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Iljuschin Il-114

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Iljuschin Il-114
Iljuschin Il-114-100
Iljuschin Il-114-100
Typ Fracht- und Regionalpassagierflugzeug
Entwurfsland
Hersteller Iljuschin
Erstflug
  • 29. März 1990
  • 16. Dezember 2020
Produktionszeit

  • 1986 bis 2012
  • ab 2022 (geplant)
Stückzahl 20<ref>Patrick Zwerger: Russischer Turboprop: Erstflugtermin für Iljuschin Il-114-300 steht. 7. Dezember 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.</ref>

Die Iljuschin Il-114 ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist ein zweimotoriges leichtes Fracht- und Regionalpassagierflugzeug aus sowjetischer bzw. russischer Produktion. Es ist für den Binnenflugverkehr bis 1000 km vorgesehen. Die Il-114 wurde als Ersatz für die Antonow An-24/26/30/32 konzipiert und kann auch Graspisten nutzen. Bei der Konstruktion des Flugzeugs wurde auf leise und sparsame Triebwerke geachtet. Als Frachtmaschine angeboten besitzt die Maschine auf der linken Seite ein 3,31 m × 1,78 m großes Ladetor.

Konstruktion

Datei:Ильюшин Ил-114 2063800205, Москва - Жуковский (Раменское) RP446.jpg
Cockpit einer Il-114-100

Die Iljuschin Il-114 wurde als konventioneller freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise konzipiert. Bei der Konstruktion wurde besonderer Wert auf einen erhöhten Anteil von Verbundwerkstoffen an der Gesamtkonstruktion gelegt, um die Leermasse zu senken und die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Die Ausrüstung des Flugzeugs ist dafür ausgelegt, von Flughäfen mit gering ausgebauter Infrastruktur und widrigen Klimabedingungen aus operieren zu können. Ein weiterer neuer Aspekt, der in die Konstruktion der Maschine einfloss, war die Verwendung eines Glascockpits mit fünf Bildschirmen und einer elektronischen Avionik für eine Zweipersonen-Cockpitcrew. Die Passagierkabine ist 18,9 m lang, 2,64 m breit und 1,92 m hoch. Für die Anordnung der Passagiersitze wurde eine 2+2-Konfiguration mit einem Mittelgang ausgewählt.<ref>Ilyushin IL-114. In: www.aerospace-technology.com. Abgerufen am 10. Dezember 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Il-114-100. In: www.ilyushin.org. Abgerufen am 1. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Geschichte

Erste Serie 1990–2018

Die Il-114 entstand aufgrund eines 1983 von der Aeroflot erteilten Auftrages für einen Nachfolger der An-24. Die Konstruktionsphase erfolgte 1984/85, und ab Anfang 1986 begann der Bau. Der erste von drei Prototypen (Kennzeichen СССР–54000) flog am 29. März 1990 mit Wjatscheslaw Semjonowitsch Beloussow vom Testzentrum Schukowski aus zum ersten Mal. Zwei weitere wurden für Belastungs- und Statiktests am Boden verwendet. Die erste Serienmaschine absolvierte am 7. August 1992 den Erstflug.<ref>Iljuschin Il-114. In: De Agostini (Hrsg.): Aircraft. Nr. 123. Topic, München 1995, S. 3443.</ref> Die Auslieferung begann 1994.

Die Variante Il-114-100 wurde mit Pratt&Whitney-PW127H-Triebwerken und einem Sextant-Avionik-System angeboten.<ref name="rusaviainsider">Uzbekistan to phase out Russian-built Il-114-100 turboprops. www.rusaviainsider.com, 6. März 2018, abgerufen am 3. November 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der erste Prototyp mit westlicher Technik hatte seinen Erstflug am 26. Januar 1999.

