Gyūtō
Das Gyūtō (japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) ist ein japanisches Küchenmesser (Hōchō), das als Gegenstück zum europäischen Kochmesser gilt und ähnlich vielseitig eingesetzt wird. Die Klinge ist schlank und relativ lang, beidseitig geschliffen und für ziehende oder schiebende Schnitte ausgelegt. Im Vergleich zu traditionellen deutschen Kochmessern besitzt sie einen flacheren Schneidenverlauf und einen geringeren Bauch. Gyūtō werden häufig aus hochgehärteten Kohlenstoffstählen gefertigt, wodurch sie eine hohe Schnitthaltigkeit erreichen, jedoch empfindlicher gegenüber mechanischen Belastungen sind. Der Messertyp entstand in der Meiji-Ära, als sich die japanische Esskultur unter westlichem Einfluss veränderte und der Konsum von Fleisch zunahm. In dieser Phase übernahmen japanische Schmiede Formen europäischer Kochmesser und entwickelten daraus das Gyūtō als eigenständige Variante.
Etymologie und Geschichte
Der Name Gyūtō bedeutet wörtlich „Rinderschwert“ (von japanisch gyū „Rind“ und tō „Schwert“ oder „Klinge“), wird im kulinarischen Kontext jedoch meist als „Rindermesser“ übersetzt. Der Ursprung des Gyūtō liegt in der Meiji-Ära, in der sich Japan zu einem modernen Staat wandelte. Dieser Prozess ging mit einer tiefgreifenden Änderung der Essgewohnheiten einher<ref>Ausführlicher zu diesem Thema: Katarzyna J. Cwiertka, Modern Japanese Cuisine. Food, Power and National Identity, London 2006, S. 13–34.</ref>; die japanische Ernährung öffnete sich westlichen Einflüssen, wodurch der Fleischkonsum (insbesondere von Rindfleisch) stark zunahm. Während Kaiser Meiji den Verzehr von Fleisch als Symbol der Modernisierung aktiv förderte, schränkten Dekrete wie das 1876 erlassene Haitōrei das Tragen von Schwertern in der Öffentlichkeit ein. Infolgedessen übertrugen viele japanische Schwertschmiede ihre Expertise auf die Herstellung hochwertiger Küchenmesser. Das Gyūtō entstand dabei als japanische Interpretation des europäischen Kochmessers, um den neuen Anforderungen der Fleischzubereitung gerecht zu werden.<ref>Tim Hayward: The Culture, Craft and Cult of the Cook’s Knife, London 2016, S. 90.</ref> Vor diesem Hintergrund der Nachahmung westlicher Vorbilder erklärt sich auch, dass das oft aus einer einzigen Stahlsorte gefertigte Yō-Gyūtō mit vernietetem Griff die ältere Variante ist. Das mit einem traditionellen japanischen Holzgriff ausgestattete Wa-Gyūtō wirkt zwar ursprünglicher, ist jedoch die jüngere Entwicklung. Mit ihm hielt auch der für Japan typische Mehrlagenstahl Einzug in diese Messerform. Während das Gyūtō zunächst lange vorwiegend in der professionellen Gastronomie Japans Verwendung fand, verbreitete es sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts zunehmend auch in Privathaushalten.<ref>Josh Donald, Sharp: The Definitive Introduction to Knives, Sharpening, and Cutting Techniques, with Recipes from Great Chefs, San Francisco 2018, S. 87.</ref>
Merkmale
Das Gyūtō besitzt eine relativ schmale, spitz zulaufende Klinge mit leicht gebogener Schneidlinie. Hochwertige Gyūtō weisen häufig zum Klingenende hin eine Verjüngung der Klingenstärke auf (englisch distal taper). Dabei nimmt die Dicke der Klinge vom Ansatz zur Spitze kontinuierlich ab, was eine präzisere Führung der Messerspitze ermöglicht.<ref>Helen Symonds / Tom Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife: The Ultimate Guide to the Culture and Craft, London 2025, S. 140.</ref> Die Klingenlänge liegt bei den meisten Modellen zwischen etwa 210 und 240 Millimetern, wodurch das Gyūtō zu den größeren Universalmessern der japanischen Küche gehört.<ref>Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 140.</ref>
