Hebungsrisse in Staufen im Breisgau
Die Hebungsrisse in Staufen im Breisgau werden durch Geländehebungen im historischen Ortskern der Stadt in Baden-Württemberg verursacht. Sie wurden 2007 entdeckt, gelten als Folgen von Geothermiebohrungen, die im selben Jahr durchgeführt wurden, und dauern an. Neben den Ereignissen in Staufen gab es vergleichbare Vorfälle durch Hebungen und Senkungen als Folge von Erdwärmebohrungen z. B. in Kamen im Ruhrgebiet sowie in Rudersberg im Rems-Murr-Kreis.
Geschichte
Bohrungen
In den Jahren 2006 bis 2007 wurde das Staufener Rathaus
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}} aus dem 16. Jahrhundert renoviert und saniert.<ref name="vorgeschichte"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Eine schleichende Katastrophe - die Staufener Hebungsrisse: Ursachen und Gegenmaßnahmen ( vom 3. Februar 2016 im Internet Archive), staufen.de, abgerufen am 6. März 2013</ref> Im Zuge der Arbeiten wurde unter anderem eine Heizanlage eingebaut, die mittels Geothermie die Räume im Winter beheizen und im Sommer kühlen sollte.<ref name="huber">Alexander Huber: Staufen: Zwischenbilanz: Risse-Drama dauert 5 Jahre – doch Staufen blickt nach vorn, Badische Zeitung, 22. September 2012, abgerufen am 6. März 2013</ref>
Hierzu wurden zwischen 3. und 21. September 2007 sieben Erdwärme-Sondierungsbohrungen (EWS 1 bis EWS 7) niedergebracht. Die ersten 14 Meter wurden mit einem Durchmesser von 161 mm gebohrt und als Standrohre ausgebaut. Ab dort wurde der Durchmesser auf 135 mm reduziert. Die Bohrungen waren jeweils für eine Tiefe von 140 Metern geplant und genehmigt worden. Während die Bohrlöcher EWS 3 bis EWS 7 die planmäßige Tiefe erreichten, stürzte das Bohrloch EWS 1 auf den letzten 5 Metern ein, bevor die Geothermie-Sonden installiert worden waren. Das Bohrloch EWS 2 stürzte vermutlich bereits ab 105 Metern Tiefe abwärts ein.<ref name="sass">Sass, Burbaum, 2010</ref> Die Bohrungen wurden als Imlochhammerbohrung unter der Verwendung von Druckluft als Bohrfluid durchgeführt.<ref>Auskunft von Ingo Sass auf Nachfrage per E-Mail, archiviert vom Support-Team im Ticket:2013042210009481</ref>
Ursache und Entdeckung
Wie sich später herausstellen sollte, hatten die Bohrungen eine Verbindung zwischen einer Schicht mit unter hohem Druck stehendem Grundwasser und einer darüber liegenden etwa 75 m<ref name="vorgeschichte" /> mächtigen Gipskeuperschicht geschaffen.<ref name="BZ_23.2.010">Hans Christof Wagner: Risse – Hoffnung in Staufen: Quellvorgänge lassen nach, Badische Zeitung, 23. Februar 2010, abgerufen am 17. Oktober 2010</ref> Durch die Wasseraufnahme hat der in der Gipskeuperschicht eingelagerte Anhydrit begonnen, sich zu Gips umzuwandeln. Bei dieser Umwandlung kann sich das Volumen um bis zu 60 % erhöhen.<ref name="louis">Herbert Louis, Klaus Fischer: Allgemeine Geomorphologie, De Gruyter, Berlin, New York, 1979, S. 121 f., Volltext/Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> Ist der lithostatische Druck des Gesteins über der Gipskeuperschicht kleiner als der Quelldruck des Anhydrits, kann dieser nicht kompensiert werden und wirkt sich auf die Erdoberfläche aus.<ref>Birgit Müller, Franz Schilling, Thomas Kohl: Antworten zu Fragen der Geothermie 2012 (PDF; 1 MB), Landesforschungszentrum Geothermie, Mai 2012, S. 14</ref>
Die Folgen dieser Ausdehnung, die auch als Salzsprengung<ref name="louis" /> oder Gipskeuperquellen<ref name="schad7">Schad, S. 7</ref> bezeichnet wird, waren bereits kurz nach der Rathauseröffnung vom 21. September 2007 festzustellen, als feine Risse erkennbar waren, die irrtümlich zuerst der getrockneten, zuvor frisch aufgebrachten Farbe zugeschrieben wurden.<ref name="huber" /> Vorkommen und Größe der Risse erhöhten sich und weiteten sich auf weitere Innenstadtgebäude aus.<ref name="huber" /> Im Januar 2008 wurden 26 Messpunkte in der Stadt eingerichtet, um die Bewegung der Erdoberfläche erfassen zu können.<ref name="schad9">Schad, S. 9</ref> Anfangs hatte man vermutet, es handle sich um eine Absenkung der Erdoberfläche als Folge der Bohrungen, die sich jedoch im Verlauf der Messung größtenteils als Hebung erwies.<ref name="chronik">Staufen: Hintergrund: Chronik: Staufens Risse-Krise, Badische Zeitung, 22. September 2012, abgerufen am 6. März 2013</ref> Im Mai 2008 wurden daher 21 weitere Messpunkte eingerichtet, denen später 10 zusätzliche folgten. Motiv für diese letzten Sonden waren die gemeldeten Schäden in größerer Entfernung zum Rathaus. Sie traten vor allem in der Mühlengasse und der Straße Auf dem Graben auf.<ref name="schad9" /> Auch die Lilienhofschule in 200 m Entfernung
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}} vom Rathaus meldete Schäden.<ref name="huber" />
Am Messpunkt in der Rathausgasse 8 konnte zwischen 14. Januar und 19. August 2008 eine Hebung von 66 mm in sieben Monaten nachgewiesen werden,<ref name="schad9" /> was ungefähr einem Zentimeter pro Monat entsprach. Ungefähr 120 Häuser waren bereits beschädigt worden.<ref name="chronik09">Staufen: Ausbreitung der Schäden in der Fauststadt: Dossier: Chronik der Risse in Staufen, Badische Zeitung, 21. April 2009, abgerufen am 7. März 2013</ref>
Gutachten 2008
Im August 2008 wurde durch die Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart ein Gutachten vorgelegt, das im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens seitens der Stadtverwaltung beauftragt worden war. Es kam zu dem Schluss, dass die Sondierungen als Grund für die Hebung wahrscheinlich, jedoch nicht erwiesen sind. Dass eine sorgfältigere, jedoch kostenintensivere Arbeitsweise durch den Bauunternehmer die Hebung verhindert hätte, konnte nicht nachgewiesen werden. Ebenso wird das Bohrverfahren mit Imlochhammer und Luftspülung als Stand der Technik bezeichnet.
Im Gegensatz dazu gebe es derzeit kein Verfahren zum Stoppen der Hebung, das ebenfalls als Stand der Technik bezeichnet werden könne. Die Sonden 2 und 7 sollten nicht in den Heizkreislauf eingebaut werden, sondern durch Injektionen aus den Sondenrohren oder durch Vereisen und späteres Verpressen den wahrscheinlich durchlässigen Ringraum verschließen. Die Vereisung sollte nach dem Gutachten für zwei Jahre betrieben werden. Sollte die Maßnahme erfolgreich sein, würde sich die Hebung pro Jahr um 15 bis 30 Prozent reduzieren.
Für das Rathaus und weitere akut betroffene Gebäude empfahl das Gutachten, noch im Jahr 2009 Stabilisierungsmaßnahmen vorzunehmen. Die Untergeschosse der Gebäude sollten über eine Sohlplatte zu einem möglichst stabilen Kasten ausgebaut werden. Damit könnten die Gebäude später über ein Verfahren wie das Compensation Grouting korrigiert werden. Zusammenhängende Gebäude sollten getrennt werden, um gemeinsame Tragwände zu verhindern.
