Hans Dietrich von Holleuffer
Hans Dietrich von Holleuffer (* 14. März 1855 in Zeitz; † 28. Dezember 1902 in Düsseldorf) war ein deutscher Verwaltungsjurist. In den 1890er Jahren saß er im Deutschen Reichstag.
Leben
Dietrich von Holleuffer war Angehöriger des Adelsgeschlechts von Holleuffer. Seine Eltern waren Albert von Holleuffer (* 1. August 1805; † 16. Juni 1874 in Halle) und dessen zweite Ehefrau Bertha geb. von Baerenstein (* 17. Mai 1830; † 1. Oktober 1914 in Radebeul).<ref>GGT A 1904, S. 361.</ref>
Sein Vater war – nach fast 20 Jahren als preußischer Verwaltungsjurist – von Anfang 1846 bis Ende 1847 Regierungschef des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen und kurz darauf (Mitte 1851 bis Mitte 1852) Oppositionsführer im Landtag des Fürstentums; seit 1853 diente er als Landrat im Kreis Zeitz. 1862 zog er sich von aller beruflichen Tätigkeit zurück und wechselte den Wohnort.
Dietrich besuchte die Gymnasien in Dessau, Hof (Saale)<ref>Jahres-Bericht von der Königlichen Studien-Anstalt zu Hof im Studien-Jahre 1871/72, S. 5.</ref> und Dresden. Nach dem Abitur 1872 begann er an der Universität Leipzig Rechts- und Verwaltungswissenschaft zu studieren. Dort wurde er 1873 im Corps Budissa aktiv.<ref>Kösener Corpslisten 1960, S. 985.</ref> Er verbrachte ein Semester in Jena<ref>Verzeichniß der Studirenden auf der Gesammt-Universität Jena im Sommer-Semester 1875, v. Holleuffer, Dietrich.</ref> und wechselte zum Schluss an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin.
Holleuffer wurde im Herbst 1876 zum Gerichtsreferendar ernannt.<ref>Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Erfurt vom 11. November 1876, S. 231, unter (1209.).</ref> 1879 wurde er Regierungsreferendar. Ab April 1882 verwaltete er als Regierungs-Assessor das Landratsamt Löwenberg im Regierungsbezirk Liegnitz; ab 1883 war er dort als Landrath installiert.<ref>Handbuch über den Königlich Preussischen Hof und Staat für das Jahr 1882/83, S. 331; Handbuch […] 1883/84, S. 334.</ref> Daneben war er Mitglied des Provinziallandtags der Provinz Schlesien.
Als Mitglied der Deutschkonservativen Partei war er von September 1892 bis 1896 Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Liegnitz 5 Löwenberg.
Ab April 1895 wurde er (zunächst kommissarisch) als Hülfsarbeiter im Ministerium des Innern eingesetzt; dabei wurde ihm der Rote Adler-Orden 4. Klasse verliehen. Ab April 1896 war er dort Geheimer Regierungs-Rath und Vortragender Rat.<ref>Vgl. Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1896, S. 116 und S. 379; Handbuch […] 1897, S. 117.</ref>
Im Dezember 1899 wurde er als Präsident im Regierungsbezirk Düsseldorf installiert; im August 1900 wurde er zum Ehrenritter des Johanniterordens ernannt.<ref>Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg vom 22. August 1900, S. 200.</ref> In seiner Tätigkeit als Regierungspräsident erwarb er beträchtliche Wertschätzung. 1902 führte er den Roten Adler-Orden 2. Klasse mit Schleife, den Orden vom Zähringer Löwen (Kommandeur 2. Klasse) und den Oldenburgischen Haus- und Verdienst-Orden (Ehren-Groß-Komtur 2. Klasse).<ref>Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1903, S. 691.</ref> Er starb am 28. Dezember 1902 im 48. Lebensjahr an den Folgen einer Grippe und wurde am 2. Januar in Wünschendorf beigesetzt, wo er 10 Jahre Landrat gewesen war.<ref>Knopp 1974, S. 56.</ref>
Familie
Holleuffer verehelichte sich am 1. März 1884 mit Charlotte „Lotty“ von L’Estocq (* 24. Juni 1860 in Potsdam; † 1. Januar 1891 in Löwenberg), der zweiten Tochter des späteren Generalleutnants Anton Wilhelm Karl von L’Estocq.<ref>Der Deutsche Herold 15. Jg., April 1884, S. 57; Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1885. 10. Jahrgang. Friedr. Irrgang, Brünn [1885], S. 327.</ref> Das Paar hatte vier Kinder:
- Sybille Charlotte Bertha Marie (1885–1891)
- Christine Elisabeth (* 21. Mai 1886), Oberin<ref name=GGT1942 />
- Hans Ferdinand (* 26. Juli 1888) ⚭ 1922 Erika Freiin von Kleist (* 4. März 1898)<ref name=GGT1942 />
- Horst Lothar (* 27. November 1890)
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er am 9. Januar 1899 in Schwerstedt Marie von Helldorff (* 11. April 1866 in Weimar; † 25. November 1919 in Schwerstedt<ref name=GGT1942 />), Tochter des Heinrich von Helldorff und seiner Ehefrau Therese geb. von Gerstenbergk.<ref>GGT A 1904, S. 332.</ref> Das Paar hatte einen Sohn:
- Hans Heinrich (* 25. November 1899) ⚭ 1924 Anna Dorothea von Helldorff (* 24. September 1900).<ref name=GGT1942 >GGT A 1942.</ref>
Siehe auch
- Liste der Reichstagsabgeordneten des Deutschen Kaiserreichs (8. Wahlperiode)
- Liste der Reichstagsabgeordneten des Deutschen Kaiserreichs (9. Wahlperiode)
Literatur
zeitlich geordnet
- Joseph Kürschner: Der neue Reichstag. 1893. Stuttgart usw. o. J., S. 115 (mit Photo).
