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Segnung und Trauung gleichgeschlechtlicher Paare

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Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares

Vorlage:Hinweisbaustein Als Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wird die liturgische Handlung in einigen Kirchen oder Glaubensgemeinschaften bezeichnet, die für die Lebensgestaltung von in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften lebenden Paaren den Segen eines Gottes erbitten. Je nach Rechtslage handelt es sich um Eingetragene Partnerschaften oder um gleichgeschlechtliche Ehen. Meist werden diese Segnungshandlungen jedoch von Trauungen unterschieden.

Einführung

Das Thema wird innerhalb des Christentums kontrovers gesehen. Nur eine Minderheit der Kirchen und Glaubensgemeinschaften führt bisher Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare durch. Der Großteil der Kirchen lehnt solche Zeremonien ab. Große christliche Kirchen mit zentralen Beratungsgremien, die entsprechende ablehnende Beschlüsse gefasst haben oder eine ablehnende Position vertreten, sind die Polnisch Nationale katholische Kirche PNCC, die römisch-katholische Kirche, alle östlich-orthodoxen Kirchen und alle altorientalischen Kirchen. Hingegen nehmen viele Altkatholische Kirchen und protestantische Kirchen liturgische Handlungen dieser Art vor, wobei sie auf den grundlegenden Unterschied zur Ehe hinweisen.

Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare im Islam ist erst in den letzten Jahren in Einzelfällen durch liberale Imame bekannt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />act up:France – First symbolic gay marriage celebrated by an imam (Memento des Vorlage:IconExternal vom 29. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/actup.org</ref> Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist hingegen in Teilen des Judentums, des Buddhismus und des Hinduismus möglich.

Befürworter dieser Zeremonien betonen die theologische Bedeutung eines öffentlichen Bekenntnisses des Paares vor der Gemeinde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Paula M. Jackson: Preparing for and Celebrating Life in Community. Within the Body of Christ (Memento vom 18. Januar 2006 im Internet Archive) (insbesondere die letzten 4 Seiten)</ref> Von gleichgeschlechtlichen Paaren wird die Zulassung öffentlicher Segnungen begrüßt und in der Community aufmerksam verfolgt.<ref>queer.de: Kein Segen für Kanadas Homos</ref> Zwischen den staatsrechtlichen und kirchenrechtlichen Vorschriften über die Ehe bestehen manchmal Unterschiede. In einigen Fällen ist eine gleichgeschlechtliche Ehe nur kirchenrechtlich möglich; in einigen ist die Ehe nur vom Staat erlaubt, während die Kirche hier nicht von einer Eheschließung spricht, sondern lediglich eine Segnung spendet.

Weltweit gesehen ist die häufigste Konstellation nach wie vor, dass weder Staat noch Kirche eine Ehe oder eine Partnerschaft zulassen oder als Religion segnen würden.

Römisch-katholische Kirche

Das vatikanische Dikasterium für die Glaubenslehre bestimmte am 18. Dezember 2023 in der von Papst Franziskus approbierten Erklärung „Fiducia supplicans über die pastorale Sinngebung von Segnungen“ („flehendes Vertrauen“, benannt nach dem Incipit),<ref>vatican.va: Deutscher Text von Fiducia supplicans, 18. Dezember 2023.</ref> dass Priester und Diakone homosexuelle (und unverheiratete heterosexuelle) Paare in einer nicht liturgischen Form segnen dürfen; der Segen darf nicht im Rahmen eines Gottesdienstes erteilt werden, und eine Verwechslung mit einer Eheschließung muss ausgeschlossen werden. Es handelt sich dabei um ein weiterentwickeltes Verständnis des Segens, so dass es entgegen früheren Regelungen nun möglich sei, „Paare in irregulären Situationen und gleichgeschlechtliche Paare segnen zu können, ohne deren Status offiziell zu konvalidieren oder die beständige Lehre der Kirche über die Ehe in irgendeiner Weise zu verändern“.<ref>Katholische Kirche erlaubt Segnung für homosexuelle Paare. In: katholisch.de. 18. Dezember 2023, abgerufen am 18. Dezember 2023.</ref>

Siehe auch: Homosexualität und römisch-katholische Kirche.