Es wurde darauf hingewiesen, dass der Hebungsprozess und das Entstehen damit verbundener Risse noch Jahrzehnte andauern könne, sie dabei jedoch langsamer werden sollten. Das Gutachten sieht die Kernproblemzone im Bereich zwischen Meiergasse, Jägergasse, Kirchstraße und Hauptstraße. Die Kirche würde vermutlich in den Hebungsbereich fallen, während dies bei den Schäden aus der Lindenhofschule eher bezweifelt wurde. Für beide Gebäude sollten weitere Gutachten folgen. Nach Erfüllung zusätzlicher Anforderungen könne die Anlage im Rathaus jedoch in Betrieb genommen werden, da diese keine Auswirkungen auf den Quellprozess haben dürfte. Das Rathaus wird inzwischen jedoch wieder mit einer Gasheizung beheizt.<ref name="huber" />
Gegenmaßnahmen
Im Dezember 2008 wurde für den Februar des folgenden Jahres eine Kernbohrung angekündigt, die in Rathausnähe weitere Erkenntnisse zu den Vorgängen unter der Erde bringen sollte.<ref name="donner1208">Markus Donner: Staufen: Risse in der Staufener Altstadt: Kernbohrung soll Aufschluss bringen, Badische Zeitung, 18. Dezember 2008, abgerufen am 7. März 2013</ref> Anfang März wurde mit der Bohrung begonnen, die innerhalb von sechs bis acht Wochen in den Lettenkeuper in 140 m Tiefe vorstoßen sollte.<ref>Markus Donner: Staufen: Heute beginnt in Staufen die Erkundungsbohrung, Badische Zeitung, 9. März 2009, abgerufen am 7. März 2013</ref> Bereits zwei Wochen nach Beginn der Bohrung wurde klar, dass sich die Erkundungsbohrung und das Sondenfeld wegen einer tektonischen Verwerfung auf zwei geologisch verschiedenen Erdschollen befanden. Daher wurde mit einer zweiten Bohrung (EKB 2) in geringerer Entfernung zum Sondenfeld begonnen.<ref>Staufen: Zur Klärung der Hebungsrisse in Staufen: Zweite Erkundungsbohrung notwendig, Badische Zeitung, 20. März 2009, abgerufen am 7. März 2013</ref> Mitte Juli befand sich der Bohrmeißel erst bei ungefähr 100 m.<ref>Schäden summieren sich auf 41 Millionen Euro, Badische Zeitung, 17. Juli 2009, abgerufen am 7. März 2013</ref> Im September 2009 war die gewünschte Tiefe erreicht.<ref>Staufen: Schäden in Staufen: Wie Bürgermeister Benitz Rissgeschädigten helfen will, Badische Zeitung, 12. September 2009, abgerufen am 7. März 2013</ref>
Im Verlauf der Bohrungen war man auf eines der Bohrlöcher für die Geothermiesonden gestoßen und hatte dabei Qualitätsmängel am Zement entdeckt, der für die Abdichtung verwendet worden war.<ref>Wulf Rüskamp: Südwest: Untergrund: Risse in Staufen: Ist die Bohrfirma schuld?, Badische Zeitung, 13. November 2009, abgerufen am 7. März 2013</ref> Zudem wiesen die Bohrlöcher bis zu 20 m Abweichung von der Lotrechten auf, wie die Bohrlochvermessung mit einer eigens für diesen Zweck entwickelten Messsonde ergab. Dadurch konnte keine präzise Überbohrung mit einem größeren Durchmesser durchgeführt werden, um die undichten Bohrlöcher abzudichten.<ref name="lgrb2010"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Quellvorgänge unter der Staufener Altstadt: Hebungen lassen nach ( des Vorlage:IconExternal vom 19. November 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Regierungspräsidium Freiburg, Abt. 9 LGRB, 20. Februar 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Stattdessen kam ein ebenfalls extra für diesen Zweck entwickeltes Verfahren zum Einsatz, um die nachträgliche Ringraumabdichtung der Erdwärmesondenbohrungen durchzuführen. Nachdem die Schläuche der Sonden gezielt perforiert worden waren, wurde Spezialzement in den Ringraum und das umliegende Gebirge eingepresst.<ref name="lgrb2010" /> Bis Mitte Dezember 2009<ref name="wagner">Hans Christof Wagner: Staufen: Hoffnungsschimmer: Staufener Risse: Erde hebt sich langsamer, Badische Zeitung, 17. Dezember 2009, abgerufen am 7. März 2013</ref> waren alle sieben Bohrlöcher im unteren Bereich mit Beton abgedichtet, wobei eine der Sonden im Vergleich zu den anderen mit 1000 Litern ungefähr die zehnfache Menge an Zement im unteren Bereich aufnahm.<ref name="wagner" /> Insgesamt bedurfte es 8000 Liter Zement, um dieses letzte Bohrloch abzudichten.<ref name="BZ_23.2.010" />
Laut Experten vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau kann die Sondenbohrung EWS 2, die wegen des Einsturzes auf den untersten 40 m nicht zur Erdwärmesonde ausgebaut worden war, auch nach Abschluss der Maßnahme nicht als hydraulisch ordnungsgemäß abgedichtet betrachtet werden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 10. September 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., S. 22</ref>
Brunnen
Parallel zum Abdichten der Bohrungen hatte man die Erkundungsbohrung 2 hinter dem Rathaus zu einem Brunnen umgebaut, um einen Teil des gespannten Grundwassers abzupumpen.<ref>Markus Donner: Staufen: Hinteres Rathaus soll abgerissen werden: Staufener Stadtbauamt räumt Gebäude, Badische Zeitung, 12. November 2009, abgerufen am 7. März 2013</ref><ref name="lgrb2010" />
Auf einer Informationsveranstaltung als vorläufigem Schlusspunkt seiner Analysen konnte das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Februar 2010 von sinkenden Temperaturen an Stellen berichten, an denen zuvor ungewöhnlich hohe Temperaturen gemessen worden waren. Da man die höheren Temperaturen als Zeichen der Gips-Quellaktivität betrachtet, ging man davon aus, dass die Abdichtungsmaßnahmen wirksam waren und der permanente Pumpenbetrieb zudem zur Senkung des Grundwasserspiegels beitragen würde.<ref name="lgrb2010" /> Zudem sei der Bereich der stärksten Hebungen kleiner geworden.<ref name="BZ_23.2.010" />
Im September 2010 wurde für ca. 370.000 Euro mit dem Bau eines zweiten Brunnens zur Grundwasserentnahme begonnen,<ref name="hcw190910">Hans Christof Wagner: Staufen: „Langsam, aber kontinuierlich“, Badische Zeitung, 14. September 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref> der im März 2011 in Betrieb ging. Statt der ursprünglich geplanten 160 m Tiefe<ref name="hcw190910" /> betrug die Endtiefe dieser Brunnenbohrung 3 (BB 3) nur 127 m, da die dort vorgefundene Wassermenge als ausreichend betrachtet wurde.<ref>Hans Christof Wagner: Staufen: Brunnen geht in Betrieb, Badische Zeitung, 19. März 2011, abgerufen am 8. März 2013</ref> Bis zum Frühjahr 2013 waren die Pumpraten der beiden Brunnen auf ca. 4 Liter pro Sekunde gesunken: In der Erkundungsbohrung betrug die Pumprate 1,8 Liter pro Sekunde, statt der bisherigen 2,2 Liter pro Sekunde. In der Brunnenbohrung war sie sogar von 3,6 bzw. 3,8 auf 2,3 Liter pro Sekunde gefallen. Untersuchungen zum Alter des Wassers lassen zudem darauf schließen, dass es inzwischen hauptsächlich aus Niederschlägen stammt und nicht mehr aus der Nähe des Sondenfeldes.<ref name="pejuni2013" /> Die Geologen des Landesamtes vermuteten daher, dass keine zusätzliche Umwandlung von Anhydrit in Gips im Gange ist und die Abdichtungsmaßnahmen erfolgreich waren.<ref name="pe_04_13"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), staufen.de, 25. April 2013, abgerufen am 21. Mai 2013</ref> Von Juni 2013 bis zum Frühjahr 2015 fielen die Pumpraten in Summe auf 3 Liter.<ref name="pe_03_15"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 20. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 23. März 2015, abgerufen am 19. November 2016</ref>
Die kontinuierliche Abnahme der Hebungsrate fiel im Jahr 2013 deutlich geringer aus als in den ersten beiden Jahren nach Abschluss der Abwehrmaßnahmen.<ref name="pe_04_13" /> Im Juli 2013 betrug die Hebung noch zwischen 3 und 5 Millimetern pro Monat.<ref>Franz Schmider: Südwest: Risse-Katastrophe: Kein Ende der Hebungen in Staufen in Sicht, Badische Zeitung, Sa, 13. Juli 2013, abgerufen am 13. August 2013</ref> Im Oktober 2013 lag sie mit maximal 2,9 Millimetern pro Monat erstmals unter drei Millimetern,<ref name="ruther">Rainer Ruther: Staufen: Pressekonferenz: Risse-Krise in Staufen: Die Schäden nehmen weiter zu, Badische Zeitung, 25. November 2013, abgerufen am 29. November 2013</ref> stagnierte jedoch im April 2014.
