Guardia Piemontese
Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien
Guardia Piemontese ist eine italienische Stadt in der Provinz Cosenza in Kalabrien mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD).
2016 wurde Guardia Piemontese der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.<ref name=″Reformation″>Stadtporträt des Projekts „Reformationsstädte Europas“ von Vincenzo Rochetti: Vorlage:Toter Link In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 15. Februar 2020. Zur Bedeutung von Guardia Piemontese in der Reformationsgeschichte siehe den Abschnitt Geschichte</ref>
Lage und Daten
Guardia Piemontese liegt etwa 55 km nordwestlich von Cosenza an der Küste des Tyrrhenischen Meeres. Die Nachbargemeinden sind Acquappesa, Cetraro, Fuscaldo und Mongrassano.
Im Ort wird ein Dialekt der okzitanischen Sprache<ref>Hans Peter Kunert: Vorlage:Lang In: Vorlage:Lang Band 10 (= Serie Linguistica. Band 4). 1993, S. 27–36.</ref><ref>Hans Peter Kunert: L’occitan en Calàbria. In: Estudis Occitans. Band 16, 1994, Vorlage:ISSN, S. 3–14.</ref><ref>Hans Peter Kunert: Vorlage:Lang In: Vorlage:Lang Band 98, Nr. 2, 1994, Vorlage:ISSN, S. 477–489.</ref><ref>Hans Peter Kunert: Vorlage:Lang In: Vorlage:Lang Band 101, Nr. 1, 1997, S. 167–175.</ref> gesprochen.
Geschichte
Der Zeitpunkt der Ortsgründung ist unbekannt. Die Ortsnamen wandelten sich. Wohl angelehnt an eine ins 11. Jh. datierte Warte zur Ausschau nach Sarazenen im Gebiet der Lehnsherren von Fuscaldo hieß der Ort zunächst Vorlage:Lang dann nach Ansiedlung okzitanisch sprechender Waldenser Vorlage:Lang nach deren Unterdrückung Vorlage:Lang. Seit 1863 gilt der heutige Ortsname.
Ab 1375 siedelten der Inquisition entflohene waldensische Piemontesen in der 500 m über dem Meer gelegenen heutigen Oberstadt.<ref name="Witten_2001-S58">Ilona Witten: Kalabrien. 2., aktualisierte Auflage. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5288-3, S. 58.</ref> Schon ab 1315 siedelten Waldenser zunächst in Montalto Uffugo, später auch in San Sosti dei Valdesi, Vacarizzo, Argentina und San Vincenzo. Der örtliche Lehnsherr Spinelli, Herr von Fuscaldo, gewährte ihnen diese Zuflucht.<ref name="Witten_2001-S58" /> Lange Zeit gaben die Waldenser sich äußerlich wie Katholiken, gingen zur Messe und ließen ihre Kinder in der katholischen Kirche taufen.<ref>Das ist aber konfessionell unerheblich, da die Taufe ein allgemein christliches Ritual darstellt.</ref> Privat hielten die Waldenser an ihrem Glauben fest, empfingen aber nur etwa alle zwei Jahre für wenige Tage waldensische Prediger auf Pastoralreise.<ref name="Witten_2001-S58" />
Die Erfolge der Reformation überzeugten die heimlichen Waldenser, ihren Glauben nicht länger verstecken zu müssen.<ref name="Witten_2001-S58f">Ilona Witten: Kalabrien. 2., aktualisierte Auflage. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5288-3, S. 58 f.</ref> Auf ihrer Synode in Chanforan (Piemont) beschlossen sie 1532, sich offen zu bekennen. Darauf sandten kalabresische Waldenser Marco Uscegli nach Genf mit der Bitte, Prediger zu entsenden. So kam der Prediger Gian Luigi Pascale nach Kalabrien, wo er in Guardia Piemontese und San Sosti waldensische Tempel eröffnete.<ref name="Witten_2001-S59">Ilona Witten: Kalabrien. 2., aktualisierte Auflage. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5288-3, S. 59.</ref> Gleiches taten die heimlichen Waldenser in den piemontesischen angestammten Wohngebieten. Der dort zuständige katholische Bischof von Mondovì, Kardinal Michele Ghislieri, initiierte 1560 einen Kreuzzug gegen die Waldenser.<ref>Anacleto Verrecchia: Vorlage:Lang Rom 2002, ISBN 88-7989-676-8, S. 43.</ref> Ghisleri wurde 1566 zum Papst (Pius V.) gewählt und später heiliggesprochen.
