Hermann Simon (Mediziner)
Hermann Simon (* 22. März 1867 in Zweibrücken; † 14. November 1947 in Gütersloh) war ein deutscher Psychiater und Begründer der modernen Arbeitstherapie.
Leben
Simon studierte Medizin in München, Heidelberg, Berlin und Straßburg. 1891 wurde er Assistent an der Heil- und Pflegeanstalt in Saargemünd. 1896 wurde er Oberarzt in Aplerbeck, wo er seine Frau Elisabeth (geborene von Bomhard, 1876–1950) heiratete. Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter. 1902 war er an der Klinik in Lengerich (Westfalen) tätig. Ab 1905 leitete Simon Direktor die Provinzialheil- und Pflegeanstalt Warstein (heute: LWL-Klinik Warstein), ehe er 1914 zum ärztlichen Direktor der 1919 neu eröffneten Provinzialheil- und Pflegeanstalt Gütersloh (heute: LWL-Klinikum Gütersloh) ernannt wurde. Von 1914 bis 1918 war er beim Militär. Nach seiner Pensionierung 1934 arbeitete er bis 1942 als Arzt im Reservelazarett Bethel.
Werk
Simon systematisierte die bis dahin mehr oder weniger planvollen, einfachen Beschäftigungen psychisch Kranker in der Land- und Hauswirtschaft bzw. anstaltseigenen Werkstätten zu geregelten Arbeitseinsätzen. Eine solche Arbeitstherapie propagierte Simon, der dabei auch von Psychotherapie sprach, ab 1929.<ref>Achim Thom: Kriegsopfer der Psychiatrie. Das Beispiel der Heil- und Pflegeanstalten Sachsens. In: Norbert Frei (Hrsg.): Medizin und Gesundheitspolitik in der NS-Zeit. R. Oldenbourg, München 1991, ISBN 3-486-64534-X, S. 201–216; hier: S. 206 (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Sondernummer).</ref> Die günstigen Einflüsse dieser von ihm so bezeichneten „aktiveren Krankenbehandlung“<ref>Hermann Simon: Aktivere Krankenbehandlung in der Irrenanstalt. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1929.</ref> sowohl auf den Zustand der Kranken als auch auf das triste Anstaltsmilieu fanden eine derart positive Resonanz, dass diese Erfahrungen bereits bei der Planung der Gütersloher Anstalt berücksichtigt und entsprechende Einrichtungen realisiert wurden.
Die neue Behandlungsmethode, die mit zur Überwindung der bislang auf einen Daueraufenthalt psychisch Kranker in Anstalten angelegten Behandlungskonzepte beitragen sollte, beflügelte die soziale Psychiatrie in ganz Europa, vor allem in England und Holland. Sein Therapiekonzept veröffentlichte Simon erst 1929 in einer Monografie, was einen Konflikt mit dem Psychiater Otto Dornblüth hervorrief, der auf frühere diesbezügliche Arbeiten verwies.
Gemäß seiner Auffassung, Untätigkeit, mangelnde Mitarbeit und Pflichtvergessenheit rigoros zu bekämpfen, vertrat Simon als überzeugter Sozialdarwinist und Erbbiologe nicht nur die Zwangssterilisation der „Minderwertigen“ und „Ballastexistenzen“, sondern auch deren Beseitigung, die er „Erlösung“ nannte. Er prangerte die „verhätschelnde Fürsorge“ für die Krüppel, Schwächlichen und Kränklichen an und begrüßte daher die Machtübernahme Hitlers, da er in der nationalsozialistischen Rassen- und Gesundheitspolitik die willkommene Möglichkeit sah, das „soziale Parasitentum“ als Beitrag zur rassisch-biologischen Gesundung des deutschen Volkes auszumerzen. 1929 behauptete Simon: „Wir leben in einem Zeitalter allgemeiner Befürsorgung von allem Schwachen, Kranken, Untauglichen!“ Und fragte weiter: „Gelangen wir allmählich dahin, dass die eine Hälfte unseres Volkes die andere, schwächere Hälfte fürsorgerisch betreut und versorgt?“<ref>Thomas R. Müller: Beschäftigung also ist die Universal-Medizin. In: Soziale Psychiatrie Nr. 4, 2016, S. 12 unter Bezugnahme auf: Hermann Simon: Über die offene Fürsorge für geistig Schwache und Minderwertige. Bericht, erstattet auf der Versammlung der Medizinalbeamten des Regierungsbezirks Minden am 28.09.1929. In: Archiv LWL, Bestand 661 / Nachlass Simon.</ref> 1931 definierte er den Personenkreis angeblich Minderwertiger: Körperschwache, Kränkliche, Schwächlinge, Schwachsinnige, Krüppel, Geisteskranke mit der Begründung „Wir brauchen ein hartes Geschlecht; nur ein solches kann sich im Kampfe der Völker durchsetzen“<ref>zitiert nach Ernst Klee: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 80 f.</ref> und kam dabei zum Schluss: „Es wird wieder gestorben werden müssen.“<ref>zitiert nach: Hermann Simon: Minderwertigkeit Fürsorge. Vortragsmanuskript vom 22. Oktober 1931. In: Archiv LWL, Bestand 661 / Nachlass Simon.</ref> Ernst Klee kritisierte Hermann Simon in einer Rede am 6. August 2006 an der Universität Hamburg,<ref>Ernst Klee: NS-Behindertenmord: Verhöhnung der Opfer und Ehrung der Täter. uibk.ac.at</ref> dass er durch diese Definition mit die Grundlage für die späteren Krankenmorde im Nationalsozialismus gelegt habe.
Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem Hitlerregime kündigte er die Mitgliedschaft bei der NSDAP.<ref>Neue Westfälische, 4. Mai 2011. nw-news.de; abgerufen am 9. Mai 2011. {{#switch:
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Hermann-Simon-Preis
Hermann Simon zu Ehren wurde seit 1971 von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) für herausragende Arbeiten oder Verdienste auf dem Gebiet der sozialen Psychiatrie ein Preis verliehen, gestiftet von der Fa. Lundbeck in Hamburg. Seit 2009 wird dieser Preis nicht mehr vergeben.
Literatur
- Hermann Simon: Nachlass. LWL-Archivamt für Westfalen in Münster.
- Hermann Simon: Aktivere Krankenbehandlung in der Irrenanstalt. de Gruyter, Berlin u. a. 1929. Nachdruck: Mit einem Vorwort von Asmus Finzen und Anmerkungen von Christine Teller. Psychiatrie-Verlag, Bonn 1986, ISBN 3-88414-071-X (Werkstattschriften zur Sozialpsychiatrie, Band 41).
- Heinz Schott: Arbeit und Krankheit, ein medizin-soziologischer Beitrag zur Problematik der Rehabilitation. Versuch einer wissenschaftskritischen Bestandsaufnahme. Inaugural-Dissertation, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, 1974, S. 245 f.
- Angela Grütter: Hermann Simon. Die Entwicklung der Arbeits- und Beschäftigungstherapie in der Anstaltspsychiatrie. Eine biographische Betrachtung. Murken-Altrogge, Herzogenrath 1995, ISBN 3-921801-79-6 (Studien zur Geschichte der Sozialmedizin und Psychiatrie, Band 7; zugleich: Dissertation, Aachen, Technische Hochschule, 1995).
- Franz-Werner Kersting: Anstaltsärzte zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik. Das Beispiel Westfalen. Schöningh, Paderborn 1996, ISBN 3-506-79589-9 (Forschungen zur Regionalgeschichte, Band 17; zugleich: Habilitations-Schrift, Siegen, Universität, 1996).
- Hans Ludwig Siemen: Reform und Radikalisierung. Veränderungen der Psychiatrie in der Weltwirtschaftskrise. In: Norbert Frei (Hrsg.): Medizin und Gesundheitspolitik in der NS-Zeit. R. Oldenbourg, München 1991, ISBN 3-486-64534-X, S. 191–200; hier: S. 192, „Reformen und Wirtschaftskrise“ (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Sondernummer).
- Bernd Walter: Hermann Simon – Psychiatriereformer, Sozialdarwinist, Nationalist? In: Der Nervenarzt, 2002, Band 73, Nr. 11, S. 1047–1054; {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0028-2804|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
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Weblinks
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- Aufsatz Hermann Simon und die Folgen. (PDF; 1,8 MB) ev-akademie-boll.de
- Burkhart Brückner, Ansgar Fabri: Biografie von Hermann Simon. Biographisches Archiv der Psychiatrie (BIAPSY).
- Vorlage:Deutsche Biographie
Belege
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