Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse – Wikipedia Zum Inhalt springen

Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von INES-Skala)

Die Internationale Bewertungsskala für nukleare und radiologische Ereignisse (Abkürzung INES von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist eine Festlegung für sicherheitsrelevante Ereignisse, im Speziellen Störfälle und Unfälle in kerntechnischen Anlagen, insbesondere die Sicherheit von Kernkraftwerken betreffend.

Geschichte

Die Skala wurde von einer internationalen Expertengruppe erarbeitet, die gemeinsam von der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Kernenergiebehörde der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einberufen wurde, und 1990 offiziell eingeführt.<ref>world-nuclear-news.org</ref> Ziel der Skala ist es, der Öffentlichkeit anhand einer nachvollziehbaren Einstufung der Ereignisse eine rasche Information über die sicherheitstechnische Bedeutung eines Ereignisses zu liefern und damit die Verständigung zwischen Fachwelt, Medien und Öffentlichkeit zu erleichtern.

Die Bewertungsskala hatte ursprünglich sieben Stufen. Später wurde noch die Stufe 0 für Ereignisse ohne sicherheitstechnische Bedeutung hinzugefügt.

Schweregrade

Die Stufe 0 wird als Abweichung, die Stufen 1 bis 3 werden als Störungen und Störfälle, die Stufen 4 bis 7 als Unfälle klassifiziert.<ref name="Deutsches_INES-Handbuch">Bekanntmachung über die Anwendung der deutschen Fassung des Handbuchs der Internationalen Nuklearen und Radiologischen Ereignis-Skala (INES) in kerntechnischen Einrichtungen sowie im Strahlenschutz außerhalb der Kerntechnik vom 20. Februar 2015 (BAnz AT 30.03.2015 B1). (PDF; 4,4 MB) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2018; abgerufen am 6. Januar 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfe.bund.de</ref> Der Skala liegt ein logarithmischer Maßstab zugrunde: Ein Übergang auf die nächste Stufe bedeutet einen zehn Mal größeren Schweregrad. Die meldepflichtigen Stufen von Ereignissen werden nach drei Aspekten bewertet:<ref name="IAEA-INES" /><ref name="GRS-INES" />

  • Auswirkungen auf Menschen und Umwelt
  • Beeinträchtigungen radiologischer Barrieren und Überwachungsmaßnahmen
  • Beeinträchtigung von Sicherheitsvorkehrungen

Anzahl der Störfälle in Deutschland (ohne DDR):

  • INES 2 000003 (Philippsburg 2, Unterweser)
  • INES 1 000033 (Philippsburg 1, Brunsbüttel, Neckarwestheim 1, ...)
  • INES 0 004551
Vereinfachte Beschreibung der einzelnen INES-Stufen<ref name="Deutsches_INES-Handbuch" />
Stufe Klassi­fizie­rung Bezeichnung<ref name="GRS-INES" />
 
Original<ref name="IAEA-INES" />
Auswirkungen auf Menschen und Umwelt Beeinträchtigungen radiologischer Barrieren und Überwachungs­maßnahmen Beeinträchtigung von Sicherheits­vorkehrungen Beispiele
7 Unfall Katastrophaler
Unfall
 
Major
accident
  • Erhebliche Freisetzung radioaktiver Stoffe (Radio­logische Äquivalenz zu >50.000 TBq Iod-131) mit weit­reichenden Auswir­kungen auf Mensch und Umwelt, welche die Umsetzung geplanter und erweiterter Gegen­maßnahmen nötig macht.
6 Schwerer
Unfall
 
Serious
accident
  • Bedeutende Freisetzung radioaktiver Stoffe (Radio­logische Äquivalenz zu >5000 TBq Iod-131), welche die Notwendig­keit einer Umsetzung geplanter Gegen­maßnahmen wahrscheinlich macht.
  • Viele Todesfälle (>30) durch Strahlenexposition.
5 Ernster
Unfall
 