Geschichte

Offizielle Verlautbarungen des kirchlichen Lehramts der römisch-katholischen Kirche zur Frage nach Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare gab es lange Zeit nicht. Aus der Tatsache, dass sich die römische Kirche auch gegen eine rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften einsetzte<ref>Kongregation für Glaubenslehre: Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen Homosexuellen Personen (2003)</ref> und in Deutschland kirchlichen Mitarbeitern für den Fall des Eingehens einer Lebenspartnerschaft auch arbeitsrechtliche Konsequenzen ankündigte,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erklärung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz zur Unvereinbarkeit von Lebenspartnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz mit den Loyalitätsobligenheiten nach der Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse (Memento vom 15. Juli 2007 im Internet Archive) (24. Juni 2002), abgedruckt im Amtsblatt des Bistums Limburg Nr. 8/2002, S. 71 (PDF, 188 kB).</ref> wurde in der Regel geschlossen, dass auch Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare abgelehnt wurden.

Die Haltung regionaler Gliederungen der römisch-katholischen Kirche sowie von katholischen Laienorganisationen fiel allerdings oftmals anders aus. Ein prominentes Beispiel dafür ist die römisch-katholische Landeskirche des Kantons Basel-Landschaft, die in einem seit 2004 verbreiteten Flyer sowie in ihrem Internet-Auftritt zu Partnerschaftssegnungen ausdrücklich einlädt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Römisch-katholische Landeskirche des Kantons Basel-Landschaft: Die Liebe feiern – die Liebe segnen. (Memento vom 17. Dezember 2005 im Internet Archive)</ref> Im belgischen Eynatten gab es 2012 eine Segnung eines lesbischen Paares durch einen katholischen Priester.<ref>Heinz Gensterblum: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Segnung zweier Frauen in der Kirche löste Irritationen aus (Memento vom 28. Juli 2014 im Internet Archive). Grenz-Echo, 27. April 2012.</ref> Eine offizielle Stellungnahme des Bistums Lüttich zu dieser Segnung gab es nicht.

2008 fand in dem als Simultankirche genutzten Wetzlarer Dom eine öffentliche Segnungsfeier eines homosexuellen Paares statt, das zuvor am Standesamt die eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen war. Der Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, berief daraufhin den Priester, der die Zeremonie durchgeführt hatte, von seinem Amt als Bezirksdekan von Wetzlar ab.<ref>Limburger Bischof beruft Dekan ab. Spiegel Online, 20. August 2008</ref><ref>Dekan muss gehen wegen Schwulen-Trauung. In: Frankfurter Rundschau, 20. August 2008.</ref> Ein evangelischer Geistlicher, der der als ökumenisch geplanten Segnungsfeier gleichermaßen hatte vorstehen wollen, nahm nur als Privatmann und ohne Talar an der Feier teil, weil das Presbyterium der evangelischen Domgemeinde der Segnung nicht zugestimmt hatte.<ref>Falscher Eindruck in der Öffentlichkeit. In: Gießener Allgemeine Zeitung, 22. August 2008.</ref> Im Oktober 2014 erfolgte eine Segnung eines lesbischen Paares durch einen Gemeindepfarrer in Bürglen in der Schweiz. Nach einer Untersuchung des Bistums Chur<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nachrichten.at:Katholischer Pfarrer segnete lesbisches Paar, Kirche will Fall prüfen (Memento vom 2. November 2014 im Internet Archive)</ref> wurde der im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg inkardinierte Priester daraufhin in sein Heimatbistum zurückgerufen, konnte dann aber Pfarrer von Bürglen bleiben.<ref>Wende im Fall Bürglen – Pfarrer Bucheli gibt klein bei und darf bleiben, NZZ online vom 28. April 2015</ref> Die Schweizer Bischofskonferenz bekräftigte, dass derartige Segnungen der Lehre der katholischen Kirche widersprächen und die Bischöfe weder Lehre noch Disziplin der Kirche ändern könnten.<ref>NZZ:Bischöfe lehnen Segnung von lesbischem Paar ab</ref> Eine weitere Segnung eines lesbischen Paares erfolgte im Mai 2015 unter Duldung der Kirchenleitung im Bistum Basel.<ref>AargauerZeitung:Das Okay kam per SMS unter Duldung der Kirchenleitung im Bistum Basel</ref>