Für Gyūtō kommen in der Regel hochkohlenstoffhaltige Stähle zum Einsatz, die Härtegrade zwischen 59 und 61 Rockwell (HRC) erreichen.<ref>Chad Ward, An Edge in the Kitchen: The Ultimate Guide to Kitchen Knives, New York 2008, S. 52. Zu den genauen Spezifikationen japanischer Kohlenstoffstähle vgl. Tsukiyama Yoshitaka Cutlery, Handbook on Japanese Knives and Sharpening Techniques, Tokyo 2017, S. 99f. sowie Rudolf Dick, Japanische Schmiedekunst, Bad Aibling 2018, S. 130f.</ref> Diese hohe Härte bewirkt eine hohe Schnitthaltigkeit, so dass das Messer seltener nachgeschärft werden muss.<ref>Hayward, The Culture, Craft and Cult of the Cook’s Knife, S. 110.</ref> Im Gegenzug ist das Material spröder, was die Klinge empfindlicher gegenüber mechanischen Schockbelastungen oder Hebelkräften macht.<ref>Donald, Sharp: The Definitive Introduction to Knives, S. 87.</ref> Um diese Sprödigkeit auszugleichen, wird beim Gyūtō häufig die San-Mai-Bauweise angewandt (japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}, „drei Lagen“). Dabei wird ein harter Schneidkernstahl (Hagane, japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) von zwei weicheren Außenlagen aus Eisen oder rostfreiem Stahl (Jigane, japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) umschlossen, was der Klinge trotz ihrer hohen Härte zusätzliche Zähigkeit und Bruchsicherheit verleiht.<ref>Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 106.</ref>
Das Gyūtō gehört zusammen mit anderen westlich inspirierten Messern wie dem Santoku, dem Bunka und dem Petty-Messer zu den beidseitig geschliffenen japanischen Küchenmessern.<ref>Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 138.</ref> Dadurch ist es – anders als einseitig geschliffene Messer wie etwa das Usuba oder das Deba – für rechts- und linkshändige Benutzer gleichermaßen geeignet. Gyūtō werden in der Regel mit spitzeren Schneidwinkeln gefertigt als ihre europäischen Gegenstücke. Typisch sind etwa 15 Grad pro Seite, während traditionellere europäische Messer größere Schneidwinkel aufweisen.<ref>Ward, An Edge in the Kitchen, S. 52.</ref> Dieser spitze Winkel reduziert den Eintrittswiderstand in das Schnittgut und ermöglicht so ein Schneiden mit weniger Druck.
Gyūtō im Vergleich zu europäischen Kochmessern
| Merkmal | Wüsthof Classic<ref>Wüsthof Classic Kochmesser 20cm über Knives and Tools, zuletzt abgerufen am 25. März 2025.</ref> | Ashi Ginga<ref>Ashi Ginga White #2 Gyuto 210mm über Carbon Knife Co., zuletzt abgerufen am 25. März 2025.</ref> |
|---|---|---|
| Stahltyp | X50CrMoV15 | Shirogami #2 |
| Härte | 58 HRC | 61–62 HRC |
| Stärke am Rücken | 3,0mm | 2,3mm |
| Gewicht | 263g | 116g |
Moderne europäische Kochmesser unterscheiden sich von handgefertigten Gyūtō aus Kleinserien in einer Reihe von Merkmalen. Da typische europäische Kochmesser aus korrosionsbeständigem Stahl gefertigt sind, ist ihre Pflege deutlich einfacher als die von Gyūtō mit Klingen aus Kohlenstoffstahl. Letztere reagieren empfindlich auf Säure und Feuchtigkeit, weshalb japanische Köche stets ein Tuch zum unmittelbaren Abwischen bereithalten. Gyūtō sind zudem nach dem Gebrauch sorgfältig zu trocknen, um Rostbildung zu vermeiden. Da der Stahl europäischer Kochmesser in der Regel weniger hoch gehärtet ist und die Klingen dicker und weniger fein ausgeschliffen sind, neigen sie seltener zu Ausbrüchen an der Schneide, sind aber auch weniger