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Hélène Miard-Delacroix

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Hélène Miard-Delacroix, 2017

Hélène Miard-Delacroix (* 5. November 1959 in Saint-Mandé, geb. Hélène Sophie Miard) ist eine französische Zeithistorikerin, Politikwissenschaftlerin und Germanistin. Sie ist Professorin für Geschichte und Kultur des zeitgenössischen Deutschlands an der Sorbonne Université.

Leben

Nach den geisteswissenschaftlichen Vorbereitungsklassen am Lycée Henri IV studierte sie von 1980 bis 1985 an der École normale supérieure in Fontenay-aux-Roses und der Universität Paris IV (Paris-Sorbonne) Germanistik und Geschichte. Sie bestand 1983 die Agrégation (Staatsprüfung für das höhere Lehramt) im Fach Deutsch. Ein Aufbaustudium in Internationalen Beziehungen am Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po) schloss sie 1985 mit einem DEA ab. Sie promovierte 1989 an der Université Paris-Sorbonne mit einer Arbeit über Helmut Schmidt und das Verhältnis zu Frankreich während seiner Kanzlerschaft 1974–1982.<ref>Hélène Miard-Delacroix: Le chancelier Helmut Schmidt et la France, 1974–1982. Dissertation, Université Paris-Sorbonne 1989.</ref>

Von 1990 bis 1993 war sie Maître de conférences (Dozentin) für Études germaniques (deutsche Sprache, Kultur und Geschichte) an der Universität Tours und anschließend bis 2003 an der Universität Paris IV. Dort habilitierte sie sich 2002 mit einer Arbeit über die Deutsche Frage und die politischen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland mit Frankreich von 1949 bis 1990.<ref>Hélène Miard-Delacroix: La question nationale allemande et les relations politiques de la République fédérale d’Allemagne avec la France, 1949–1990. Habilitation à Diriger des Recherches, Université Paris-Sorbonne 2001.</ref><ref>CV Hélène MIARD-DELACROIX, UFR d’Études germaniques et nordiques, Sorbonne Université, März 2022.</ref>

Im Jahr darauf erhielt sie einen Ruf als Universitätsprofessorin für Geschichte und Kultur des zeitgenössischen Deutschlands an die École normale supérieure Lettres et sciences humaines in Lyon. Sie wechselte 2008 zurück an die Universität Paris IV (seit 2018 Sorbonne Université), wo sie eine Professur mit der gleichen Denomination im Fachbereich für germanische und nordische Studien der Geisteswissenschaftlichen Fakultät erhielt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />MIARD-DELACROIX Hélène (Memento vom 24. Januar 2020 im Internet Archive), auf lettres.sorbonne-universite.fr.</ref> Im Wintersemester 2016/2017 war sie Alfred-Grosser-Gastprofessorin für Bürgergesellschaftsforschung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Ihre Forschungsgebiete sind die deutsche Geschichte seit 1945 sowie die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen und der europäische Integration. Ihre Forschung zu der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen ist von dem Wunsch geprägt, über eine vergleichende Geschichte hinaus eine gemeinsame Geschichte zu schreiben, die die Verflechtungen und Wechselwirkungen zwischen den beiden Ländern berücksichtigt. In ihrem 2011 erschienenen Buch Deutsch-französische Geschichte 1963 bis in die Gegenwart. Im Zeichen der Europäischen Einigung<ref>Hélène Miard-Delacroix: Im Zeichen der europäischen Einigung 1963 bis in die Gegenwart, auf sehepunkte.de.</ref> verfolgte sie den Ansatz der histoire croisée.

Einige ihrer Arbeiten, im Kontext der kollektiven Öffnung öffentlicher Archive entstanden, bewerten die Dynamik in den letzten Jahrzehnten des Kalten Krieges neu und überdenken die Errungenschaften bilateraler Verhandlungen und die Rolle Deutschlands in der europäischen Integration.<ref>Tim Geiger, Jürgen Lillteicher, Hermann Wentker (Hrsg.): Zwei plus Vier, auf sehepunkte.org.</ref><ref>Mitterrand, les années d'alternance, auf livre.fnac.com.</ref><ref>The Environment and the European Public Sphere, auf whpress.co.uk.</ref> Ihre aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Geschichte der Emotionen in den internationalen Beziehungen.<ref>Emotionen und internationale Beziehungen im Kalten Krieg, auf degruyter.com.</ref><ref>Les Emotions de 1989. France et Allemagne face aux bouleversements du monde , auf flammarion.com.</ref>

Ihre Expertise über Politik und Gesellschaft in beiden Ländern sowie über die deutsch-französischen Beziehungen ist in deutschen und französischen Medien gefragt.

