Santa Domenica Talao
Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien
Santa Domenica Talao ist eine italienische Gemeinde mit Formatnum:1122 Einwohnern (Stand 2024) in der Provinz Cosenza in der Region Kalabrien. Der Zusatzname Talao verweist auf den Fluss Lao, der in den antiken Quellen als Λάος (Laos) erwähnt wird. Nach einigen toponomastischen Hypothesen könnte der Name aus der Verkürzung des griechischen Ausdrucks κατά Λάος (katà Lâos, „nahe beim Lao“ oder „zum Lao hin“) entstanden sein, der sich mit der Zeit zu Talao entwickelte.<ref>L. Pagano, Il progresso nelle scienze, Diamante 1840.</ref> In späteren gelehrten Traditionen erscheint auch die Form Θαλάος (Thaláos), wahrscheinlich das Ergebnis von Textkorruptionen oder einer volksetymologischen Verbindung mit dem Wort θάλασσα („Meer“).
Geografie
Santa Domenica Talao liegt auf Vorlage:Höhe s.l.m. auf einem Hügelrücken namens Serra La Limpida. Das Gemeindegebiet reicht von den Hügellandschaften bis zu den Gebirgszügen, die die Grenze zu den Gemeinden Orsomarso und Papasidero bilden. Vom Ort hat man einen weiten Blick über das untere Laotal bis hin zum Pollino-Massiv und zur Riviera dei Cedri an der Tyrrhenischen Küste. Ein wesentlicher Teil des Gemeindegebiets gehört zum Nationalpark Pollino, der Wälder, Fauna und Landschaften des nördlichen Kalabriens schützt.<ref>Parco Nazionale del Pollino, Scheda del comune di Santa Domenica Talao, 2025.</ref>
Nachbargemeinden
Santa Domenica Talao grenzt im Südosten an Orsomarso, im Nordosten an Papasidero, im Westen an Scalea und im Nordwesten an San Nicola Arcella und Praia a Mare.<ref>COMUNE DI SANTA DOMENICA TALAO, PIAO – Allegato 1, 2023.</ref>
Geologie und Morphologie
Das Gebiet zeigt eine große morphologische Vielfalt: von den Kalkhügeln, auf denen der Ort liegt, bis zu den über 1.000 m hohen Gipfeln des tyrrhenischen Pollino-Ausläufers. Vorherrschend sind mesozoische Kalke und Dolomite, mit Karstformen, Schluchten und Dolinen.
Vegetation und Fauna
Die Vegetation reicht von mediterraner Macchia und Olivenhainen über Kastanien- und Eichenwälder bis hin zu Buchen- und Tannenmischwäldern in höheren Lagen. Geschützte Tierarten im Nationalpark Pollino sind u. a. Rehe, der Apenninwolf, Steinadler und zahlreiche Greifvögel.
Klima
Das Klima ist im Hügelland mediterran mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern, in den Gebirgslagen dagegen kühler und kontinentaler, mit häufigen Schneefällen in den Wintermonaten.
Geschichte
Der Name Santa Domenica taucht erstmals 1563 in einem Verzeichnis der Städte und Orte des Königreichs Neapel auf.<ref>G. M. Scoto, Nomi delle prouintie, citta, terre, e castella, del Regno di Napoli, Venedig 1563.</ref> Die Gründung des Ortes als organisierte Siedlung geht auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück, als die Fürsten Spinelli von Scalea ein Kolonisierungsprojekt für die Gebiete entlang des Lao-Flusses initiierten. Um die 1620er Jahre siedelten sich Familien aus Mormanno und benachbarten Orten an, mit dem Ziel, Weide- und Waldflächen in Ackerland umzuwandeln. 1651 wird der Ort in einem Dokument der Regia Camera della Sommaria bereits als Casale Santa Domenica mit rund 60 Haushalten erwähnt.<ref>S. Napolitano, La colonizzazione feudale della Calabria Citeriore. La formazione di un borgo nuovo: il caso di Santa Domenica Talao, in: Daedalus, 2006.</ref> Im 18. Jahrhundert wuchs der Ort stark und erhielt sein heutiges Aussehen mit Adelspalästen und Kapellen. 1864 wurde der Name offiziell in Santa Domenica Talao geändert, um ihn von gleichnamigen Orten zu unterscheiden.<ref>Italienisches Innenministerium, 1864.</ref>
Das 20. Jahrhundert war von starker Auswanderung geprägt. Viele Einwohner ließen sich in Nordamerika, Argentinien und besonders in der Dominikanischen Republik nieder, vor allem in Puerto Plata, Santiago de los Caballeros und La Vega. 1917 wurde in Puerto Plata die Società Pro-Santa Domenica Talao gegründet, um Rücküberweisungen und Hilfsaktionen für das Heimatdorf zu organisieren.<ref>AISE – Agenzia Internazionale Stampa Estero, 2023.</ref> 2022 wurde eine Städtepartnerschaft mit Santo Domingo geschlossen, als Anerkennung für den Beitrag der Emigranten zur dominikanischen Gesellschaft.<ref>Cosenza Channel, 2022.</ref>
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt ein Weinranken mit Traube, die sich an einem Olivenbaum emporwindet, auf silbernem Grund mit blauem Rand.
