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Giardiose des Hundes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Giardia intestinalis dog.jpg
Lichtmikroskopische Aufnahme einer Giardie aus dem Kot eines Hundes

Die Giardiose des Hundes (Syn. Giardiasis, Lambliasis) ist eine durch den Einzeller Giardia duodenalis (verbreitete Synonyme: Giardia intestinalis, Giardia lamblia) hervorgerufene häufige Durchfallerkrankung bei Hunden. Beim Hund herrschen die hundespezifischen Genotypen D und C (auch als Assemblage D und C bezeichnet) des Parasiten vor. Ein geringer Teil der Erkrankungen bei Hunden wird jedoch durch den Genotyp A ausgelöst, der auch für die Giardiasis des Menschen verantwortlich ist – diese Erkrankungen sind damit als Zoonose einzustufen. Betroffen sind vor allem Welpen, Junghunde und Hunde in größeren Gruppen wie Zuchten oder Tierheimen. Die Erkrankung zeigt sich in immer wiederkehrenden Durchfällen mit einem gelblichen, dünnbreiigen und faulig stinkenden Kot. Zur Bekämpfung werden gegen Einzeller wirksame Antiparasitika eingesetzt, die medikamentöse Behandlung muss aber durch eine konsequente Umgebungsbehandlung ergänzt werden.

Nachdem es möglich geworden ist, die verschiedenen genetischen Linien zuverlässig zu unterscheiden, wurde vorgeschlagen, für die Genotypen C und D den alten Namen Giardia canis (erstbeschrieben 1922, aufgrund fehlender morphologischer Unterschiede 1952 mit Giardia duodenalis synonymisiert) wieder einzusetzen.<ref>Paul T. Monis, Simone M. Caccio, R.C. Andrew Thompson (2009): Variation in Giardia: towards a taxonomic revision of the genus. Trends in Parasitology 25 (2): 93-100. doi:10.1016/j.pt.2008.11.006</ref> Diese treten neben Hunden an anderen Caniden wie Füchsen und Wölfen, daneben an anderen Raubtieren wie Waschbären, selten an Katzen und einer Vielzahl anderer Wirte auf, sind also überwiegend an Caniden gebunden, aber nicht streng wirtsspezifisch. Dies wurde vielfach akzeptiert.<ref>z. B. Heinz Mehlhorn: Animal Parasites: Diagnosis, Treatment, Prevention. Springer 2016. ISBN 978 3 319 46402 2, 4.2.1 Giardia species of dogs and cats, S. 51.</ref> 2023 wurden mit einem erneuten Vorschlag sogar beide Genotypen als Arten vorgeschlagen, Genotyp C als Giardia canis und Genotyp D als Giardia lupus.<ref>Caroline Wielinga, Andrew Williams, Paul Monis, R.C. Andrew Thompson (2023): Proposed taxonomic revision of Giardia duodenalis. Infection, Genetics and Evolution 111: 105430. doi:10.1016/j.meegid.2023.105430</ref> Dies ist aber nicht allgemein anerkannt. Nicht vergessen werden sollte, dass auch die anderen Genotypen, auch die beim Menschen verbreiteten A1, A2 und B, ebenfalls beim Hund auftreten können.

Ursache und Entstehung

Datei:Giardia lamblia.jpg
Giardia intestinalis

Die Infektion erfolgt durch Aufnahme von Zysten von Giardia duodenalis aus der Umwelt. Der Erreger wird in verschiedene genetische Typen unterteilt, die Assemblages genannt werden. Beim Hund kommen vorwiegend die Assemblages C und D vor.<ref name="Kanski">Sabrina Kanski, Karin Weber, Kathrin Busch: Ein Update zur felinen und caninen Giardiose. In: Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere Band 51, 2023, Nummer 6, S. 411–421, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}</ref> Vermutlich reicht schon die Aufnahme von 10 Zysten aus, um eine Erkrankung auszulösen. Erkrankte Tiere scheiden bis zu 107 Zysten pro Gramm Kot aus. Diese bleiben zum Teil auch in der Analregion im Fell kleben, so dass es auch zu einer ständigen Infektionswiederholung (Reinfektion) des gleichen Tieres beim Belecken kommt.

Die Zysten sind außerordentlich widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen. In kaltem Wasser können sie bis zu 3 Monate infektiös bleiben, im Kot etwa eine Woche.<ref name="Kanski" /> Nach Aufnahme über das Maul werden durch die Magensalzsäure ein oder zwei vegetative Formen (Trophozoiten) freigesetzt (exzystiert). Diese heften sich mit ihrer Bauchhaftscheibe an die Darmzellen des Zwölffinger- und vorderen Leerdarms. Trophozoiten, die in das Colon gelangen, bilden sich unter dem Einfluss des leicht alkalischen pH-Werts und der Gallensäuren wieder zu Zysten um (enzystieren).<ref name="Beck2014">Wieland Beck und Ruth Arndt: Parasitenprophylaxe bei Hund und Katze: Erregerbiologie, Klinik, Diagnose und Therapie bei Giardia spp. und Tritrichomonas foetus. In: Kleintierpraxis 59 (2014), S. 390–402.</ref> Die Präpatenz – der Zeitraum von der Infektion bis zur ersten Ausscheidung der Zysten – beträgt 4 bis 15 Tage.<ref name="Kanski" />

