Hektemoroi
Hektemoroi (gr. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}, „Sechstler“, auch Hektemorioi) war laut der späteren Überlieferung die Bezeichnung für attische Bauern, die vor der Reform Solons (594 v. Chr.?) entweder an die Grundeigentümer ein Sechstel des Ertrages als Pacht abgeben mussten oder nur ein Sechstel des Ertrages behalten durften. Die Quellen, die sämtlich erst viel später entstanden, sind widersprüchlich und lassen keinen eindeutigen Schluss zu.<ref>Aristoteles: Athenaion politeia 2; Plutarch: Solon 13,4. Vgl. auch die Angaben bei Hesychios von Milet und Photios I.</ref>
Karl-Wilhelm Welwei vermutete, dass das Dasein der Hektemoroi eine mildere Alternative zur Versklavung war, indem dem Schuldner die Möglichkeit eingeräumt wurde, ein Darlehen über einen längeren Zeitraum durch regelmäßige Abgaben zu begleichen. Zu diesem Zweck wurde der Boden mit sogenannten Schuldsteinen markiert.<ref>Karl-Wilhelm Welwei: Athen – Vom neolithischen Siedlungsplatz zur archaischen Großpolis. Darmstadt 1992, S. 156–158.</ref> Diese Rekonstruktion bettet die Entstehung der Hektemoroi in eine angenommene Verarmung breiterer Bevölkerungsschichten vor und während der Zeit Solons ein. Eine andere Rekonstruktion der Verhältnisse durch Beate Wagner-Hasel geht umgekehrt davon aus, dass es sich bei den Hektemoroi um eine in Attika schon länger existierende abgabenpflichtige Landbevölkerung gehandelt habe, die in der Zeit Solons befreit wurde.<ref>Beate Wagner-Hasel: Hektemoroi. Kontraktbauern, Schuldknechte oder abgabenpflichtige Bauern? In: Kai Ruffing, Kerstin Droß-Krüpe (Hrsg.): Emas non quod opus est, sed quod necesse est. Beiträge zur Wirtschafts-, Sozial-, Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte der Antike. Festschrift für Hans-Joachim Drexhage zum 70. Geburtstag (= Philippika. Band 125). Harrassowitz, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-447-11087-7, S. 295–308.</ref> Welweis Schüler Mischa Meier schließlich hat 2012 die These vertreten, es habe die Hektemoroi in Wahrheit nie gegeben; der Verfasser der aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammenden Athenaion Politeia habe seine Vorlage falsch gelesen und durch dieses Missverständnis erst die irrige Vorstellung in die Welt gesetzt, es habe einst Hektemoroi gegeben.<ref>Mischa Meier: Die athenischen Hektemoroi – eine Erfindung?. In: Historische Zeitschrift. Band 294, 2012, S. 1–29.</ref>
Literatur
- Mischa Meier: Die athenischen Hektemoroi – eine Erfindung?. In: Historische Zeitschrift. Band 294, 2012, S. 1–29.
- Winfried Schmitz: Verschuldete Bauern, Pächter oder Erntearbeiter? Noch einmal zur Frage: Wer waren die „hektḗmoroi“? In: Historische Zeitschrift. Band 318, 2024, Nr. 1, S. 1–34.
- Beate Wagner-Hasel: Hektemoroi. Kontraktbauern, Schuldknechte oder abgabenpflichtige Bauern? In: Kai Ruffing, Kerstin Droß-Krüpe (Hrsg.): Emas non quod opus est, sed quod necesse est. Beiträge zur Wirtschafts-, Sozial-, Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte der Antike. Festschrift für Hans-Joachim Drexhage zum 70. Geburtstag (= Philippika. Band 125). Harrassowitz, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-447-11087-7, S. 295–308.
- Karl-Wilhelm Welwei: Athen – Vom neolithischen Siedlungsplatz zur archaischen Großpolis. Darmstadt 1992.
Anmerkungen
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