schnitthaltig. Zudem sind europäische Kochmesser stabiler, so dass sie auch den Kontakt mit dünneren Knochen tolerieren, während beim Gyūtō ein Druck der Klinge auf Knochen oder Gefrorenes zu Beschädigungen führen kann. Ein europäisches Kochmesser hat außerdem einen stärker gerundeten Schneidenverlauf als ein Gyūtō, was es zum Wiegeschnitt prädestiniert. Gyūtō hingegen eignen sich dank ihres flacheren Schneidenverlaufs besonders für ziehende oder schiebende Schnitte. Da Gyūtō in der Regel deutlich leichter sind als europäische Kochmesser, ermöglichen sie in Restaurantküchen ein ermüdungsärmeres Arbeiten.<ref>Zu den spezifischen Unterschieden zwischen europäischen und japanischen Kochmessern vgl. Oliver Lang, Das große Buch vom Messer. Alles über das wichtigste Werkzeug des Menschen, 3. Auflage, Bad Aibling 2024, S. 49, 56 und 61, sowie Ward, An Edge in the Kitchen, S. 45–48.</ref>
Herstellung
Bei der Herstellung von Gyūtō wird grundsätzlich zwischen geschmiedeten und gestanzten Klingen unterschieden. Während gestanzte Modelle aus industriell gefertigten Stahlblechen gewonnen werden, entstehen traditionell geschmiedete Gyūtō direkt aus dem Rohstahl. Dabei wird die endgültige Form entweder durch Ausschmieden unter dem Hammer oder durch das Austrennen aus dem bereits thermisch behandelten und verdichteten Material erreicht.<ref name="kentknifemaking">Kevin Kent: The Knifenerd Guide to Japanese Knives, Calgary 2018, S. 204–213.</ref>
Nach der Formgebung kann die Klinge durch verschiedene Bearbeitungsverfahren mit spezifischen Oberflächenfinishs versehen werden. Dazu zählen unter anderem Tsuchime (japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), eine durch Hammerschläge erzeugte Oberfläche, Kurouchi (japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), eine dunkle Oxidschicht aus dem Schmiedeprozess, oder Nashiji (japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), bei der das Ergebnis an die Schale einer japanischen Nashi-Birne erinnern soll. Diese Oberflächen erfüllen neben ästhetischen zum Teil auch funktionale Zwecke, indem sie etwa die Haftung des Schnittguts an der Klinge verringern.<ref>Zu den unterschiedlichen Oberflächenfinishs vgl. Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 176–179, sowie Kent, The Knifenerd Guide to Japanese Knives, S. 214f.</ref>
Anschließend wird der Messerrohling in einem Ofen erhitzt und dann kontrolliert abgekühlt, um Spannungen im Gefüge abzubauen und eine zu hohe Sprödigkeit zu verhindern. Im nächsten Schritt wird der Rohling erneut erhitzt und dann in Wasser oder Öl abgeschreckt, um den Stahl auf seine maximale Härte zu bringen. Da der Stahl nach dem Abschrecken bruchanfällig ist, wird der Rohling schließlich erneut bei niedrigeren Temperaturen erwärmt und kühlt dann langsam aus, was die Zähigkeit wiederherstellt und das Material stabilisiert.<ref name="kentknifemaking" />
Vor der Montage des Griffes wird ein Gyūtō geschliffen, geschärft und poliert. Einige Hersteller versehen die Klinge kurz vor dem finalen Schliff mit einer individuellen Gravur (Tagane-Mei, japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), die mit einem kleinen Meißel von Hand in den Stahl gestochen wird.<ref name="kentknifemaking" />
Nachdem die Klinge ihre endgültige Schärfe und Politur erhalten hat, folgt die Montage des Griffs. Bei Modellen mit einem japanischen Griff (Wa-Gyūtō) wird der Erl, also der in den Griff ragende Fortsatz der Klinge, zunächst im Feuer leicht erhitzt und dann in den vorgebohrten Griff eingesetzt. Besonders hochwertige Messer werden bisweilen auch ohne Griff im Handel angeboten, um dem Käufer eine individuelle Anpassung des Gyūtō zu ermöglichen.<ref>Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 188–191.</ref>