Die Anheftung der Trophozoiten in den Mikrovillisaum der Darmzellen führt zur Reizung der Zelloberfläche und löst Störungen der Nährstoffaufnahme im Darm (Malabsorption) aus. Dabei kommt es nicht zu einer direkten mechanischen Schädigung des Darmepithels, sondern zu komplexen Reaktionen. Die Aktivierung von CD8+-T-Lymphozyten führt zu einer Verkürzung der Mikrovilli. Darüber hinaus kommt es zur Verminderung der Aktivität der Zweifachzucker abbauenden Enzyme (Disaccharidasen), zu einer Hyperplasie der Darmkrypten, einer verstärkten Sekretion von Chlorid-Ionen, zu einer Erhöhung der Durchlässigkeit (Permeabilität) der Darmwand durch Aufbrechen der Zellkontakte, zu einer Steigerung des Zelluntergangs und zu einer Schädigung der Darmzellen durch eiweißspaltende Enzyme (Proteasen) und Lektine.

Zur Verbreitung der Erkrankung liegen nur wenig zuverlässige Daten vor. Die Angaben zur Häufigkeit bei Haushunden in aktuellen Studien schwanken zwischen 8 und 20 %, wobei die höheren Befallsraten auf vorselektiertem Material, also Kot von Hunden mit Durchfall, beruhen. Insgesamt scheint die Häufigkeit der Erkrankung in jüngerer Zeit zuzunehmen, was aber unter Umständen nur an den verbesserten Nachweisverfahren (siehe unten) liegt. Eine aktuelle deutsche Studie an Kotproben von 24.677 Hunden zeigte eine Befallshäufigkeit von 18,6 %, womit Giardia intestinalis der mit Abstand häufigste Endoparasit überhaupt war.<ref>Dieter Barutzki et al.: Infektionen mit Endoparasiten: Unverändert hohe Befallsraten bei Hunden und Katzen. In: Kleintiermedizin Nr. 5 2011, S. 235–239.</ref>

Klinisches Bild

Das klinische Bild variiert in Abhängigkeit vom Infektionsabwehrvermögen des Hundes und der krankheitsauslösenden Wirkung des beteiligten Giardienstamms. Unter Umständen bleibt die Infektion stumm, also ohne sichtbare klinische Symptome.

Erkrankte Hunde zeigen immer wieder auftretende Durchfälle, Fettkot, Malabsorption mit verringerter Gewichtszunahme beziehungsweise Abmagerung sowie Appetitlosigkeit. Der Kot ist zumeist weich und ungeformt, gelblich und faulig oder ranzig riechend. Gelegentlich kann er auch schleimig oder wässrig sein, als Zeichen der Malabsorption mit Gasblasen durchsetzt sein oder auch geringe Blutbeimengungen zeigen.

Diagnostik

Datei:Giardia-quicktest-positive.jpg
Koproantigentest, links Teststreifen mit positiver roter Bande und blauer Kontrollbande

Der Nachweis der Zysten im Kot mittels Direktausstrich, Flotations- oder MIFC-Verfahren (mittels Merthiolat-Formaldehyd und Lugol-Lösung) ist unsicher. Das liegt zum einen an der zyklischen Ausscheidung und zum anderen daran, dass die Zysten auch übersehen werden können, vor allem die durch das Flotationsverfahren deformierten Exemplare. Zysten sind 8–12 µm lang und 7–10 µm breit, unbeweglich und besitzen zwei bis vier Nuclei. In frischem Durchfallkot können auch Trophozoiten auftreten. Diese sind 12–18 µm lang und 10–12 µm breit, beweglich und besitzen zwei Nuclei und zwei Mediankörper. Der Zusatz von Iod-Lösung zur Anfärbung der Zysten oder Trophozoiten kann deren Nachweis erleichtern.<ref name="Beck2014" />

Modernere Verfahren sind der Koproantigentest, bei dem ein Giardien-spezifisches Antigen (GSA65) nachgewiesen wird, sowie der DNA-Erregernachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion. GSA65 ist ein 65 kDa großes Protein, das bei der Zweiteilung der Trophozoiten im Dünndarm freigesetzt und unverändert über den Kot ausgeschieden wird.<ref name="Beck2014" />