Als Grund dafür wurde ein noch immer stetiger, wenn auch geringer Grundwasserzutritt in die quellfähigen Schichten im Bereich der EWS 2 angenommen, den die bisherigen Abwehrmaßnahmen nicht verhindern konnten. Um den Zufluss zu unterbinden, muss der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Da dies über eine Erhöhung der Fördermenge mit den beiden bestehenden Brunnen anscheinend nicht zu erreichen war, wurde im Frühjahr 2014 der Bau eines neuen Brunnens beantragt.<ref name="pe_14_04"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 20. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 25. April 2014, abgerufen am 19. November 2016</ref> Bohrbeginn war am 6. Oktober im Innenhof zwischen technischem Rathaus und den Gebäuden Kirchstraße 3/7, wo sich zuvor das ehemalige Stadtplanungsamt befunden hatte.<ref name="pe_14_09"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 21. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 25. September 2014, abgerufen am 19. November 2016</ref> Das Bohrloch musste während der Arbeiten zweimal aufzementiert und wiederaufgebohrt werden, da die Bohrlochwandung instabil war. Die Kosten für den Bau betrugen ungefähr 600.000 Euro.<ref name="pe_02_15"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 21. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 25. Februar 2015, abgerufen am 19. November 2016</ref>
Nachdem im September 2015 der Pumpbetrieb in der neuen Brunnenbohrung 4 mit 1 l/s aufgenommen<ref name="pe_09_15"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., staufen.de, 9. September 2015, abgerufen am 19. November 2016</ref><ref name="pe_14_06"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 21. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 26. Juni 2014, abgerufen am 19. November 2016</ref> und die Pumpe in Brunnenbohrung 3 ausgetauscht worden war, lagen die Pumpraten in Summe fortan bis Sommer 2016 auf 3,5 Liter pro Sekunde.<ref name="pe_07_16"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 21. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 14. Juli 2016, abgerufen am 19. November 2016</ref>
Gleichzeitig nahm die maximale Hebungsrate weiter ab: Von 2,8 Millimetern im September 2014,<ref name="pe_14_09" /> über 2,34 im November 2015,<ref name="pe_11_15"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 20. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 13. November 2015, abgerufen am 19. November 2016</ref> lag sie im März 2016 bei 2,1 Millimetern pro Monat und sank im Lauf des Jahres 2017 auf unter 2 Millimeter. Die maximale Erhebung im Zentrumsbereich betrug bis zum März 2016 57 Zentimeter.<ref name="pe_16_03"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., staufen.de, 17. März 2016, abgerufen am 19. November 2016</ref> Auch bei der horizontalen Verschiebung, die bis zum November 2014 stellenweise bis zu 40 Zentimeter erreicht hatte,<ref name="pe_11_14"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 20. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 20. November 2014, abgerufen am 19. November 2016</ref> war im November 2015 eine Verlangsamung zu erkennen.<ref name="pe_11_15" /> 2020 rechnete das Land damit, dass dauerhaft Grundwasser abgepumpt werden müsse, um Gebäudeschäden zu vermeiden.<ref>dpa: Staufen muss dauerhaft Wasser abpumpen, um Gebäude zu schützen. Badische Zeitung, 9. März 2020, abgerufen am 9. März 2020.</ref>
Gasnetz
Bis zum August 2011 hatte der örtliche Gasnetzbetreiber Badenova 1,15 Millionen Euro in die Sicherheit des Gasnetzes im Hebungsbereich investiert.<ref name="badenova"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />badenova kümmert sich um Staufen ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), badenova.de, Pressemitteilung, 11. August 2011, abgerufen am 29. November 2013</ref> Der Großteil der Ausgaben floss in die 2009 vollendete Sektionierung des Netzes.<ref name="wehrle">Ute Wehrle: Staufen: Lagebericht: Risse in Staufen: Keine Entwarnung durch Pumpen, Badische Zeitung, 15. Oktober 2009, abgerufen am 8. März 2013</ref> Badenova ist dadurch in der Lage, einzelne Teile der Gasleitung abzuschalten, ohne die Versorgung für die komplette Stadt zu unterbrechen.<ref name="badenova" /> An 16 Stellen im Netz wurden zudem Dehnungsbögen verbaut, um eine mögliche Verformung durch die Hebungskräfte kompensieren zu können. Im Oktober 2013 wurde erklärt, dass sich der 100-Millimeter-Bogen in der Rathausgasse bereits um 89 Millimeter gedehnt habe und er ausgetauscht werden müsse.<ref name="ruther" /><ref name="pe_11_13"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), staufen.de, 21. November 2013, abgerufen am 29. November 2013</ref> Im Juni 2014 hatten die Dehnungsbögen in der Rathausgasse und der Hauptstraße erneut das Maximum erreicht und mussten nochmals ausgetauscht werden.<ref name="pe_14_06" />
Die Stadtwerke Müllheim Staufen erwarben zum 1. Januar 2015 für 8,75 Millionen Euro die Gasnetze der beiden Städte. Die siebenstellige Schadensersatzforderung der Badenova wegen der Hebungsrisse hatte die Verhandlungen erschwert. Beide Seiten hatten sich jedoch am Ende diesbezüglich geeinigt und über das Ergebnis Stillschweigen vereinbart. Badenova hat die Netze für 10 Jahre zum Betrieb gepachtet.[veraltet]Bitte nutze in Fällen, in denen die Jahreszahl bereits in der Vergangenheit liegt, {{Veraltet}} anstatt {{Zukunft}} <ref>Katja Mielcarek: Staufen: Verkauf ist unter Dach und Fach. Badische Zeitung, 23. Dezember 2014, abgerufen am 19. November 2016.</ref>
Gebäudeschäden
Bis Oktober 2010 waren 268 Häuser von Schäden betroffen, davon 127 besonders stark beschädigte, die regelmäßig von einem Büro für Baukonstruktionen überwacht werden.<ref name="BZ_15.10.010">Hans Christof Wagner: Keine Entwarnung in der Fauststadt – Risse in Staufen: Pumpen, reparieren und hoffen, Badische Zeitung, 17. Oktober 2010, abgerufen am 8. März 2012</ref>