Pflege und Schärfen
Während preiswerte, aus Edelstahl gefertigte Gyūtō einen ähnlich geringen Pflegeaufwand erfordern wie europäische Kochmesser, ist der Umgang mit handgefertigten Modellen aus hochgehärteten Kohlenstoffstählen anspruchsvoller. Um Ausbrüche an der feinen Schneide zu vermeiden, sollten ausschließlich weiche Schneidebretter als Unterlage verwendet werden. Bei längerer Nichtbenutzung ist die Klinge mit Klingenöl (traditionell Kamelienöl) zu behandeln, um den Stahl vor Luftfeuchtigkeit zu schützen. Darüber hinaus gibt es für die Aufbewahrung von Gyūtō Messerscheiden aus Holz (Saya, japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), die die Klinge vor mechanischen Beschädigungen schützen. Auf keinen Fall dürfen hochwertige Gyūtō in der Spülmaschine gereinigt werden, da die Kombination aus Feuchtigkeit, aggressiven Reinigern und mechanischer Belastung zu Korrosion, Beschädigungen der Schneide und Schäden an Holzgriffen führen kann.<ref>Zur Pflege exemplarisch Donald, Sharp: The Definitive Introduction to Knives, S. 28, sowie Ward, An Edge in the Kitchen, S. 137. Zu geeigneten Schneidebrettern für japanische Küchenmesser sowie zu Aufbewahrung und Transport vgl. Ward, An Edge in the Kitchen, S. 84–99.</ref>
Zum Schärfen eines Gyūtō aus Kohlenstoffstahl werden traditionell japanische Wassersteine verwendet.<ref>Ausführlich zum Schleifen von japanischen Küchenmessern mit Wassersteinen: Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 206–217.</ref> Diese werden vor dem Schärfen gewässert und während des Schleifens mit Wasser benetzt. Unterschieden wird dabei zwischen den teureren Natursteinen<ref>Zu Natursteinen vgl. Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 220–221.</ref> und preislich günstigeren synthetisch hergestellten Wassersteinen. Je nach Aufgabengebiet werden Steine in unterschiedlichen Körnungen verwendet. Gröbere Steine mit einer Körnung zwischen 250 und 500 auf der JIS-Skala sind für Reparaturen geeignet, mittlere Körnungen zwischen 1.000 und 2.000 werden zum Schleifen verwendet und das Polieren erfolgt mit Körnungen ab 3.000.<ref>Kent, The Knifenerd Guide to Japanese Knives, S. 296f.</ref> Während bei weicheren europäischen Messerklingen feine Körnungen jenseits von 1.000 kaum noch einen Zuwachs an Schnitthaltigkeit bewirken, profitieren japanische Klingen aus hochgehärtetem Kohlenstoffstahl auch noch von einem abschließenden Abzug im Bereich von 8.000 bis 12.000.<ref>Kent, The Knifenerd Guide to Japanese Knives, S. 296.</ref> Vom Abziehen eines Gyūtō mit einem Wetzstahl aus Metall dagegen wird aufgrund des zu aggressiven Abtrags abgeraten.<ref>„[…] metal sharpening steels are too agressive and don’t sharpen the knife evenly along the length of the blade“, Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 206.</ref>
Das Gyūtō in Literatur und Film
Fachliteratur