Im Mai 2015 forderte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in einem einstimmigen Beschluss die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.<ref>DomRadio:Katholikenkomitee fordert Segnung gleichgeschlechtlicher Paare</ref> 2017 forderte die katholische Organisation Wir sind Kirche die Entwicklung von Leitlinien für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare durch die katholische Kirchenleitung.<ref>Zeit.de: Und wie reagieren die Kirchen?</ref> Im Januar 2018 regte Bischof Franz-Josef Bode vom Bistum Osnabrück eine neue Diskussion über die Einführung eines Segnungsgottesdienstes für verheiratete gleichgeschlechtliche Paare durch die katholische Kirche an.<ref>ndr.de: Bischof Bode für Segnung von Homo-Paaren</ref> Am 14. April 2020<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />NovenaNews: German Bishops’ head: “If a gay couple lives with faithfulness, can’t we say their relationship is blessed by God?” (Memento vom 23. Januar 2021 im Internet Archive), 14. April 2020</ref><ref>FAZ.net: Das Leben wird wieder aufblühen, 14. April 2020</ref> und im Dezember 2020<ref>Queer.de: Bischof Bätzing will gleichgeschlechtlichen Sex erlauben, Dezember 2020</ref> erneut befürwortete Bischof Georg Bätzing vom Bistum Limburg die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, ebenso im September 2020 Bischof Heinrich Timmerevers vom Bistum Dresden-Meißen.<ref>Domradio.de: Römisch-katholische Kirche muss sich neu positionieren, September 2020</ref>

Datei:Regenbogenflagge vor der Freiburger Johanneskirche als Protest gegen das Segnungsverbot.jpg
Regenbogenflagge vor der Freiburger Johanneskirche als Protest gegen das Segnungsverbot

Am 15. März 2021 veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre ein Dokument, wonach Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in der römisch-katholischen Kirche kirchenrechtlich unmöglich seien.<ref>Katholisch.de: Die Glaubenskongregation schnürt dem Heiligen Geist die Luft ab, März 2021</ref><ref>Vaticannews: Heiliger Stuhl: Segnung homosexueller Paare nicht möglich, 11. März 2021</ref><ref>Sueddeutsche.de: Das kann nicht Gottes Wille sein</ref> Als Reaktion darauf riefen katholische Seelsorger im gesamten Bundesgebiet zu „Segnungsgottesdiensten für Liebende“ auf.<ref>Seelsorger rufen zu bundesweiten Segnungen für Liebende auf | DOMRADIO.DE. Abgerufen am 13. Mai 2021.</ref> Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erklärte, dass er das Unverständnis über die Entscheidung der Kongregation für die Glaubenslehre teile,<ref>Bätzing: Teile Unverständnis über Nein zu Segnung homosexueller Paare. Abgerufen am 13. Mai 2021.</ref> kritisierte geplante Segnungsaktionen aber, da er solche Aktionen „nicht für ein hilfreiches Zeichen und einen weiterführenden Weg“ halte.<ref>Bätzing: Geplante Segensaktion für homosexuelle Paare nicht hilfreich. Abgerufen am 13. Mai 2021.</ref> Anfang Mai 2021 wurden schließlich in über 100 deutschen katholischen Gemeinden homosexuelle Paare gesegnet.<ref>Deutsche Welle (www.dw.com): Katholische Gemeinden feiern die Segnung homosexueller Paare | DW | 10.05.2021. Abgerufen am 13. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im September 2022 veröffentlichten die Bischöfe der Region Flandern ein Dokument mit Vorschlägen für Gebete und eine kirchliche Segnungsfeier für gleichgeschlechtliche Paare. Solche Modelle wurden zuvor nur von katholischen Organisationen, nie aber von Bischöfen herausgebracht.<ref>Flämische Bischöfe wagen Vorstoß für Homosexuellen-Segnung. Abgerufen am 13. März 2023.</ref> Im März 2023 beschloss der Synodale Weg, dass Segensfeiern ab März 2026 in deutschen Bistümern ermöglicht werden sollten.<ref>Deutsche Welle (www.dw.com): Gleichgeschlechtliche Paare sollen Segen erhalten | DW | 10.03.2023. Abgerufen am 13. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im April 2025 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz eine Handreichung für öffentliche Segnungsfeiern homosexueler Paare.<ref>dbk.de: Gemeinsame Konferenz verabschiedet Handreichung zu Segensfeiern, April 2025</ref>

