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Institut für Angewandte Trainingswissenschaft

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Das 1992 gegründete Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) ist das zentrale trainingswissenschaftliche Forschungsinstitut des deutschen olympischen und paralympischen Spitzen- und Nachwuchsleistungssports mit Sitz in Leipzig. Rund 140 Sportwissenschaftler, Mediziner, Biomechaniker und Informatiker betreuen dort etwa 2.200 Athleten aus 25 Sportarten (Stand April 2025) und unterstützen Trainer und Sportler auf dem Weg an die Weltspitze mit einem ganzheitlichen Ansatz von Forschung, Entwicklung, wissenschaftlichen Unterstützungs- und Beratungsleistungen sowie Wissenstransfer.<ref name="Spiegel100">Ein Millimeter, der entscheidet. In: Der Spiegel. Nr. 32, 3. August 2024, ISSN 0038-7452, S. 100.</ref>

Rechtlich wird das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft gemeinsam mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin durch den gemeinsamen Trägerverein IAT/FES des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) vertreten. Fördermittelgeber sind das Bundeskanzleramt (seit Mai 2025 unter der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt) sowie für den IAT-Fachbereich Nachwuchsleistungssport die Sportministerkonferenz (SMK).

Dem Trägerverein gehören 29 Spitzensportverbände, acht Landessportbünde, die Trainerakademie Köln sowie der DOSB an. Das IAT arbeitet darüber hinaus mit den Olympiastützpunkten, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft und verschiedenen universitären sportwissenschaftlichen Einrichtungen zusammen. Das IAT ist das einzige zentrale Forschungsinstitut des deutschen Spitzen- und Nachwuchsleistungssports.<ref name=":0" />

Aufgaben und Organisation

Aufgabe ist die begleitende Trainings- und Wettkampfforschung im deutschen Leistungssport mit dem Ziel, die jeweiligen Leistungspotenziale deutscher Spitzensportler zu erkennen und auszuschöpfen. Dietrich Martin und Jürgen Krug beschrieben den Hauptwirkungsbereich des IAT in einem im Frühjahr 1992 in der Zeitschrift Leistungssport veröffentlichten Artikel „in der Verbindung von trainingswissenschaftlichen Erkenntnissen und optimaler Umsetzung vorhandener Erkenntnisse in der Trainingspraxis“.<ref>Dietrich Martin, Jürgen Krug: Das "Institut für Angewandte Trainingswissenschaft". In: Leistungssport, 22(1992)3. 1992, abgerufen am 9. Februar 2019.</ref> Es sei „die praktische Verwertbarkeit wissenschaftlicher Forschungsergebnisse“, die die Arbeit des IAT bestimme und seine Philosophie ausmache, äußerte der damalige Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Instituts.<ref name=":2">Festschrift 10 Jahre IAT (pdf) — Institut für Angewandte Trainingswissenschaft. Abgerufen am 9. Februar 2019.</ref>

Mit Stand 2026 betreute das Institut 2.200 deutsche Spitzensportler und aus 17 Sommer- und acht Wintersportarten. Basis der Zusammenarbeit sind längerfristige Kooperationsvereinbarungen mit den jeweiligen Spitzenverbänden. Das IAT gibt Trainingsempfehlungen, führt regelmäßig Leistungsdiagnostiken durch, erstellt Wettkampfanalysen sowie sportmedizinische Gesundheits- und Therapieempfehlungen. Darüber hinaus entwickelt das Institut Mess- und Informationssysteme und sorgt für deren praktische Anwendung. Das IAT-Team besteht aus Trainingswissenschaftlern, Sportmedizinern, Ingenieuren, Informations- und Kommunikationswissenschaftlern, Sozialwissenschaftlern und Informatikern.<ref>Unsere Ressourcen — Institut für Angewandte Trainingswissenschaft. Abgerufen am 27. April 2026.</ref>

Das Institut pflegt verschiedene Datenbanken (u. a. SPONET mit dem individualisierten Fachinformationsservice SPRINT, LIDA) und veröffentlicht die Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft u. a. mit Olympiaanalysen, die in einem Volltextarchiv auf der Homepage des IAT angeboten wird.<ref>IAT: Fachbereich. Abgerufen am 27. April 2026.</ref>

Das Institut umfasst folgende Fachbereiche:<ref>Organisationsstruktur des IAT — Institut für Angewandte Trainingswissenschaft. Abgerufen am 27. April 2026.</ref>

  • die drei trainingswissenschaftlichen Bereiche für
    • Ausdauer (Kanu, Para Kanu, Lauf/Gehen, Radsport, Schwimmen, Para Schwimmen, Triathlon, Biathlon, Para Biathlon, Eisschnelllauf, Skilanglauf, Sport- und Bogenschießen)
    • Kraft-Technik (Leichtathletik – Wurf/Stoß, Para Leichtathletik Wurf/Stoß, Skeleton, Skispringen/Nordische Kombination) und
    • Technik-Taktik (Handball, Skateboarding, Judo, Ringen, Turnen, Wasserspringen, Eiskunstlauf, Snowboard, Tischtennis)
  • sowie:
    • Nachwuchsleistungssport (Karriereverläufe, individuelle Entwicklungsdokumentation, langfristiger Leistungsaufbau, Talentidentifikation und -entwicklung, Rahmentrainingskonzeptionen, Fördersysteme)
  • außerdem die Querschnittsfachbereiche:
    • Sportmedizin (Sportmedizinische Ambulanz, Klinisch-Chemisches Labor, Anthropometrie, Sportkardiologie, Sportorthopädie, Funktionsdiagnostik)
    • Biomechanik/Sporttechnologie (Informations- u. Kommunikationstechnologien, Biomechanik, Messplatzentwicklung)
    • Sportinformatik (Informations- u. Kommunikationstechnologieng)
    • Strategie/Wissensmanagement (Trainingswissenschaftliche Fachinformation, Literaturdatenbanken, Länderanalysen, Wissenschaftliche Bibliothek)

