Franz Thoma (Politiker, 1886)
Franz Thoma (* 30. Juli 1886 in Gröbming<ref>Matricula Online – Groebming, Taufbuch 11, 1872-1913, Seite 201, Eintrag Nr. 47, 2. Zeile</ref>; † 10. Juli 1966 in Graz) war ein österreichischer Politiker.
Leben
Franz Thoma entstammte einem alten bayrischen Bierbrauergeschlecht aus Landsberg am Lech. Sein Großvater war in Gröbming ansässig geworden. Nach einer Ausbildung zum Textiltechniker und Auslandsaufenthalten in Deutschland und in der Schweiz machte er eine landwirtschaftliche Fachausbildung. Im Ersten Weltkrieg war er von 1914 bis 1918 als Offizier vor allem an der Ostfront eingesetzt und wurde mehrmals verwundet.
Mit Kriegsende übernahm er den elterlichen Bauernhof (Thornhof) in Gröbming und schloss sich politisch dem freisinnigen und deutschnationalen Landbund an. Ab 1919 war er mit Unterbrechungen steirischer Landtagsabgeordneter. Hinzu kamen zahlreiche Funktionen im wirtschaftlichen und genossenschaftlichen Bereich. Er war jahrzehntelang Obmann des „Steirischen Braunviehzuchtverbandes“ und Obmann der Landgenossenschaft Ennstal (Stainach). Thoma hat sich vor allem in den Bereichen Rinderzucht, genossenschaftliche Warenwirtschaft und Milch- und Molkereiwirtschaft engagiert und galt als anerkannter Agrarfachmann.
Auf ihn wollten auch die neuen NS-Machthaber nach 1938 nicht ganz verzichten und er behielt Positionen im Molkereiverband und in der Landwirtschaftskammer. Im Juni 1938 stellte er einen Antrag auf Ausstellung einer vorläufigen Mitgliedskarte der NSDAP. Ihm wurde die Mitgliedsnummer 9.006.639 zugeteilt und die Aufnahme in die NSDAP sollte rückwirkend zum 1. Jänner 1940 erfolgen. Von 1939 bis Ende 1941 wurde Thoma als Offizier zur Wehrmacht einberufen. Da er im eigenen Betrieb und bei der Führung der steirischen landwirtschaftlichen Genossenschaften dringend gebraucht wurde, wurde er vom Militär freigestellt. Nach „schweren Bedenken“ ihm die Mitgliedskarte auszuhändigen, wurde seine Aufnahme in die NSDAP im Februar 1944 endgültig abgelehnt.<ref>Michael Wladika, Doris Sottopietra, Helmut Wohnout: Zur Repräsentanz von Politikern und Mandaten mit NS-Vergangenheit in der Österreichischen Volkspartei 1945-1980: Eine gruppenbiographische Untersuchung. Forschungsprojekt im Auftrag des Karl von Vogelsang-Instituts. Wien April 2018, S. 162 f. (vogelsanginstitut.at [PDF]).</ref> Konflikte mit lokalen NS-Parteigrößen führten dazu, dass er bis 1945 fast alle seine Funktionen zurückgelegt hatte.
Nach 1945 stand Thoma wieder an der Spitze der regionalen Genossenschaften und war bald auch auf Landesebene tätig. Er wechselte seine politische Heimat und trat nun sofort dem zur ÖVP gehörenden Bauernbund bei, um eine starke und politisch einheitliche Bauernvertretung zu unterstützen. Der Landbund hatte nach dem Zweiten Weltkrieg keine Bedeutung mehr. Ab 1948 war Thoma Mitglied der Steiermärkischen Landesregierung und ab 1949 Landtagspräsident. Insgesamt war er zehn Jahre lang Abgeordneter zum Nationalrat.
Am 23. Januar 1952 wurde Thoma österreichischer Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und blieb es 7 ½ Jahre lang. In diesen Jahren des Aufbaus und der Umstrukturierung der österreichischen Landwirtschaft hatte er am größten Modernisierungsschub der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert maßgeblich Anteil. Die Erhaltung der Struktur der österreichischen Landwirtschaft, mit dem bäuerlichen Familienbetrieb als agrarpolitischem Leitmodell, war ihm ein wichtiges politisches Anliegen.