Im Dezember 2012 gab die Stadtverwaltung bekannt, dass die ehemalige Wasserwerkstatt der Stadt nicht mehr gerettet werden könne und abgerissen werden soll.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />In Staufen ist ein zweites Haus nicht zu retten ( vom 26. Dezember 2012 im Internet Archive), Schwäbisches Tagblatt Tübingen, 24. Dezember 2012, abgerufen am 8. März 2013</ref><ref>Staufen: Rissebildung in der Altstadt geht weiter (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2025. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, swr.de, 20. April 2021, abgerufen am 10. März 2022</ref> Am 5. August 2013 wurde daher mit dem Abriss dieses ersten Gebäudes begonnen, das durch die Bohrungen geschädigt worden war. Es war 1915 errichtet worden und wurde von der ehemaligen Schlossbergwäscherei genutzt, bevor es der Stadt als Werkstatt und Lager diente. Das Gebäude hatte sich um insgesamt 45 Zentimeter gehoben.<ref>Staufen: Alte Wasserwerkstatt: Rissekatastrophe in Staufen: Das erste Gebäude muss abgerissen werden – badische-zeitung.de. Abgerufen am 5. August 2013.</ref><ref>Sechs Jahre nach Geothermiebohrungen: Von Rissen beschädigtes Haus fällt – Nachrichten :: Baden-Württemberg. In: SWR.de. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. August 2013. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Bereits im November 2009 war das Stadtbauamt wegen Einsturzgefahr geräumt worden.<ref name="BZ_15.10.010" /> Es wurde jedoch zunächst nicht abgerissen, um als Demonstrationsobjekt zu dienen.<ref name="ruther_feb">Rainer Ruther: Staufen: Renovierungen nehmen Fahrt auf, Badische Zeitung, 23. Februar 2013, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Im September 2014 wurde jedoch mit dem Abriss begonnen, um dort die Brunnenbohrung 4 niederzubringen.<ref>Südwest: Zweiter Abbruch in Staufen. Badische Zeitung, 6. September 2014, abgerufen am 5. Dezember 2015.</ref> Der Abriss kostete 90.000 EUR.<ref>Teilabriss des rückwärtigen Rathausgebäudes und Beginn der vierten Brunnenbohrung. staufen.de, 5. September 2004, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Juni 2017; abgerufen am 19. November 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Das Gebäude hatte ursprünglich als landwirtschaftliches Nebengebäude gedient, bevor es für die Nutzung durch die Feuerwehr umgebaut wurde. 1967 war die ehemalige Scheune um einen Schlauchturm erweitert worden. Als 1971 das Rathaus renoviert wurde, war das Feuerwehrhaus komplett in dieses und den ehemaligen Farrenstall nebenan umgezogen, das die Gemeinde bereits 1877 erworben hatte. Den Umzug hatte man mit einer großflächigen Erneuerung der Bausubstanz verbunden. Bis zum Umzug der Feuerwehr in das neue Feuerwehrhaus im Jahr 1996 war sie im Erdgeschoss untergebracht gewesen. Im zweiten Stock hatten sich städtisches Bauamt mit Wasserwerkstatt und Grundbuchamt befunden. Darüber war die Wohnung des Gerätewarts der Feuerwehr eingerichtet worden. Nach Wegzug der Feuerwehr wurden deren Räume 1997 für das Stadtarchiv umgebaut. Nach der Räumung im Jahr 2009 war die Wasserwerkstatt an die neu gegründeten Stadtwerke Müllheim Staufen übergegangen, das Bauamt war in neu angemietete Räume in der Adlergasse gezogen und das Stadtarchiv nach Grunern ausgelagert worden.<ref name="bz161119">Jörg Martin: Teilabriss des rückwärtigen Rathausgebäudes. staufen.de, 5. September 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. November 2016; abgerufen am 19. November 2016.</ref>
Es wurde jedoch nur ein Teil des Gebäudes abgerissen, der benachbarte ehemalige Farrenstall wird vorerst zur Sicherung des Nachbargebäudes und für weitere Untersuchungen erhalten, bevor er – nach Erarbeitung eines Sicherungskonzeptes – mittelfristig auch abgerissen werden soll.<ref name="bz161119" /> Im November 2014 wurde eine provisorische Treppe eingebaut, um den verbliebenen Gebäudeteil begehbar zu machen.<ref name="pe_11_14" />
Ein weiterer Abrisskandidat könnte nach Aussage des Arbeitskreises Staufener Stadtbild aus dem Jahr 2015 das Rathaus-Café sein. Im Mai 2015 widersprach Bürgermeister Benitz jedoch dieser Einschätzung und verwies darauf, dass der Arbeitskreis nicht immer über alle Informationen verfüge.<ref>Rainer Ruther: Staufen: „Von einem Totalschaden war nie die Rede“. Badische Zeitung, 9. Mai 2015, abgerufen am 5. Dezember 2015.</ref> Wie im November 2015 auf der Pressekonferenz erklärt wurde, gelte dem Gebäude jedoch besondere Aufmerksamkeit.<ref>Staufen: Hebungen verlangsamt. Badische Zeitung, 17. November 2015, abgerufen am 5. Dezember 2015.</ref> Im Januar 2016 bekräftigte er, nach einer entsprechenden Meldung der Badischen Zeitung, dass das Gebäude nicht einsturzgefährdet sei.<ref name="pe_01_16"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 21. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 22. Januar 2016, abgerufen am 19. November 2016</ref>
Finanzielle Hilfe
Stadt Staufen
Die Stadt kündigte im Dezember 2008 an, die später durch das Land übernommene Kernbohrung für 300.000 Euro ebenso vorzufinanzieren, wie eventuelle Provisorien zur statischen Sicherung von Gebäuden.<ref name="donner1208" /> In den fünf Jahren zwischen September 2007 und 2012 verursachten die Risse städtische Ausgaben von 2,5 Millionen Euro.<ref name="ruther_feb" /> Um einer Insolvenz zu entgehen, wurde diese zuletzt über Kredite finanziert.<ref name="ruther_feb" /> So musste die Gemeinde im November 2011 1,2 Millionen Euro Fremdkapital aufnehmen, während andere Gemeinden den wirtschaftlichen Aufschwung zum Schuldenabbau nutzen konnten.<ref>Alexander Huber: Staufen: Staufen: Finanzieller Kraftakt: Die Aufarbeitung der Hebungen, Badische Zeitung, 12. Februar 2012, abgerufen am 1. April 2013</ref>
Schätzungen nennen einen reinen Gebäudeschaden von bis zu 50 Millionen Euro.<ref name="huber0912">Alexander Huber: Staufen: Vertragsunterzeichnung: Schlichtung in Staufen soll Streit um Gebäuderisse vermeiden, Badische Zeitung, 17. September 2012, abgerufen am 8. März 2013</ref> Welchen Anteil davon die Stadtverwaltung zu tragen hat, war im April 2013 noch ungeklärt.<ref name="pe_04_13" /> Am 2. Mai fand ein Spitzentreffen mit Vertretern des Landkreistages, des Städte- und des Gemeindetages sowie Vertretern aus dem Innen-, Umwelt- und Finanzministerium statt, auf dem diese Frage erörtert wurde.<ref name="ruther_feb" /><ref name="pm0213"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), staufen.de, 21. Februar 2013, abgerufen am 8. März 2013</ref> Im Juni 2013 wurde als Folge dieses Treffens angekündigt, dass in Kürze ein Vorschlag der Ministerien dem Kabinett zur Entscheidung vorgelegt werden sollte.<ref name="pejuni2013" /> Die Badische Zeitung interpretierte Aussagen von Bürgermeister Benitz auf der Pressekonferenz im Oktober 2013 dahingehend, dass bereits eine Regelung gefunden sei, über deren Details allerdings noch vom Kabinett beraten werden müsse.<ref name="ruther" /> Im Zuge der Folgeveranstaltung im Februar 2014 erklärte Benitz, dass inzwischen Einigkeit über den Inhalt einer Finanzierungsvereinbarung für den ersten großen Teil der Beseitigung der Risseschäden mit vier Ministerien und den kommunalen Spitzenverbänden erzielt worden sei. Am 20. März unterzeichnete er zusammen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Städtetagspräsidentin Barbara Bosch und Gemeindetagsvizepräsident Artur Ostermaier eine Vereinbarung über die Finanzierung von 30 Millionen Euro zur Schadensbeseitigung innerhalb der nächsten 15 Jahre: Jeweils 12 Millionen kommen vom Land und aus dem kommunalen Finanzausgleich, die restlichen sechs Millionen werden von der Stadt getragen.<ref name="huber0314">Alexander Huber: Staufen: „Tag der Hoffnung für Staufen“. Badische Zeitung, 21. März 2014, abgerufen am 5. Dezember 2015.</ref>
