Harras (München)
| Am Harras Harras | |
|---|---|
| Am Harras Brunnen in Platzmitte | |
| Basisdaten | |
| Ort | München |
| Ortsteil | Sendling |
| Angelegt | um 1900 |
| Neugestaltet | 2010–2013 |
| Einmündende Straßen | Albert-Roßhaupter-Straße, Plinganserstraße |
| Nutzung | |
| Nutzergruppen | Fußverkehr, Radverkehr, Individualverkehr, ÖPNV |
| Technische Daten | |
| Baukosten | 7,3 Mio. EUR |
Der Harras, amtliche Bezeichnung Am Harras, ist ein Platz in München im 6. Stadtbezirk Sendling an der Einmündung der Albert-Roßhaupter-Straße in die Plinganserstraße. Nach diesem Platz sind auch der benachbarte Bahnhof und U-Bahnhof benannt. Ab Dezember 2010 wurde der Platz neu gestaltet.
Name
1856 wurde das einstige Schloss am Löwenhof (heute etwa Plinganserstraße 38–42) an der Gabelung der Landstraßen von München nach Wolfratshausen und Weilheim abgerissen, einen Rest erwarb der Gastwirt Robert Harras und errichtete dort ein Café mit Gartenwirtschaft, das Zum Harras hieß und sich als beliebter Ausflugsort für die Münchner etablierte. Auch das Café wurde 1903 abgerissen, nur der Name überlebte in der Bezeichnung des dort entstandenen Platzes, der 1930 offiziell seinen Namen erhielt.<ref>Hans Dollinger: Die Münchner Straßennamen. 3. Auflage. Ludwig Verlag, München 1997, ISBN 3-517-01986-0, S. 45.</ref>
Umgebung
Die südliche Begrenzung des Harras bildet das 1932 von Robert Vorhoelzer und Robert Schnetzer für die Postbauverwaltung der Weimarer Republik im Stil der Klassischen Moderne errichtete Postgebäude,<ref>Fachinformationen. 3. Dezember 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Dezember 2013; abgerufen am 20. Juni 2023. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> das heute von der Deutschen Post als Mieter genutzt wird. Der damalige moderne Baustil wurde von den Nationalsozialisten als „bolschewistisch“ herabgewürdigt. Das Ensemble besteht aus einem vorgelagerten flachen und langgestreckten weißen Amtsgebäude mit einer Rotunde, hinter dem sich hohe Wohnblöcke erheben, die der Platzwand Tiefe geben, und kommt als typischer Vertreter des Neuen Bauens ohne jede Verzierung aus. Das Postgebäude lebt durch seine Volumina und Proportionen. Seit 2001 befindet es sich in privater Hand. 2002 wurde es behutsam renoviert und 2006 mit dem Fassadenpreis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Christof Seiffert ( vom 29. April 2008 im Internet Archive): Postgebäude am Harras</ref>
Im Norden befinden sich Häuser aus der Gründerzeit im Jugendstil. Östlich, durch die Plinganserstraße getrennt, stehen Wohn- und Geschäftshäuser mit einem größeren Supermarkt und einer Fußgängerunterführung in Richtung Kidlerplatz.
In unmittelbarer Nähe des Harras (Albert-Roßhaupter- / Ecke Meindlstraße) befindet sich das Stadtbereichszentrum Süd der Münchner Volkshochschule und im selben Haus eine Stadtteilbibliothek der Münchner Stadtbibliothek.
Etwas weiter westlich, vor der Bahnunterführung, liegt südlich der Albert-Roßhaupter-Straße der Sendlinger Friedhof.
Umgestaltung mit neuer Verkehrsführung
Der Platz wurde von 2010 bis 2013 umfassend umgestaltet und die Verkehrswege neu geordnet.
Ziele
Ziel der Planung war die Neugestaltung und Aufwertung des gesamten Platzbereiches mit Verbesserung der Wohn- und Aufenthaltsqualität, die Neuordnung der Verkehrsführung der Buslinien, des Individualverkehrs, der Taxistellplätze und die Erhöhung der Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer. Des Weiteren wurden Bänke, ein Brunnen und Fahrradständer aufgebaut.
Finanzierung
Das Baureferat der Landeshauptstadt München, Abteilung Tiefbau, investierte 7.300.000 € in die Umgestaltung.