Bis 2018 war Miard-Delacroix Vorsitzende des Internationalen Beirats der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gremien (Memento vom 28. Juni 2016 im Internet Archive), auf willy-brandt.de</ref> und bis 2020 stellvertretende Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Zeitgeschichte.<ref>Wechsel an der Spitze des Beirats – IfZ-Gremium in neuer Besetzung, auf ifz-muenchen.de, abgerufen am 6. März 2021.</ref> Sie gehört zum Wissenschaftlichen Beirat im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das Kuratorium und Wissenschaftliche Beirat (Memento des Vorlage:IconExternal vom 14. Oktober 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/historia-europa.ep.eu, auf historia-europa.ep.eu.</ref> Sie ist Mitglied der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien.<ref>Vorstand & Mitglieder, auf kgparl.de, abgerufen am 6. März 2021.</ref> Seit 2020 ist sie Mitglied des Senats der Leibniz-Gemeinschaft.

Zur Anerkennung ihrer Verdienste um die nachhaltige Förderung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und ihrem Heimatland in der Wissenschaft und durch die Wissenschaft erhielt sie im Oktober 2022 den gemeinsam von der Fritz Thyssen Stiftung und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung verliehenen Reimar Lüst-Preis.<ref name="humboldt-foundation">Reimar Lüst-Preise 2022: Herausragende Forschung zur deutsch-französischen Geschichte sowie in der Neuropsychologie ausgezeichnet, auf humboldt-foundation.de.</ref>

Preise und Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Les Émotions de 1989. France et Allemagne face aux bouleversements du monde. Flammarion, Paris 2025, ISBN 978-2-08047-753-8.
  • Hrsg. mit Andreas Wirsching: Emotionen und internationale Beziehungen im Kalten Krieg (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. Band 104). De Gruyter, Berlin 2020, ISBN 978-3-11-067954-0.
  • mit Andreas Wirsching: Von Erbfeinden zu guten Nachbarn. Ein deutsch-französischer Dialog. Reclam, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-15-011226-7.
  • Willy Brandt. Fayard, Paris 2013, ISBN 978-2-213-67250-2 (französisch).
    • Willy Brandt. Life of a Statesman. I.B. Tauris, London/New York 2016, ISBN 978-1-78453-688-6 (englisch, übersetzt von Isabelle Chaize).
  • Hrsg. mit Reiner Marcowitz: 50 ans de relations franco-allemandes. Nouveau monde éditions, Paris 2013, ISBN 978-2-36583-351-6.
  • Im Zeichen der europäischen Einigung. 1963 bis in die Gegenwart (= Deutsch-französische Geschichte. Band 11). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-14709-0.
  • Hrsg. mit Rainer Hudemann: Wandel und Integration. Deutsch-französische Annäherungen der Fünfziger Jahre – Mutations et intégration. Les rapprochements franco-allemands dans les années cinquante. Oldenbourg, München 2005.
  • Question nationale allemande et nationalisme. Perceptions françaises d’une problématique allemande au début des années cinquante. Septentrion, Lille-Villeneuve d’Ascq 2004, ISBN 2-85939-862-7.
  • mit Alfred Grosser: Allemagne (= Dominos. Bd. 27). Flammarion, Paris 1994, ISBN 2-08-035164-8.
  • Partenaires de choix ? Le chancelier Helmut Schmidt et la France. Peter Lang, Berne/Paris/New York 1993, ISBN 3-906751-09-0.
  • Frankreich. In: Schmidt! Demokratie leben, hg. v. Johannes Zechner, Sandstein 2025, ISBN 978-3-95498844-0, S. 161–164.

Weblinks

Commons: Hélène Miard-Delacroix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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