Die kumulierten Kosten zur Schadensabwehr und für die bisherigen Sanierungsarbeiten beliefen sich bis September 2015 auf 9,49 Millionen Euro, von denen die Stadt Staufen einschließlich eigener Leistungen durch Stadtverwaltung und städtischen Bauhof rund 3 Millionen trägt.<ref name="pe_09_15" />
Land Baden-Württemberg
Der Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Ernst Pfister kündigte im Februar 2009 an, dass das Land die Erkundungsbohrung mit 300.000 Euro bezahlen würde, man jedoch bei höheren Kosten nochmals verhandeln müsse. Zudem deutete er an, dass das Land Bankbürgschaften für Kredite zur Durchführung unaufschiebbarer Sanierungen übernehmen und zudem über Konjunkturprogramme helfen könnte.<ref>Markus Donner: Staufen: Wirtschaftsminister besichtigt Risse in der Altstadt: „Land lässt Staufen nicht im Stich“, Badische Zeitung, 5. Februar 2009, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Bis zum Oktober 2009 ging eine erste Zahlung des Landes von 614.000 Euro bei der Stadtverwaltung ein.<ref name="wehrle" /> Im Dezember 2009 wurde eine Hilfe für Staufen in Höhe von 2 Millionen Euro aus dem Kommunalen Investitionsfonds beschlossen.<ref>Roland Muschel: Südwest: Kommunaler Investitionsfonds: Land gibt Millionen für Staufen und Feldberg, Badische Zeitung, 8. Dezember 2009, abgerufen am 8. März 2013</ref> Im Januar 2011 hatte das Land insgesamt 3,6 Millionen Euro für die Erkundung und Sanierung des Sondenfelds bereitgestellt sowie eine weitere Million für die Schlichtungsstelle.<ref>Hebungskatastrophe in Staufen: Abwehrmaßnahmen und Finanzierung der Schäden (PDF; 51 kB), Antrag der Abg. Bärbl Mielich u. a. GRÜNE und Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums, Landtag von Baden-Württemberg, 14. Wahlperiode, Drucksache 14/7377, 17. Dezember 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref> Am 2. Februar 2011 wurden mit dem Dritten Nachtragshaushalt 2011 weitere 2 Millionen Euro zur Unterstützung der Stadt Staufen freigegeben.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dritter Nachtragshaushalt 2011 ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), fraktion.cdu-bw.de, 2. Februar 2011, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Am 15. Februar 2012 wurde zudem geregelt, „dass 50 Prozent des Betrags, den das Land im Einvernehmen mit den kommunalen Landesverbänden der Stadt Staufen nach Abzug der von der Stadt zu tragenden Eigenbeteiligung für Sanierungsmaßnahmen zur Bewältigung der Hebungskatastrophe gewährt,“ aus dem kommunalen Finanzausgleich kommen.<ref>Haushaltsbegleitgesetz 2012 (PDF; 42 kB), Gesetzesbeschluss des Landtags von Baden-Württemberg, 15. Wahlperiode, Drucksache 15/1258, 15. Februar 2012, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Bis zum März 2014 hatte das Land von 7,5 Millionen Euro, die die Krise bereits gekostet hatte, 5,3 Millionen übernommen.<ref name="huber0314" />
Schlichtung und Interessengemeinschaft
Bereits im Oktober 2008 hatte Bürgermeister Michael Benitz erklärt, er wünsche sich eine politische Lösung bei der Behebung der Hebungsschäden. Das Land solle alle beteiligten Parteien an einen Tisch bringen und ihnen eine einvernehmliche, nichtjuristische Lösung des Problems anbieten. An dessen Ende sollte laut Benitz ein Fonds stehen, in den alle einzahlen und aus dem alle Rechnungen zwecks der Sanierung von Häusern bezahlt werden können.<ref>Hans Christof Wagner: Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Staufen sucht eine politische Lösung, Badische Zeitung, 15. Oktober 2008, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Im Sommer 2010 wurden mehrere Mitglieder der Schlichtungsstelle berufen und eine Schlichtungsordnung vom Gemeinderat verabschiedet.<ref name="wagner0710">Hans Christof Wagner: Staufen: Stabilisierung: Erstmals keine neuen Häuser in Staufen betroffen – Schlichterstelle besetzt, Badische Zeitung, 15. Juli 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref> Diese wurde am 22. September 2010 im Beisein von Staatsminister Helmut Rau unterzeichnet. Als Vorsitzender der Schlichtungsstelle wurde Jochen Teigeler eingesetzt, der bis zum Mai 2010 Präsident des Landgerichts Freiburg gewesen war. Der Bad Krozinger Ingenieur Hans-Eckart Zipfel wurde sein Stellvertreter.<ref>Staufen: Ordnung ist unterzeichnet, Badische Zeitung, 23. September 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref> Zur Unterstützung der Schlichtungsstelle wurde eine Stelle im Staufener Bauamt ausgeschrieben, die jedoch bei Unterzeichnung noch nicht besetzt war.<ref name="hcw190910" /> Das Land sorgte mit einer Million für die finanzielle Ausstattung der Schlichtungsstelle, unterschrieb jedoch nicht die Schlichtungsordnung, um keine rechtliche Verpflichtung zu erzeugen.<ref name="wagner0710" />
Vertragspartner der Stadt war die vermutlich im Jahr 2009 gegründete<ref>Staufen: Landesvater besucht Risse: Oettinger stellt Staufen Millionenhilfe in Aussicht, Badische Zeitung.de, 9. August 2009, abgerufen am 8. März 2013</ref> Interessengemeinschaft der Riss-Geschädigten (IGR). Bei ihr handelt es sich um eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, die nach eigenen Angaben die Inhaber von rund 90 % der schwer betroffenen Gebäude in der Staufener Innenstadt vertritt.<ref>Interessengemeinschaft der Riss-Geschädigten Staufen i. Br., abgerufen am 8. März 2013</ref>
Im Oktober 2010 lag der Schlichtungsstelle, die auf Sofortmaßnahmen beschränkt war,<ref>Alexander Huber: Staufen: „Streit unbürokratisch beilegen“, Badische Zeitung, 24. September 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref> nur ein Antrag auf Übernahme der Kosten einer Reparatur vor. Dies führte der Bürgermeisterstellvertreter Helmut Zimmermann darauf zurück, dass das städtische Bauamt sämtliche dringenden Arbeiten bereits durchgeführt hatte.<ref name="BZ_15.10.010" />
Im Beisein von Staatsministerin Silke Krebs (Bündnis 90/Die Grünen) sowie der Abgeordneten Bärbl Mielich (Bündnis 90/Die Grünen) und Christoph Bayer (SPD) wurde am 17. September 2012 die Schlichtungsordnung für die Regulierung der Schäden unterzeichnet.<ref name="huber0912" /> Sie galt vorerst für ein Jahr. Die Gültigkeit verlängert sich jedoch jeweils automatisch um ein weiteres Jahr, falls der Vertrag nicht drei Monate vor Ablauf[veraltet]Bitte nutze in Fällen, in denen die Jahreszahl bereits in der Vergangenheit liegt, {{Veraltet}} anstatt {{Zukunft}} von einer der beiden Vertragsparteien gekündigt wird.<ref>Schlichtungsordnung für die Regulierung der Schäden durch die Geländehebungen und Geländeverschiebungen im Stadtgebiet der Stadt Staufen im Breisgau (PDF; 525 kB), 17. September 2012, abgerufen am 1. April 2013</ref>
