Gröbming liegt auf einer Anhöhe im Ennstal, am südöstlichen Dachsteinmassiv, dem Kemetgebirge, links der nach Osten fließenden Enns. Das Gemeindegebiet erstreckt sich den Gröbmingbach aufwärts hinauf bis zum Dachsteinplateau und zur oberösterreichischen Landesgrenze. Der Kulmleiten ist mit 811 m ein Hügel, der sich direkt an den Siedlungskern anschließt.
Klima
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Gröbming
Zählsprengel sind Gröbming-Zentrum für den Hauptort und Gröbming-Umgebung, zu dem unter anderem die Dörfer Hofmanning, Klazenberg, Krahbergsiedlung, Oberwinkl, Thalhamm, Weyern und Winkl gehören. Da der Bezirk Liezen flächenmäßig der größte in Österreich ist, wurde für das obere Ennstal eine politische Expositur in Gröbming eingerichtet (Politische Expositur Gröbming).
Zuständiger Gerichtsbezirk ist Schladming.
Dörfer und Weiler sind Beihügel, Hofmanning, Klazenberg (Dorf), Mautdörfl, Oberhügeldorf, Oberwinkl, Öfen, Stoderzinken-Dorf, Thalhamm, Tischlmühle, Weyern und Winkl.
Als Zeugnis römischer Besiedlung ist ein Grabstein erhalten, welcher bislang in der katholischen Pfarrkirche aufbewahrt wurde, aktuell aber im Heimatmuseum ausgestellt ist. Des Weiteren gibt es archäologische Hinweise für den Bestand einer Villa Rustica am Schlossbühel, einer Auslagerung des Hochplateaus im Südosten des Ortes, welche in den 1970er Jahren von Walter Modrijan archäologisch untersucht wurde.<ref>Ingo Mirsch: Die Archäologie des mittleren Ennstales
und steirischen Salzkammergutes. In: Wolfgang Suppan, Gottfried Allmer (Hrsg.): An der Wiege des Landes Steiermark - Die Chronik Pürgg-Trautenfels. Weishaupt, Gnas 2013, ISBN 978-3-7059-0344-9, S.119.</ref>
Von 700 bis 1000 besiedelten Slawen und Bajuwaren die Region. Mehrere Höfe wurden im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. In der Zeit der Reformation war Gröbming evangelisch geprägt.
Das früheste Schriftzeugnis ist von 1139 und lautet „Grebin“. Der Name geht auf den slowenischgreben (Kamm, Grat) zurück.<ref>Fritz Frhr. Lochner von Hüttenbach: Zum Namengut des Frühmittelalters in der Steiermark (= Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Band99). Böhlau Verlag, Wien 2008, S.39 (historischerverein-stmk.at [PDF; 16,9MB]).</ref>
Die Reformation setzte sich unter Duldung des Admonter Abtes Valentin Abel ab 1565 durch. Als erster lutherischer Pfarrer wurde 1570 der Bauernsohn Martin Schröffel eingesetzt. Um 1580 hatten 90 % der Bevölkerung das evangelische Bekenntnis angenommen. Im Februar 1599 wurde Martin Schröffel im Rahmen der Rekatholisierung der Gegenreformation gegen den entschiedenen Widerstand der Bevölkerung abgesetzt und vertrieben. Die Obrigkeit hatte den evangelischen Glauben verboten, und er konnte danach nur noch geheim als Kryptoprotestantismus ausgelebt werden. Entdeckte Ketzer wurden oftmals hart bestraft, so wurden 1629 Hanns Bartholomäus, Wilhelm und Benedictus von Moosheim samt ihren Frauen und Kindern des Landes verwiesen.<ref>Evangelische Kirche Markt Gröbming. Die erste „richtige Kirche“ in der Steiermark, Website groebming.at (abgerufen am 15. Juni 2025).</ref>
1680, als die Pest in der gesamten Steiermark wütete, war auch Gröbming stark davon betroffen. Die meisten Häuser standen entweder wegen einer Erkrankung und dem Tod der Besitzer leer, oder durch die Flucht der Bewohner leer. Man fand keine Zeit, all die Leichen einzugraben, weshalb man sie am Friedhof verfaulen ließ. Die Gottesdienste wurden zu dieser Zeit in einer Kapelle am Hügel Kulmleiten abgehalten.<ref>Franz Hutter: Geschichte Schladmings und des steirisch-salzburgischen Ennstales. Hrsg.: J. Meyerhoff. Graz 1906, S.400.</ref> Auch eine Mariensäule, die in der Altstadt Gröbmings steht, erinnert an die Seuche.<ref>Astrid Gruber: Die Entwicklung des Fremdenverkehrs im Oberen Ennstal am Beispiel des Gröbminger Stoderzinken von 1955 bis 1965. Graz Februar 2014, S.114.</ref>
Nach Erlass des Toleranzpatentes durch Kaiser Joseph II. 1781 bekannte sich vorerst niemand zum evangelischen Glauben, erst der Zuzug von Protestanten aus der Region ließ wieder eine von Schladming betreute Filialgemeinde entstehen, deren Gottesdienste in Bauernhäusern gefeiert wurden. Erst nach der Revolution 1848, die die volle Religionsfreiheit garantierte, erfolgte 1852 die Wiederbegründung der Pfarre Gröbming. Sie war damals die kleinste und ärmste Pfarrgemeinde der Steiermark und zählte 440 Gemeindeglieder. Erster Pfarrer wurde Josef Pultar, der der Gemeinde über die gesamte 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts vorstand.<ref>Evangelische Kirche Gröbming, Website schladming-dachstein.at (2025, abgerufen am 15. Juni 2025)</ref>
Als Gröbming im Zuge der Aufhebung der Grundherrschaften 1848/49 zur selbstständigen Marktgemeinde wurde, hatte es bereits seit längerem ein unverbrieftes Marktrecht besessen.
Während des Zweiten Weltkrieges nahm Gröbming 3000 Flüchtlinge auf und verköstigte diese, viele davon kamen aus dem Rheinlande.<ref></ref>
1979 wurde eine Ortsumfahrung angelegt.<ref name="Geschichte">Geschichte der Marktgemeinde Gröbming. Website der Marktgemeinde Gröbming, abgerufen am 22. Dezember 2010.</ref>
2021 wurde begonnen, ein von der Marktgemeinde Gröbming initiiertes Gewerbegebiet, das auch von den Gemeinden Mitterberg-Sankt Martin, Öblarn, Michaelerberg-Pruggern und Sölk unterstützt wird, zu bauen.<ref>Marktgemeinde Gröbming www.groebming.at: Gewerbegebiet Gröbmingerland. Abgerufen am 2. August 2021.</ref> Dadurch sollen 300 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.
Ein Gröbminger Wappen<ref name="Kraßler 1956">Josef Kraßler: Heraldische Mängel Im neuen Ortswappenbuch von Kobel / Pirchegger. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs, Folge 6, 1956, S. 42 (ganzer Artikel S. 33–61, pdf, landesarchiv.steiermark.at).</ref>
findet sich bereits bei Schmutz 1822,<ref>Carl Schmutz: Historisch-topographisches Lexikon, 1822, Titelblatt des 1. Bandes und Tafelbeigaben zum 2. Band.</ref> dort zeigt es als Landschaftsbild eine Felsgruppe mit vereinzelten Fichtenbäumchen, davor eine Wiese mit quer durch den Schild fließendem Bach und ganz im Vordergrund zwei Häuschen.<ref name="Kraßler 1956" />
Bei Widimsky 1864<ref>Vincenz Robert Widimsky: Städtewappen des österreichischen Kaiserstaates, 1864.</ref> zeigt es weiße (silberne) Grabsteine und Grabkreuze (anstelle Felsen und Fichten), einen weißen Weg (anstelle des Bachs), Kapelle und stockhohes Gebäude, weiß mit roten Dächern, alles auf grüner Wiese unter blauem Himmel.<ref name="Kraßler 1956" />
Das heutige Wappen zeigt zwei Lilienstäbe als Zeichen der Rechtsgewalt, zwölf Kreuze für den Apostelaltar der katholischen Kirche, den Himmel und der Feld trennende Zahnschnitt dokumentiert die slawische Sprachwurzel greben des Ortsnamens und das Gebirge.<ref name="Geschichte" />
Das heutige Wappen erhielt die Marktgemeinde am 11. Juli 1994.
