Heinrich Anton Maria Hilmar Schönfeldt<ref name="Taufbuch, Heinrich">Taufbuch Scheibbs, tom. G, fol. 64 (Faksimile), abgerufen am 29. April 2025</ref> (* 4. April1884 auf Schloss Ginselberg bei Scheibbs; † 27. November1963 ebenda; bis 1919 Heinrich Anton Maria Hilmar, Reichsgraf von Schönfeldt<ref>Siehe Adelsaufhebungsgesetz vom 3. April 1919.</ref>) war der erfolgreichste österreichische Rennfahrer des frühen 20. Jahrhunderts, Automobilingenieur, Flugzeugpilot im I. Weltkrieg, Leiter des kaiserlichen Automobilwesens unter Kaiser Karl I. und der Fahrer des weltweit ersten gepanzerten Fahrzeugs.
Schönfeldt wurde im Scheibbser Schloss Ginselberg geboren, das bis zu seinem Tod sein Wohnsitz war. Seine Eltern waren der Grundbesitzer und Offizier Heinrich, Graf von Schönfeldt (1860–1915) und dessen Frau Olga, geb. Grimmer von Adelsbach (1862–1949). Seine Großmutter väterlicherseits war Elisabeth Gräfin Festetics de Tolna, Hofdame der Erzherzogin Sophie und Obersthofmeisterin der Erzherzogin Maria Theresia, der Frau von Erzherzog Carl Ludwig. Seine Urgroßmutter war Anna Maria Pálffy, die Enkelin von Karl Fürst Pálffy und Maria Theresia von und zu Liechtenstein, die mit Adolph Ludwig Graf von Schönfeld verheiratet war. Er wiederum war der Sohn des königlich-sächsischen Gesandten Johann Hilmar Graf von Schönfeld, der mit Ursula Viktoria Gräfin von Fries, der Tochter des berühmten Bankiers Johann Graf von Fries verheiratet war. Die Familie Schönfeldt stammt ursprünglich aus Sachsen.
1916 wurde er mit der Leitung des kaiserlichen Automobilwesens betraut, am kaiserlichen Hof übernahm Schönfeldt, der zuvor als Flieger an der Front in Kärnten und als Kraftfahrer in Albanien gedient hatte, „die gesamte technische Leitung und Aufsicht über die Hof-Automobilverwaltung.“ 1918 übernahm er die Vertretung einer Patentverwertungsgesellschaft, im selben Jahr starb sein Bruder Alexander Ludwig an der Spanischen Grippe. 1921 begann der Kontakt mit den Steyr-Werken, für die Schönfeldt zunächst Alpenfahrten, Berg- und Flachrennen, 1934 am Nürburgring fuhr. 1925 übertrugen ihm die Steyr-Werke die Inspektion ihrer Filialen. 1939–1946 betätigte sich Schönfeldt als Schadensreferent für eine Versicherungsgesellschaft.
Privatleben
Am 5. November 1916 heiratete Heinrich Graf von Schönfeldt in Wien die Tochter des Erfinders Hugo Lentz, Margarethe Lentz (* 30. Juni 1896), mit welcher er drei Kinder hatte.
Dippold Nicolaus Heinrich Hugo Hilmar Reichsgraf v. Schönfeldt (* 1917) ⚭ Maria v. Kink<ref>Stiftung Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des Adels Bd. XIII. Gräfliche Häuser. 1991. Band101. C. A. Starke Verlag, 1991, S.511.</ref>
Christiane Auguste Maria Margarethe Reichsgräfin v. Schönfeldt (* 1919) ⚭ 1940 Klaus Mahlo
Die Ehe wurde 1935 annulliert und 1938 heiratete er erneut. Am 3. Dezember 1938 fand die kirchliche und standesamtliche Trauung mit der Doktorin Albine Emilie Resch (* 7. Jänner 1912 in Wien)<ref>Taufbuch Wien-13., Ober St. Veit, tom. XVI, fol. 100 (Faksimile), abgerufen am 29. April 2025</ref> statt.<ref name="Taufbuch, Heinrich" /> Seine erste Frau heiratete ebenfalls erneut, nämlich Johann Adam Graf von Abensperg und Traun.
Dennoch verfolgte Schönfeldt weiter eine Automobilkarriere. Er nahm Abschied von der Armee, studierte Maschinenbau am Polytechnikum in Mittweida und trat dann als Betriebsingenieur in die Daimler-Werke in Wiener Neustadt ein, wo er mit dem Chefkonstrukteur, seinem Freund Ferdinand Porsche, sowie Eduard Fischer zusammenarbeitete und das sogenannte „Eiserne Team“ bildete. Zu dieser Zeit war er Leiter der Fahrabteilung bei Daimler und für die Erprobung des Mörserzugwagens zuständig. Er war damals bereits bekannt und teils befreundet mit sämtlichen Größen der Automobilwelt, wie etwa Horch, den Herrn von Opel, Ettore Bugatti, Maybach und natürlich Porsche. 1914 musste er schließlich in den Ersten Weltkrieg einrücken. Nach 1918 kehrte er in die Privatwirtschaft zurück und setzte seine Arbeit als Konstrukteur bei den Steyr-Werken und BMW fort.
1906 zählte Heinrich Schönfeldt bereits zu einer der ersten Personen, welche sich einen Führerschein ausstellen ließen. Ab etwa 1908 begannen sich die ersten rennsportlichen Erfolge Schönfeldts einzustellen, die sich 1909 und 1910 bei den Prinz-Heinrich-Fahrten fortsetzten.
Bei der Prinz-Heinrich Fahrt 1910 errang Graf Schönfeld gemeinsam mit Porsche und Fischer einen Team-Sieg über die ersten drei Plätze.
Darauf folgten die internationalen Alpenfahrten des Österreichischen Automobil-Clubs von 1910 bis 1914, bei denen stets das „Eiserne Team“ zusammenarbeitete und Schönfeldt diese ersten fünf Alpenfahrten immer als Sieger beendete. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm Schönfeldt privat wieder den Rennsport auf. 1921 und 1922 gewann er abermals die Alpenfahrten des ÖAC und im selben Jahr in der tschechischen Tourenfahrt den Masaryk-Preis. 1923 war er am Teamsieg in der Alföld-Alpenfahrt beteiligt, 1922 und 1923 wurde er Sieger des Semmering-Rennens und des Riesenrennens, 1924 der Balaton-Fahrt. Einer seiner größten Erfolge gelang ihm bei der Alpenfahrt 1925, als er nicht nur das Rennen gewann, sondern auch den Team-Preis und fünf Spezialpreise. Nach vielen weiteren Erfolgen zog er sich schließlich aus dem Motorsport zurück.
Auch mit vielen privaten Freunden teilte er seine Rennleidenschaft, so unter anderem mit Sascha Graf Kolowrat und Ulrich Ferdinand Fürst Kinsky.
Literatur
Michaela Hermann, Gerhard Trumler: Scheibbs im Ötscherland. Scheibbs 2006.
Martin Pfundner: Austro Daimler und Steyr. Rivalen bis zur Fusion. Die frühen Jahre des Ferdinand Porsche. Böhlau, Wien 2007, ISBN 978-3-205-77639-0, S. 102 (eingeschränkte Ansicht in der Google Buchsuche).