Bis zum 17. September 2012 waren 68 Sofortmaßnahmen über die Schlichtungsstelle nach der ersten Schlichtungsordnung durchgeführt worden.<ref name="huber0912" /> Im Rahmen der zweiten Schlichtungsordnung waren bis zum Februar 2013 90 Anträge eingegangen, von denen der Großteil abgewickelt wurde. Dabei war rund eine halbe Million Euro ausgezahlt worden.<ref name="ruther_feb" /> Bis zum September 2016 waren bereits 366 Anträge eingegangen, davon 165 im vereinfachten Verfahren.<ref name="pe_09_16"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 21. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 15. September 2016, abgerufen am 19. November 2016</ref>
Initiative
Der 1977 gegründete Verein Arbeitskreis Staufener Stadtbild e. V. rief im April 2009 zu einer Spendenaktion auf. Laut Angaben des Vorsitzenden Konstantin Technau sei dies über die Vereinssatzung gedeckt, man müsse jedoch noch prüfen, ob die Spenden steuerlich absetzbar sind.<ref>Markus Donner: Staufen: Aufruf des Arbeitskreises Staufener Stadtbild: Spendenaktion für Rissgeschädigte, Badische Zeitung, 14. April 2009, abgerufen am 8. März 2013</ref> Der Verein ist Teil der Initiative Wir halten Staufen zusammen, die sich im Frühjahr/Sommer 2009 zur Spendensammlung bildete. Es wurde eine Webseite erstellt und ein Informationsstand in der Innenstadt betrieben.<ref>Staufen: „Wir dulden nicht, dass Staufen auseinander bricht“, Badische Zeitung, 17. Juli 2009, abgerufen am 8. März 2013</ref> Auf einer Webseite kündigte sie u. a. an, historische Dachziegel aus der Altstadt verkaufen zu wollen. Der Preis bestimme sich nach der Anzahl beschädigter Häuser.<ref>Dachziegel / WHSZ-Uhren mit Originalstein der Staufener Rathaustreppe, wir-halten-staufen-zusammen.de, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Stiftung
Im Dezember 2009 beschloss der Staufener Gemeinderat die Satzung der „Stiftung zur Erhaltung der Historischen Altstadt in Staufen i.Br.“,<ref name="wagner" /> die am 13. Januar 2010 gegründet wurde.<ref>Stiftung zur Erhaltung der Staufener Altstadt: Satzung, staufenstiftung.de, abgerufen am 8. März 2013</ref> Für das Kuratorium konnten folgende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gewonnen werden: Erwin Teufel, Klaus Mangold, Christian Hodeige, Christian Nienhaus, Alexander von Vegesack und Jochen Glaeser.<ref>Stiftung zur Erhaltung der Staufener Altstadt: Kuratorium, staufenstiftung.de, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Die Stiftung sammelt unter dem Motto „Staufen darf nicht zerbrechen“ Spenden, beispielsweise durch Benefizkonzerte, Kunstauktionen und den Verkauf diverser Merchandising-Artikel, auf denen Risse zu sehen sind, die von einem roten Band/Pflaster überklebt bzw. zusammengehalten werden. So erschien eine Sonderbriefmarke, die allerdings nur in lokalen und regionalen Geschäften, Banken und Winzergenossenschaften zu kaufen ist,<ref>Hans Christof Wagner: Sonderbriefmarken und mehr: So soll die Staufen-Stiftung helfen, Badische Zeitung, 9. November 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref> sowie ein limitierter Krug der Majolika-Manufaktur in Karlsruhe.<ref>staufenstiftung.de: Stiftung zur Erhaltung der Staufener Altstadt, Zugriff am 5. März 2011</ref>
Auch wenn es nicht gelang, den Altbundeskanzler Gerhard Schröder für das Kuratorium zu gewinnen,<ref>Alexander Huber: Altkanzler soll Staufener Altstadt helfen, 22. Oktober 2010, abgerufen am 23. Oktober 2010</ref> war er einer der Prominenten, die im Rahmen einer Anzeigenkampagne für die Stiftung warben. Weitere Persönlichkeiten der Kampagne waren Ulrich Wickert, Peter Boudgoust, Cherno Jobatey, Frank Elstner, Tomi Ungerer, Tony Marshall sowie die Radiomoderatoren Sascha Zeus und Michael Wirbitzky. Zu den Spendern zählen neben Privatpersonen und Unternehmen auch Gemeinden, zum Beispiel Breisach am Rhein (2012)<ref>Breisach: Eine Geste der Solidarität, Badische Zeitung, 23. Juni 2012, abgerufen am 21. März 2013</ref> und Oberried (2013).<ref>Oberried: Risse: Oberried hilft Staufen, Badische Zeitung, 9. Januar 2013, abgerufen am 21. März 2013</ref>
Mitte März 2013 befanden sich in der Stiftungskasse nach Abzug aller Aufwendungen 420.000 Euro.<ref name="rutherhuber">Rainer Ruther, Alexander Huber: Staufen: Staufen: Staufen realisiert 2013 zahlreiche Bauprojekte, Badische Zeitung, 17. März 2013, abgerufen am 1. April 2013</ref> Der Lagerbestand an Steinkrügen betrug noch 2900 Exemplare,<ref name="rutherhuber" /> von ursprünglichen 5000.<ref>Ralf Deckert: Geothermie: Noch zu wenig Spenden für Staufen, Schwarzwälder Bote, 29. Juni 2011, abgerufen am 1. April 2013</ref> Die Mannschaft des SC Freiburg signierte 30 der Steinkrüge, die zwischen März und Mai online von der Stiftung versteigert wurden<ref>Versteigerungvon handsignierten Staufenkrügen (PDF; 594 kB), Pressemeldung, abgerufen am 1. April 2013</ref> und einen Erlös von 4.657 Euro einbrachten.<ref name="pejuni2013"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 14. Juli 2013 im Internet Archive), staufen.de, 27. Juni 2013, abgerufen am 30. Juni 2013</ref> Im Juni 2016 waren noch über 2000 Exemplare der Steinkrüge zum Abverkauf vorhanden.<ref name="pe_06_16"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 21. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 6. Juni 2015, abgerufen am 19. November 2016</ref>
Am 20. Mai 2016 begann die Stiftung mit dem Verkauf von 50.000 Lotterie-Losen zum Preis von 2,50 Euro pro Stück, um das Stiftungskapital zu erhöhen. Die Auslosung der 100 Hauptpreise der insgesamt 5000 Preise fand am 6. Januar 2017 statt.<ref name="pe_05_16"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung zu den Hebungsrissen ( vom 21. November 2016 im Internet Archive), staufen.de, 13. Mai 2016, abgerufen am 19. November 2016</ref>
Am 27. Januar 2023 erschien in der Badischen Zeitung ein Artikel über die Auflösung der Stiftung.<ref>Staufen-Stiftung | Wohin mit dem Stiftungsgeld?, auf badische-zeitung.de</ref> Die Auflösung wurde bereits Anfang Dezember 2022 bei der beaufsichtigenden Stelle im Regierungspräsidium Freiburg<ref>Bekanntmachung des Regierungspräsidiums Freiburg über die Auflösung einer Stiftung (PDF; 0,1 MB), auf rp.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 6. Februar 2023</ref> und im Staatsanzeiger Baden-Württemberg veröffentlicht. Die breite Öffentlichkeit wurde erst im Rahmen der Gemeinderatssitzung vom 25. Januar 2023 informiert unter „Bekanntgabe von Beschlüssen der nichtöffentlichen Sitzung vom 21.12.2022“.<ref>Niederschrift Nr. 1/2023 über die öffentliche Sitzung des Gemeinderates der Stadt Staufen i. Br. am Mittwoch, den 25. Januar 2023 im Stubenhaus, Erhart-Kästner-Saal (PDF; 0,1 MB), auf staufen.ratsinfomanagement.net, abgerufen am 6. Februar 2023</ref>
Gerichtsverfahren
Im Frühjahr 2009 richtete die SPD-Bundestagsabgeordnete Elvira Drobinski-Weiß eine Anfrage an die Bundesregierung, wer für solche Schäden wie die in Staufen haftet. Michael Müller, der parlamentarische Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, antwortete, dass es kein besonderes Haftungsrecht für die oberflächennahe Geothermienutzung gebe und sich ein Anspruch auf Schadensersatz nach dem allgemeinen Schadensersatzrecht zu richten habe.<ref>Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 2. Juni 2009 eingegangenen Antworten der Bundesregierung (PDF; 1,1 MB), Deutscher Bundestag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/13307, 6. Juni 2009, abgerufen am 1. April 2013, S. 59</ref>
Im Februar 2010 verklagte der Staufener Hausbesitzer Claus Hermann<ref name="sillgitt">Alexandra Sillgitt: Staufen: Risse: Staufen: Geschädigter Hausbesitzer verklagt Land, Badische Zeitung, 19. Februar 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref> vor dem Freiburger Landgericht (Aktenzeichen 14 O 471/08) die Stadt Staufen und später zusätzlich das Land Baden-Württemberg auf Schadensersatz, da dieses seiner Meinung nach die Bohrungen niemals hätte genehmigen dürfen. Das Land Baden-Württemberg verdoppelte die dreijährige reguläre Verjährungsfrist bis zum 31. Dezember 2013, um Klagen aus Zeitdruck zu verhindern.<ref>Ute Wehrle: Staufen: Staatsminister Helmut Rau in Staufen: Eine weitere Million Euro vom Land, Badische Zeitung, 20. Mai 2010, abgerufen am 18. März 2013</ref> Der Ministerrat stimmte im Herbst 2013 einer Verlängerung des Verzichts der Einrede der Verjährung um weitere fünf Jahre bis Ende 2018[veraltet]Bitte nutze in Fällen, in denen die Jahreszahl bereits in der Vergangenheit liegt, {{Veraltet}} anstatt {{Zukunft}} zu.<ref name="pe_11_13" />
Die Stadt verkündete am 31. März 2010 dem Land den Streit und entschied sich, selbst eine isolierte Drittwiderklage auf Feststellung einzureichen. Diese richtete sich gegen die Wälderbau GmbH aus Schwarzenberg bei Bregenz, das Vörstetter Planungsbüro Hölken & Berghoff (GbR) sowie gegen das Planungsbüro Systherma aus Starzach-Felldorf.<ref>Auszug aus der Niederschrift Nr. 03/2010 über die öffentliche Sitzung des Gemeinderates (PDF; 2,3 MB), 31. März 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref><ref>Roland Muschel und Franz Schmider: Südwest: Geothermie: Risse-Stadt Staufen verklagt Bohrfirma, Badische Zeitung, 15. Mai 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref> Auf eine Amtshaftungsklage gegen das Land verzichtete die Stadt zu diesem Zeitpunkt jedoch.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Plenarprotokoll 14/92 ( vom 12. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF; 1,3 MB), Landtag von Baden-Württemberg, 15. April 2010, abgerufen am 18. März 2013, S. 36</ref>
Dennoch konnte Hermann seine Soforthilfemaßnahmen von der Schlichtungsstelle regulieren lassen. Henning von der Forst, einem zweiten Kläger, wurde dies verwehrt. Als Grund gab Bednatz den Zeitpunkt der Klage an, die in diesem Fall nach dem Beschluss zur Einrichtung der Schlichtungsstelle erfolgt war.<ref>Hans Christof Wagner: Staufen: Streit: Staufener Risse: Stadt zahlt wegen Klage Sicherung nicht, Badische Zeitung, 25. August 2010, abgerufen am 8. März 2013</ref>
Der Prozess zur Klage von Hermann begann am 28. September 2011 vor der 14. Zivilkammer des Freiburger Landgerichts.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Risse in Staufen: Erster Prozess beginnt heute ( vom 9. Mai 2015 im Internet Archive), neckar-chronik.de, 28. September 2011, abgerufen am 18. März 2013</ref> Diese entschied am 4. November 2011, das Verfahren aufzuteilen, da sich die Zahl der beteiligten Parteien durch die zahlreichen Klageerweiterungen massiv erhöht hatte und elf Anwälte beteiligt waren.<ref name="lg2011">Prozess um Staufener Risse – Landgericht stellt Fahrplan auf (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2025. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, Landgericht Freiburg, 4. November 2011, abgerufen am 18. März 2013</ref> Bei einem dieser Verfahren, das in den Medien als das einer Hauseigentümerin gegen die Stadt Staufen mit einem Streitwert von 400.000 Euro bezeichnet wird, handelt es sich um die Klage Hermanns, die von seinen Erben fortgeführt wird.<ref>Auskunft am 13. März 2013 per E-Mail im Support-Team-Ticket:2013031810011764 vom Sekretariat des Staufener Bürgermeisters erhalten.</ref> Ein weiteres Verfahren beinhaltet dessen Erweiterung auf das Land Baden-Württemberg sowie auf die Planungsbüros und das Bohrunternehmen.<ref name="lg2011" /> Den größten Streitwert von 30 Millionen Euro besitzt das dritte abgetrennte Verfahren zwischen Stadt, Planern und Bohrunternehmen.<ref name="lg2011" />
Die Verfahren beider Kläger, Hermann und von der Forst, waren im September 2012 noch nicht abgeschlossen.<ref name="huber" /><ref>Huber erwähnt zwei Gerichtsverfahren und meint damit vermutlich die beiden ursprünglichen Kläger Hermann und von der Forst. Zumindest wurde von Seiten beider Kläger telefonisch erklärt, dass ihre Verfahren noch nicht abgeschlossen waren.</ref> Bis zum April 2015 wurde jedoch eines der beiden Verfahren vom Hauseigentümer für ruhend erklärt und ein Schlichtungsvorschlag eingereicht.<ref name="pe_03_15" /> 2017 wurde in einem außergerichtlichen Vergleich vereinbart, dass die Bohrfirma 1,175 Millionen Euro zahle. Die Gesamtschadenssumme wurde mit über 50 Millionen Euro beziffert.<ref>Die Stadt haftbar, nicht die Bohrfirmen. Abgerufen am 9. Mai 2023.</ref>
Rezeption
Die Staufener Hebungsrisse erfuhren am Anfang eine hohe Medienpräsenz, was dadurch begünstigt wurde, dass Bürgermeister Benitz sich für eine möglichst schnelle und ungefilterte Informationspolitik entschied und monatliche Pressekonferenzen veranstaltete.<ref name="huber" /> Auch überregionale Medien berichteten, so z. B. Die Welt,<ref name="welt">Marco Lauer: Gefährliche Erdwärme: Warum die Erde unter Staufen aufquillt wie Hefeteig, welt.de, 23. August 2009, abgerufen am 1. April 2013</ref> Spiegel Online<ref>Jens Lubbadeh: Nach Erdwärme-Bohrung: Eine Stadt zerreißt, spiegel.de, 15. November 2008, abgerufen am 20. Mai 2013</ref> und die WDR-Sendung Quarks & Co.<ref>Staufen – die Geister, die ich rief …, wdr.de, Sendung vom 5. Mai 2009, abgerufen am 20. Mai 2013</ref> Einige Meldungen wiesen auf die Ironie der Hebungsrisse in Staufen als Sterbeort des Johann Georg Faust hin.<ref name="huber" /> Die Badische Zeitung sprach von einem Risse-Drama<ref name="huber" /> und einer Risse-Krise,<ref name="chronik" /> die Grünen-Politikerin Bärbl Mielich von einer Hebungs-Katastrophe.<ref>Staufen: Mielich: „Land bewegt sich“, Badische Zeitung, 26. Mai 2010, abgerufen am 20. Mai 2013</ref> und die Zeitung Die Welt verglich den Boden unter der Stadt mit einem aufquellenden Hefeteig.<ref name="welt" /> Auch der YouTuber Tom Scott berichtete 2017 vor Ort von den Vorfällen und erhöhte damit deren Bekanntheit im englischsprachigen Raum.<ref>https://m.youtube.com/watch?v=zOgle88sKro</ref>