Evangelische Kirchen

Europa

Möglich sind Segnungen und/oder Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare

Nordamerika

Australien/Neuseeland

Altkatholische Kirche

In den Altkatholischen Kirchen Deutschlands, Österreichs<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Altkatholische Kirche Österreich: Die Glaubens- und Gewissensfreiheit jedes Einzelnen (Memento vom 19. Mai 2007 im Internet Archive)</ref> und der Niederlande werden gleichgeschlechtliche Paare öffentlich in einem Gottesdienst gesegnet. In der Christkatholischen Kirche der Schweiz ist die Trauung homosexueller Ehepaare seit August 2020 erlaubt.<ref>Luzerner Zeitung.de: Christkatholische Kirche will gleichgeschlechtliche Paare vor dem Altar trauen, August 2020</ref> In Deutschland gaben 2014 Bischof und Synodalvertretung ein Liturgieheft mit Texten für den gottesdienstlichen Gebrauch für „Die Feier der Partnerschaftssegnung“ heraus. Bischof Matthias Ring macht im Vorwort des Rituale deutlich, dass diejenigen, die um Gottes Segen bitten, das Bewusstsein besäßen, nicht alles in der Hand zu haben, sondern auch für die Gestaltung einer Partnerschaft auf einen letzten Halt zu vertrauen. „Gleichgeschlechtlich liebende Paare, deren Gemeinschaft auf Dauer angelegt ist und die füreinander verantwortlich sorgen wollen, können und dürften mit Recht für ihre Partnerschaft um den Segen Gottes bitten“, betont Bischof Ring.<ref>Die Feier der Partnerschaftssegnung im Katholischen Bistum der Alt-Katholiken. Bonn 2014, ISBN 978-3-934610-91-0.</ref> Auf der Synode 2021 wurde die rechtliche und liturgische Gleichstellung der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der Ehe beschlossen.<ref>Alt-Katholische Synode beschließt Gleichstellung von Partnerschaftssegnung und Ehe – Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland. Abgerufen am 28. März 2022.</ref> Die Hohe Synode der Altkatholischen Kirche Österreichs beschloss 2019 die administrative Gleichstellung von gemischtgeschlechtlichen Ehesegnungen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaftssegnungen. Diese beiden Formen werden zukünftig in den Kirchenbüchern unter der Rubrik „Lebensbund“ zusammengefasst. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist davon ausgenommen.<ref>Altkatholiken in Österreich: Schritt Richtung „Ehe für alle“. Abgerufen am 23. Oktober 2019.</ref>

Anglikanische Gemeinschaft

Die Lage in der anglikanischen Kirchengemeinschaft ist uneinheitlich. In den westlichen Industriestaaten wurde die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erlaubt und offen homosexuelle Geistliche sind dort tätig. Demgegenüber wird in Teilen der Drittweltstaaten, insbesondere in Ostafrika sowie in Nigeria von der dortigen Kirchenleitung eine homophobe Kirchenpolitik betrieben.<ref>queer.de: Die Verstrickung von Kirche und Homophobie</ref>