In der Fachliteratur über japanische Küchenmesser wird das Gyūtō häufig als dasjenige Messer dargestellt, das für die meisten Schneidarbeiten in der Küche ausreicht. Daher gilt es oft als „das einzige Messer, das man wirklich braucht“, oder zumindest als eines der ersten Messer, die man sich anschaffen sollte.<ref>Exemplarisch: Kent, The Knifenerd Guide to Japanese Knives, S. 247 und 278 oder Hayward, The Culture, Craft and Cult of the Cook’s Knife, S. 86.</ref> Als Gründe für diese Bewertung werden zum einen die längere Klinge des Gyūtō im Vergleich zum Santoku angeführt, mit der auch größere Braten oder Früchte wie Kürbisse zerteilt werden können.<ref>Ward, An Edge in the Kitchen, S. 50.</ref> Zum anderen wird die Klingenform selbst als besonders vielseitig beschrieben, da sie sowohl den Umgang mit sehr unterschiedlichen Zutaten als auch verschiedene Schneidtechniken erlaubt.<ref>Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 140.</ref> Auch wird das Messer für diejenigen empfohlen, die ein Kochmesser mit flacherem Schneidenverlauf als bei seinem europäischen Gegenstück bevorzugen.<ref>Thomas Kluske, Küchenmesser. Welche man braucht. Womit man schärft. Wie man schneidet, München 2023, S. 115.</ref> Unter Enthusiasten gilt ein handgeschmiedetes Gyūtō als der „Rolls Royce der Messer“, insbesondere dann, wenn sich die Klingenstärke zur Spitze hin verjüngt.<ref>„For many, the Rolls Royce of knives is a forged gyuto, particularly one with a distal taper.“ – Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 140.</ref> Einschränkend gilt jedoch, dass ein Gyūtō zwar „alles kann“, aber nicht für jede Schneidarbeit in der Küche die ideale Lösung darstellt.<ref>„Now, a gyuto can do everything, but it is not the best for every job. For example it is a bit cumbersome to cut paper-thin slices of garlic for a pasta or French trimming a rack of lamb. This is why we need other knives in our set.“ – Kent, The Knifenerd Guide to Japanese Knives, S. 247.</ref>
Film
In der amerikanischen Serie The Bear: King of the Kitchen kehrt der junge und talentierte Sternekoch Carmen „Carmy“ Berzatto von New York in seine Heimatstadt Chicago zurück, um das Restaurant seines verstorbenen Bruders Michael zu übernehmen. Während Carmy in New York in der Spitzengastronomie gearbeitet hat, trifft er in Chicago auf ein heruntergekommenes Imbissrestaurant mit eigenwilligen und handwerklich unzureichend ausgebildeten Angestellten. Im Laufe der Serie wandeln sich die Teammitglieder unter Carmys Anleitung, wobei sein hochwertiges Gyūtō eine zentrale Rolle spielt. Es wird zum Symbol für den Aufstieg der Angestellten, die lernen, ihre Leidenschaft für das Kochen in technische Exzellenz zu übersetzen. Tina Marrero, eine langjährige Angestellte des Restaurants, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Symbolisiert durch die Übergabe von Carmys persönlichem Gyūtō steigt sie zur Sous-Chefin auf. Das Gyūtō steht dabei metaphorisch für den Unterschied zwischen der Präzision der Haute Cuisine und der Zweckorientierung einer Imbissküche. Laura Roeper, die Requisiteurin der Serie, erklärte in einem Interview aus dem Jahr 2023, dass das Messer bewusst als Symbol für Carmys Vergangenheit in der Sternegastronomie gewählt wurde und die Weitergabe an Tina keine bloße Übereignung, sondern ein Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens sei. Das für den Film ausgewählte Gyūtō aus der Schmiede von Yoshimi Kato<ref>Zu Yoshimi Kato vgl. Kent, The Knifenerd Guide to Japanese Knives, S. 93.</ref> im Takefu Knife Village von Echizen sei „ein Kunstwerk, nicht nur ein Messer“.<ref>„Take Carmy’s $2,000-plus Japanese steel knife, for example, that subtly hints for the first time at the tortured chef’s history working in fine dining restaurants, which he so bashfully tries to hide.“ sowie „It’s a symbol that he really is collaborating and letting her shine. […] It’s an art, not just a knife.“ – Anna Tingley, Every Single Knife Featured in ‘The Bear’, And Where to Buy Them, in: Variety vom 6. Juli 2023, zuletzt abgerufen am 15. März 2026.</ref>