Neben der Produktion in Moskau wurde das Flugzeug auch in einer Fertigungsstätte in Taschkent, Usbekistan, gebaut. Die dortige Produktion litt 1998 unter den hohen russischen Zollgebühren für alle russischen Komponenten. Zu diesem Zeitpunkt war Usbekistan Airways der einzige Kunde mit Festbestellungen.<ref>Uzbekistan Airways takes first production Il-114 turboprop. In: www.flightglobal.com. 12. August 1998, abgerufen am 1. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zwei Exemplare flogen später bei Vyborg Airlines mit Klimow-Triebwerken. Trotz des anfänglichen Interesses seitens bulgarischer, polnischer, rumänischer und ukrainischer Fluglinien blieben Bestellungen aus. Die Fertigung wurde deshalb 2012 eingestellt.<ref name=":0">Timo Nowack: Russland forciert Bau von neuer Ilyushin Il-114. In: aeroTELEGRAPH. 26. Oktober 2017, abgerufen am 2. Oktober 2020.</ref> Von den 20 produzierten Maschinen<ref name="Usbekgone"/> flogen die letzten sechs in Usbekistan bei Uzbekistan Airways bis ins Jahr 2018.<ref>Felix Stoffels: Russland macht vorwärts mit Projekt Il-114. In: aeroTELEGRAPH. 31. August 2019, abgerufen am 2. Oktober 2020.</ref><ref>Mathis Cabuy: Ilyushin IL-114: A Rare Plane Disappears From the Skies – Aeronautics. 22. Juli 2018, abgerufen am 2. Oktober 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="rusaviainsider" /> Die 10 ab 2002 an Usbekistan Airways ausgelieferten Flugzeuge waren mit Pratt&Whitney-Triebwerken ausgerüstet.<ref>Pratt & Whitney Canada and Ilyushin Sign a Memorandum to Complete a Feasibility Study in Support of IL-114-100 Regional Aircraft Program Restart, Quelle: Pratt & Whitney Canada, 19. Juni 2017</ref>

Zweite Serie ab 2016 – Il-114-300

Eine Neuauflage des Programms erfolgte aufgrund der Einstellung des An-140-Programms bei Awiakor in Samara im Jahre 2015 im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt.<ref>Tom Zaitsev: Aviakor suspends An-140 programme. In: www.flightglobal.com. 4. August 2015, abgerufen am 1. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Frühjahr 2016 wurde bei der Zuteilung der staatlichen Mittel zur Förderung der Flugzeugindustrie das Programm Il-114 berücksichtigt.<ref>Государство поднимет "Ил" со дна („Der Staat wird "Il" fördern“). Kommersant, 30. Mai 2016, abgerufen am 10. Dezember 2020 (russisch)</ref> Die neue und wesentlich überarbeitete Version mit der Bezeichnung Il-114-300 besteht ausschließlich aus russischen Bauteilen.<ref name="aerobuzz.de">Bob Fischer: United Aircraft Corporation hat die erste Il-114-300 vorgestellt. 31. Dezember 2019, abgerufen am 1. Oktober 2020.</ref><ref>André Ballin: Regionalflieger-Projekt Il-114: Russland will den Himmel zurückerobern. In: www.handelsblatt.com. 13. November 2015, abgerufen am 2. Oktober 2020.</ref> Neben einer neuen Avionik ist das Flugzeug mit Triebwerken vom Typ Klimow TW7-117ST ausgestattet.<ref>Il-114-300. In: www.ilyushin.org. Abgerufen am 1. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Erprobung dieses Triebwerks begann am 12. September 2017 in Schukowski an einer Il-76LL.<ref>Il-114-300 and Il-112V engines were tested airborne. In: www.ilyushin.org. 12. September 2017, abgerufen am 1. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Bis 2018 sollte nach damaliger Planung die Zertifizierung der neuen Version erfolgen und 2022 die ersten Flugzeuge ausgeliefert werden;<ref name=":0" /> im Jahr 2019 wurde mit der Montage des ersten Flugzeugs begonnen und für nach 2021, nach der Lieferung aller Komponenten, die Flugerprobung erwartet.<ref name="Usbekgone">Russland macht vorwärts mit Projekt Il-114, aerotelegraph, 31. August 2019</ref> Die Zertifizierung des Flugzeugs mit einer maximalen Kapazität von 50 bis 68 Sitzen sollte nun im Jahr 2022 erfolgen.<ref>Russische Flugzeuge werden nach Fernost geschickt, Kommersant, 16. Januar 2020</ref> Ab 2023 soll die Il-114-300 in Luchowizy endmontiert werden. Bauteile werden bei Sokol in Nischni Nowgorod sowie bei VASO und Aviastar in Woronesch respektive Uljanowsk hergestellt.<ref>Die Montage des ersten Serienflugzeugs der Il-114 hat bei Sokol in Nischni Nowgorod Sokol begonnen, Kommersant, 14. Februar 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020 (russisch)</ref> Das Flugzeug ist für eine Lebensdauer von 30 Jahren beziehungsweise 30.000 Flugstunden respektive 30.000 Flugbewegungen ausgelegt worden. Ende 2019 lagen 19 Kaufabsichtserklärungen für das Flugzeug vor und eine militärische Version war in Planung.<ref name="aerobuzz.de" />