Bekämpfung

Eine Behandlung wird nur bei symptomatischer Infektion empfohlen. Aufgrund des zoonotischen Potentials kann eine Bekämpfung auch erwogen werden, wenn Risikopatienten wie Kleinstkinder oder Menschen mit Immunsuppression engen Kontakt zum Hund haben.<ref name="Kanski" /> Zur Behandlung der Giardiose werden Fenbendazol, Metronidazol oder Febantel eingesetzt, wobei Fenbendazol als Mittel der Wahl gilt, da es zu keiner Schädigung der Darmflora führt.<ref>M. A. Fujishiro et al.: Evaluation of the effects of anthelminthic administration on the fecal microbiome of helthy dogs with and without subclinical Giardia spp. and Cryptosporidium canis infections. In: PLoS One Band 15, Heft 2. doi:10.1371/journal.pone.0228145</ref> Werden mehrere Tiere gehalten, müssen sie mitbehandelt werden, auch wenn sie keine klinischen Symptome zeigen. Metronidazol hat auch einen Effekt auf die bakterielle Darmflora, so dass auch eine Kombination mit Fenbendazol sinnvoll sein kann.<ref name="Hinney">Barbara Hinney und Anja Joachim: Magen-Darm-Parasiten bei Hund und Katze. In: Kleintierpraxis 58 (2013), S. 256–278.</ref> Aufgrund des schädigenden Einflusses auf die Darmflora und der potentiell neurologischen Nebenwirkungen bereits im oberen therapeutischen Bereich sollte Metronidazol nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Febantel ist insbesondere in Kombination mit Pyrantel und Praziquantel wirksam, diese Kombination ist aber in der EU nicht zur Behandlung der Giardose zugelassen.<ref name="Kanski" /> Bei Therapieversagern können auch Albendazol (allerdings ist dieser Wirkstoff für Hunde potentiell knochenmarksschädigend)<ref name="Beck2014" /> oder Carnidazol<ref>Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check bei VetpharmVorlage:Abrufdatum</ref> eingesetzt werden. Führt die Behandlung nicht zu einem Nachlassen des Durchfalls, sind diätetistische Maßnahmen wie die Fütterung einer Monoprotein-Diät oder eines hydrolysierten Proteins sowie die Gabe von Prä- und Probiotika empfehlenswert, da dieser unter Umständen nicht mehr auf den Erreger zurückzuführen ist, sondern möglicherweise durch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung aufrechterhalten wird.<ref name="Kanski" />

Wichtig ist die konsequente Umgebungsbehandlung und Verhinderung der Umweltkontamination, um Reinfektionen oder Infektionen anderer Tiere oder des Menschen zu verhindern. Der Kot sollte täglich entfernt und in Plastiktüten über den Hausmüll entsorgt werden. Da der Giardiengenotyp A auch für den Menschen krankheitsauslösend ist, sollten infizierte Hunde von Spielplätzen und Sandkästen ferngehalten werden, eine Maßnahme, die auch zum Schutz von Kindern vor Hundespul- und Bandwürmern eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Auslaufflächen werden mit einem Dampfstrahler mit über 60 °C gereinigt und anschließend abtrocknen gelassen, feuchte Areale sollten trockengelegt werden. Gegenstände wie Spielzeug, Futter- und Trinknäpfe müssen täglich mit kochendem Wasser übergossen und anschließend gründlich abgetrocknet, Liegedecken so heiß wie möglich gewaschen werden. Zur Desinfektion eignen sich quartäre Ammoniumverbindungen.<ref name="Beck2014" /> Wenn möglich, sollten Futter- und Trinkgefäße vor Fliegen geschützt werden, da diese Giardien weiterverbreiten können. Zudem sollte das Fell befallener Hunde zu Beginn täglich shampooniert werden um die Zahl anhaftender Zysten zu reduzieren.

In den USA ist ein Impfstoff gegen die Giardiose verfügbar (GiardiaVax®).

Die Behandlung von Giardieninfektionen kann frustrierend sein. Ob Therapieversager durch ein Nichtansprechen auf die Wirkstoffe oder durch ständige Reinfektionen entstehen, lässt sich im Einzelfall kaum abklären.<ref name="Hinney" />

Zoonotische Bedeutung

Die Giardiose des Hundes wird von der WHO als Zoonose eingestuft. Wie groß die Ansteckungsgefahr für den Menschen ist, ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Nur bei etwa 2–7 % der Giardien-positiven Hunde wurde die Assemblage A nachgewiesen, die auch beim Menschen auftritt. Die übrigen Infektionen gehen auf die hundetypischen und nicht auf den Menschen übertragbaren Assemblage D und C zurück. Man geht davon aus, dass die tierartspezifischen Genotypen die zoonotischen unspezifischen unterdrücken („Konkurrenz-Ausschluss-Prinzip“), so dass der Genotyp A in der Regel nur vorübergehend bei Hunden auftritt.<ref name="Beck2014" />

Literatur

  • Dieter Barutzki et al.: Die Giardiose des Hundes – eine weit verbreitete Erkrankung. In: Kleintier Konkret S1 (2008), S. 17–23.
  • Peter F. Suter: Giardiasis (Lambliasis). In: Peter F. Suter und Hans G. Niemand (Hrsg.): Praktikum der Hundeklinik. 10. Auflage. Paul-Parey-Verlag, Stuttgart 2006, S. 717, ISBN 3-8304-4141-X

Weblinks

  • Anja Joachim, Heinrich Prosl: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20140310040000
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  }} (Veterinärmedizinische Universität Wien, Veterinärparasitologie Wien)

Einzelnachweise

<references />

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