Marktentwicklung und Sammlerszene
Im Zuge eines gestiegenen Interesses an japanischen Küchenmessern hat das Gyūtō im 21. Jahrhundert eine Wandlung vom reinen Küchenwerkzeug zum Sammlerobjekt vollzogen. Einer der Impulse für die größere Nachfrage nach japanischen Messern war die Anerkennung der traditionellen japanischen Küche (Washoku, japanisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO im Jahr 2013.<ref name="SonderberichtKüchenschneidwaren">Zollbehörde Nagoya, Abteilung für Untersuchungen und Statistik (名古屋税関 調査部調査統計課): 貿易統計特集:台所用刃物 (deutsch: Sonderbericht zur Handelsstatistik: Küchenschneidwaren) vom 19. Mai 2022, zuletzt abgerufen am 27. März 2026.</ref> Während der japanische Binnenmarkt aufgrund sich wandelnder Kochgewohnheiten eher stagnierte, stieg der Wert der exportierten Messer – insbesondere in die USA – laut japanischen Handelsstatistiken zwischen 2015 und 2021 stark an.<ref name="SonderberichtKüchenschneidwaren" /> Parallel zu diesem wirtschaftlichen Wachstum hat sich eine internationale Sammlerszene etabliert, die über die rein professionelle Nutzung von Gyūtō durch Restaurantköche hinausgeht. In dieser Gemeinschaft stehen die individuellen Handschriften der Meisterschmiede und Schleifer im Vordergrund, insbesondere von kleineren Herstellern japanischer Messer aus traditionellen Messerschmiede-Zentren wie Sakai, Echizen, Sanjō oder Tosa. Jüngere Fachpublikationen wie The Knifenerd Guide to Japanese Knives (2018) oder The Anatomy of a Japanese Knife: The Ultimate Guide to the Culture & Craft (2025) sowie etliche YouTube-Videos bedienen mit Portraits einzelner Schmiede das Interesse der Sammler an handwerklicher Authentizität, biografischen Hintergründen und der Provenienz einzelner Messerserien.<ref>Symonds / Saunders, The Anatomy of a Japanese Knife, S. 40–59 bietet Porträts einzelner Messerschmiede-Regionen in Japan, sowie – über das Buch verstreut – bekannter Hersteller. Kevin Kent widmet mit dem Kapitel „The Craftsmen“ (S. 20–201) einen Großteil seines Buches The Knifenerd Guide to Japanese Knives renommierten Messerschmieden. Unter den YouTube-Kanälen ist insbesondere derjenige von Knifewear, einem kanadischen Anbieter von handgeschmiedeten japanischen Küchenmessern, hervorzuheben.</ref> Darüber hinaus tragen spezialisierte Online-Foren und Diskussionsplattformen wie Kitchen Knife Fora oder die Reddit-Community r/TrueChefKnives zur Vernetzung und zum Wissensaustausch innerhalb der Sammlerszene bei.<ref>The Kitchen Knife Fora ist ein englischsprachiges Onlineforum und befasst sich unter anderem mit japanischen Küchenmessern. Der Subreddit r/TrueChefKnives besteht seit 2023 und dient ebenfalls dem Austausch über hochwertige Küchenmesser. Bei beiden spielen Gyūtō aufgrund ihrer Verbreitung eine prominente Rolle.</ref>
Literatur
- Kevin Kent: The Knifenerd Guide to Japanese Knives. Long Ladder Media, Calgary 2018, ISBN 978-1-9993906-0-0, S. 247.
- Tsukiyama Yoshitaka Cutlery: Handbook on Japanese Knives and Sharpening Techniques. Seibundo Shinkosha, Tokio 2017, ISBN 978-4-416-61573-7, S. 36–39 (zweisprachige Ausgabe: japanisch und englisch).
- Tim Hayward: The Culture, Craft and Cult of the Cook’s Knife. Quadrille, London 2016, ISBN 978-1-78713-369-3, S. 110.
- Chad Ward: An Edge in the Kitchen: The Ultimate Guide to Kitchen Knives. William Morrow, New York 2008, ISBN 978-0-06-118848-0, S. 50–53.
Weblinks
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