Sehenswürdigkeiten
- Chiesa madre di San Giuseppe, Hauptkirche aus dem 17. Jh., mit barockem Innenraum und Marmoraltar von 1774.
- Cappella della Madonna del Rosario, 1725 erbaut, Mittelpunkt der traditionellen Fera ’u Chianu.
- Cappella di San Giovanni Evangelista, kleine Kapelle im Ortsteil ’A Codda, kürzlich durch Spenden restauriert.
- Piazza Italia, Hauptplatz mit jahrhundertealtem Olivenbaum und Panoramablick.
- Palazzo Campagna, erbaut 1774, mit barocken Elementen.
- Palazzo Perrone (später Senise), großer Palast der Familie Perrone.
- Palazzo Schiffino, Wohnsitz des 18. Jh., Geburtsort des Jesuiten und Theologen Santo Schiffino (1841–1906).
- Palazzo La Greca, ehemaliger Sitz der Familie La Greca.
- Palazzo Longo, Adelshaus in Via Fontana della Terra.
- Museo della Terra, Heimatmuseum mit landwirtschaftlichen Geräten und Dokumenten, zugleich Sitz der aktiven Pro Loco.
Gesellschaft
Bevölkerungsentwicklung
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1861 | 2.890 |
| 1871 | 2.801 |
| 1881 | 2.499 |
| 1901 | 2.199 |
| 1911 | 1.890 |
| 1921 | 2.066 |
| 1931 | 1.841 |
| 1936 | 2.139 |
| 1951 | 2.139 |
| 1961 | 1.691 |
| 1971 | 1.451 |
| 1981 | 1.419 |
| 1991 | 1.378 |
| 2001 | 1.314 |
| 2011 | 1.272 |
| 2021 | 1.140 |
| 2024 | 1.122 |
Die Einwohnerzahl ist seit dem 19. Jahrhundert stark zurückgegangen, hauptsächlich durch Auswanderung und Überalterung. In den letzten Jahren zog der Ort Interesse ausländischer Käufer an, die Häuser im historischen Zentrum erwarben und restaurierten.
Feste und Veranstaltungen
- San Giuseppe all’Accovata: erste Mai-Sonntag, Prozession zur Kapelle in der Contrada Accovata, mit Jahrmarkt.
- Patronatsfest San Giuseppe (Fera ’a Codda): erste Sonntag nach dem 20. Juli, wichtigste Feier mit Prozession und Markt im Ortsteil ’A Codda.
- Estate Santadomenicana: Sommerfestival im August mit Musik, Gastronomie und Unterhaltung.
- International Tyrrhenian Jazz Festival: Jazzfestival im Garten des Palazzo Campagna.
- Madonna del Rosario (Fera ’u Chianu): erste Sonntag im Oktober in der Contrada Piano, mit traditionellem Jahrmarkt und Prozession.
Wirtschaft
Die Wirtschaft ist kleinbäuerlich geprägt: Oliven, Wein, Getreide, Gemüse und Feigen; Viehzucht in kleinem Umfang. Tourismus ist ein weiterer Pfeiler, insbesondere Sommertourismus durch die Nähe zur Riviera dei Cedri und den Nationalpark Pollino. In den letzten Jahren entwickelte sich auch Landtourismus und Zweitwohnsitznutzung. Wie viele Orte im Inneren Kalabriens leidet Santa Domenica Talao jedoch unter Abwanderung, Überalterung und geringer Wirtschaftsdynamik.
Verkehr
- Straßen: Anbindung über die Strada Statale 18 Tirrena Inferiore und die Provinzstraße SP3 nach Scalea.
- Bahn: nächster Bahnhof ist Bahnhof Scalea-Santa Domenica Talao (ca. 8 km), an der Tyrrhenischen Hauptstrecke, mit Regional-, Intercity- und Hochgeschwindigkeitszügen (Frecciarossa, Italo) nach Turin, Mailand, Rom, Neapel.
- Flughäfen: Flughafen Lamezia Terme (127 km), Flughafen Salerno-Costa d’Amalfi (161 km), Flughafen Neapel-Capodichino (232 km).
Städtepartnerschaften
- Vorlage:ITA Castelnuovo Scrivia, seit 1997
- Vorlage:DOM Santo Domingo, seit 2022
Literatur
- Saverio Napolitano: La colonizzazione feudale della Calabria Citeriore. La formazione di un borgo nuovo: il caso di Santa Domenica Talao. In: Daedalus, 2006.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />