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Hakan Savaş Mican

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Hakan Savaş Mican (* 1978 in West-Berlin) ist ein deutscher Filmemacher, Theaterautor und Theaterregisseur.

Leben

Als Sohn türkischer Einwanderer in Berlin geboren, wuchs Mican bis zu seinem zehnten Lebensjahr bei seiner Großmutter in Tirebolu in der Provinz Giresun an der türkischen Schwarzmeerküste auf. Anschließend zog er nach Ankara, wo er das Gymnasium besuchte und das Abitur ablegte. 1996 kehrte er nach Berlin zurück und studierte Architektur an der Technischen Universität Berlin.

Zwischen 2000 und 2005 arbeitete er als Journalist und Radiomoderator. Für den Berliner Sender Radio Multikulti (rbb) gestaltete er Beiträge für das türkischsprachige Programm, darunter Filmkritiken, Musiksendungen und Interviews. Darüber hinaus entstanden journalistische Beiträge für den Radiosender Funkhaus Europa des WDR sowie für die Deutsche Welle.

Filmstudium

Anschließend studierte er Regie an der Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Zu seinen prägenden Lehrenden zählten unter anderem Béla Tarr, Michael Ballhaus und Andres Veiel.

Während des Studiums entstanden Spiel- und Dokumentarfilmbeiträge für ARTE und den rbb, darunter Beiträge zu den Projekten 24h Berlin – Ein Tag im Leben und 20 × Brandenburg.<ref>20 × Brandenburg – Menschen, Orte, Geschichten. In: Rundfunk Berlin-Brandenburg. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref>

Sein erster Kurzfilm Fremd (2007) wurde beim Filmfestival Türkei/Deutschland mit dem Preis für den besten Kurzfilm ausgezeichnet.<ref>Eröffnungsfilm / Preisträger. In: Filmfestival Türkei/Deutschland. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref> 2022 wurde der Film im Rahmen der 72. Internationale Filmfestspiele Berlin (Berlinale) im Programm Forum Special erneut gezeigt.<ref>Fremd. In: Internationale Filmfestspiele Berlin – Forum Special. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref>

Während des Studiums realisierte er den Kurzfilm Schnee für eine von Michael Ballhaus initiierte Klimaschutzkampagne. In Ballhaus’ Dokumentarfilm In Berlin (2009), der bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin gezeigt wurde,<ref>In Berlin. In: Internationale Filmfestspiele Berlin. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref> trat er zudem als eine der porträtierten Berliner Persönlichkeiten auf, neben Maybrit Illner, Frank-Walter Steinmeier, Klaus Wowereit und Angela Winkler.

Ballhaus Naunynstraße

Seit 2008 arbeitet Mican als Regisseur, Autor und Bearbeiter literarischer Stoffe für das Theater. Engagements führten ihn unter anderem an das Ballhaus Naunynstraße in Berlin, das Staatstheater Mainz, das Münchner Volkstheater und das Thalia Theater Hamburg.

Am Ballhaus Naunynstraße entstanden frühe Arbeiten Micans, die sich mit postmigrantischen Perspektiven auseinandersetzen. Seine Stücke Pauschalreise – 1. Generation (Inszenierung: Lukas Langhoff) und Die Saison der Krabben (Regie: Mican) wurden 2012 und 2013 bei den PrivatTheaterTagen Hamburg mit dem Monica-Bleibtreu-Preis in der Kategorie „Bestes zeitgenössisches Drama“ ausgezeichnet.<ref>Archiv 2012. In: PrivatTheaterTage Hamburg. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref><ref>Archiv 2013. In: PrivatTheaterTage Hamburg. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref>

Maxim Gorki Theater

Seit 2013 ist Mican Hausregisseur am Maxim Gorki Theater in Berlin. Zu Beginn der Intendanz von Shermin Langhoff und Jens Hillje inszenierte er dort Schwimmen lernen – ein Lovesong von Sasha Marianna Salzmann. Mit dieser Inszenierung wurde er 2014 zum Festival Radikal jung am Münchner Volkstheater sowie zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.<ref>Einladungen zum Festival Radikal jung 2014. In: nachtkritik.de. 2014, abgerufen am 21. Februar 2026.</ref>

Am Maxim Gorki Theater realisierte Mican zahlreiche Inszenierungen eigener Texte, darunter Berlin Oranienplatz, Berlin Kleistpark, Berlin Karl-Marx-Platz und Alles wird schön sein, sowie Arbeiten nach Texten von Sasha Marianna Salzmann und Ödön von Horváth. Zudem inszenierte er Bühnenfassungen literarischer Werke wie Unser Deutschlandmärchen nach dem Roman von Dinçer Güçyeter, Die Ungehaltenen nach Deniz Utlu und Vatermal von Necati Öziri sowie Adaptionen nach Texten von Orhan Pamuk, Hans Fallada und Erich Maria Remarque und Filmadaptionen wie Angst essen Seele auf von Rainer Werner Fassbinder sowie Der Mann, der Liberty Valance erschoss nach dem Film von John Ford.