Bauablauf
Der Harras litt unter einem starken Verkehrsaufkommen, weshalb über mehrere Jahre ein verkehrsgünstiger Umbau vom Bezirksausschuss 6 und von SPD und Grünen gefordert wurde. Planerische Zwangspunkte ergaben sich hierbei aus den bestehenden Treppenzugängen zur U-Bahn, dem vorhandenen Lift, der notwendigen Erschließung der umliegenden Geschäftsgebäude (Post etc.) und der großen Anzahl von Buslinien mit ihren erforderlichen Haltestellen. 2007 wurde von der Stadt München ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den im Februar 2008 das Berliner Büro atelier pk für sich entscheiden konnte. Der Siegerentwurf sah vor, die bestehende Verkehrsinsel in der Platzmitte durch einen dreiarmigen Knotenpunkt im südlichen Bereich des Harras zu ersetzen und die nördliche Fahrbahn zu einem Fußgängerbereich umzuwidmen. Der Harras wurde so in zwei Bereiche gegliedert: auf der Nordseite entstand eine größere Platzfläche vor den gründerzeitlichen Fassaden, vor dem denkmalgeschützten Postgebäude auf der Südseite entstand ein kleinerer Vorplatz. Der Münchner Stadtrat beschloss den Umbau im Juli 2010,<ref>Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt München: Sitzungsvorlage der Stadtratsvollversammlung vom 28. Juli 2010 (PDF; 103 kB)</ref> im Dezember 2010 begannen die Bauarbeiten. Seit Herbst 2011 steht eine funktionierende Verkehrskreuzung zur Verfügung, die offizielle Fertigstellung und Eröffnung fand im Juni 2013 statt. Im Anschluss an die Umgestaltung des Harras wurde auch die am Harras beginnende, von dort nach Westen verlaufende Albert-Roßhaupter-Straße teilweise neu gestaltet.
Verkehrskonzept
Beim Zulauf der Plinganserstraße im Knoten mit der Albert-Roßhaupter-Straße wurde eine Geradeaus- und eine Linksabbiegespur eingerichtet. Nach dem Knoten wurden auf der Plinganserstraße zwei Fahrspuren stadteinwärts bis zur Lindenschmitstraße markiert. Im stadtauswärtigen Zulauf zum Knoten mit der Albert-Roßhaupter-Straße blieben unverändert drei Fahrspuren vorhanden.
Die Albert-Roßhaupter-Straße wird von der Unterführung unter der Bahn in je zwei Fahrspuren zum und vom Platz geführt. Auf dem Platz, ab etwa Hausnummer 10, addiert sich eine Spur für Linksabbieger, so dass die Albert-Roßhaupter-Straße im Bereich des Platzes fünf Fahrspuren aufweist. Die Bushaltestellen auf der Nordseite der Albert-Roßhaupter-Straße und die stadtauswärtigen Haltestellen in der Plinganserstraße blieben lagemäßig unverändert. Die Bushaltestellen in der Plinganserstraße stadteinwärts wurden auf Wunsch der Stadtwerke München nach Süden verschoben. So können die Fahrgäste auf verkürztem Weg auf den zentralen Platz zum U-Bahnaufgang gelangen. Hierbei bleibt die Lage des bedarfsampelgeregelten Fußgängerüberweges erhalten.
Die Fußgängerschutzinsel in der Albert-Roßhaupter-Straße in Höhe Am Harras 10 wurde nach Westen verschoben. Dies ermöglicht zum einen die fußläufige Beziehung vom „zentralen Platz“ zur Post beziehungsweise den Geschäften auf dieser Seite, zum anderen können Taxis an dieser Stelle wenden und die Anwohner hinter dem Postgebäude in beide Richtungen (Ost/West) ausfahren.
Für die Buswende an der Sylvensteinstraße wurde der Mittelteiler der Plinganserstraße für Linienbusse geöffnet und auf Höhe der Dudenstraße befestigt, die Busse können nun kurz vor dem Knoten Sylvensteinstraße/Plinganserstraße wenden.
Verkehr
Der Harras ist ein wichtiger Umsteigebahnhof von Regionalzügen der Bayerischen Oberlandbahn, S-Bahn, U-Bahn und Bus. Der Trambahnverkehr wurde 1993 eingestellt.<ref>Stefan Erhard: Vor 20 Jahren: Stilllegung der Linie 26. In: tramreport.de. tramreport, 23. Mai 2013, abgerufen am 7. März 2022.</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.S-Bahn und Regionalzüge
Es halten hier die Züge der S-Bahnlinie S7 nach Wolfratshausen sowie die der Bayerischen Regiobahn (Netz Oberland, nach Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee, sowie Netz Chiemgau-Inntal in Richtung Holzkirchen und Rosenheim). Die S20 fährt aufgrund einer fehlenden Weichenverbindung ohne Halt durch. Die S-Bahn und die Regionalzüge überqueren die Albert-Roßhaupter-Straße in Nord-Süd-Richtung auf drei Gleisen mit einem Mittelbahnsteig. Das Gleis für S-Bahn- und Güterzüge Richtung Pasing hat keinen Bahnsteig; es wird diskutiert, ob ein solcher gebaut werden soll.