Auszeichnungen
- Ehrenring des Landes Steiermark
- 1959: Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Literatur
- Franz Thoma in: Internationales Biographisches Archiv 23/1970 vom 25. Mai 1970, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Franz Thoma auf der Website des österreichischen Parlaments
- Archivaufnahmen mit Franz Thoma im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek (Parlamentsdebatten)
Einzelnachweise
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Erste Präsidenten: Josef Wallner | Franz Thoma | Josef Wallner | Karl Brunner | Richard Kaan | Franz Koller | Hanns Koren | Franz Feldgrill | Franz Wegart | Franz Hasiba | Reinhold Purr | Siegfried Schrittwieser | Kurt Flecker | Manfred Wegscheider | Franz Majcen | Bettina Vollath | Gabriele Kolar | Manuela Khom | Gerald Deutschmann
Zweite Präsidenten: Franz Stockbauer | Karl Operschall | Anton Afritsch | Franz Ileschitz | Hans Gross | Annemarie Zdarsky | Christoph Klauser | Dieter Strenitz | Anna Rieder | Walburga Beutl | Franz Majcen | Ursula Lackner | Manuela Khom | Gabriele Kolar | Christopher Drexler
Dritte Präsidenten: Franz Scheer | Anton Stephan | Franz Koller | Helmut Heidinger | Franz Feldgrill | Waltraud Klasnic | Lindi Kálnoky | Ludwig Rader | German Vesko | Hans Kinsky | Walburga Beutl | Barbara Gross | Ursula Lackner | Werner Breithuber | Gerhard Kurzmann | Gerald Deutschmann | Helga Ahrer
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Fritz Bock | Josef C. Böck-Greissau | Josef Gerö | Ferdinand Graf | Karl Gruber | Oskar Helmer | Felix Hurdes | Reinhard Kamitz | Ernst Kolb | Andreas Korp | Josef Kraus | Eugen Margarétha | Karl Maisel | Franz Thoma | Otto Tschadek | Vinzenz Übeleis | Karl Waldbrunner
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Fritz Bock | Josef C. Böck-Greissau | Josef Gerö | Ferdinand Graf | Karl Gruber | Oskar Helmer | Reinhard Kamitz | Ernst Kolb | Andreas Korp | Karl Maisel | Franz Thoma | Vinzenz Übeleis | Karl Waldbrunner
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Fritz Bock | Josef C. Böck-Greissau | Heinrich Drimmel | Leopold Figl | Rudolf Fischer | Raimund Gehart | Josef Gerö | Ferdinand Graf | Karl Gruber | Oskar Helmer | Udo Illig | Reinhard Kamitz | Hans Kapfer | Ernst Kolb | Bruno Kreisky | Karl Maisel | Anton Proksch | Franz Thoma | Karl Waldbrunner
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Julius Raab | Adolf Schärf / Bruno Pittermann
Fritz Bock | Heinrich Drimmel | Leopold Figl | Ferdinand Graf | Franz Grubhofer | Franz Gschnitzer | Oskar Helmer | Udo Illig | Reinhard Kamitz | Bruno Kreisky | Anton Proksch | Karl Stephani | Franz Thoma | Otto Tschadek | Karl Waldbrunner | Eduard Weikhart | Hermann Withalm
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Erste Republik:
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Rupprechter |
Köstinger |
Patek |
Köstinger |
Totschnig
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Thoma, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Politiker (Landbund, ÖVP), Abgeordneter zum Nationalrat |
| GEBURTSDATUM | 30. Juli 1886 |
| GEBURTSORT | Gröbming |
| STERBEDATUM | 10. Juli 1966 |
| STERBEORT | Graz |
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- Landwirtschaftsminister (Österreich)
- Abgeordneter zum Nationalrat (Österreich)
- Landtagspräsident (Steiermark)
- Politiker (Zweite Republik Österreich)
- Politiker (Österreich der Zwischenkriegszeit)
- Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz)
- Ehrenringträger des Landes Steiermark
- Landbund-Mitglied
- ÖVP-Mitglied
- NSDAP-Mitglied
- Person (Gröbming)
- Träger des Ludwig-Erhard-Preises
- Österreicher
- Geboren 1886
- Gestorben 1966
- Mann