN 3-453-03745-6.
  • John F. Pollard: Money and the Rise of the Modern Papacy: Financing the Vatican, 1850–1950. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0-521-81204-6.
  • Charles Raw: The Moneychangers: How the Vatican Bank Enabled Roberto Calvi to Steal 250 Million Dollars for the Heads of the P2 Masonic Lodge. Harvill Press, 1999, ISBN 0-00-217338-7.
  • Nick Tosches: Geschäfte mit dem Vatikan. Die Affäre Sindona. Droemer Knaur, München, 1987, ISBN 3-426-03970-2.
  • David A. Yallop: Im Namen Gottes? Der mysteriöse Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I. (Taschenbuch), Rowohlt Tb.; Auflage: Vollst. überarb. Neu-Aufl. (September 2001), Sprache: Deutsch, Englisch; ISBN 3-499-61175-9.
  • Gianluigi Nuzzi: Vatikan AG. Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche. Ecowin Verlag GmbH, März 2010, ISBN 3-902404-89-2
  • Eberhard Abelein: Geschäfte im Namen des Vaters. Die Zeit, 2001.
  • Jodok Troy: Die Soft Power des Heiligen Stuhls. Unsichtbare Legionen zwischen internationaler Gesellschaft und Weltgesellschaft. In: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik 3.4:489–511. doi:10.1007/s12399-010-0151-x
  • Fidelius Schmid: Gottes schwarze Kasse. Der Papst und die zwielichtigen Geschäfte der Vatikanbank. Eichborn-Verlag, 1. Aufl. Oktober 2013, ISBN 978-3-8479-0541-7.

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="bilanz"> Fabio Ghelli: Die Vatikanbank lüftet ihren Schleier. In: Zeit Online. 1. Oktober 2013, abgerufen am 6. Mai 2014. </ref> </references>

Koordinaten: 41° 54′ 13,8″ N, 12° 27′ 24,5″ O

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