Church of England

Mit dem Inkrafttreten des Civil Partnership Gesetzes im Vereinigten Königreich 2005, das eine zivile Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht, gab das House of Bishops der Church of England eine pastorale Stellungnahme heraus. Sie bekräftigte die traditionelle kirchliche Sicht der Ehe zwischen Mann und Frau und die traditionelle Ablehnung von außerehelichem Geschlechtsverkehr durch die Kirche. Die Bischöfe stellten fest, dass es unter den Umständen nicht richtig wäre, eine autorisierte öffentliche Liturgie im Zusammenhang mit zivilen Partnerschaften zu schaffen, und bekräftigten, dass Geistliche der anglikanischen Kirche keine Segnungsfeiern abhalten sollten für die, die eine zivile Partnerschaft registrieren lassen. Dennoch befanden die Bischöfe, dass es nicht unvereinbar mit der Rolle eines Priesters sei, wenn dieser eine zivile Partnerschaft eingehe, da (Abs. 20) „die Kirche nicht mit den Annahmen der Gesellschaft gemeinsame Sache machen sollte, dass alle enge Beziehungen notwendigerweise sexuelle Betätigung voraussetzen“. Der Priester müsse jedoch seinem Bischof gegenüber versichern, dass sein Verhalten innerhalb seiner Beziehung mit der Lehre der Kirche bezüglich außerehelichem Geschlechtsverkehr vereinbar sei. Bei Laien befanden die Bischöfe jedoch, dass keine solche Versicherungen abverlangt werden sollten, und erkannten an (Abs. 23), dass die Kirche nicht aus ihrer Gemeinschaft solche Leute ausschließen wollte, die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren könnten, dass ein sexuell abstinentes Leben von ihnen abverlangt sei, und stattdessen für eine treue und verpflichtende Beziehung entschieden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />House of Bishops issues pastoral statement on Civil Partnerships (Memento vom 20. Juni 2008 im Internet Archive)</ref>

Februar 2007 wurde das Thema bei der Generalsynode auch unter Beteiligung des nicht-bischöflichen Klerus und der Laien kontrovers diskutiert. In diesem breiter angelegten Forum war es schwieriger zu einem Konsens zu kommen, so dass die Synode eine Resolution verabschiedete, in der festgestellt wurde, dass über das Thema unterschiedliche Meinungen bestehen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />churchofengland.org (Memento vom 25. März 2015 im Internet Archive)</ref>

2008 fand in der anglikanischen Mutterkirche, der Church of England, in London<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />England: Gay priests' civil partnership blessed in London church (Memento vom 14. September 2008 im Internet Archive)</ref> ein öffentlicher Segnungsgottesdienst eines homosexuellen Paares statt, das zuvor eine eingetragene Partnerschaft nach englischem Zivilrecht eingegangen war. Der Bischof von London erteilte dem Geistlichen einen scharfen Verweis, weil dieser nach Ansicht des Bischofs gegen das Kirchendisziplin gehandelt habe, und ordnete eine Untersuchung des Falls an. Der Bischof rügte auch, dass der Priester, der die Segnungszeremonie durchgeführt hatte, sich in den Medien rechtfertigte, das Gespräch mit seinem eigenen Bischof jedoch nicht gesucht habe, obwohl er die Zeremonie bereits seit einem halben Jahr geplant habe.<ref>Daily Telegraph: Bishop of London issues stern rebuke to vicar who conducted gay 'wedding' 18 Jun 2008</ref> Die Erzbischöfe von Canterbury und York haben in einer gemeinsamen Stellungnahme unter Bezug auf die Stellungnahme des House of Bishops 2005 erklärt, Geistliche, die mit den bestehenden Regeln nicht einverstanden seien, hätten die Freiheit, andere von ihrer Sichtweise zu überzeugen, aber nicht die Freiheit, die bestehenden Regeln zu missachten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Joint statement by the Archbishop of Canterbury and the Archbishop of York regarding St Bartholomew-the-Great, 17 June 2008 (Memento vom 27. September 2008 im Internet Archive)</ref> Die Untersuchung des Falls wurde beendet, nachdem der Priester dem Bischof in einem Brief versichert hatte, dass er das Geschehene bedauere und sich verpflichtete, von weiteren Segnungsfeiern abzusehen.<ref>Diocese of London: Statement on the Service at St Bartholomew the Great 23. Oktober 2008</ref><ref>Times: Vicar who performed ‘wedding’ ceremony for two gay clergy expresses regret, 23. Oktober 2008</ref> In den folgenden Jahren wurde das Thema weiter beraten, und im November 2013 erlaubte die Church of England die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in einem Gottesdienst.<ref>Advocate.com:Church of England plans blessing of gay couples</ref>

Anglikanische Kirche in Wales

Im September 2021 ermöglichte die Anglikanische Church in Wales öffentliche Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Ehepaare.<ref>The Guardian: Church in Wales votes to bless same-sex marriages, September 2021</ref>

Anglikanische Kirche von Kanada

In der Anglikanischen Kirche von Kanada ist das Thema umstritten. Die letzte Abstimmung dazu endete mit einem Ergebnis von 19:21.<ref>Queer:Anglikaner: Homo-Streit weitet sich aus</ref> Pläne der Anglican Diocese of New Westminster, Trauungsgottesdienste abzuhalten, haben starken Widerspruch aus konservativeren Teile der anglikanischen Gemeinschaft hervorgerufen. Im Juli 2016 befürwortete die Synode der Anglican Church of Canada die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare.<ref>Guardian: Anglican church of Canada backs same-sex marriage, a day after rejecting it</ref>

Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika

In der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika wurden durch einen Beschluss der General Convention vom Juli 2009 die Bischöfe der Kirche ermuntert, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in ihren Bistümern zu autorisieren, insbesondere in Bundesstaaten, in welchen gleichgeschlechtliche Ehen bzw. eingetragene Partnerschaften legalisiert sind. Von der Schaffung eines einheitlichen liturgischen Ritus zur Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen wurde vorerst abgesehen. In den kommenden drei Jahren sollen die Bischöfe Erfahrungen mit den Segnungen sammeln und liturgische Handreichungen erarbeiten. Die Möglichkeit, dann eine Standardliturgie für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu schaffen, wurde offengelassen.<ref name="WP-Episcopal Bishops">The Washington Post: Episcopal Bishops Can Bless Gay Unions</ref><ref>integrityusa.org: Blessing Same-Sex Relationships</ref> (23. Juni 2005: Dokument To Set Our Hope on Christ) Am 1. Juli 2015 ermöglichte die Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika kirchenrechtlich die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />NBC2: Episcopal Church to allow same-sex marriages (Memento vom 4. Juli 2015 im Internet Archive)</ref><ref>NBCNews:Episcopalians Vote to Allow Gay Marriage in Churches</ref>

Scottish Episcopal Church

Die Scottish Episcopal Church ermöglichte im Juni 2017 kirchenrechtlich die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare.<ref>BBC:Scottish Episcopal Church approves gay marriage, 8. Juni 2017</ref> Eine erste öffentliche Segnung eines zuvor zivil verheirateten gleichgeschlechtlichen Paares hatte am 8. August 2015 in der episkopalen St Paul’s Cathedral in Dundee stattgefunden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Courrier: Dundee cathedral hosts historic same-sex marriage, 10. August 2015 (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)</ref>

Anglikanische Kirche in Aotearoa, Neuseeland und Polynesien

2014 verabschiedete die Generalsynode der Anglican Church in Aotearoa, New Zealand and Polynesia eine Resolution zur Erarbeitung einer liturgischen Zeremonie für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.<ref>ThinkingAnglicans.org: Anglican Church in Aotearoa, New Zealand and Polynesia, New Zealand synod acts on same-gender blessings</ref> 2018 befuerwortete die Synode öffentliche Segnungsgottesdienste für verheiratete homosexuelle Paare.<ref>Newshub.co.nz Anglican Church will bless same-sex relationships</ref>

Anglikanische Kirche in Australien

In einigen Bistümern der Anglikanischen Kirche in Australien, wie beispielsweise 2019 im Bistum Wangaratta, wurden Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Ehepaare ermöglicht.<ref>Anglican.ink: Australian diocese approves same-sex marriage, August 2019.</ref>

Weitere Kirchen

In der Neuapostolischen Kirche (NAK) sind seit Ende 2011 Segnungsgebete außerhalb eines Gottesdienstes für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt.<ref>Neuapostolische Kirche:Segensgebet für eingetragene Partnerschaften</ref>