Der Ort liegt auf einem Plateau über der Enns, begrenzt von der Kammspitze im Norden und dem Stoderzinken mit seinem Vorberg Kulm im Westen, auf um die 770 m ü. A. Höhe. Der Gröbmingbach wendet sich hier nordostwärts und bildet ein kleines Nebental der Enns, das zur Salza bei St. Martin leitet. Hausberg des Orts ist der Klapf Kulmleiten (811 m ü. A.) südöstlich. Zur Enns fällt eine Steilstufe ungefähr 100 Meter ab, sodass sich am Südende des Orts eine Passhöhe ergibt.
Stoderkircherl: (auch Friedenskirche), das Stoderkircherl befindet sich am Stoderzinken
Stoderzinken Alpenstraße: die Stoderzinken Alpenstraße ist die höchste Aussichtsstraße der Steiermark
Kultur- und Sporthalle, in der (Sport-)Veranstaltungen stattfinden Datei:Kulturhalle Groebming.jpgDie Kultur- und Sporthalle
Kurpark Gröbming: Park mit Gradieranlage, Barfußweg, Minigolfplatz, Restaurant, kleinem Teich und Denkmal des Kneippvereins Gröbming
Datei:Altstadt Groebming.jpgGröbminger AltstadtKleine Altstadt von Gröbming mit Marktbürgerhäusern und Geschäften
Heimatmuseum Gröbming: Das Museum zeigt die Siedlungs- und Kirchengeschichte, den Weg der Bauern in die Freiheit, die Gründung der Käserei, den Aufbau des Schulwesens sowie die Geschichte des Handwerkslebens und der Marktbürgerschaft.
Ennstal-Classic: Die Ennstal-Classic ist eine der bekanntesten Oldtimer-Rallyes in Österreich und findet jedes Jahr im Sommer statt.
Planai-Classic: Alljährliche Tochterveranstaltung der Ennstal-Classic für Oldtimer im Winter.
Tag der lautlosen Freiheit<ref>E.-Werk Gröbming www.das-ewerk.at: Tag der lautlosen Freiheit Gröbming. Abgerufen am 19. Juli 2020.</ref>: Elektro-Fahrzeug Veranstaltung, findet jedes Jahr im Sommer statt.
Seifenkisten Grand Prix von Gröbming<ref>Marktgemeinde Gröbming www.groebming.at: 1. Gröbminger Seifenkisten Grand Prix. Abgerufen am 19. Juli 2020.</ref>
Wunschkonzert der Trachtenkapelle Gröbming
Wirtschaft und Infrastruktur
Gröbming ist ein heilklimatischer Kurort<ref>Gröbming, Eine blühende Marktgemeinde. Broschüre, o. n. A. (PDF, 4,3 MB; istsuper.com, abgerufen am 14. April 2013)</ref> in der Urlaubsregion Schladming-Dachstein. Die Region besteht aus sieben Urlaubszentren, zu denen das Gröbminger Land zugehört.
Am Stoderzinken befand sich bis 2018 ein kleines Skigebiet, das 2021 mit einer Piste wieder geöffnet wurde.