- Meyers Konversations-Lexikon. 5. Aufl., 20. Band. Jahres-Supplement 1899–1900, S. 481.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. 5. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha [1904]. Digitalisat.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Teil A. 41. Jahrgang 1942. Justus Perthes, Gotha [1941], S. 229f.
- Kösener Corpslisten 1960. Bearbeitet von Otto Gerlach. Selbstverlag des Verbandes Alter Corpsstudenten, o. O. o. J. [Kassel 1961]. (Corps 88, Nr. 49: v. Holleuffer, Dieterich.)
- Gisbert Knopp: Die preussische Verwaltung des Regierungsbezirks Düsseldorf in den Jahren 1899 – 1919. Grote, Köln und Berlin [1974], ISBN 3-7745-0279-X. (H. D. v. Holleuffer: S. 54–56 und passim.)
- Horst Romeyk: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816–1945. Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-7585-4. (H. D. v. Holleuffer: S. 288 und 541f.)
Weblinks
- Holleuffer, Hans Dietrich in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Dietrich von Holleuffer. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich)
Einzelnachweise
<references responsive />
Königreich Preußen:
Philipp von Pestel (1816–1831) |
Franz Edmund Josef von Schmitz-Grollenburg (1831–1834) |
Anton zu Stolberg-Wernigerode (1834–1837) |
Adolph von Spiegel-Borlinghausen (1837–1848) |
Friedrich von Spankeren (1849–1850) |
Leo von Massenbach (1850–1866) |
Friedrich von Kühlwetter (1866–1871) |
Alexander von Götz und Schwanenflies (1871) |
August von Ende (1872–1876) |
Carl Hermann Bitter (1876–1877) |
Robert Eduard von Hagemeister (1877–1883) |
Hans Hermann von Berlepsch (1883–1889) |
Eberhard von der Recke von der Horst (1889–1895) |
Georg von Rheinbaben (1896–1899) |
Hans Dietrich von Holleuffer (1899–1902) |
Arthur Schreiber (1903–1909) |
Francis Kruse (1909–1919)
Freistaat Preußen:
Hugo Landé (1919) |
Walther Grützner (1920–1923) |
Karl Bergemann (1924–1933)
NS-Staat:
Carl Christian Schmid (1933–1938) |
Herbert Fuchs (1938–1939) |
Eggert Reeder (1939–1940) |
Wilhelm Burandt (1941–1944) |
Eggert Reeder (1944–1945)
Provinz Nordrhein:
Eduard Sträter (1945–1946) |
Kurt Necker (1946–1947)
Land Nordrhein-Westfalen:
Kurt Baurichter (1947–1967) |
Hans Otto Bäumer (1967–1975) |
Achim Rohde (1975–1983) |
Hermann Strich (1983–1986) |
Fritz Behrens (1986–1995) |
Jürgen Büssow (1995–2010) |
Annemarie Lütkes (2010–2017) |
Birgitta Radermacher (2017–2022) |
Thomas Schürmann (seit 2022)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Holleuffer, Hans Dietrich von |
| ALTERNATIVNAMEN | Holleuffer, Hans-Dietrich von; Holleufer, Hans Dietrich von (Falschschreibung); Holleuffer, Dietrich von (Rufname); Holleuffer, Dieterich von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Regierungspräsident und Politiker, MdR |
| GEBURTSDATUM | 14. März 1855 |
| GEBURTSORT | Zeitz |
| STERBEDATUM | 28. Dezember 1902 |
| STERBEORT | Düsseldorf |
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- Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich)
- Mitglied der Deutschkonservativen Partei
- Regierungspräsident (Düsseldorf)
- Mitglied des Provinziallandtages von Schlesien
- Corpsstudent (19. Jahrhundert)
- Landrat (Kreis Löwenberg)
- Holleuffer (Adelsgeschlecht)
- Adliger
- Träger des Königlich Preußischen St. Johanniterordens
- Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse
- Träger des Roten Adlerordens 2. Klasse
- Träger des Ordens vom Zähringer Löwen (Kommandeur)
- Großkomtur des Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig
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- Gestorben 1902
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