Weltreligionen

Judentum

Obwohl Geschlechtsverkehr zwischen Männern in der Bibel als „Gräuel“ eingestuft wird (Vorlage:Bibel/Link, Vorlage:Bibel/Link), hat das reformjüdische Rabbinat Nordamerikas 1996 dem Konzept der gleichgeschlechtlichen Ehe zugestimmt. Ähnlich ist die Position des Rekonstruktionismus.<ref>Stances of Faiths on LGBTQ Issues: Reconstructionist Judaism. Abgerufen am 30. Juni 2019.</ref> Im orthodoxen Judentum hingegen wird die gleichgeschlechtliche Ehe weiterhin abgelehnt.<ref>Judaism and LGBTQ Issues: An Overview. Abgerufen am 30. Juni 2019. Same-Sex Marriage as Kiddushin. Abgerufen am 30. Juni 2019.</ref>

Eine Segnung ist möglich:

Islam

Da homosexuelle Handlungen im Islam traditionell als Zinā (Unzucht) abgelehnt werden, sind Schließungen gleichgeschlechtlicher Ehen dort nicht vorgesehen. Siehe auch: Homosexualität im Islam.

Hinduismus

Segnungen sind möglich:

Buddhismus

Segnungen sind möglich:

Weitere Glaubensgemeinschaften

Segnungen sind möglich:

Unitarismus

Hinweis: Teile des Unitarismus haben sich seit Ende des 19. Jh. nicht-christlichen Positionen angeschlossen, gleichwohl gibt es auch noch christliche Unitarier.

Neue religiöse Bewegungen

Trauung gleichgeschlechtlicher Paare

Datei:Lutheran Church Same-Sex Marriage.jpg
Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares in einer lutherischen Gemeinde (USA, 2015)
Datei:EKD Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare.svg
Landeskirchen der EKD, in denen Trauungen von Paaren einer Gleichgeschlechtlichen Ehe möglich sind (dunkel), Stand: Mai 2020.

Christentum

Neben der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gingen in den letzten Jahren einige christliche Kirchen dazu über, kirchenrechtlich eine reguläre Trauung gleichgeschlechtlicher Paare zu ermöglichen. Im Unterschied zur Segnung erfolgt hierbei keine Unterscheidung zur kirchlichen Trauung eines heterosexuellen verheirateten Paares.

Zu diesen christlichen Kirchen gehören unter anderem:

Neureligiöse Bewegungen

Die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ist ebenso in einigen wenigen Kirchen der neureligiösen Bewegungen erlaubt, beispielsweise

Judentum

Die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ist des Weiteren in Teilen des Reformjudentums insbesondere in den Vereinigten Staaten<ref>Jewish Week: liberal orthodoxen Synagoge will stopp announcing LGBT weddings</ref> und im Rekonstruktionismus<ref>Human Right Campaigns: Stances of Faiths on LGBTQ Issues: Reconstructionist Judaism</ref> erlaubt.

Literatur

  • Peter Bubmann, Silvia Jühne, Anne-Lore Mauer (Hrsg.): Trauung, Segnung, Hochzeitsfeier? Dokumentation zum Studientag zur liturgischen Begleitung von Lebenspartnerschaften in der ELKB, Erlangen 2017.
  • Peter Bubmann: „Segnung für alle“. Klärungsversuche in einer nicht enden wollenden Diskussion, in: Deutsches Pfarrerblatt 119 (2019), S. 200–204, ISSN 0939-9771.
  • Christian Grethlein: Grundinformation Kasualien. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-03620-4. Darin: Segnung anlässlich einer Eingetragenen Partnerschaft? S. 265f.
  • Wolfgang Schürger: Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Bausteine und Erfahrungen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2002, ISBN 3-579-05560-7.
  • Segnung von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft. Materialien für den Gottesdienst (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck), Kassel 2013, ISBN 978-3-89477-884-2.
  • Die Feier der Partnerschaftssegnung im Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Für den gottesdienstlichen Gebrauch erarbeitet durch die Liturgische Kommission und herausgegeben von Bischof und Synodalvertretung, Alt-Katholischer Bistumsverlag, Bonn 2014, ISBN 978-3-934610-91-0.

Weblinks

Einzelnachweise

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