Accident
with wider
consequences
  • Begrenzte Freisetzung radio­aktiver Stoffe (Radiologische Äquivalenz zu >500 TBq Iod-131 oder 2500facher D2-Wert), welche die Notwendigkeit einer Umsetzung einiger geplanter Gegen­maßnahmen wahr­scheinlich macht.
  • Mehrere Todesfälle (>3) durch Strahlen­exposition
  • Schwere Schädigung (einige Prozent) des Reaktor­kerns (Kernschmelze)
  • Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe innerhalb einer Anlage mit einer hohen Wahr­schein­lichkeit einer bedeutenden Strahlen­exposition der Bevölkerung
4 Unfall
 
Accident
with local
consequences
  • Geringfügige Freisetzung radio­aktiver Stoffe (Radiologische Äquivalenz zu >50 TBq Iod-131 oder 250facher D2-Wert), in deren Folge die Umsetzung geplanter Gegen­maßnahmen mit der Ausnahme lokaler Lebens­mittel­kontrollen unwahrschein­lich ist
  • Mindestens ein Todesfall durch Strahlen­exposition
  • Schmelzen oder Beschädigung des Kern­brenn­stoffs mit resultierenden Freisetzung von mehr als 0,1 Prozent des Kern­inventars.
  • Freisetzung bedeutender Mengen radio­aktiver Stoffe (>5000 TBq) innerhalb einer Anlage mit einer hohen Wahr­schein­lich­keit einer bedeutenden Strahlen­exposition der Bevölkerung
3 Stör­fall Ernster
Störfall
 
Serious
incident
  • Strahlenexposition über das Zehn­fache des gesetzlich festgelegten Jahresgrenzwertes für beruflich strahlen­exponiertes Personal (>60 mSv) hinaus
  • Nicht tödliche deterministische Schäden (z. B. Verbrennungen) durch Strahlen­exposition
  • Dosisleistung von mehr als 1 Sv/h in einem betrieblichen Bereich.
  • Schwerwiegende Kontamination in einem von der Auslegung nicht vorgesehenen Bereich mit einer geringen Wahrschein­lichkeit einer bedeutenden Strahlen­exposition der Bevölkerung
  • Beinahe-Unfall in einem Kernkraftwerk, bei dem keine Sicherheits­vorkehrungen mehr verbleiben
  • Verlust oder Diebstahl einer umschlossenen hoch­radioaktiven Strahlenquelle
  • Falsch ausgelieferte umschlossene hoch­radioaktive Strahlen­quelle ohne etablierte adäquate Strahlen­schutz­anweisung für ihre Handhabung
2 Störfall
 
Incident
  • Strahlenexposition einer Einzelperson der Bevölkerung über 10 mSv hinaus
  • Strahlenexposition einer beruflich strahlen­exponierten Person über die gesetzlich festgelegten Jahresgrenzwerte hinaus
  • Dosisleistung von mehr als 50 mSv/h in einem betrieblichen Bereich
  • Bedeutsame Kontamination innerhalb der Anlage in einem von der Auslegung dafür nicht vorgesehenen Bereich.
  • Störfälle, Ereignisse oder Befunde mit besonderer sicherheits­technischer Bedeutung, jedoch ohne tatsächliche Auswirkungen
  • Fund einer umschlossenen hoch­radioaktiven herrenlosen Strahlen­quelle, eines Geräts oder Versandstücks mit intakten Sicherheits­vorkehrungen
  • Inadäquate Verpackung einer umschlossenen hochradioaktiven Strahlen­quelle
1 Störung
 
Anomaly
  • Geringe Überschreitung der gesetzlich festgelegten Abgabegrenzwerte
  • Strahlenexposition einer Einzelperson der Bevölkerung jenseits der gesetzlich festgelegten Grenzwerte
  • Ereignisse oder Befunde mit sicherheits­technischer Bedeutung, jedoch mit verbleibenden wesentlichen gestaffelten Sicherheits­vorkehrungen
  • Verlust oder Diebstahl einer radioaktiven Quelle, eines Geräts oder eines Versandstücks mit geringer Aktivität
0 Abwei­chung Ereignis ohne
oder mit
geringer
sicherheits-
technischer
Bedeutung
 
Below scale−
No safety
significance
  • Keine oder nur sehr geringe sicherheits­technische Bedeutung