Mit der Inszenierung Unser Deutschlandmärchen wurde Mican 2025 zum 62. Berliner Theatertreffen eingeladen.<ref>Unser Deutschlandmärchen. In: Berliner Festspiele / Theatertreffen. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref> Darüber hinaus gastierten seine Arbeiten international, unter anderem in Stockholm, Amsterdam, Prag und New York.

Themen und Arbeitsweise

In seinen Arbeiten beschäftigt sich Mican wiederkehrend mit Fragen von Herkunft, sozialer Zugehörigkeit und Erinnerung. Vor dem Hintergrund von Migrationserfahrungen und Arbeitermilieus thematisieren seine Inszenierungen gesellschaftliche Klassenverhältnisse sowie Formen von Zugehörigkeit und Ausschluss.

Seine Arbeiten am Maxim Gorki Theater richten den Blick häufig auf den Berliner Alltag und urbane Lebenswirklichkeiten und verbinden Innen- und Außenperspektiven auf die Stadt. Eine Kritik der Neue Zürcher Zeitung beschreibt seine Inszenierungen als von „Nüchternheit und Hingabe“ geprägt.<ref>Hakan Savaş Mican zeigt am Gorki-Theater Berlin von innen und außen. In: Neue Zürcher Zeitung. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref> In Kritiken der Süddeutsche Zeitung wurde zudem hervorgehoben, dass seine Arbeiten durch eine besondere erzählerische Kraft geprägt seien.<ref>Kritik zu „Vatermal“. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref> Der Tagesspiegel bezeichnete ihn im Zusammenhang mit seiner Arbeit am Gorki Theater als einen der „besten Geschichtenerzähler“.<ref>Berlin Karl-Marx-Platz am Gorki Theater. In: Der Tagesspiegel. Abgerufen am 21. Februar 2026.</ref>

Charakteristisch für seine Inszenierungen ist die Verbindung filmischer und musikalischer Erzählweisen mit theatralen Verdichtungen. Die Bühnenräume werden häufig reduziert gestaltet und betonen Leere und Präsenz. Live-Musik bildet ein wiederkehrendes Element seiner Arbeiten: Häufig ist eine Band auf der Bühne präsent, die das Geschehen musikalisch begleitet. Zudem werden großformatige Projektionen eingesetzt, die mit dem Bühnengeschehen korrespondieren und – in Verbindung mit seiner filmischen Praxis – weniger als dekorative Kulisse denn als Erweiterung des Bühnenraums fungieren. In Beschreibungen seiner Arbeiten werden eine präzise Schauspielführung und eine atmosphärisch dichte Bildsprache hervorgehoben, wobei die eingesetzten Mittel der erzählerischen Struktur untergeordnet bleiben.

Biografischer Hintergrund und Projekte

Mican gehört zur Generation der sogenannten „Kofferkinder“, deren Eltern als Arbeitsmigranten nach Westeuropa gingen und die ihre Kindheit teilweise bei Verwandten im Herkunftsland verbrachten.

Erfahrungen von Trennung, Mobilität und prekärer Zugehörigkeit bilden einen wiederkehrenden Hintergrund von Micans Arbeiten; Figuren erscheinen darin häufig in Übergangssituationen und auf der Suche nach sozialer, emotionaler oder geografischer Verortung.

Dieses Motiv spiegelt sich auch in der szenischen Installation On My Way Home, die in Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Benjamin Krige entstand. Für das Projekt reiste Mican durch Regionen des ehemaligen Jugoslawiens, Griechenlands und der Türkei – Herkunftsländer zahlreicher Arbeitsmigranten in Deutschland – und führte Gespräche mit Menschen seiner Generation über Herkunft, Erinnerung und Lebenswege.

Auch in Berlin Kleistpark, dem zweiten Teil seiner Berlin-Trilogie, greift Mican autobiografisch geprägte Motive auf. Rezensionen hoben hervor, dass der Abend familiäre Verletzungen der Kindheit und eine distanzierte Beziehung zur Mutter thematisiert.

Weitere Arbeiten

Neben seiner Theaterarbeit realisiert Mican Video-Installationen wie Souvenirs, Esma erinnert sich nicht mehr und Reaching the Level of Contemporary Civilisation 2. Gemeinsam mit dem im Exil lebenden türkischen Journalisten Can Dündar entwickelte er die Video-Installationen Museum of Small Things 1 und Museum of Small Things 2, die sich mit der Situation inhaftierter Journalisten, Künstlern und Autoren in der Türkei auseinandersetzen.

Eine Auswahl seiner Stücke erscheint 2026 in zwei Bänden.

Mican lebt in Berlin.

Auszeichnungen und Einladungen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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