Der örtliche katholische Abt Giovan Antonio Anania setzte Ghislieri davon in Kenntnis, dass auch die Waldenser in Kalabrien eigene Prediger anstellten.<ref name="Witten_2001-S59" /> Ghislieri befahl dem Abt daraufhin, unter Aufsicht seines örtlichen Erzbischofs von Cosenza, Taddeo Gaddi, die waldensische Ketzerei auszumerzen.<ref name="Witten_2001-S59" /> Anania versuchte, die Waldenser zunächst mit Drohungen zur Konversion zu bewegen. Doch diese weigerten sich. Nichts Gutes ahnend flohen viele Waldenser aus umliegenden Orten ins befestigte Guardia Piemontese.<ref name="Witten_2001-S59" /> Ihr Lehnsherr Salvatore Spinelli (um 1506–5. Oktober 1565) versuchte, sie zum Einlenken zu bewegen und legte Pascale und Uscegli die Flucht nahe, doch beides ohne Erfolg.
Schließlich griff Spinelli, der selber fürchtete, der Begünstigung von Ketzern beschuldigt zu werden, zu einer List.<ref name="Witten_2001-S59" /> Im Juni 1561 erbat er für sich und 50 seiner Mannen Einlass in die Stadt, wobei er vorgab, unbewaffnet zu kommen. Die Guardioten als gehorsame Lehnsleute öffneten ihrem Herren die Stadt. In der Nacht zum 5. Juni holten Spinelli und seine Schergen ihre versteckt mitgebrachten Waffen hervor und bemächtigten sich der Stadt. Dabei und bei weiteren Pogromen in den folgenden zwei Wochen ermordeten Spinelli und seine Schergen in Guardia Piemontese und anderen Orten seines Lehens etwa 2000 Waldenser.<ref name="Witten_2001-S59" />
An diese Bluttat erinnert der Name des Stadttores, Vorlage:Lang (Bluttor), weil das Blut der Gemordeten bis zum Tor geflossen sein soll.<ref name="Witten_2001-S59" /> In der Nähe des Stadttores befindet sich das Centro di Cultura Giovan Luigi Pascale, das auch eine Ausstellung zur Geschichte der guardiotischen Waldenser zeigt.<ref name="Witten_2001-S59" />
Die Überlebenden des Massakers mussten zum römisch-katholischen Glauben übertreten. Ehen zwischen Brautleuten, die beide waldensischer Abkunft waren, wurden verboten.<ref name="Witten_2001-S59" /> In die Haustüren mussten Vorlage:Lang eingelassen werden, durch die Inquisitoren von außen in die Häuser spionieren konnten, ob die Zwangskonvertiten zu Hause nicht heimlich weiter die waldensische Tradition pflegten.<ref name="Witten_2001-S61" >Ilona Witten: Kalabrien. 2., aktualisierte Auflage. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5288-3, S. 61.</ref> An manchen Türen finden sich diese Vorlage:Lang bis heute. Der waldensische Tempel wurde geschleift. An seiner Stätte, der heutigen Vorlage:Lang erhebt sich heute ein Felsen aus dem Piemont, den die überwiegend waldensische Partnergemeinde Torre Pellice 1975 gestiftet hat.<ref name="Witten_2001-S60f">Ilona Witten: Kalabrien. 2., aktualisierte Auflage. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5288-3, S. 60 f.</ref> Eine Tafel davor nennt die Namen von 118 beim Massaker 1561 ermordeten Guardioten. Im rühmlichen Andenken an die Ausmerzung der waldensischen Ketzerei stiftete Salvatore Spinelli, der im April 1565 für seine Tat zum Markgrafen von Fuscaldo erhoben wurde,<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> die Dominikanerkirche Chiesa del SS. Rosario am Ort.<ref name="Witten_2001-S61" />
Sehenswürdigkeiten
Sehenswert ist die Stadtmitte mit engen Gassen und den Ruinen einer Stadtmauer. Es gibt einen großen Turm der ehemaligen Burg aus dem 15. Jahrhundert. Die katholische Pfarrkirche Vorlage:Lang an der Piazza Pietro Valdo hat ein sehenswertes Portal und im Inneren einen geschnitzten Chor aus dem 18. Jahrhundert.
Seit 1446 gibt es in Guardia Piemontese Thermen, die Vorlage:Lang. Heute steht eine moderne Thermalanlage im Ort.
Einzelnachweise
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