Ende September 2020 erfolgten die Tests mit den Triebwerken Klimow TW7-117ST an der ersten fertiggestellten Il-114-300.<ref name=":1">Patrick Zwerger: Turboprop aus Russland: Iljuschin Il-114-300 lässt erstmals Motoren laufen. In: www.flugrevue.de. 1. Oktober 2020, abgerufen am 2. Oktober 2020.</ref> Nach Rolltests im November erfolgte der Erstflug am 16. Dezember 2020.<ref>Das Regionalflugzeug Il-114-300 absolvierte seinen ersten Testflug, Interfax, 16. Dezember 2020</ref> Eine zweite Il-114-300 hatte sich im Oktober 2020 in der Endmontage befunden.<ref name=":1" /> Nach dem Absturz des Prototyps der Iljuschin Il-112 im August 2021 verzögerte sich die Erprobung. Der Absturz ist wahrscheinlich auf Triebwerksprobleme zurückzuführen, für die Il-114 sind die gleichen Triebwerke vorgesehen.<ref>Patrick Zwerger: Die Iljuschin Il-114-300 kommt später auf den Markt. In: www.flugrevue.de. 17. September 2021, abgerufen am 1. März 2026.</ref>

Während es sich beim ersten Prototypen der Il-114-300 um eine umgebaute Maschine der ersten Serie handelte, wurde die zweite Maschine der Serie mit Neuteilen gebaut und erhielt eine verbesserte Zelle. Die ersten Serienmaschinen sollen ab 2023 an die staatliche Leasingfirma GTLK gehen, als deren erster Leasing-Interessent während der MAKS 2021 die halbstaatliche Aurora Airlines gemeldet worden war. Der Bedarf für das Muster wurde auf 100 Flugzeuge geschätzt, mit Sonderausführungen bis 150.<ref>Patrick Zwerger: Il-114-300 ist jetzt schon erfolgreicher als ihre Vorgängerin. In: www.flugrevue.de. 23. Juli 2021, abgerufen am 1. März 2026.</ref>

Varianten

Datei:Il-114T.jpg
Iljuschin Il-114T, MAKS 1999
  • Il-114 – Erstes Produktionsmodell
  • Il-114-100 – Exportvariante, Erstflug am 26. Januar 1999 in Taschkent. Zwei Turboprops PW-127 von Pratt & Whitney Canada. 64 Passagiere
  • Il-114-300 – modernisierte Version mit Triebwerk TW7-117ST
  • Il-114T – Frachtversion. Il-114T geliefert nach Schukowski für Zulassungstest im März 2001. Zwei Stück gebaut im April 2001.
  • Il-114P – Seeaufklärer.
  • Il-114MP – Seeaufklärer/U-Jagd.
  • Il-114FK – militärische Aufklärungs-, ELINT-, Foto- oder Kartographieversion.
  • Il-114PRSIGINT/AEW
  • Il-140AWACS
  • Il-140M – maritime Patrouillen-, Umweltüberwachungs-, Such- und Rettungsvariante.
  • Il-112 – aus der Il-114 abgeleiteter Hochdecker-Militärtransporter, in Entwicklung

Betreiber

RusslandDatei:Flag of Russia.svg Russland

Usbekistan Usbekistan

Zwischenfälle

Von den 20 produzierten Einheiten gingen zwei Maschinen verloren:

Technische Daten

Kenngröße Daten
Besatzung 2
Passagiere/Ladung 60 / als Frachter max. 6500 kg Ladung
Länge 26,88 m
Spannweite 30,00 m
Höhe 9,32 m
Flügelfläche 81,90 m²
Flügelstreckung 11,0
Rumpfdurchmesser 2,86 m
Radstand 9,13 m
Leermasse 13.700 kg
max. Startmasse 21.000 kg (Passagierversion)
23.500 kg (Frachtversion)
Triebwerke 2× Propellerturbine Klimow TW7-117S mit je 2.500 PS (1.839 kW)
Luftschrauben Aerosila-Sechsblatt-Propeller mit 3,6 m Durchmesser
Höchstgeschwindigkeit 500 km/h in 8150 m Höhe
Reiseflughöhe 8150 m
Reichweite mit 5400 kg Nutzlast: 1000 km
mit 3000 kg Nutzlast: 3250 km
max. Reichweite: 5800 km
Start-/Landerollstrecke ca. 1500 m

Siehe auch

Literatur

  • Rudolf Höfling: Iljuschin seit 1933. Motorbuch, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-613-03604-8, S. 114–116.

Weblinks

Commons: Iljuschin Il-114 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

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