Ereignismeldung nach INES in Deutschland

Die Einstufung nach INES erfolgt bei Auftreten eines Ereignisses durch den Kraftwerksbetreiber. Im Auftrag des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit übernimmt anschließend ein Experte der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit gGmbH als INES-Officer<ref>Paul Laufs: Reaktorsicherheit für Leistungskraftwerke. Band 1. Springer-Vieweg, 2018, S. 264.</ref> die Überprüfung der Einstufung. INES-Officers werden in jedem Mitgliedsland der INES ernannt. Weicht die Einstufung des INES-Officers bei seiner Überprüfung von der Einstufung des Kraftwerksbetreibers ab, so wendet er sich zunächst direkt an den Betreiber. Sollte keine Anpassung der INES-Stufe durch den Betreiber erfolgen, so informiert der INES-Officer die zuständige Landesbehörde und das Bundesumweltministerium. Ereignisse ab der INES-Stufe 2 werden vom INES-Officer unmittelbar an die IAEO in Wien gemeldet.<ref name="GRS-INES" />

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Kritik

Schwächen in der INES-Skala wurden durch Vergleiche zwischen der Tschernobyl-Katastrophe und dem Unfall von Fukushima deutlich. Drei Punkte wurden aufgeworfen:

  1. Sie unterscheidet nicht zwischen der Magnitude (Wie schwer ist der Vorfall im Reaktor?) und der Intensität (Welche Auswirkungen hat der Vorfall auf die Umwelt?), wie es z. B. bei einer Erdbebenskala der Fall ist.
  2. Sie ist eine diskrete Skala, die Abstufungen zwischen den einzelnen Schweregraden nicht erlaubt. Zudem ist sie für Ereignisse über der Stufe 7 nicht definiert; sie ist somit keine kontinuierliche Skala.
  3. Sie wurde als Werkzeug für die Öffentlichkeitsarbeit konzipiert, und nicht als objektives wissenschaftliches Maß.

Laut Angaben von Nuklearsicherheits-Experten wird die INES-Skala in der Zukunft überarbeitet. Grund dafür ist die verwirrende Weise, in welcher sie zur Bewertung des Fukushima-Unglücks angewandt wurde: Der Schweregrad des Unglücks wird nicht von der IAEO festgelegt, sondern von einer nationalen Behörde. Zunächst wurde das Ereignis als „5“ auf der INES-Skala bezeichnet, und zwar für die einzelnen betroffenen Reaktoren separat. Später wurde das Unglück jedoch auf „7“ heraufgestuft.<ref>Geoff Brumfiel: Nuclear agency faces reform calls. International Atomic Energy Agency's remit under scrutiny. In: Nature. 26. April 2011, abgerufen am 26. August 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

David Smythe erwähnt, dass die INES-Skala eines Zwischenfalls nach einem 200 Seiten starken Handbuch bestimmt werden müsse. Eine von ihm entworfene kontinuierliche Magnituden-Skala (NAMS, Nuclear Accident Magnitude Scale) versucht, diesen Mangel zu beheben.<ref>David Smythe: An objective nuclear accident magnitude scale for quantification of severe and catastrophic events. In: Physics Today. doi:10.1063/PT.4.0509.</ref>

Auch andere Autoren kritisieren INES als inkonsistent und werfen der IAEO vor, dass zahlreiche die Nuklearsicherheit betreffende Ereignisse bislang noch nicht mit der INES-Skala bewertet wurden. Ähnlich wie bei Smythe wird erklärt, der eingetretene Schaden – unter anderem der ökonomische – würde nicht durch die INES-Skala reflektiert. Wäre dies der Fall, müsse die Katastrophe von Fukushima mit 10 oder 11 bewertet werden, anstelle mit bloß 7.<ref>Spencer Wheatley, Benjamin Sovacool, Didier Sornette: Of Disasters and Dragon Kings: A Statistical Analysis of Nuclear Power Incidents & Accidents. 10. April 2015, arxiv:1504.02380v1.</ref>

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="IAEA-INES"> International Nuclear Events Scale (INES). IAEA, abgerufen am 13. April 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="GRS-INES"> INES – International Nuclear Event Scale. Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, abgerufen am 3. Februar 2012. </ref> </references>