| Linie | Strecke | Taktfrequenz |
|---|---|---|
| S7 | Wolfratshausen – Icking – Ebenhausen-Schäftlarn – Hohenschäftlarn – Baierbrunn – Buchenhain – Höllriegelskreuth – Pullach – Großhesselohe Isartalbahnhof – Solln – Siemenswerke – Mittersendling – Harras – Heimeranplatz – Donnersbergerbrücke – Hauptbahnhof | 20-Minuten-Takt |
U-Bahn
Im am 22. November 1975 eröffneten U-Bahnhof Harras hält die Linie U6 der Münchner U-Bahn. Der Bahnhof ist wie die meisten anderen Bahnhöfe 120 Meter lang und wird von rot gefliesten rechteckigen Säulen gestützt. Bis zur Eröffnung der weiteren Strecke gen Westen nach Holzapfelkreuth am 16. April 1983 war er die Endstation der U6. Bis zum 28. Oktober 1989 fuhren hier außerdem Züge der Linie U3, ehe der Südast der U3 eröffnet wurde. In den 2040er-Jahren wird voraussichtlich die U9 anstelle der U6 am Harras halten.<ref>Geplante Linie U9. Abgerufen am 20. April 2026.</ref>
| Linie | Linienverlauf |
|---|---|
| U6 | Garching-Forschungszentrum – (2560 m) – Garching – (1827 m) – Garching-Hochbrück – (4208 m) – Fröttmaning – (830 m) – Kieferngarten – (1431 m) – Freimann – (1087 m) – Studentenstadt – (660 m) – Alte Heide – (740 m) – Nordfriedhof – (813 m) – Dietlindenstraße – (712 m) – Münchner Freiheit – (579 m) – Giselastraße – (744 m) – Universität – (788 m) – Odeonsplatz – (640 m) – Marienplatz – (884 m) – Sendlinger Tor – (843 m) – Goetheplatz – (677 m) – Poccistraße – (624 m) – Implerstraße – (1236 m) – Harras – (837 m) – Partnachplatz – (760 m) – Westpark – (1084 m) – Holzapfelkreuth – (1050 m) – Haderner Stern – (1097 m) – Großhadern – (731 m) – Klinikum Großhadern – (1183 m) – Martinsried (im Bau) |
Bus
Die Haltestelle am S-Bahnhof Harras in der Unterführung heißt Harras. An der Kreuzung Albert-Roßhaupter- / Plinganserstraße befindet sich die Haltestelle Am Harras an drei Positionen jeweils in Fahrtrichtung nach der Kreuzung. Hier halten die Busse der Linien
- ExpressBus: X30 (Harras – Arabellapark)
- MetroBus: 53 (Münchner Freiheit – Aidenbachstraße) und 54 (Münchner Freiheit – Lorettoplatz)
- Stadtbus: 130, 132, 134, 153 und 157
- Nachtbus: N40 (wochentags anstelle der U6), N41 (wochentags anstelle der U3) und N43/N44 (Ringlinie)
Die Linien 153 und N43/N44 halten nur in der Plinganserstraße Am Harras, nicht Harras. Der X30 hält Am Harras nur in Richtung Arabellapark. Im jeweils verlinkten Artikel kann der Linienverlauf in OpenStreetMap abgerufen werden.
Trambahn
In der Mitte der Albert-Roßhaupter-Straße, die westlich des Platzes die Bahngleise unterquert, befand sich im Bereich der Unterführung bis zum Umbau noch die ehemalige Trasse der Trambahn, hier fuhr bis 1993 die Linie 26.<ref>Reinhold Kocaurek: Die bewegte Trambahngeschichte des Harras in München. In: Freunde des Münchner Trambahnmuseums. 16. März 2024, abgerufen am 4. April 2026.</ref> Der verwaiste Gleiskörper wurde anschließend zum Parken genutzt und beim Umbau der Albert-Roßhaupter-Straße entfernt. Die Trambahn wurde weitgehend durch die U-Bahn-Linie U6 ersetzt.
Taxi
Vor dem Postgebäude südlich in Verlängerung der Albert-Roßhaupter-Straße befindet sich ein Taxistand.
Weblinks
- Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt München: Sitzungsvorlage zur Vollversammlung des Stadtrats vom 28. Juli 2010 (PDF; 103 kB)
- Umgebungsplan und weitere Informationen zum Bahnhof München-Harras auf mvv-muenchen.de
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 48° 7′ 1″ N, 11° 32′ 23″ O
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