Während die Medien größtenteils die Dramatik der Ereignisse hervorhoben, äußerte sich der Hydrogeologe Nico Goldscheider zusammen mit dem Geologen und Geophysiker Timothy D. Bechtel im Frühjahr kritisch zur Lage in Staufen und den Verantwortlichen: Nach Meinung dieser Autoren wurde bei den Arbeiten vorhandenes geologisches und geotechnisches Wissen ignoriert, was zu einem vorhersehbaren und verhinderbaren Desaster geführt habe. Sie kritisieren zudem das Gutachten von Schad, in dem die Wahrscheinlichkeit der Bohrungen als Ursache im Vergleich zu natürlichen Ursachen mit 2:1 beziffert wurde. Dieser Quote fehle jegliche Grundlage. Zudem sei es für die Hauseigentümer nicht hilfreich, dass das Bohrverfahren Stand der Technik gewesen sei. Sollte dies wirklich Stand der Technik sein, so die Autoren, könne etwas damit nicht in Ordnung sein.<ref></ref> Mirko Benesch, der Freiburger Anwalt mehrerer Kläger gegen die mutmaßlich Verantwortlichen, ist der Meinung, dass „die Katastrophe in dem Ausmaß hätte verhindert werden können“.<ref name="sillgitt" /> Im Dezember 2008 bezeichnete er im Tagesspiegel die Kernaussage des Schad-Gutachtens sowie die Ankündigung der Stadt, dass die Hauseigentümer bis zur Klärung der Ursache selbst für Reparaturen und Sicherungsmaßnahmen aufkommen müssten, zudem als „‚Ohrfeige‘ für die Betroffenen“.<ref>Staufen: Eine Stadt bröckelt, tagesspiegel.de, 1. Dezember 2008, abgerufen am 27. Mai 2013</ref>
Staufen wurde seither mehrfach als Beispiel angeführt, um die Gefahren von Bohrungen in den Gipskeuper darzustellen. Dies konnte in der Debatte um das Bahnprojekt Stuttgart 21 beobachtet werden, im Zuge von dessen Tunnelbauarbeiten ebenfalls trockener Anhydrit angebohrt werden soll.[veraltet]Bitte nutze in Fällen, in denen die Jahreszahl bereits in der Vergangenheit liegt, {{Veraltet}} anstatt {{Zukunft}} <ref>Philipp Schlittenhardt: Bildung & Wissen: Staufen: Auf Salz gebaut, Badische Zeitung, 18. Dezember 2010, abgerufen am 20. Mai 2013</ref><ref>Gutachter bewertet Risiko für „Stuttgart 21“-Tunnel, merkur-online.de, 20. November 2011, abgerufen am 20. Mai 2013</ref> Infolge der Berichterstattung kam es zudem zu einem Zulauf an Schaulustigen und Geologen.<ref name="welt" /><ref>Birgit Fritz: Staufen: Magnet für Schaulustige: Touristen besichtigen die Staufener Risse, Badische Zeitung, 21. April 2009, abgerufen am 20. Mai 2013</ref>
Das baden-württembergische Umweltministerium erklärte im Juli 2009 auf eine Anfrage der SPD-Fraktion unter Claus Schmiedel, dass das Verhältnis von bekannten Schadensfällen zu den damals existierenden 14.775 Geothermie-Bohrungen (davon zwölf in Staufen)<ref name="welt" /> gering sei. Zur Verhinderung ähnlicher Probleme existiert seit Februar 2009 in vergleichbaren Gebieten eine Bohrtiefenbegrenzung auf den Gipsspiegel.<ref>Verantwortlicher Umgang mit dem Ausbau der geo-thermischen Energieerzeugung in Baden-Württemberg (PDF; 90 kB), Landtag von Baden-Württemberg, 14. Wahlperiode, Drucksache 14/492329, 28. August 2009, abgerufen am 1. April 2013</ref> Im März 2010 verschärfte die nahe gelegene Stadt Freiburg ihre Richtlinien für Bohrungen unter 100 m.<ref>Beate Beule: Freiburg: Restrisiko: Freiburg verschärft Auflagen für Geothermie-Projekte, Badische Zeitung, 16. März 2010, abgerufen am 1. April 2013</ref> Im Jahr 2011 wurden nach Angaben des Umweltministeriums in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern deutlich weniger Erdwärmesondenanlagen in Betrieb genommen als in den Vorjahren.<ref name="perspektive">Perspektive und Nutzung der Geothermie in Baden-Württemberg (PDF; 68 kB), Landtag von Baden-Württemberg, 15. Wahlperiode, Drucksache 15/1607, 25. April 2012, abgerufen am 21. Mai 2013</ref>
Am 7. Oktober 2011 wurden durch das Umweltministerium die Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden (LQS EWS) eingeführt, die den Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden ablöste.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden (LQS EWS) ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), um.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 1. April 2013</ref> Im August 2012 berichtete das Ministerium von einer positiven Resonanz auf die landesweit gültigen Leitlinien. Die Leitlinien reduzierten die Risiken für neue Schadensfälle durch ihre geforderten Qualitätsstandards. Zudem sehe die Geothermiebranche die in den Leitlinien vorgeschriebene verschuldensunabhängige Versicherung als Wettbewerbsvorteil.<ref name="perspektive" /> Die Leitlinien wurden im Wesentlichen in die Novelle des Wassergesetzes übernommen, die am 15. Januar 2013 von der Landesregierung zur Anhörung freigegeben<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Landesregierung bringt Novelle des Wassergesetzes auf den Weg ( des Vorlage:IconExternal vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., baden-wuerttemberg.de, 15. Januar 2013, abgerufen am 6. April 2013</ref> und im Juli 2013 vom Ministerrat verabschiedet wurde.<ref>Gesetzentwurf der Landesregierung. Gesetz zur Neuordnung des Wasserrechts in Baden-Württemberg (PDF; 2,8 MB), Landtag von Baden-Württemberg, 15. Wahlperiode, Drucksache 15/3760, 9. Juli 2013, abgerufen am 13. August 2013</ref> Nachdem der Landtag von Baden-Württemberg am 27. November 2013 das Gesetz verabschiedet hatte, trat es am 1. Januar 2014 in Kraft.<ref>83. Sitzung am Mittwoch, den 27. November 2013. Tagesordnung (PDF; 135 kB), 15. Landtag von Baden-Württemberg, 28. November 2013, abgerufen am 29. November 2013</ref>
Literatur
- Hermann Schad: 1. Sachverständigengutachten (PDF; 725 kB), 19. September 2008, abgerufen am 7. März 2013
- Paul Fleuchaus, Philipp Blum: Schadensfallanalyse von vertikalen Erdwärmepumpenanlagen in Deutschland (englisch), 2017
- Ingo Sass, Ulrich Burbaum: Damage To The Historic Town Of Staufen (Germany) Caused By Geothermal Drillings Through Anhydrite-Bearing Formations (PDF; 5,9 MB), in: Acta Carsologica 39/2, 2010, S. 233–245, ISSN 0583-6050
- Clemens Ruch, Gunther Wirsing: Erkundung und Sanierungsstrategien im Erdwärmesonden-Schadensfall Staufen i. Br., in: geotechnik 36, Ernst & Sohn, Berlin 2013, doi:10.1002/gete.201300005
Weblinks
- Eine schleichende Katastrophe – die Staufener Hebungsrisse. Seite der Stadtverwaltung Staufen zu den Hebungsrissen.
- Hebungsentwicklung Schadensfall Staufen seit September 2009, animierte Zeitreihe der vertikalen Hebungsgeschwindigkeit. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB).
- Pressemitteilungen des Regierungspräsidiums Freiburg
Einzelnachweise
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