Das ab 2021 errichtete interkommunale Gewerbegebiet (von 5 Gemeinden der Kleinregion Gröbming) im Osten der Gemeinde mit strengen Auflagen für die Interessenten erhielt 2023 den Preis Energy Globe Styria.<ref>Umweltpreis. Kleine Zeitung, Print, 13. Juli 2023, S. 16.</ref>
Die Gemeinde bildet gemeinsam mit Michaelerberg-Pruggern und Mitterberg-St. Martin den Tourismusverband Gröbminger Land. Dessen Sitz ist in Gröbming.<ref>Grazer Zeitung, Amtsblatt für die Steiermark. 30. Dezember 2014, 210. Jahrgang, 52. Stück. Nr. 304. ZDB-ID 1291268-2 S. 625.</ref>
Lange Zeit bestand der Großteil des Gemeinderates aus Mitgliedern der Österreichischen Volkspartei, die sich zu den Gemeinderatswahlen 2020 in „Neue Volkspartei Gröbming“ umbenannte.<ref>Neue Volkspartei Gröbming (Hrsg.): Loatawog'n. Nr.1. Gröbming 2021.</ref> 2007 wurde mit dem ersten sozialdemokratischen Bürgermeister ein Grundstein für den Aufschwung der SPÖ gelegt. Bei den Gemeinderatswahlen 2015 gewannen die Sozialdemokraten ihre erste Wahl – 2020 erreichten sie dann eine absolute Mehrheit. Die Ziele der SPÖ und der dazugehörigen Organisation Dahoam in Gröbming (Daheim in Gröbming) sind vor allem Wohnraum, aber auch die Förderung der Wirtschaft mit dem Gewerbegebiet und Sozialleistungen mit dem Neubau eines Kindergartens.<ref>Gröbming: SPÖ setzt auf Wohnraum. 14. Februar 2020, abgerufen am 2. August 2021.</ref>
1929: Josef Habersatter (1860–1929), Bürgermeister von Radstadt 1897–1900<ref>Grazer Tagblatt (21. 5. 1929), S. 2. Vgl. Grazer Tagblatt. In: anno.onb.ac.at. Abgerufen am 6. Januar 2021.</ref><ref>Josef Habersatter. In: www.sn.at/wiki. Abgerufen am 6. Januar 2021.</ref>
1962: Hans Pirchegger (1875–1973), Historiker<ref>Der Ennstaler (5. 10. 1962), S. 5.</ref>
Lukas Walcher (* 1990), Schauspieler; verbrachte seine Kindheit und Jugend in Gröbming
Natalija Eder (* 1980), paralympische Leichtathletin; erhielt 2016 die Goldene Ehrennadel der Marktgemeinde Gröbming
Emil von Horstig (1845–1931), Unternehmer und Bergbau- und Dachsteingebirge-Erschliessungs-Pionier
Constantin Keller (1778–1864), Ordensgeistlicher, Lehrer und Pomologe
Catalina Molina (* 1984), Filmregisseurin und Drehbuchautorin; verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Gröbming
Josef Pommer (1845–1918), Volkslied-Forscher und Politiker
Franz Wamprechtsamer (1873–1956), Mitbegründer der ersten Bauernschule Österreichs, Oberlehrer an der Volksschule Gröbming
Literatur
Robert Beyer: Die Entwicklung der Gemeinden Gröbming und Michaelerberg. Ungedruckte Diplomarbeit, Graz 1982.
Astrid Gruber: Die Entwicklung des Fremdenverkehrs im Oberen Ennstal am Beispiel des Gröbminger Stoderzinken von 1955 bis 1965. Ungedruckte Diplomarbeit, Graz 2014.
Ingo Mirsch: Die Archäologie des mittleren Ennstales und steirischen Salzkammergutes. In: Wolfgang Suppan, Gottfried Allmer (Hrsg.): An der Wiege des Landes Steiermark – Die Chronik Pürgg-Trautenfels. Gnas 2013, ISBN 978-3-7059-0344-9.
Peter Thuswaldner: Spätgotische Westemporen in Österreich. 1400 – 1530. Horn 2015, ISBN 978-3-85028-679-4.
Martin Parth: Die Bezirke Liezen und Gröbming im Ersten Weltkrieg unter besonderer Berücksichtigung militärischer Aspekte. Ungedruckte Diplomarbeit, Graz 1999.
Michael Stradal: Kein Feuer am Freienstein. Ein Gröbmingkrimi.
Michael Stradal: Die Tote im Spitalgraben. Ein Gröbmingkrimi.
Michael Stradal: Der Nackte vom Säbelboden. Ein Gröbmingkrimi.
Bruno Moebius: Mord bei der Ennstal-Classic.
Gröbming wird in diesen Büchern erwähnt
Herta Mandl-Neumann, Franz Mandl: Dachstein-Tauern-Region: Blicke in Vergangenheit und Gegenwart. Haus im Ennstal 2001, ISBN 3-85226-095-7 (und mehrere Bücher auf eurobuch.at).
Hubert Pleninger: Streifzüge – Gröbminger Land und Naturpark Sölktäler.