Geschichte

Das IAT ging aus dem Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) der DDR hervor. Im Art. 39 des Einigungsvertrages wurde festgelegt, dass der Spitzensport und seine Entwicklung auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, soweit er erhaltenswert sei, weiter gefördert werden solle.<ref>Geschichte im Überblick — Institut für Angewandte Trainingswissenschaft. Abgerufen am 9. Februar 2019.</ref> Hierzu zählte auch das FKS, das in angemessener Form im vereinten Deutschland fortgeführt werden sollte. Das Bundesinnenministerium beauftragte im September 1990 das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) mit der Ausarbeitung eines Strukturpapieres für das geplante IAT, nachdem sich das BISp zuvor gegen eine Erhaltung des FKS ausgesprochen hatte. Mehrere Mitglieder des FKS wurden öffentlich beschuldigt, zu DDR-Zeiten in die Arbeit der Stasi und in Dopingpraktiken verwickelt gewesen zu sein. Angesichts dieser Anschuldigungen blieben die Vertreter des Freistaats Sachsen sowie der sich im Aufbau befindenden Fakultät für Sportwissenschaft der Universität Leipzig der Gründungsveranstaltung des IAT am 16. März 1992 fern. Sportwissenschaftler Reinhard Daugs, der der IAT-Berufungskommission angehörte, äußerte diesbezüglich später, dies sei „keine Sternstunde und keine gute Zeit der deutschen Sportwissenschaft“ gewesen.<ref>Reinhard Daugs: 10 Jahre IAT – Ein Zentralinstitut im Spannungsfeld zwischen Sportpolitik und Sportwissenschaft. Hrsg.: Institut für Angewandte Trainingswissenschaft, Abteilung Information/Dokumentation. Leipzig 2002.</ref>

Der Verein „Institut für Angewandte Trainingswissenschaft e. V.“ wurde am 16. November 1991 gegründet, das IAT begann am 1. Januar 1992 mit seiner Arbeit.<ref name=":3">Ausgewählte Daten der Entwicklung des IAT 1991–2002. In: Institut für Angewandte Trainingswissenschaft Abteilung Information/Dokumentation (Hrsg.): 10 JAHRE INSTITUT FÜR ANGEWANDTE TRAININGSWISSENSCHAFT. Leipzig 2002.</ref> Nach Einschätzung des ehemaligen IAT-Direktors Arndt Pfützner konnte das IAT bei seiner Gründung „auf langjährige, in der Leistungssportforschung erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen und auch eine materiell-technische Basis nutzen, die zu diesem Zeitpunkt das einzigartige Know-how für die Lösung dieser Aufgaben darstellte.“<ref name=":2" /> Nach Angaben des Instituts kommen insbesondere den Partnerschaften mit dem FES, der Trainerakademie Köln, den Olympiastützpunkten, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft sowie sportwissenschaftlichen Einrichtungen (unter anderem an Universitäten) eine besondere Bedeutung zu.<ref name=":1">Geschichte im Überblick — Institut für Angewandte Trainingswissenschaft. Abgerufen am 9. Februar 2019.</ref>

Erster Präsident des IAT nach der Gründung wurde ab dem 1. April 1992 Dietrich Martin, der bis zu seinem Tod am 2. Mai 2000 im Amt blieb.<ref name=":1" /> In den Jahren 1993 und 1994 wurde die Zahl der Institutsmitarbeiter infolge von Mittelkürzungen von 124 zunächst auf 105, dann auf 82 verringert. Am 1. September 1994 wurde die erste Ausgabe der „Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft“ veröffentlicht.<ref name=":3" /> 1996 kam es zu einer Zusammenlegung der Trägervereine von IAT und FES.<ref name=":2" /> Im August 1999 wurde eine Zusammenarbeitsvereinbarung mit der Universität Leipzig unterzeichnet. Nach Martins Tod führte Arndt Pfützner bis 2015 das Institut.<ref name=":0">Stadt Leipzig verabschiedet IAT-Direktor Arndt Pfützner. In: leipzig.de. Abgerufen am 9. Februar 2019.</ref> Im Juni 2009 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Sporthochschule Köln geschlossen. Mit Stand März 2011 war die Zahl der IAT-Mitarbeiter auf 102 gewachsen.<ref>Meilensteine 2007-2012 — Institut für Angewandte Trainingswissenschaft. Abgerufen am 9. Februar 2019.</ref> Im April 2015 wurde Ulf Tippelt Nachfolger Pfützners und führte das Institut bis 2023. Seit Juni 2023 ist Marc-Oliver Löw Direktor des Instituts.<ref>Nachfolger von Direktor Tippelt bei IAT in Leipzig steht fest. In: Leipziger Volkszeitung. 23. März 2023, abgerufen am 27. April 2026.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

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